„…denn ich war Napoleon!“ Impulse für ein Umdenken über Reinkarnation

Mein Top-Reinkarnationswitz geht so: Im Wartezimmer eines Psychiaters sitzen zwei Männer.

Ein dritter kommt dazu, setzt sich aber nicht, sondern stolziert durch den Raum, die rechte Hand auf den Bauch gepreßt, und murmelt ständig vor sich hin: „Je suis grande, je suis magnifique, grandiose, formidable!“

Da wird es einem der beiden anderen zu bunt: „Sagen Sie mal, haben Sie eine Ecke ab oder was? Wer sind Sie überhaupt?!“

Mit erhobenem Haupt ant-wortet der so Angesprochene mit leicht französischem Akzent: „Ich bin es, Seine Majestät Napoleon Bonoparte, mein Herr!!“

Darauf der erste: „Also so´n Quatsch, woher wollen Sie denn das wissen?“

Darauf der stolze Napoleon: „Oh, das hat mir Gott selbst gesagt!“

Worauf sich der Dritte wütend erhebt und knurrt: „Was soll ich gesagt haben?“

Nur zurück ins Fleisch?

Es scheint an der Zeit, den Begriff der Reinkarnation zu entstauben oder ihn zumindest auf den Prüfstand der neuesten Erkenntnisse aus Physik, Biologie, Psychologie, Medizin, Religion, Archäologie und sogar der  Anthropologie zu stellen.

Die Behauptung, eine Seele habe sich re-Inkarniert, sei also wieder „Fleisch geworden“, „ins Fleisch gegangen“, (lat./ ital.= carne), scheint diese Art der Wiederkehr zumindest in der öffentlichen Diskussion auf menschliche oder tierische Körper zu beschränken (oder hörten wir bisher schon mal jemanden sagen: „Oh, der neue Kaktus ist eindeutig  Egon, mein langjähriger Fensterbrett-Gefährte, aber echt – wie aus dem Stachel geschnitten!“)?.

Da die moderne Biologie im Arbeitsverbund mit der Physik jedoch ein Seelenleben der Pflanzen längst bestätigt hat, müßte das «Carne» also schon mal ersetzt resp. erweitert werden (außer wir reden hier vom Begriff «Fruchtfleisch»…).

Vorstellbar wäre z.B. (der zugegeben etwas hölzerne) Begriff einer «Re-Manifestation», der offenläßt, aus welchen Quellen die Informationen (Bewußtseinseinheiten?) geschöpft werden, die sich erneut z.B. in einem aktuellen Tagbewußtsein zeigen.

Quantenphysik et altera

Die beiden Erkenntnisse, daß erstens im Universum höchstwahrscheinlich alles mit allem verbunden (oder wie es Physiker/innen in ihrer Fachsprache nennen: verschränkt) ist, und zweitens, daß Information erhalten zu bleiben scheint, also grundsätzlich nicht verloren-gehen kann, wirft eine ganze Reihe von Fragen auf.

Betrachten wir zunächst die derzeit herrschende Vorstel-lung, eine «Seele» eines Ver-storbenen würde sich irgendwann einen neuen Körper suchen. Da taucht schon die erste Schwierigkeit auf: Selbst ernst zu nehmenden Persönlichkeiten scheint es ab und an zu gelingen, mit Verstorbenen „ins Gespräch zu kommen“ – ist es dann so, daß diese Verstorbenen noch in einem besonderen Zustand verharren, also noch keinen neuen Körper fanden?

Nachdem jedoch solche (manchmal «spiritistisch» genannten) Sitzungen, über die Jahrzehnte dokumentiert, auf eine verblüffend große Zahl von «Seelen» zurückgreifen können, die interessanterweise meist aus dem persönlichen Umfeld der Fragenden stammen, also z.B. ehemalige Verwandte oder Freunde, verwundert doch zunächst, daß diese «Seelen» noch keinen neuen Körper fanden?

Da uns die Quantenphysik jedoch die verblüffendsten «Verschränkungen» zumutet, wäre natürlich auch folgendes Modell denkbar: Die gesammelte Information aus der irdischen Existenz Napoleons bleibt sozusagen als homogenes Energiefeld erhalten, während eine Kopie davon sich einen neuen Körper sucht, so daß, sozusagen zeitgleich, mit dem gespeicherten Energie / Informationsfeld des Herrn Bonaparte kommuniziert werden kann, während dessen Kopie heute seelenruhig, nunmehr Fritz Meier heißend, durch unser oben erwähntes Wartezimmer marschiert?

Informationen in der Aura

Zwei über jeden Verdacht erhabene Persönlichkeiten, die ihr Leben dem verschrieben haben, was heute noch «Aurachirurgie» genannt wird, werden, ebenso wie die von ihnen in dieser medizinischen Kunst Ausgebildeten, täglich damit konfrontiert, daß sich Blockaden in den Körpern der von ihnen behandelten Ratsuchenden zeigen, die nach chirurgischer Einschätzung auf (nicht selten tödliche) Verletzungen zurück zu führen sind, die sich im Energiefeld der Hilfesuchenden gleichsam wie eine Erinnerung manifestiert zu haben scheinen.

Interessanterweise lösen sich diese Beschwerden jedoch nach gezielten und erprobten Maßnahmen und Handgriffen sozusagen in Nichts auf [1])!

Es scheint sich also so darzustellen, daß sich im Energiefeld des jeweiligen Individuums eine Information manifestiert hat, die auf eine gespeicherte Erinnerung zurückgreift.

Da die Methoden der heute noch so genannten «Aurachirurgie» in ihrer Seriosität inzwischen über jeden Zweifel erhaben sind und mittlerweile nicht nur durch Zehntausende von Erfolgsgeschichten profundes empirisches Material liefert und vermehrt sogar die Aufmerksamkeit etablierter und respektierter Chirurgen der klassischen Medizin auf sich ziehen, dürfen die beschriebenen Effekte getrost als nicht anzuzweifeln betrachtet werden – die normative Kraft des Faktischen…

Und jetzt wird es spannend: Steht da vor der Aurachirur-gin, dem Aurachirurgen die wieder ins Fleisch gewanderte Seele des armen Schluckers, der z.B. damals als Bäcker in Nürnberg zu kleine Brötchen buk und deshalb der sogenannten «Bäckertaufe» unterzogen wurde und dabei (leider zufällig) ertrank, oder wurde da Information aus dem grossen Speicher angezapft, die mit dem 2018 lebenden Individuum in keinerlei direktem Zusammenhang steht? [2])

Exkurs zu Religiösem

Als 1992 eine interessante Arbeit zur Frage: „Kehren die Opfer des Holocaust wieder?“ (Deutscher Titel, Rudolf Gee-ring Verlag 1997) erschien, verwunderte mich das umfangreiche empirische Material des Autors [3])

Die Seriosität von Gershoms Recherchen ist nicht anzuzweifeln. Was aber nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, daß die Schlußfolgerungen aus seinem umfangreichen Material implizieren, daß eine vormals «jüdische Seele» sich wieder in einem «jüdischen Körper» «inkarnierten».

