Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (2)

Im ersten Aufsatz dieser Reihe wurde die Tatsache beschrieben, daß sich das Verständnis von Materie und damit auch die Vorstellung, die wir uns vom menschlichen Körper machen und dann in der Folge wiederum die Definition von Gesundheit und Krankheit so entscheidend verändert haben, daß durchaus von einem Paradigmenwechsel in der Medizin gesprochen werden darf.

Wenn wir also von der auf diesen Erkenntnissen aufbauenden, naheliegenden Hypothese ausgehen, daß der menschliche Körper (und vielleicht auch der tierische?) lediglich als eine Art Resonanzboden gesehen werden kann, über den welche Kräfte auch immer wie auf einer Geige ihre Melodie spielen, stehen wir vor der eigentlichen Herausforderung herauszufinden, was das denn genau ist, was den Körper, den «Leib» zum Schwingen bringt, ihn als Instrument nutzt, um vielleicht sogar Melodien darauf zu spielen, die zu hören wir bisher noch gar nicht gelernt haben?

Daß die heute noch vorwiegend das Feld beherrschende Sichtweise von Krankheit inzwischen unter Medizinern vermehrt auch „seelische“ Einflüsse als Ursachen für körperliche Beschwerden einräumt, ist übrigens kein Verdienst der orthodoxen Medizin: Es bedurfte erst eines Sigmund Freud und der Begründung der Psychoanalyse und damit einer akademisch aufgestellten Wissenschaft, die sich «Psychologie» nennt, um die Medizinerklasse kräftig aufzumischen.

Ungewöhnliche Verhaltensweisen im Verein mit körperlichen Anomalitäten beobachtet die Menschheit zwar seit eh und je – der gelegentlich von Krämpfen geschüttelte «Irre» (z.B. «Veitstanz» / Epilepsia saltatoria) gehörte im Mittelalter nicht selten zum Stadtbild-, war Teil des Weltbildes: „Die Welt ist eben so“, daß es, neben all den sogenannten «Normalen», auch Narren, Verrückte (ver – rückt = weggerückt vom Normalen, Anm. d. V.) gab und gibt.

Als Kranke im heutigen Sinne wurden sie nicht eingestuft, geschweige denn wurde versucht, sie zu «Normalen» zu therapieren. Körperliche Verhaltensmuster als Reaktionen auf seelische Verfaßtheiten, wie sie zum Beispiel die Katatonie darstellt, zu sehen, kam kaum jemandem in den Sinn.

Seit dem späten 18., intensiv im 19. Jahrhundert, werden sie jedoch erstmals als Krankheiten dokumentiert, zum Beispiel die eben erwähnte Katatonie, eine krampfhafte Anspannung, die den ganzen Körper erfaßt, nicht zu verwechseln mit der Epilepsie. Neben Anderen war es das Verdienst des «Irrenarztes» Dr. Karl-Ludwig Kahlbaum, psychische Erkrankungen präzise zu definieren, vor allem die erwähnte Katatonie und die von ihm so benannte «Hebephrenie».

Dieser Exkurs sollte jedoch nur zu einer Erkenntnis führen, die uns mitten ins Zentrum der Fragestellungen zur Funktion des Körperlichen als Ausdruck des Seelischen führt und die Wilhelm Reich so auf den Punkt brachte: „(…) prägte sich mir die Tatsache ein, daß ein psychisches Erlebnis einen körperlichen Erregungszustand herbeiführen kann, der das Organ dauerhaft verändert“.[1])

Zwischenbemerkung

Wir sollten uns bei diesen Betrachtungen stets bewußt sein, daß es eigentlich eine Anmaßung ist, vom «Menschen» per se zu sprechen! Denn eine alte Lebensweisheit besagt, daß „nichts so gleich ist wie die Ungleichheit der Menschen.
Für den Anatomen mag sich der leblose Körper einer Afrikanerin nicht von dem einer ebenso toten Mongolin, der Verdauungstrakt eines Kaukasiers nicht von dem eines Aborigines unterscheiden.
Was jedoch unser sogenanntes Seelenleben, unser Wahrnehmungs- und Ausdrucksspektrum, unsere Emotionen und so weiter betrifft, liegen nicht selten Welten zwischen den Angehörigen der unterschiedlichsten Kulturen.

