Offener Brief an die Chefredaktion des SPIEGEL (Hamburg)

Als Leser des SPIEGEL seit meinem 16. Lebensjahr, also als jemand, der dadurch seit Jahrzehnten die Honorare für meine publizierenden Kolleginnen und Kollegen mitfinanziert, die dort zu Wort kommen,  freue ich mich stets auf die nächste Ausgabe.

Eine besondere, diesmal klammheimliche, Freude empfand ich beim Lesen der Titelgeschichte von Nr. 34/18. Denn der Schuß, den die Dame da abfeuerte, wird wohl kurz- bis mittelfristig sowohl für die Redaktion, als auch für die von ihr vertretene Lobby nach hinten losgehen – ein Brandbeschleuniger, der wohl als solcher durchaus geplant war?

Deshalb kann ich mich eines Kommentars nicht enthalten und gehe davon aus, daß im Kontext eines soliden Nachrichtenmagazins, das der Seriosität und der (soweit überhaupt möglichen) Objektivität in der Berichterstattung verpflichtet ist und einen entsprechend positiven Ruf genießt, auch diese meine Sicht der Dinge zumindest registriert wird – danke.

Fremdschämen

Zunächst schäme ich mich für die aus journalistisch-professioneller Sicht  stümperhafte Art, das Thema «Alternativ / Komplementärmedizin» anzugehen. Denn dem notwendigen Imperativ «audiatur et altera pars» wird darin nicht einmal ansatzweise Rechnung getragen, was jedoch eine Grundvoraussetzung jedweder glaubwürdigen Berichterstattung ist. Durch die von Frau Veronika Hackenbroch in diesem Artikel praktizierte «Schreibe» verkommt Journalismus wirklich zur «Journaille».

Die vom «Deutschen Presserat» 2014 für ihre damals vergleichbar traurige Art der Berichterstattung bereits gerügte Autorin bleibt sich also treu.

Seltsam ist auch die wohl dem Sommerloch geschuldete Kürze der Titelgeschichte. Läge Würze in der Kürze, wäre das erklärbar, so aber nicht.

Investigativer Journalismus ist ein zugegeben hartes Brot. Aber wie in jedem anderen Bereich der Publizistik steht die Frage nach der Redlichkeit der Motivation zu einer Recherche im Raum – wer so eindeutig wie die Autorin GEGEN das eine schreibt, aber den «altera pars» ausklammert, muß sich schon gefallen lassen, daß Leserinnen und Leser sich fragen, warum und in wessen Interesse und für welche Lobby da so aufgeheult wird.

Hackenbroch disqualifiziert sich damit eindeutig als ernst zu nehmende investigative Journalistin, wenn auf etwas draufgeschlagen wird, das im Artikel nicht solide analysiert wird, das ist meine Einschätzung.

158 Zeilen ( = ca. 40%!) ihres 394 Zeilen langen Kernbeitrags „Die macht der Heiler“  verwendet die Kollegin z.B. alleine darauf, auf die Homöopathie einzuschlagen – Pharmaindustrie, ich hör´ dir trapsen?!

Von Quantenphysik, Quantenbiologie, von Herren wie Planck, Einstein, Charon, Jordan usw. usw. und deren aus ihren Arbeiten gezogenen Konsequenzen für die moderne Medizin resp. der veränderten Sicht des menschlichen Körpers hat diese Dame wohl noch nie gehört, geschweige denn etwas gelesen.

Daß das, über was sie sich so süffisant mokiert, nämlich die «morphischen Felder», seit Jahrzehnten Gegenstand solider wissenschaftlicher Forschung und inzwischen (wenngleich unter den unterschiedlichsten Namen) als absolut existent anerkannt ist, übersteigt sowohl den Recherchezeitraum als wohl auch das Wissens- und Bildungsspektrum, das Frau Hackenbroch zur Verfügung stand, um den Artikel rasch rauszuhauen – «fake news», verdächtig nah am Lobbyismus, liebe Kollegin!