Nun mag es der Tatsache geschuldet sein, daß zu seinen Gesprächspartner/ innen eben nur Menschen gehörten, die sich «Juden» nennen – hier ist noch Platz für viel Forschung, zum Beispiel zur Frage, wer sich als Nicht-Jude an eine jüdische Vergangenheit erinnert.

Besonders interessant ist an Gershoms Beobachtungen jedoch folgendes:

Nachdem es längst erwiesen ist, daß es eine jüdische Rasse gar nicht gibt und nie gab  [4]), sondern sich das Judentum lediglich als Religion definieren kann, aber in gar keinem Fall als ethnische Gemeinschaft [5]), verwundert die Tatsache, daß sich Menschen, die sich sehr überzeugend und sehr konkret z.B. daran erinnern, wie und wo sie zu Zeiten der Naziherrschaft ums Leben kamen, als wiedergeborene Juden fühlen.

Der orthodoxe Islam wiederum lehnt die Lehre von der Seelenwanderung strikt ab – hic et nunc ein guter Mensch und dann direkt ab ins Paradies… im besten Fall.

Eine detaillierte Analyse des jeweiligen Umgangs der einzelnen Religionen mit der Thematik würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wäre zudem wenig hilfreich.

Es darf jedoch das auf bayrisch überaus wohlklingende Fazit gelten: „Nix gwies wos mer nie net!“

Reinkarnierte Wunderkinder?

Bemerkenswert ausführliches und bestens dokumentiertes Forschungsmaterial zur Frage «Reinkarnation ja oder nein?» lieferte der US-Amerikaner Ian Stevenson von der University of Virginia [6])

Interessant erscheinen die zahlreich dokumentierten Fäl-le von Kindern, die sich nicht nur präzise an Orte erinnern konnten, die sie noch nie besucht hatten, sondern sie verfügten auch bereits über verblüffende und nicht altersgemäße Fähigkeiten.

Die überwiegende Zahl der von ihm ca. 1600fach dokumentierten Fälle berichtet von solchen Kindern vorwiegend aus dem indischen Subkontinent, aus Südostasien und dem mittleren Osten, wo der Glaube an Reinkarnation am stärksten ist.

Die meisten von ihnen glaubten, sich an ein früheres Leben zu erinnern.

Lyall Watson, der sich zunächst als Biologe mit der Welt jenseits des Sichtbaren in seinen weltweit Aufsehen erregenden Büchern beschäftigte, faßt Stevensons Forschungsergebnisse wie folgt zusammen:

„Was (das Kind) über sein früheres Leben berichtet, stimmt meistens mit seinem Verhalten überein; es weigert sich zum Beispiel, niedere Arbeiten zu verrichten, egal, wie arm seine Familie ist, wenn es behauptet, früher eine wohlhabende Person gewesen zu sein. Oft bittet das Kind, daß man es zu Orten bringt, an die es sich erinnert, und wenn die identifiziert werden können und sich die Reise verwirklichen läßt, stellt man gewöhnlich fest, daß 90% der Angaben über das Leben und die Umgebung der Person, an die es sich zu erinnern behauptet, richtig sind. Nach dem Alter von fünf Jahren scheinen die Erinnerungen an das frühere Leben zu verblassen und verschwinden meistens ganz, und mit ihnen das durch sie hervorgerufene ungewöhnliche Verhalten.“ [7]) – besonders interessant erscheint in diesem Zusammenhang jedoch sein Hinweis, daß in keinem der zahlreichen von ihm recherchierten Fälle sich ein westliches Kind jemals so geäußert hätte (oder hat etwa Mozart seinem Vater als kleiner Junge je erzählt, an welchem Klavier in welcher Stadt er vor 1756 in die Tasten hackte…?

Multiple Persönlichkeiten

Als wäre das Ganze noch nicht kompliziert genug: Die Forschungsergeb-nisse zum Phänomen der sogenannten «multiplen Persönlichkeiten» fügen einen weiteren Aspekt hinzu, um uns zu raten, vorsichtig mit der Behauptung umzugehen, wir seien hier und jetzt die Inkarnation von jemand anderen: Vielleicht sind wir ja zugleich (latent) stets auch jemand anders?

Hochinteressant ist die übereinstimmende Beobachtung der Psychiater, die sich mit multiplen Persönlichkeiten beschäftigen, daß der Wechsel zu einer anderen Persönlichkeit wie eine Flucht erscheint, um einer bedrückenden Situation entfliehen zu können.

Lyall Watson: „Diese Flucht ist eindeutig eine Strategie des Unbewußten, die zur Aufsplitterung eines einzelnen Bewußtseins führt. In ihrem separaten Zustand bestehen die getrennten Selbste gleichzeitig. Wenn eines die Führung übernommen hat, sind die anderen vorübergehend abgekoppelt (…)“. [8])

Die jeweiligen unterschiedlichen Persönlichkeiten überlappen dabei einander nie, erwecken also bei einem voreingenommenen Beobachter, der von Reinkarnation überzeugt ist, zum Beispiel im Rahmen einer der ach so angesagten «Rückführungen» den Eindruck, man wäre in Kontakt mit einer homogenen Persönlichkeit.

Der Fall des zum Zeitpunkt seiner Untersuchung damals etwas 27jährigen Afroamerikaners Jonah, der zusammen mit  vier verschiedenen «Selbst» lebte, ist dabei noch ein „kleiner Fisch“ [9]): Cornelia Wilbur, eine New Yorker Psychoanalytikerin, brachte es immerhin auf 16 unterschiedliche Persönlichkeiten „unter einem Dach“  [10]).

Aber im Rahmen dieser Gedankenführung ist es nicht erforderlich, auf das erdrücken-de Material an soliden Dokumentationen einzugehen.