Zwar ist die Anthropologie längst vom Rassebegriff des 19. Jahrhunderts abgerückt, der seine Perversion im Deutschland der 1930er erfuhr. Aber die Erkenntnisse der Kulturen übergreifenden Psychologie legen sinnvollerweise eher eine Einteilung in sogenannte «Kulturkreise» nahe, ganz im Sinne der (wohl zu Unrecht!) als überholt bezeichneten Arbeiten Oswald Spenglers:

„Wenn Plato vom Menschen redet, so meint er den Hellenen im Gegensatz zum Barbaren (…) was (Kant) an notwendigen Forderungen des Denkens feststellt, sind doch nur die Formen abendländischen Denkens (…) das ist es, was dem abendländischen Denker fehlt und gerade ihm nicht fehlen sollte: die Einsicht in den historisch-relativen Charakter seiner Ergebnisse, die selbst Ausdruck eines einzelnen und nur dieses einen Daseins sind, das notwendige Wissen um die Grenzen ihrer Gültigkeit, die Überzeugung, daß seine „unumstößlichen Wahrheiten“ und seine „ewigen Einsichten“ eben nur für ihn wahr und in seinem Weltaspekt ewig sind und daß es Pflicht ist, darüber hinaus nach denen zu suchen, die der Mensch anderer Kulturen mit derselben Gewißheit aus sich heraus entwickelt hat (…) Allgemeingültigkeit ist immer der Fehlschluß von sich auf andere. [2])

Das dreibändige «Handbook of Cross-Cultural-Psychology» deutet dies z.B. im Vorwort zum dritten Band folgendermaßen an: „Eine der wichtigsten Fakten über die Psychologie ist, daß die meisten der Psychologen, die jemals gelebt haben und die jetzt leben, in den Vereinigten Staaten gefunden werden. (….) Außerdem ist die Psychologie als Wissenschaft überwältigend eindeutig als Produkt deutscher, französischer, britischer, russischer und nordamerikanischer Bemühungen und damit als ein rein europäisches Unterfangen zu betrachten. (….) Die Datensammlung (der kulturübergreifenden Psychologie) schließt die große Mehrheit der Menschen aus, die in Asien und der südlichen Hemisphäre leben. (…) Sind (psychologische) Theorien also lediglich parochiale Verallgemeinerungen, die auf ethnozentrischen Wirklichkeitskonstruktionen basieren?“ [3])

Und Hans Kilian schreibt in seinem Essay «Das Grundmodell der Verhaltensforschung»:
„In unserer Denktradition bedeutet Wahrheit nämlich immer absolute Wahrheit, ewige Wahrheit, abstrakt formulierbare Wahrheit. Wahrheiten, die wechseln, sind in dieser Sicht eben nur relativ und damit nicht verbindlich (…) Es gibt nicht nur abstrakte und ewige Wahrheiten, sondern es gibt auch konkrete Wahrheiten, die die Wahrheiten einer begrenzten Wirklichkeit sind (…) Wir müssen uns klar machen, daß es gerade das Festhalten an einem absoluten (…) linearen Wahrheitsbegriff ist, welches uns in Resignation, Relativismus und Zynismus stürzt.“ [4])

Bewußtheit und Bewußtsein

Beschränken wir uns also bei unseren weiteren Betrachtungen auf den zentraleuropäischen Menschen, um den Forschungsbereich einzugrenzen. So oder so kommen wir jedoch nicht darum herum, uns mit dem Einfluß des individuellen Bewußtseins und der möglichen, ja sogar höchstwahrscheinlichen kollektiven Bewußtheit zu beschäftigen, wenn wir einen an was auch immer körperlich erkrankten Menschen unseres Kulturkreises betrachten [5]).

Unsere Alltagssprache enthält den Bewußtseinsbegriff auf vielfältige Weise: Ein Bewußtsein für etwas entwickeln, sich einer Sache bewußt sein, etwas bewußt und gewollt tun, ein bewußtes Herbeiführen von etwas usw.

Es ist das Verdienst des grandiosen Kulturphilosophen Jean Gebser, durch die Verbindung von Intuition, Empathie und einer unglaublichen Fülle an empirischen Wissen ein belastbares Schema an menschlichen Bewußtseinsformen entworfen zu haben. Er prägte in diesem Kontext in seinem Hauptwerk «Ursprung und Gegenwart» [6]) den Begriff der «Bewußtseinsmutationen».