Mein Bezug zum Thema

Als Produzent des Hörbuchs «Der Leib als Instrument der Seele in Gesundheit und Krankheit» und als Autor des auf zwei Bände angelegten Buchs «Die medizinische Hintertreppe» habe ich in der von Frau Hackenbroch in einem mal-so-eben-rasch hingeschriebenen Rundumschlag beschriebenen Branche jahrzehntelang recherchiert. Eine Branche, zu der die Kollegin offensichtlich sehr kurzfristig und hauptsächlich über das Studium der Programme der Volkshochschulen, eines in den Ruhestand gezwungenen Professors (Edzard Ernst) und Beispielen dreier Damen Zugang fand, Damen, deren Aussagen übrigens (zufällig?) in das Beuteschema passen, das sich die Kollegin zurechtgelegt hat – „Alternativmedizin, nun bist du fällig!“.

Bei Prof. em. Ernst lag sie schon richtig mit ihrer Recherche, wenn sie jemanden suchte, der sich durch solide, jahrzehntelange Arbeit einen guten Namen machte und sich sogar mit Prinz Charles anlegte. Auch Frau Witt, die Inhaberin eines Lehrstuhls für Alternative Medizin, zu Wort kommen zu lassen. Aber eben: Nix «altera»!

Zur Sache

Interessant ist der mehrmalige Hinweis im Artikel, alternative Methoden in der Medizin würden „vom Steuerzahler“ finanziert. Das führt, was ja wohl gewollt ist, dazu, Herrn Pawlows Hunde geifern zu lassen, die das Vorzeigen des Knochens „..von meinem Steuergeld!“ zuverlässig aufheulen läßt.

Daß mit diesem auf Bildzeitungsniveau geschriebenen «sieben-auf-einen- Streich-Artikel» mal so nebenbei auch all jene diskreditiert werden, die sich z.B. bei den Krankenkassen seit Jahren redlich und wohl kaum als Lobbyisten der Pharmaindustrie verdächtige, in ihrem Intelligenzniveau der Autorin wohl nicht nachstehende Damen und Herren  bemühen, einer sanften Medizin statt einer Antibiotika, Chemotherapie und skalpellorientierten Medizin eine Chance zu geben, spielt für Madame «ich-sag-euch-was-wirklich-Sache-ist» keine Rolle – ich schreibe für den SPIEGEL, also bin ich!?

Wie sagte doch der gute alte Menschenschlächter Richelieu? „Gebt mir drei Sätze vom gerechtesten aller Menschen, und ich finde zehn Gründe darin, um ihn aufzuhängen“ – was er damals auch ausgiebig veranlaßte, so wie Frau Hackenbroch das offensichtlich mit allen in einen Topf Geworfenen vorhat, die nicht der Kaste der orthodoxen Medizin angehören. Daß selbige weißbekittlte Kaste Jahr für Jahr Hunderttausende von Menschen mit ihren nicht selten fragwürdigen Methoden „um die Ecke bringt“, darf nicht erwähnt werden.

Die Anhänger der Homöopathie verhielten sich wie Anhänger einer Sekte (…) werde die Heilslehre angegriffen (…) gehe es nie um die Sache, sondern nur darum, sich gemeinsam gegen die Kritik zu immunisieren“, zitiert die Autorin genüßlich Nathalie Grams.

Frau Grams ist eine durchaus ehrenwerte Persönlichkeit, die durch die Publikation immerhin zweier Bücher, eines davon mit dem Titel «Homöopathie neu gedacht» (das ich für meine Arbeit an meinem aktuellen Buch auch beizog, aber aus guten Gründen nicht zitierte) von Frau Hackenbroch im Artikel als „erfolgreiche Buchautorin“ bezeichnet wird. Grams zwei Bücher erschienen im SPRINGER Verlag – honi soit qui mal y pense (ein Schelm, der dabei Böses denkt)…

Daß die von Frau Hackenbroch offensichtlich als die einzig wahren weißen Ritter verteidigten Kräfte, die sich hinter dem nichtssagenden Terminus „wissenschaftlich anerkannt“ verschanzen, sich gegen «Heiler, Gurus und Scharlatane» (Untertitel der aktuellen Spiegel-Story), vor allem aber gegen die Homöopathie, wehren müssen, ist das eigentliche Anliegen der Autorin: «Professionell» ist dagegen eine klassische Schmerzklinik, die von Dame drei aufgesucht wurde. Alles andere … igitt…!

„Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“ schrieb der berühmte Mediziner Friedmann an Carl Ludwig Schleich, nachdem dieser von der ehrenwerten Berliner Medizinergesellschaft des Saales verwiesen wurde, als er seine heute international anerkannte und genutzte Infiltrationsanästhesie vorstellte.

Wer sich Journalistin nennt, sollte sich entweder schämen, einen so einseitig recherchierten, reißerischen Artikel geschrieben zu haben, oder aber einfach die Berufsbezeichnung von Journalistin in Lobbyistin ändern – am besten wohl beides.

Frau Hackenbroch ist die Lektüre des Buchs „Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen“ aus der Feder des Kardiologen und seit Jahrzehnten international anerkannten medizinkritschen Autors Vernon Coleman zu empfehlen (er publizierte nicht über den SPRINGER-Verlag).

Wenn die ehrenwerte Kollegin Hackenbroch genüßlich „die Leiden der jungen Grams“ auflistet, die solche des jungen Werther eindeutig in den Schatten stellen, liste ich in meinen beiden Büchern genüßlich die Leiden der jungen Ärztinnen und Ärzte  auf, die von der Pharmalobby und ihrer eigenen Ärztemafia erpreßt, gedemütigt und bedrängt werden, sollten sie es auch nur ansatzweise wagen, anderes zu praktizieren, als das, was die GOÄ so vorschreibt. Die Causa Harms erscheint in Frau Hackenbrochs Artikel eher als (un)heimliche Buchpromotion..

Ach, so nebenbei: Auf Seite 58 ff in der gleichen Ausgabe des SPIEGEL ist unter dem Titel „Täuschen betrügen, lügen“ ein Interview mit Thilo Bode zu lesen, der offen darüber spricht, wie Konzerne (unter anderem eben auch die Chemie- und Pharmakonzerne) unser Leben steuern – in der Redaktionskonferenz hätte das vielleicht vorher abgestimmt werden sollen?

Nur: Dazu hätte Frau Hackenbroch sich mal mit der vorerwähnten «altera pars» beschäftigen müssen. Was aber solider Lese-, Recherche- und (Nach)Denkarbeit bedurft hätte. Aber man bringt es offensichtlich auch auf die Titelseite eines renommierten Blatts, ohne seriös zu arbeiten – quod erat demonstrandum…!

Hackenbrochs Teufel im Detail

Wer nicht nur polemisiert so wie Frau Hackenbroch und wer nicht nur auf bei Primitiven ach so trumpmäßig-beliebtes populistisches Dreinschlagen aus ist, wird, so wie ich, bei meinen immer noch andauernden Recherchen, sehr schnell konstatieren müssen, daß sich mehr und mehr Damen und Herren der vorherrschenden Medizinerklasse bewußt sind, daß wir uns sowohl mit unserem Gesundheitssystem, als auch mit den angewandten Therapien in einer Sackgasse befinden.

Zudem wage ich zu behaupten, daß meine in Jahrzehnten gewachsene Kompetenz zur Thematik mit der der verehrten Kollegin durchaus mithalten kann. Deshalb, verehrte Frau Kollegin, erlaube ich mir, fortzufahren:

Wenn Herr Prof. Dr. Dr. Giovanni Maio, als Mitglied diverser Ethikkommissionen, Inhaber des Lehrstuhls für Ethik und Geschichte der Medizin in Freiburg i.B.  und u.a. Berater der deutschen Bischofskonferenz, sich offen darüber äußert, wie korrumpiert das momentane System unseres bundesdeutschen Medizinwesens gerade durch die Kräfte sind, die um ihre Pfründe fürchten, weil sie Gestriges ins Morgen fortschreiben und wenn dabei die Pharmaindustrie als Verleumderin neuer Therapien an vorderster Front genannt wird, hätte das Kollegin Hackenbroch – würde sie professionell und unvoreingenommen arbeiten – auch dies erwähnen müssen – https://www.youtube.com/watch?v=ZqsmQ_bBMU4

Was für eine Gelegenheit wäre das gewesen, für ein so renommiertes Presseorgan wie den SPIEGEL einen solide recherchierten Artikel zu schreiben, der offenbart, wie sehr Tausende seriöser Ärztinnen und Ärzte, Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker darum ringen, Antworten zu finden, warum wir mit der Apparatemedizin am Ende sind und welche Chancen uns das bietet, was immer noch abschätzend als Alternative bezeichnet wird, aber vielleicht die Medizin von morgen entscheidend prägt!