Was uns aber daran brennend interessiert, ist die latente Möglichkeit, sozusagen permanent abrufbar jederzeit auf verschiedene Eindrücke, Erfahrungen etc. zurückgreifen zu können, die nicht in direktem Zusammenhang mit unserem derzeitigen Wachbewußtsein stehen.

Vielleicht gibt es sogar in unserer jetzigen, jeweiligen Be-wußtseinsform als Individuum eine ganz besondere Disposition zur Adaption sehr genau begrenzter Manifestationen aus dem riesengroßen Pool dessen, was je seinen Stempel in das unerschöpfliche Weltgedächtnis drückte?

Disposition

Meine eigenen Überlegungen gehen immer mehr in die Richtung, unserem persönlichen Bewußtseinsstatus eine ganz spezifische, nur uns selbst hier und jetzt als einmalige Disposition geschenkte Persönlichkeitsstruktur zuzuschreiben, um bestimmte, im riesigen Quantenmeer schwimmende Eindrücke und Impulse aufzugreifen.

Das Empfinden, das nach aktuellen Schätzungen ca. 70 % aller Menschen schon erlebten, nämlich eine Situation, einen Ort schon einmal erlebt oder gesehen zu haben – ein sogenanntes déja-vu – mag wie eine Art Schmutzeffekt ins Wachbewußtsein aus dem schwappen, was höchstwahr-scheinlich nicht nur in unserer DNA, sondern sogar in jedem einzelnen Elektron als eine Art von «Weltgedächtnis» schlummert, wie es der geniale und leider viel zu selten zitierte Physiknobelpreisträger Jean Charon behauptete [11])

Und diese Disposition ist dann wohl primär eine Disposition zum Empfangen von Emotionen, was wiederum erklären würde, daß angebliche Erinnerungen an frühere Leben durchaus ins Mittelalter oder in archaische Vorzeit zurückführen können  – entscheidend ist höchstwahrscheinlich die aktuelle Lebenssituation der oder desjenigen, die oder der dann auf Wissen und
Erfahrung in ihrer oder seiner ganz realen, aktuellen Problematik zurückgreifen könnte – ein weiterer Forschungsansatz und -auftrag im Rahmen einer «SYNTHESE DER WISSENSCHAFTEN» .

Ego, Schuld und Karma

Das wachsende Interesse am Thema Wiedergeburt geht in verräterischer Klarheit einher mit dem wachsenden Egozentrismus des europäischen Menschen und marschiert Hand in Hand mit der vereinsamenden Wirkung der Individualisierung und dem geradezu manischen Bestreben, das Ich ständig im Fokus zu behalten (s. die Mode der «Selfies» oder das permanente WhatsApp -oder Facebookmitteilungsbedürfnis an andere über eigene Befindlichkeiten).

Was patriarchalische Strukturen wie Religionen, Kirchen und Sekten dem Menschen als seit Jahrtausenden funktionierendes Manipulationsinstru-ment vor Augen halten, ist die Warnung: „Du bist schuldig..!“

Und vergib uns unsere Schuld / wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“ wird schon Kindern als Bitte an den «lieben Gott» eingepflanzt – was Wunder, fühlt sich der (vom Christentum geprägte) arme Schlucker in Zentraleuropa minderwertig und versucht in Panik aufzuzeigen, daß er es aber nun wiederum doch nicht sei.

Als sei dies nicht schon ein genug belastender Seelenpanzer, erfanden kluge Manipulatoren das Konzept des «Karma» – fertig ist die (unselige) Trinität aus „Es dreht sich alles um dich“, „du lädst ständig Schuld auf dich“ und „du bist vorbelastet!“.

Die unsägliche (christliche) Idee der «Erbsünde» machte dann den Deckel dicht. Die von Religionen und modernen Heilslehren aller Art perfekt aufbereitete Manipulationsmasse genannt Mensch, erfreut sich, religiösen und pseudoreligiösen Führern folgend, nicht einfach ihres jetzigen Lebens, sondern ringt verzweifelt mit angeblichen alten Existenzen und einer mühsam abzubauenden Schuld (die allerdings sogar schon über Ablaßzettel abzutragen war und heute als Spenden oder Honorare an hochkarätige Volksverführer aus dem esoterischen Dunstkreis bezahlt wird).

Mein Fazit

«Ich» und «Ichbewußtsein» sind bei weitem noch nicht für einen allgemeinen Konsens aufgearbeitete Phänomene.

Und als genau spezifiziertes, präzise definiertes und rund-um erfaßtes und organisiertes Individuum 2018 durch den Alltag zu gehen, scheint nach all diesen Beobachtungen als  eine höchst komplexe Aufgabe.

Warum sich nicht einfach damit begnügen, ein anständiger Mensch zu sein und all die Verstorbenen oder ehemaligen eigenen „Existenzen“ dort lassen, wo sie hingehören, nämlich ins Gestern?

Die offensichtlich grenzenlose Fähigkeit des Unbewußten, Informationen aus welchen Quellen auch immer zu sammeln und zu strukturieren, sollte uns davor bewahren, denen zu folgen, die behaupten, sie hätten die Wahrheit gefunden. Wir sollten denen folgen, die die Wahrheit suchen.

Die phänomenalen Erkenntnisse, vor allem aus der Beschäftigung mit der Lehre über Quanten, verbannt alle Scharlatane, die nicht den steinigen Weg der bewährten Vorgehensweise der klassischen Wissenschaft beschritten [12]), aber als Trittbrettfahrer alten Wein in neuen (Quanten) -schläuchen verkaufen wollen, zum Kreuzverhör dazu, wie tief und solide sie wirklich eingetaucht sind in die Materie.