Interessant ist dabei die von ihm beobachtete Parallele zur individuellen, menschlichen Entwicklung. Die archaische, die magische, die mythische und die mentale Phase der Kulturen spiegeln sich, in Gebsers Werken auf eine stringente Weise dargelegt, im individuellen Wesen: Der Säugling in der archaischen, das Kleinkind in der magischen, Pubertierende in der mythischen [7]) und erwachende Erwachsene in der reflektierten, „mental“ (von mens = messen, Anm. d. V.) gesteuerten Bewußtseinsstruktur zeigen all jene Merkmale, die auch heute, bei einer Gleichzeitigkeit aller Bewußtseinsstrukturen auf der Erde, zu beobachten sind.

Denn der Ursprung ist auch immer Gegenwart (im Gebserschen Sinne), der sogenannte Erwachsene findet in sich auch immer wieder „das Kind im Manne“, dumpf-magische Reaktionen sind beim hochintellektuellen Professor, der nachts in der Disco «abtanzt» und sich „so richtig gehen läßt“, durchaus stets präsenter Teil der Persönlichkeit. [8])

Details hierzu würden hier zu weit führen, empfohlen wird die Zusammenfassung des Gebserschen Modells im Aufsatz „Abendländische Wandlung“ [9]) mit einer herausragenden Analyse von Physik, Biologie und Psychologie des 20. Jahrhunderts im Lichte der Bewußtseinsformen.

In Hinblick auf medizinische Aspekte sollten wir das Augenmerk jedoch auf folgendes lenken: Die Frage nach der jeweiligen, individuellen Bewußtheit einer „erkrankten“ Person, sozusagen nach ihrem „Bewußtheitsstatus“, könnte in der Kommunikation zwischen Therapeutin / Therapeuten und Hilfesuchenden eine Rolle spielen:

Sitzt die helfende Person – überspitzt formuliert – einem «Kind» (magisch-mythisch) gegenüber oder einem das magisch-mythische in sich verdrängenden, kopfgesteuerten, «mentalen Bewußtsein», das die anderen, stets latent in ihr schlummernden Bewußtseinsformen, verdrängt? (Übrigens ein weiterer, möglicher Grund für kognitive Dissonanzen, die ihrerseits zu körperlichen Beschwerden führen können)

Es scheint, als haben wir auch in diesem Bereich erst den Fuß in der Tür zum Palast des Menschseins: Fragen wie «was ist das Ich», «gibt es so etwas wie ein generelles Bewußtsein» und – zum Themenkomplex der Medizin – «inwieweit steht das individuelle Bewußtsein in Resonanz mit einem kosmischen Bewußtsein», wollen beantwortet werden.

In diesem Zusammenhang wäre es ein Versäumnis, nicht auf die Rolle des «Nervus Sympathikus» einzugehen. Carl Ludwig Schleich bezeichnet ihn als „(…) die erste Inkarnation der Seele, die Idea praeformans plastica in Platons Ideenlehre“. [10]). Seine Basis hat er als das «Sonnengeflecht» unter dem Zwerchfell, und gibt er auf seinem Weg entlang der Wirbelsäule bis zum Gehirn „Weisungen, Ahnungen, Spannungen, die der Verstand nicht geben kann, er ist auch imstande, den Willen und die Richtungen des Alls, den den Rhythmus der Welt auf den Körper zu übertragen; alle Urempfindungen, Klimawechsel, ja Boden- und Schollengefühl (…) Glück oder Nichtglück sind gebunden an die Funktion dieses dritten Gehirns, des Ganglienhimmels des Sympathikus, der mit seinen feien Filigranadern ein wunderbares Netz um um jedes einzelne Organ vom Innenleibe her spinnt.“ [11]).

Es ist über die Maßen verwunderlich, wie wenig dieser zentrale Steuermann in der modernen Medizin Beachtung findet: In Gesprächen mit modernen Medizinern verblüfft nicht selten sogar die Unwissenheit über die Bedeutung dieses Nervenstrangs, der übrigens im Bereich der Wirbelsäule an die Kundalini fernöstlicher Lehren erinnert:

„Nicht nur das Gehirn wird im tiefsten umrankt und durchrieselt von diesem Sympathicusgezweige, sondern alle Nerven, alle Muskeln, alle Drüsen, ja jede einzelne Zelle enthält etwas von diesen Fädchen, den Ausläufern solchen geheimen, goldenen Räderwerks, das gespeist wird von dem Strom der darinnen flutenden unsichtbaren Seele.“

Daß wir nachts nicht aus dem Bett fallen, daß auch unter Narkose alle unsere Organe ordnungsgemäß funktionieren und daß das Orchester unseres Gesamtorganismus tagaus, tagein, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr und nonstop jahrzehntelang sein harmonisches Konzert spielt, ist dem Sympathikus zu verdanken, dieser Nabelschnur zur Weltseele, die in einem wieder erwachten, tieferen Verständnis der metaphysischen Beheimatung des Menschen und seiner Einbettung in ein höheres Bewußtsein wieder eine zentrale Rolle spielen sollte.