Statt dessen wurde die Chance verpaßt aufzuzeigen, wie sehr unsere täglich an der Front der Medizin arbeitenden Menschen es satt sind, Kranke als «Fälle», als Nummern betrachten zu müssen, die Zeit für ein Gespräch nicht honoriert zu bekommen etc.

Wenn die Autorin des (wirklich absolut verunglückten) Artikels sich so weit aus dem Fenster lehnt zu behaupten: „Wenn überhaupt, haben die homöopathischen Zauberkügelchen einen Placeboeffekt. Abgesehen davon sind sie vollkommen unwirksam – alles ein großer Bluff“, muß sie sich entweder ihrer Sache sehr sicher sein oder aber sehr gut versichert oder aber die Rückendeckung der Chefredaktion des SPIEGEL genießen, um die hoffentlich eingereichten Klagen der betroffenen Produzenten der in aller Regel mit Empathie und Know how hergestellten Medikamenten so zu verunglimpfen.

Wenn die Kollegin in ihrem Artikel schreibt, der Ehemann ihrer Vorzeigefrau Aust, ein Ingenieur, hätte vorgerechnet, daß in der seiner Frau verabreichten Substanz „…ja gar nichts drin“ sei, erinnert das an den renommierten Virchow, der meinte, er hätte schon soviel Leichen seziert, aber auf eine Seele sei er noch nie gestoßen.

Aber genau das ist ja die Pointe bei der Homöopathie: Das Seelische zu erreichen. Und das findet sich eben in einem Bereich, der jenseits der «Loschmidt-Konstante» (6,06•1023),, liegt, die angibt wieviele Moleküle in einem Stoff enthalten sind (1 Mol ist das Molekulargewicht des jeweiligen Stoffes). Verdünnt man den Ausgangsstoff einer homöopathischen Substanz über die Potenz 23 hinaus, dann ist nicht mehr in jedem Mol der betreffenden verdünnten Lösung ein Molekül der Ausgangssubstanz enthalten. In höheren Potenzen verschwindet sie als materieller Stoff praktisch aus dem Medikament – das ist das ganze Geheimnis, denn sie verschwindet als materieller Stoff, aber wirkt als seelischer Wirkstoff auf das Seelische, was einem Ingenieur aber wohl schwer zu erklären ist.

Kollegin Hackenbroch wäre gut beraten zu erkennen, daß in der Geschichte der Medizin (mit der sie sich offensichtlich nie beschäftigt hat) stets gelogen und betrogen wurde, so wie in jedem anderen Lebensbereich auch.

Im Glashaus sitzende Pharmakonzerne ebenso wie ärztliche Vereinigungen aller Art sollten aber heutzutage aufpassen: So wie der Dieselskandal aufflog, wird auch das moderne System der kommerziellen Ausbeutung gutgläubiger Patienten durch Krankenhaus- und Pharmakonzerne durch Whistleblower, die auspacken darüber, was sich wirklich hinter den Kulissen des Gesundheitssystems abspielt, bald in sich zusammenstürzen.

Erbärmlich, Frau Kollegin, ist es, Steine  auf schwarze Schafe in der Branche der neu entstehenden Medizin zu werfen, während die von Ihnen offensichtlich verteidigte Klientel im Glashaus der ihre Pfründe verteidigenden Lobby sitzt.

„Die Medizin hat im 20. Jahrhundert den Geist aus sich vertrieben! (…) Es wird höchste Zeit, daß sie ihn wieder hereinbittet“, sagte Thure von Uexküll in einem Vortrag 1996 vor der Hamburger Ärztekammer. Das hätte, wenn Kollegin Hackenbroch Lesen, Studieren, Recherchieren, objektiv Schlußfolgern angewendet hätte, der Tenor des Beitrags sein können.