Klar: „Geld machen“ läßt sich mit «Rückführungen» und dem Schlagwort «Reinkarnationۚ! Aber das „cui bono?“ wird wohl nur eine Antwort kennen: Zum Wohle des Bankkontos des Meisters…

Abschließend lasse ich gerne noch Lyall Watson zu Wort kommen, dem ich in meinem neuen Buch [13])  ein Kapitel mit dem Untertitel „Der Herr der 1000 Quellen“ widme:

„(Es gibt) keine Notwendigkeit, unirdische Elemente zu postulieren, um scheinbar übernatürliche Ereignisse zu erklären. Im genetischen Gedächtnis, in der prä- und postnatalen Erfahrung und in unserer erstaunlichen unbewußten Kreativität ist genug vorhanden, um bequem mit fast allen Fällen zurechtzukommen, die den Gedanken an fremde Intervention, Besessenheit von Geistern oder Dämonen oder Reinkarnation aufkommen lassen.“  [14])

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1) Künlen, Matthias. Lehrbuch der Aurachirurgie / Medizin im 21. Jahrhundert. BOD 2017 und Gerhard Klügl und Tom Fritze, Quantenland. Ein Leben als Aurachirurg. Arkana 2012

[2]) Wikipedia: Bäckerschupfen oder Bäckertaufe war im Mittelalter eine Bestrafungsform für Bäcker, welche Brot mit zu geringem Gewicht oder von minderwertiger Qualität herstellten. Eine solche Bestrafung wurde von der Bevölkerung oftmals als eine Art von Volksfest gefeiert, bei welchem der Bäcker öffentlich an den Pranger gestellt wurde. Der schuldig Gesprochene wurde in einem Schandkorb (Schupfe, Prelle) oder mittels einer Wippe einige Male in Wasser oder in Unrat getaucht, zusätzlich wurde er von den Anwesenden mit Steinen beworfen und gedemütigt.
Eine entsprechende Vorrichtung zur Durchführung nebst historischer Anekdote über einen solchen Bäcker kann in Roth bei Nürnberg und im Mühlenmuseum in Gifhorn besichtigt werden.
(Anm.: Ob diese Maßnahme für die Inhaber deutscher Großbäckereien zu einer Verbesserung der Brotqualität führen könnte, wird vom Autor derzeit untersucht…)

[3]) Gershom, Yonassan. Beyond the ashes. Cases of reincarnation from the holocaust. A.R.E. Press Virginia Beach 1992

[4]) Ein typischer osteuropäischer Jude („Aschkenasim“) unterscheidet sich äußerlich von einem arabischen
Juden so offensichtlich, daß außer zwei Beinen, zwei Armen und einem Kopf kaum Übereinstimmung,
geschweige denn „Rassemerkmale“ festgestellt werden können.

[5]) Siehe hierzu Roger Garaudy «Der Fall Israel», DIALOGPRESS  (Der historische Mythos, S. 29ff)

[6]) Stevenson, I. „The evidence for survival from claimed memories of former incarnations”, Journal of the American Society for Psychical Research 54: 51-71, 1960

[7]) Watson, Lyall, in: Der unbewußte Mensch („Lifetide“). Umschau-Verlag 1979, S. 353 ff

[8]) Watson, Lyall, a.a.O.

[9]) Ludwig, A.M. et.al. “The objective study of a multiple personality”, Archives of General Psychiatry 26: 298-310, 1972

[10]) Schreiber, F. R Sybil. Allan Lane: London, 1974

[11]) Charon, Jean, Der Geist der Materie

[12]) Damit meine ich: Studieren, lesen, Querverbindungen herstellen, recherchieren, eigene Standpunkte hinterfragen, sich stets auf dem aktuellen Stand des jeweiligen Wissensgebiets halten („state of the art“)

[13]) Lorenz, Hugh, Die medizinische Hintertreppe – Aspekte der modernen Medizin, LORENZ.PUBLISHING., erscheint Mitte August 2018

[14]) Watson, Lyall, a.a.O. S 342

Wissen verpflichtet! Unsere Verantwortung für ein zeitgemäßes Welt- und Menschenbild

Kontext

Die späte Bestätigung von Einsteins mathematischer Berechnung von Gravita­tionswellen sorgt nicht nur bei den klassischen Naturwissenschaften für Unruhe. Denn auch nicht wenige Kenner der Geisteswissenschaften erahnen zumindest den Umbruch, der sich in unserem Bild vom Kosmos und dessen Wirkung auf den Menschen durch die Konsequenzen der aktuellen Erkenntnisse abzeichnet
( = Entdeckung der kosmischen Gravitations­wellen 2015 durch die LIGO-Kooperation).

Mindestens so schwerwiegend wie die Erkenntnisse aus der Physik / Quantenphysik / Astrophysik wiegen jedoch die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte aus den Disziplinen Soziologie, Sozialpsychologie, Hirnforschung, aber auch aus der Biologie und der ganzheitlichen Medizin sowie – last but not least! – aus den Religionswissenschaften.

In der interdisziplinären Gesamtschau zeigt sich auf, daß wir vor der dringenden Herausforderung stehen, uns Modellen und Entwürfen eines veränderten Welt- und Menschenbilds zu stellen, das sich, bei tabuloser und mutiger Betrachtung, aus den Schlußfolgerungen der erwähnten Erkenntnisse abzeichnen kann.

Denn wir sehen die Welt immer noch meist anthropozentrisch, also auf den Menschen im Mittelpunkt bezogen.

Sollte es uns jedoch in aller Demut gelingen, die Schöpfung im Mittelpunkt zu sehen, ihre Entwicklung, in der möglicherweise der Mensch nur eine kleine Rolle spielt, aber nicht mehr, mögen wir einen neuen zentralen Ansatzpunkt finden, um die Grundlagen unserer Sicht des Universums und der Rolle des Menschen darin zu überdenken, zu korrigieren, zu relativieren:

„Wir dienen tatsächlich nur einem Prozeß, der unendlich größer ist als wir selbst und in den wir eingebunden sind“, schreibt Dennis Elwell in «Das kosmische Netzwerk» („Cosmic Loom – the new science of astology, Unwin Hyman Limited / Edition Astradata 1987)

Neues Bild der Materie

Selbst wissenschaftlich Interessierte zeigen sich immer wieder überrascht, wenn die Tatsache erwähnt wird, daß unser Begriff von Materie seit den Arbeiten von Planck, de Broglie, Niels Bohr, Schrödinger, Einstein und anderen nicht nur überholt ist, sondern sogar noch einer allgemein akzeptierten Neudefinition harrt.

Für Physiker ist es heute nämlich eine Selbstverständlichkeit, Materie nur noch als einen Sonderfall eines allgemeinen Energiefeldes  anzusehen.

Da unter dem Elektronenmikroskop, je tiefer es optisch in Materie eindringt, letztlich nur noch Zwischenraum, also «Feld» zu erkennen ist, ist es mehr denn je eines der größten Geheimnisse, wie sich trotz dieser inzwischen absolut unbestreitbaren Tatsachen feste, belastbare Materie wie z.B. der Stuhl, auf dem ich eben sitze oder das Haus, in dessen 4. Stock ich wohne, stabil halten.