Die Bewußtseinsforschung  dürfte unser Verständnis der «Leib-Seele-Kosmos-Verbindung» vielleicht sogar revolutionieren, folgen wir der Vermutung von Amit Goswani: „Die modernen Paradoxien der Wissenschaft lassen sich lösen – wenn man annimmt, daß das Universum nicht aus Materie, sondern aus Bewußtsein besteht.“ [12])

Ist Tabu Nummer 1 der Krankmacher Nummer 1?

„Zählen wir zum sexuellen Untergrund auch den gesamten Bereich der latenten Sexualität, die in Phantasien, Bedürfnissen, Sehnsüchten steckenbleibt und nicht zur Handlung kommt, so dürfte sich im psychosozialen Intimgefüge unserer derzeitigen Gesellschaft der anerkannte Teil der Sexualität zum Untergrund verhalten wie der sichtbare Teil eines Eisbergs zum unsichtbaren. Es gab in der bisherigen Geistesgeschichte wenige Menschen, die sich auf diese Tatsache einließen. Und wenn doch einer das Schweigen brach, so mußte er diesen Frevel gleich wieder gutmachen wie Freud mit seiner anpaßlerischen Sublimierungstheorie, oder er wurde für verrückt erklärt wie Wilhelm Reich. Es gibt kein Thema, das unter den Gebildeten unserer Zeit mehr verdrängt, verleugnet, versteckt wird wie der eigene sexuelle Untergrund“, schrieb Dieter Duhm. [13]).

Arno Plack bringt das geradezu anerzogene Lügen im Bereich der Verdrängung von Sexualität so auf den Punkt: „(…) Gesetzt wir lebten in einer Kultur, in der namentlich die Sexualität in einer Weise reglementiert wird, daß ihr, bei Strafe sozialer Diskriminierung, das Ziel erlaubten Begehrens streng vorgegeben wird – müßte da nicht der Einzelne versuchen, so gut es nur geht, sich heimlich die ersehnten Lüste zu verschaffen, und ängstlich besorgt sein, seine «Intimsphäre» zu verbergen (…) Gewiß, man kann mit Sexualunterdrückung nicht kurzschlüssig jedes soziale Phänomen und jede psychische Störung erklären. Aber in einer Kultur, in der Moral und Sexualmoral, Sittlichkeit und Enthaltsamkeit weithin als gleichbedeutend gelten, läßt sich vieles davon ableiten.“ [14])

Wir haben diesen Aspekt aufgegriffen, weil verblüffenderweise der Themenkreis «Sexualität / gelebte Sexualität / krankmachende verdrängte Sexualität» nur bei sehr wenigen Vertretern eines neuen Verständnisses von Menschsein, Gesundheit und Krankheit erwähnt wird – wer bricht schon gerne ein zweites Tabu, wenn schon der erste, eigene, «esoterische« Ansatz Tabus bricht?!

In diese Thematik einzutauchen, sprengt allerdings den Rahmen dieser Arbeit. Nachvollziehbar ist jedoch: Der klassischen Medizin kann (und darf?) gar nicht in den Sinn kommen, bei organischen Beschwerden die Frage nach der Orgasmusfähigkeit, nach dem Sexualleben der oder des Erkrankten zu fragen!

Auch hier soll der Verweis auf Wilhelm Reichs Erkenntnisse, zum Beispiel bei der Formulierung des Begriffs «Charakterpanzer» und seine Beispiele von verhärteten Bauchdecken (solar plexus?) u.v.a. genügen. [15])

„Ach, das ist ein altes Kriegsleiden!“

Als wäre die Auswahl an möglichen Ursachen für körperliche Beschwerden nicht schon groß genug, erweitern die verblüffenden Erkenntnisse vor allem aus der Aurachirurgie das Terrain – was aus seriösen Rückführungen bekannt ist, scheint sich nämlich durch erfahrene Therapeuten als auch in der Aura manifestiert „aufspüren“ zu lassen: Die Erlebnisse aus früheren Inkarnationen manifestieren sich auf die eine oder andere Weise in der jeweiligen jetzigen Inkarnation. [16])

Das große Geschäft mit Rückführungen und dem Aufspüren von «Engrammen» machte und macht eine der gefährlichsten Sekten weltweit: «Scientology», eine Lehre mit einer gefährlich-verführerischen, eklektizistischen Mixtur aus Psychoanalyse und Science fiction – ein, wenn nicht DAS, warnendste Beispiel dafür, wie das neue Welt- und Menschenbild , wenn entsprechend aufbereitet, Menschen in die immergleiche Falle der Manipulation führen kann, wenn dieses tiefe Wissen um unsere Existenz nicht sachlich, objektiv und seriös vermittelt wird – Hände weg von Trickbetrügern wie dieser dubiosen Bewegung!