Ganz und gar als sowohl halbgebildet als auch unseriös outet sich die Kollegin mit dem krampfhaften Versuch, das ins Lächerliche zu ziehen, was vor allem in Asien seit Jahrhunderten gang und gäbe ist: Die Kenntnis von den Energieflüssen im menschlichen Körper und der Einsatz der Akupunktur (mit der chinesische Ärzte sogar so gekonnt betäuben, daß Narkosemittel selbst bei Operationen am geöffneten Brustkorb reibungslos erfolgen können … aber dazu müßte man halt mal Quellen studieren, Frau Hackenbroch).

Was für eine herrliche Empörung: „Die Ergebnisse (Anm.: Der Untersuchungen des Kursangebotes von rund 350 Volkshochschulen aufgrund einer von Prof. em. Ernst vorgelegten Liste) könnten jeden erschrecken, der sich den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlt“ – zu diesen Werten, verehrte Frau Kollegin, zählt aber auch die Erkenntnis, daß eine solide Wissenschaft und Erkenntnissuche dort ansetzt, wo eine alte Theorie nicht mit neuen Erkenntnissen übereinstimmt und wo die normative Kraft des Faktischen (neuer oder wiederentdeckter Methoden) das, was nicht sein darf nach offizieller Schulmedizin, rechts überholt.

Daß unsere zentraleuropäische Medizin bis hinein ins frühe 20. Jahrhundert alles andere als eine erfolgsgepflasterte Straße war, sondern eher ein für Patienten lebensgefährlicher, qualvoller Roßkurenweg, während Asien bereits seit mehr als einem Jahrtausend den Menschen als ein beseeltes, energiedurchflutetes Wesen im Zentrum der Medizin sah, drang zur Autorin offensichtlich nicht durch. Sollte Frau Hackenbroch ihr eigenes Magazin lesen, erinnere ich an die Buchbesprechung in der vorletzten Ausgabe über die hygienischen Zustände in europäischen Kliniken („Als die Medizin noch Horror war“) -eurozentrische Überlegenheit? Pustekuchen…

Und wenn Rußland erwähnt wird: Es ist im Tenor eher umgekehrt der Fall. Es waren die Sowjets, die unvoreingenommen die Kirlian-Fotografie (Aurafotografie) bereits in den 1970ern zu medizinischen Zwecken nutzten und keinerlei Berührungsängste mit dem haben, was für die Kollegin Hackenbroch «Hokuspokus» ist – ich empfehle ihr das Buch «PSI in der Sowjetunion» von Gris/Dick, seit ca. 40 Jahren in meiner Bibliothek und eine hochspannende Lektüre für alle, die wirklich wissen wollen, statt Lobbyarbeit für die Nicht-wissen-wollenden zu betreiben.

Aber eben – all das zu recherchieren, wäre mit Arbeit, mit Analysefähigkeit und vor allem einer gehörigen Portion Sachverstand z.B. in Sachen moderner Quantenphysik etc. verbunden gewesen.

Eine verpaßte Gelegenheit, Blaise Pascals Vorschlag zu folgen: „Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm zusammen in einer höheren Wahrheit zu finden.“. Da die «höhere Wahrheit» jedoch nicht so profitabel ist wie die Verordnung eines neuen Medikaments, bleiben wir, zusammen mit Frau Hackenbroch, eben lieber in einer niederen Wahrheit?

 „Die Art, wie der Geist mit dem Leib zusammenhängt, können die Menschen nicht begreifen, und doch ist es dies, was den Menschen ausmacht“ schrieb Augustinus (Civ. Die XXI, 10).

Eine Spur mehr Geist, Frau Hackenbroch, beim nächsten Artikel, wie wäre das? Oder einfach das Schwerpunktthema wechseln und über etwas berichten, von dem Sie etwas verstehen?

Bertrand Russel meinte: „Das Schlimme ist: Die Dummen sind sich ihrer Sache immer so sicher und die Gescheiten voller Zweifel!“. Anzweifeln, ehrlich hinterfragen, eintauchen in eine Materie, das bedeutet guter Journalismus.

Aber bei der Kollegin paßt wohl eher Kurt Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann – umgekehrt ist der Fall schon schwieriger.“

Ihre Replik werde ich ebenso offen publizieren wie diesen offenen Brief, Frau Kollegin, verehrte Spiegel-Redaktion – nun schlagt mal auf mich ein oder, viel klüger, ignoriert mich…

Hugh Lorenz, 20.8.2018