Walter Thirring, der am CERN in Genf arbeitete, beschreibt dieses Phänomen in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» 4/1971 im Rahmen der sog. Quanten­feldtheorie («Atome, Kerne, Elementar­teilchen») folgendermaßen:

„Was uns als Teilchen erscheint, ist nur die lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpft (…) Anwesenheit von Materie ist nur die Störung des vollkommenen Zustandes des Feldes an dieser Stelle, etwas Zufälliges… (…).“

Oliver R. Reiser bringt es in «Kosmischer Humanismus und Welteinheit» aus dem Fischer Verlag (1978, S. 66) so auf den Punkt:

„Es ist jetzt allgemein anerkannt, daß der interplanetarische Raum unseres Sonnen­systems nicht leer ist. Obgleich er nicht mit den gewöhnlichen Zustandsformen  der Materie, wie festen oder flüssigen, ausgefüllt ist, wird er doch von einem anderen Materiezustand durchdrungen, dem Plasma oder elektrifizierten Gas. (…) Es gibt «Flüsse» und «Ozeane», gebildet aus elektrischen Feldern, die die materielle Welt der Galaxien, Sterne, Planeten und was sich dazwischen befindet, umspülen.“

Auch die Rolle dessen, was wir Licht nennen, sollte im Rahmen der neu verstandenen Physik und der Metaphysik nicht übersehen werden, nicht nur, aber auch wegen seiner Bedeutung als Faktor in Einsteins Formeln.

Mit Newton zum Beispiel verbinden all jene, die „nur an das glauben, was sie sehen“ per se den klassischen Physiker «alter Schule».

Aber Newton war auch ein hellsichtiger, inspirierter und weit über das rein Materielle hinaus blickender Wissenschaftler: „Wäre es nicht denkbar, daß die Stoffe und das Licht sich ineinander umwandeln? Und wäre es nicht auch möglich, daß die Stoffe den größten Teil ihrer aktiven Kräfte aus den in ihre Zusammensetzung eingegangenen Licht­partikeln beziehen? Wenn dem so wäre, könnte dann nicht das Licht, da es ja der aktivste aller uns bekannten Stoffe und zudem ein Bestandteil aller übrigen von der Natur hervorgebrachten Stoffe ist, das Grundprinzip sein, das alle ihre Aktivitäten steuert?“

Newton unterscheidet dann noch das phänomenale Licht vom numenalen, potentiellen Licht, das vor allem in lebenden Organismen vorkomme und Träger dessen sei, was man «Geist» nennt (Quelle: „Opticks or a treatise of the reflections, refractions, inflections and colours of light „Optik oder eine Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes“ 1704).

Der 1998 verstorbene, renommierte Nuklearphysiker Jean Charon glaubte sogar erkannt zu haben, „(…) daß die Gesamtmenge der Informationen, die zur Schaffung (…) der Materie unerläßlich notwendig ist, in jenem scheinbar banalen Teilchen aufbewahrt wird, das wir unter dem Namen Elektron kennen. Denn das
Elektron umschließt innerhalb seines Mikrouniversums einen Raum, der erstens Informationen zu speichern vermag, zweitens mit Hilfe einer Art «Erinnerung­ssystem» diese Information in jeder Pulsationsperiode seines Zyklus wieder verfügbar machen kann, und drittens die Fähigkeit besitzt, komplexe Operationen durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Elektronen des zu bildenden Systems zu «steuern».“

Einer «Fußnote» im SPIEGEL (Wissenschaft) vom Januar 2016 ist zu entnehmen: „9 Liter einer spezifischen Lösung würden genügen, alle digitalen Informationen der Welt einschließlich des gesamten Internets zu erfassen, wenn man künstlich erzeugte Erbgutmoleküle als Speichermedien nutzte. Das Volumen eines Sandkorns böte dann Platz für den Inhalt von 200 Millionen DVDs. US-Forschern ist es jetzt gelungen, in einem solchen DNA-Speicher einzelne Dateien abzulegen und danach wieder auszulesen.“

Manifestiert sich also das, was wir zu greifen glauben, lediglich aus einem auf wundersame Weise konstanten Schwingungs­muster aus Energie und Information?

  • Muß nicht endlich anerkannt werden, daß das, was wir «Geist» nennen, letztlich den Ausschlag gibt für alles Sichtbare?
  • Erlebt das, was Aristoteles «Entelechie» nannte, als den sichtbaren Dingen von Anfang an innewohnende Entwicklungs­muster, eine Renaissance?
  • Liefert uns die moderne Physik aufschlußreichere Antworten über die Rückbindung («Re-ligio»!) des Menschen im Universum als es die klassischen Religionen je konnten?

Wir stehen vor vielen alten Fragen in neuem Gewand. – jedoch kaum eine Epoche der Menschheitsgeschichte  war so nahe an den Möglichkeiten zu einer Gesamtschau des Universums wie die unsere. Aber, wie sagte Einstein? „Wir leben in einer Welt der vollkommensten Mittel und der verworrensten Ziele!“

 

Biologie

Es wird gerne übersehen, daß «Biologie» übersetzt bedeutet: «Lehre vom Leben». (Insofern jagt es wohl jedem einen Schauer über den Rücken, wenn die moderne Medizin nicht selten auf ANTI-Biotika setzt…)

Aber das Lebendige ist ja gerade das große Rätsel, das durch die klassische Sicht der Naturwissenschaften nicht erklärt werden kann.

Die wirklich großen Wissenschaftler unserer Zeit sind durchweg demütige, nicht selten zutiefst religiöse Menschen (wie es übrigens nahezu ausnahmslos alle diejenigen waren, die die Grundlagen unseres physikalischen Weltbilds im 19. und im frühen 20. Jahr­hundert legten, ganz zu schweigen von ihren Vorgängern!).