So erweist sich die Frage nach durch in verschiedenen Inkarnationen wiederkehrenden „alten Kriegsleiden“ als ein weiteres Gebiet der Forschung für ein neues Verständnis von Gesundheit und Krankheit: Das, was wir Seele nennen, bleibt offensichtlich auch nach dem Tode erhalten und (re)inkarniert sich [17]) – „drückt sich“ – erneut in einem anderen Körper aus, offensichtlich auch mit schmerzhaften Erinnerungen aller Art im Gepäck!

Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang auf eine der Arbeiten von Carl Ludwig Schleich zum Thema Unsterblichkeit hinzuweisen, die ich, zusammengefaßt, als Hörbuch publizierte, das Sie natürlich nicht kaufen müssen, wenn Sie nicht unbedingt wollen…. [18])

Legen wir dieses – zugegeben auf unserem jetzigen, monokausalen und linearen Denken fußende – Modell zugrunde, das da heißt, Emotionen, Erfahrungen aus einer spezifischen Inkarnation spiegeln sich in einer anderen Inkarnation, stehen Krankheitsbilder plötzlich in einem anderen Kontext (s. Rudolf Steiner und Gerhard Klügel, Teil 1 des Essays).

In diesem Zusammenhang muß unbedingt auf die wertvolle Arbeit des ehrenwerten Rabbi Yonassan Gershom, Theologe und chassidischer Geschichtenerzähler, hingewiesen werden, der einen tiefen Einblick in den Umgang des Judentums mit dem Thema Wiedergeburt gewährt und während fünfzehn Jahren Gespräche mit Menschen führte, die, obwohl nach dem 2. Weltkrieg geboren, von Erinnerungen an Erlebnisse aus ihrer jüdischen Vergangenheit in der Hitlerzeit geplagt werden – ein höchst solider Beitrag und Beleg für die tiefe Verwurzelung der Lehre von der Seelenwanderung nicht nur in den fernöstlichen Religionen. [19])

Dieser Themenkomplex wäre nicht mehr als eine interessante Beobachtung, würden diese Einflüsse aus früheren Existenzen nicht tatsächlich zu Krankheitsbildern im jetzigen Leben führen – und mit genau dem beschäftigen wir uns in diesen drei Essays.

Zweite Zwischenbilanz

Im ersten Hafen, den wir ansteuerten, luden wir Erkenntnisse über die Tatsache der unausweichlichen Einbettung eines veränderten Verständnisse von Medizin, Krankheit und Gesundheit in ein sich revolutionär wandelndes Weltbild in unseren Frachtraum.

Im zweiten Hafen packten wir soeben noch einige Container obendrauf: Vorbei mit jahrhundertelang vermuteter, eindeutiger Monokausalität von körperlichen Symptomen!

Da bereits im ersten Hafen die Sache auf den Kopf gestellt wurde und der sichtbare Körper mit seinen krankhaft erscheinenden Symptomen als so eigentlich gar nicht vorhanden entlarvt wurde, offenbart sich nun eine illustre Palette von durch verantwortliche Therapeutinnen und Therapeuten von morgen zu analysierenden, möglichen Ursachen von Erscheinungen, die von Betroffenen als belastend empfunden werden (als schmerzend, als krank etc.).

Stochert die Medizin von heute wie Blinde im Nebel?