Loren Corey Eisely, der sich, vielseitig begabt wie er war, als Biologe u.a. mit Wespen beschäftigte, schrieb als Schlußfolgerung aus einer Beobachtung, wie eine kleine Wespe eine Tarantel besiegt (s. nachfolgend): „In der Welt gibt es nichts, um die Welt zu erklären. Nichts, was die Notwendigkeit des Lebens erklärte, nichts zur Erklärung des Verlangens der Elemente, Leben zu werden, nichts, das erklärt, warum das gefühllose Fels-, Erd- und Mineralreich sich mannigfaltig gestalten sollte in Schönheit, Schrecken und Ungewißheit.. Um organische Novität zur Existenz zu bringen, um Schmerz, Ungerechtigkeit, Freude zu schaffen, bedarf es mehr als das, was wir in der Natur, die wir so vollständig analysieren, wahrnehmen können … Ich bin einfach verwirrt. Ich weiß, daß diese Wesen in den Kellern der Zeit geformt wurden.“ (in: Coming of the Giant Wasps, Audobon, 1975).

Und sein Kollege J.H. Fabre, der sich auch mit Wespen und deren verblüffenden Verhaltensweisen beschäftigte, notierte: „Im Ringen mit der Wirklichkeit findet der Mensch keine ernsthafte Erklärung für alles, ganz gleich, was er sieht.“ (in: The hunting wasps. 1879, Dodd, Mead, New York 1915).

Gelingt es, in einem tabulos und in manchen Bereichen radikal überarbeiteten Weltbild «Leben» als Gesamtheit und vor allem als «Beseeltheit» zu sehen und zudem anzuerkennen, daß möglicherweise, ja, höchstwahrscheinlich absolut adäquate Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen für alle Bereiche der Materie gelten, bieten sich verblüffende Beobachtungen, die nahelegen, daß das Lebendige – das bekanntlich permanent «fließt» – aus dem gespeist wird, was «Feld» genannt werden kann (s. Teil 1 dieses Artikels).

Es ist das Verdienst vor allem des Biologen Lyall Watson und seiner korrespondierenden Kolleginnen und Kollegen, die bisher meist tabuisierte Lücke in Darwins Evolutions­theorie mit einem neuen Denkmodell gefüllt zu haben, daß Watson mit dem Oberbegriff «Kontingent» benennt.

Denn nach diesem Modell könnte sich die Evolution auch so darstellen: Verhaltens­weisen, die eine Entwicklung, eine Verbes­serung gegebener Zustände bedeuten, müssen nicht erst mühsam durch «trial and error» erarbeitet werden, sondern könnten, sobald es sich als notwendig erweist, sozusagen aus einem großen Kontingent abgerufen werden.

Wagen wir diesem Modell zu folgen, würde sich auch vieles in unserem menschlichen Verhalten erklären, Erfindungen, die gleichsam wie eine Erleuchtung erscheinen, zunächst vollkommen fremde Ideen, die sich blitzartig solide manifestieren usw.

Ich will die Diskussion zu diesem faszinierenden Gedanken gerne anstoßen. Was könnte dazu besser dienen, als zwei konkrete Beispiele aus der Natur, basierend auf Beobachtungen von klassischen Wissenschaftlern (Biologen / Zoologen), an die doch alle glauben, die nur glauben was sie sehen:

Beispiel 1:

Wespe und Spinne

Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990

„Ausgewachsene Wespen sind Vegetarier, aber die Larven von vielen sind Fleischfresser.

Das Überleben der Jungen dieser Art hängt davon ab, daß die Mutter die richtige  Nahrung wählt, die sie selbst jedoch nicht zu sich nimmt. Dies kann durch einen Instinkt kontrolliert werden, aber es gibt in der Beziehung zwischen den räuberischen Wespen und ihrer Beute Feinheiten, die fast unmöglich in ein Evolutions- oder Instinktmodell gepreßt werden können.

So füttert zum Beispiel die Spinnenwespe Pepsis marginata ihr Junges nur mit der Tarantel Cyrtopholis portoricae. (Quelle: Petrunkevich, A. „Tarantula versus tarantula-hawk..“, Journal of Experimental Zoology 45: 367-397, 1926)

Die weibliche Wespe legt nur einige wenige Eier, und für jedes muß sie eine ausgewachsene lebendige, aber paralysierte Tarantel herbeischaffen. Kurz bevor ein Ei in ihrem Ovarium so weit herangereift ist, daß es gelegt werden muß, geht die Wespe auf Jagd;
dicht über dem Boden fliegend sucht sie an einem sonnigen Nachmittag nach einer Spinne, die sich bereits auf Nahrungssuche nach Insekten begeben hat. Die Tarantel sieht schlecht und hört nur wenig oder gar nicht.; sie verläßt sich auf ihren außerordentlichen Tastsinn, um ihre Beute aufzuspüren. Der geringste Kontakt mit einem Körperhaar einer hungrigen Tarantel, und schon wirbelt sie herum und schlägt ihre langen Klauen in eine Grille oder einen Tausendfüßler, der ihr zu nahe kommt.

Doch wenn sich Spinne und Wespe begegnen, und die Wespe mit ihren Fühlern zu erkunden beginnt, ob sie es auch mit der richtigen Art zu tun hat,, hält die Spinne still. Die Wespe kriecht unter sie, krabbelt sogar überall auf ihr herum, ohne eine feindliche Reaktion auszulösen. Wird die Belästigung zu groß oder zu langwierig, richtet sich die Tarantel manchmal auf allen acht Beinen auf, als stünde sie auf Stelzen, erwartet aber im übrigen gelassen ihr weiteres Schicksal. „Alles ist so eingerichtet“, meint Loren Eisely, „daß man vermuten könnte, das Opfer besitze eine angeborene Kenntnis seiner Rolle, kann ihr jedoch nicht entfliehen.“

Inzwischen entfernt sich die Wespe einige Zentimeter, um für das geduldige Opfer ein Grab zu graben. Kräftig mit Beinen und Rüssel wühlend,  buddelt sie ein ungefähr 25 Zentimeter tiefes Loch, etwas breiter als der Leib der Spinne, und streckt dabei immer wieder einmal den Kopf aus der Höhle, um sicherzugehen, daß die Tarantel noch da ist. Gewöhnlich und unerklärlicherweise ist sie das auch.. Wenn das Grab fertig ist, kommt die Wespe zurück, um ihr grausiges Geschäft zu Ende zu führen. Zuerst betastet sie die Spinne wieder überall mit ihren Fühlern, dann schiebt sie sich rücklings unter die Spinne, wobei sie mit den Flügeln nachhilft, um sich in die richtige Lage zu bringen für einen Einstich an der entscheidenden Stelle. Sie kann das hornige Hautskelett der Spinne nur an den weichen Gelenkhäutchen durchdringen, wo die Beine mit dem Leib verbunden sind, und nur, wenn sie mit der Präzision eines Chirurgen  bis in die richtige Tiefe einsticht, im richtigen Winkel, an genau der richtigen Stelle, kann sie sicher sein, das einzige Nervensystem zu treffen, das die Spinne lahmlegt, ohne sie zu töten.

Und während dieses ganzen Manövers, das etliche Minuten dauern kann, unternimmt die Tarantel nichts, um sich zu retten.

Schließlich sticht die Wespe zu, die Spinne setzt sich verzweifelt, aber vergeblich zur Wehr. Sie wälzt sich über den Boden, aber das Ende ist immer das gleiche. Die Tarantel fällt gelähmt auf den Rücken. Die Wespe zerrt sie an einem Bein ins offene Grab, wo sei eine weitere bemerkenswerte Sache tut. Sie stopft ihre pelzige Speisekammer so geschickt in das Loch, das sich die Spinne, selbst wenn sie zufällig wieder zu sich kommen sollte, niemals aus eigener Kraft sich wieder herausgraben könnte. Jedes der acht riesigen Beine wird buchstäblich an die Erde gefesselt. Dann legt die Wespe ein Ei, befestigt es mit einem klebrigen Sekret seitlich am Hinterleib der Spinne, schüttet das Grab zu und geht.

Die ungewöhnliche Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Wenn die Wespenlarve schlüpft, ist sie viele Male kleiner als ihr hilfloses Opfer und völlig abhängig von ihm. In den langen Wochen der Entwicklung, in denen sie keine andere Nahrung, kein Wasser usw. bekommt, wird sie nach einem grausamen und komplizierten Programm die Tarantel Stück für Stück verspeisen, wobei sie sich die lebenswichtigen Organe bis zuletzt aufhebt, um ihre Kost am Leben und frisch zu halten. Wenn sie ihr gargantueskes Mahl beendet hat und bereit ist, das Grab zu verlassen, wohlversehen mit ihrem eigenen chirurgischen Instrument und einem Operationsplan, der an einer anderen Tarantel durchgeführt werden kann, bleibt von der ersten nichts übrig als das unverdauliche Schalenskelett.“

„(…) haben wir eine Situation, in der eine Spinne, durchaus fähig, sich gegen eine Wespe zu verteidigen, ja sie sogar zu töten, zuläßt, daß sie von dem Insekt gelähmt wird. Und wir haben eine Wespe, die unheimlicherweise genau weiß, wo sich das Nervenzentrum in ihrer Beute befindet.

Ihr Stich an anderer Stelle angesetzt, würde die Spinne entweder töten und sie damit als Nahrungsvorrat unbrauchbar machen, oder er würde keinerlei Wirkung zeitigen, abgesehen vom wahrscheinlichen Tod der Wespe durch Vergeltung. In keinem Fall ist hier Raum für natürliche Selektion. Bei diesem Wagnis gibt es keine Erfolgsgrade. Es ist eine alles-oder-nichts-Situation. Man kann an Giftspinnen, die doppelt so groß sind wie man selbst, keine subkutanen Kunstgriffe ausprobieren. So etwas muß beim ersten Mal klappen. (…) Dieses evolutionäre Wunder bei der Wespe konnte nicht durch die gleiche Art der langsamen Selektion entstehen, die, wie wir aus den Fossilfunden wissen, bei den Vorfahren des Pferdes einsetzte und, um den heute lebenden Artgenossen ihre größere Gestalt und größere Schnelligkeit zu verleihen“

 

Beispiel 2:

Floh und Alligator

Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990  und E.B. Poulton, in: The terrifying appearance of  Laternaria…“ Proceeding of the Royal Enotomological Society of London 43:43, 1924

„Im Amazonasgebiet grassieren Naturerfindungen, und es gibt einige ganz außergewöhnliche Anpassungen. keine ist jedoch so wunderbar wie die es Blattflohs Lanternaria servillei, eines sogenannten Laternenträgers. Dieses acht bis zehn Zentimeter lange Insekt , ein verwandter der Zikaden und Blattläuse, ernährt sich vom Saft dicht über dem Wasser wachsender Pflanzen. Normalerweise sitzt es auf einem Blatt und hält die braungefleckten Flügel der Länge nach über dem Körper wie zu einem hornigen Gehäuse gefaltet. Der Kopf ist ungeheuer knollig und in die Länge gezogen wie eine Schnauze mit einem nasenartigen Vorsprung am Ende und großen falschen Augenhöckern dahinter, die alle an genau der richtigen Stelle eine weiße Markierung aufweisen, um den glitzernden Lichtreflex eines echten Wirbeltierauges vorzutäuschen.

An den Seiten des «Mauls» verläuft eine Rinne, die es wie ein teilweise geöffnetes Maul aussehen läßt, und entlang dieser Rinne reihen sich versetzt angeordnet falsche weiße Zähne, die nicht nur farblich gekennzeichnet, sondern in perfektem Basisrelief geformt sind. Das Ganze wirkt wie eine unglaublich naturgetreue Imitation eines Alligators, klein, aber vollkommen in jedem Detail.

(…) Die üblichen Feinde der Blattflöhe sind Vögel wie Reiher oder Kiskadees, die an den Flußrändern ihr Wesen treiben, wo sie bald lernen, vor lauernden Alligatoren auf der Hut zu sein. Und diese Vorsicht scheint sich auch auf den Alligatornachahmer zu erstrecken, weil Vögel mehr auf Farbe und Form achten und Unglaubwürdigkeiten in diesen Para­metern leichter erkennen als Unterschiede in der Größe. Ein Austernfischer wird zum Beispiel versuchen, auch ein Ei von der Größe eines Fußballs zu bebrüten, solange er nur die gewöhnliche gesprenkelte Färbung zeigt“ (Quelle: N Tinbergen, Social releasers and experimental method required for their study. In: Wilson Bulletin 60: 6-52, 1948).

Als ich mich vor mehreren Jahren im Rahmen eines Features mit dem Seelenleben der Tiere beschäftigte, interviewte ich Gabriele Sauerland, die u.a. medial mit Tieren kommuniziert («Medialog») und erfuhr dabei schier Unglaubliches (Hugh Lorenz, «Bruder Hengst und Schwester Katze – Verblüffendes aus dem Seelenleben der Tiere«, Reichel Verlag 2010, s. auch www.communicanis.de).