Was schon jetzt gesagt werden kann ist, daß die Medizin der Zukunft einer Generation von Frauen und Männern bedarf, die aus dem Gefängnis ausbrechen, das wir im ersten Essay durch den renommierten Mediziner Friedmann so formuliert fanden:

„Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“

Für das 21. Jahrhundert und die deutsche Medizin bringt es ein Artikel in der «SÜDDEUTSCHE Zeitung» vom 13. März 2018 so auf den Punkt:

„Zu viele Operationen, zu häufige Untersuchungen – das könnte ein Grund dafür sein, daß es den Menschen in Deutschland schlechter geht als in anderen Ländern (mit Ausnahme der USA), die von der Bevölkerungsstruktur und der Krankheitshäufigkeit weitgehend vergleichbar sind. Zudem sind die Menschen in Deutschland mehr als doppelt so oft beim Arzt wie die Schweden, Dänen und Schweizer, die jedoch trotzdem – oder deshalb? – länger leben und gesund bleiben.
Überhöhte Preise, unsinnige Behandlungen, falsche Anreize – der 2017 gestorbene Gesundheitsökonom Uwe Reinhardt hat immer wieder vor Ungerechtigkeiten und Auswüchsen des Systems gewarnt. Er sah mit Sorge die Folgen einer Medizin, die nicht die Bedürfnisse der Patienten, sondern die Verlockungen des Marktes in den Mittelpunkt rückt
.“

________________________________________ilian

[1]) Wilhelm Reich, in: Die Entdeckung des Orgons / Die Funktion des Orgasmus. Kiepenheuer & Witsch 1969
S. 55

[2]) Oswald Spengler, in : Der Untergang des Abendlandes (Einleitung). C. H. Beck 1980 S.  31ff

[3]) “One of the key facts about psychology is that most of the psychologist who have ever lived and who are now living can be found in the United States. (…) Moreover, psychology as a science is so overwhelmingly the product of German, French, British, Russian and North-American efforts that it is fair to consider it an entirely European-based enterprise (…) The data base (of cross-cultural-psychology)  excludes the great majority of mankind who live in Asia and the Southern hemisphere. (…) Are theories merely parochial generalizations, based on ethnocentric constructions of reality?” in: Handbook of Cross-Cultural Psychology, Basic Process, Volume 3. Preface

 

[4]) Hans Kilian, Das Grundmodell der Verhaltensforschung. In: Jahrbuch für kritische Aufklärung – Club Voltaire II. Rowohlt 1965

[5]) Wobei auch hier der interessante Forschungsansatz lautet zu prüfen, ob nicht auch ein «kollektives Unbewußte» seine Abgrenzung zu anderen «kollektiven Unbewußten» erfährt? Ist das kollektive Unbewußte des Zentraleuropäers absolut identisch mit dem der Zentralafrikaner? M.a.W.: wie «kollektiv» ist das «Kollektive»?

[6]) Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart. Die Fundamente der aperspektivischen Welt – Beitrag zu einer Geschichte der Bewußtwerdung. Novalis Verlag 1986

[7]) Man beachte hier die Doppelbedeutung von „mythein“, was sowohl  Schweigen als auch Sprechen bedeuten kann – hervorstechendes Merkmal der mythischen Bewußtseinsstruktur ist die Ambivalenz und Doppeldeutigkeit,, wie wir sie z.B. auch im lateinischen «altus» finden, das ja sowohl hoch als auch tief bedeuten kann. Siehe Jean Gebser, a.a.O.

[8]) Wenn das Ohr durch seinen Höhlencharakter als das typisch magische Organ eingestuft wird, ist das ekstatische Abtauchen in stampfende Beats oder, bei geschlossenen Augen, in Beethovens 5. nachvollziehbar.
Übrigens fanden neueste Forschungen heraus: Beethovens 5. war eine gewisse Agnes aus München (dies ist ein Test um herauszufinden, ob Sie die Fußnoten auch wirklich lesen…!)

[9]) Jean Gebser, Abendländische Wandlung. In: Jean Gebser Gesamtausgabe Band 1 Novalis 1986

[10]) Carl Ludwig Schleich, in: Bewußtsein und Unsterblichkeit. Deutsche Verlags-Anstalt 1920 S. 19

[11]) Carl Ludwig Schleich, a.a.O. S 18 ff

[12]) in: the quantum activist – über die Wissenschaft zu Gott HORIZONFILM 2016

[13] )Dieter Duhm, Synthese der Wissenschaft, a.a.O.

[14]) Arno Plack, in: Ohne Lüge leben DVA und Ex Libris (Zürich) 1979

[15]) Wilhelm Reich, a.a.O.

[16]) Gerhard Klügl / Tom Fritze, Quantenland, a.a.O.

[17]) inkarnieren = „ins Fleisch gehen“ (lat. carne = Fleisch)

[18]) Carl Ludwig Schleich, Das Problem des Todes. Lorenz.Publishing 2017

[19]) Yonassan Gershom,, Kehren die Opfer des Holocaust wieder? Rudolf Geering Verlag / Verlag am Goetheanum Dornach 1997