Morphische (auch: morphogenetische) Felder, die an das Jungsche Kollektive Unbewußte erinnern, mögen eine Treppenstufe sein auf dem Weg zur Erkenntnis, wie die sichtbare Welt viel mehr als bisher angenommen von Einflüssen gesteuert wird, die leider noch immer als im Bereich der Metaphysik angesiedelt werden.

Wir sollten uns daran gewöhnen, das Biologische in allen Bereichen als beseelt zu erkennen und mit dem zu leben, was im Sinne des Wortes «übersinnlich» genannt werden kann (wenn wir von der klassischen Definition unserer menschlichen Sinnen ausgehen).

„Wir haben es mit einer steuernden Intelligenz von solcher Erhabenheit zu tun, daß verglichen damit das ganze systema­tische Denken und Handeln der Menschen ein höchst unbedeutender Abglanz ist.“ (Albert Einstein, in: «The world as I See it». John Lane, London 1935, in Deutsch «Mein Weltbild» Ullstein Taschenbuch

Phänomen der Gleichzeitigkeit unter­schiedlicher Bewußtseinsstrukturen

Eine häufig verdrängte, aber von jederfrau und jedermann beobachtete Tatsache ist das gleichzeitige Auftreten der unterschied­lichsten Reife- und Entwicklungsstufen, von Individuen ebenso wie von ganzen Ethnien, Volksgruppen, Nationen.

Daß sich z.B. ein siebenjähriges Kind von einer Greisin in den Neunzigern wesentlich unterscheidet, ist grundsätzlich und ohne jedwede bewußte Reflexionsleistung, sozusagen a priori, evident – aber in welchen Aspekten genau?

Abgesehen von allem Sichtbaren, Körperlichen und von dem, was wir «Lebenserfahrung» nennen, zeigt sich als wesentlicher Aspekt eine andere Art von Bewußtheit auf, eine unterschiedliche Art von sich seiner selbst bewußt sein und sich der Einbettung in ein Umfeld auf den unterschiedlichsten Ebenen bewußt sein (wissenschaftlich: Metaebenen).

Unser aller Leben begleiten im direkten Umfeld tagtäglich Menschen, die sich in einer Realität zu bewegen scheinen, die von der unseren oft vollkommen verschieden ist.

Eine andere Rasse, eine andere Kultur, Religion, unterschiedlichste Bildungsgrade, ein nicht selten extrem unterschiedlicher Intelligenzquotient, mehr oder aber viel weniger Lebenserfahrung, höhere oder geringere Eloquenz oder aber extreme psychische Probleme verführen immer mehr dazu, nichts als so gleich zu sehen wie die Ungleichheit der Menschen.

Es ist das Verdienst des Kulturphilosophen Jean Gebser, ein Schema in den Bewußt­seinsstrukturen des Menschen beobachtet und formuliert zu haben, das als durchaus praxistaugliches Muster für die Grundlagen unserer Verhaltensmuster dienen kann: Bewußtseinsstrukturen, die sich sowohl im Leben des Individuums, vom Kind zur Greisin, zum Greis, als auch, als Analogie, in kulturellen Entwicklungsphasen gespiegelt.

Die archaische, die magische, die mythische, die mentale und die – nach Gebser aktuell sich herausschälende und von ihm so genannte – integrale Bewußtseins­struktur lassen sich im modernen Alltag 2016, aber auch, auf der Metaebene, auf eine verblüffende Weise im Verhalten der Menschheit generell wiedererkennen – hier primitives Steinzeitverhalten, dort abstrakt-intellektuelle, hochgeistige Leistungen.

Diese Phänomene werfen Fragen über Fragen auf:

  • Wie erklären sich die immensen Unterschiede in der Geschwindigkeit der Entwicklung des Individuums vom archaisch geprägten Säugling zum men­tal geprägten, reflektiert denkenden Menschen – bei einer Person gelingt sie so gut wie nie, bei einem «Wunderkind» dagegen innerhalb verblüffend kurzer Zeitspannen?
  • Wie erklärt sich zum Beispiel die nachweisliche Bewußtseinsmutation vor allem zentraleuropäischer Nationen seit ca. 500 v.u.Z. resp. ca. 1500 v.u.Z. zur Dominanz des Mentalen, während ganze Kontinente wie Afrika oder Asien, aber auch Teile von «Lateinamerika», noch heute in magisch-mythischen Strukturen gefesselt sind und sich immer nur einzelne Individuen davon befreien können?
  • Wie erklärt sich die geradezu besessene Zielstrebigkeit bereits junger Menschen, die sich ihrer Berufung bewußt sind, unabhängig davon, in welchem Kulturkreis sie aufwachsen? (Beispiele: Schliemann wußte bereits mit 6 Jahren, daß er Troja finden und ausgraben würde. Und ein junger «Dalai Lama» erinnert sich an Regionen, Lebensweisen etc., die er als Kleinkind unmöglich kennen konnte?

Konsequent zu Ende gedacht, tauchen natürlich die alten Themen der klassischen Philosophie auf, die Frage nach der Willensfreiheit, nach der Prädestination unserer individuellen Schicksale, ja, nach der Prädestination allen irdischen Geschehens, in dessen Kontext Einzelne, ferngesteuerten Robotern gleich, nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Dann: Wie kam es zu der vor etwa 40000 Jahren zu beobachtenden, sprunghaften Entwicklung des Neocortex (Großhirnrinde), die fundamentale Voraussetzung für reflek­tiertes Denken und für die Vielzahl intellektueller und sensorischer Leistungen ist, die uns heute eigentlich als selbst­verständlich erscheinen?

Wer ernsthaft daran interessiert ist, auf diese vielfältigen Fragen auch für die eigene Existenz Antworten zu finden und die Suche danach nicht auf die letzten Stunden auf dem Sterbebett zu verschieben, kann sich heute verschiedene Modelle betrachten, die in aller Regel solide erarbeitet sind, wenngleich jedem neuen Konzept stets Spekulatives anhaftet, anhaften muß. Aber Wissen verpflichtet, und wir verfügen inzwischen über dieses Wissen!

Generelles Fazit sollte jedoch sein: Demut!

Albert Einstein: „Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen der naiven Menschen (…) Der Forscher (…) ist von der Kausalität allen Geschehens durch­drungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt als die Vergangenheit (…) Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist (…) Unzweifelhaft ist dies Gefühl nahe verwandt demjenigen, das die religiös schöpferischen Naturen aller Zeiten erfüllt hat.“ In:«Mein Weltbild», Die Religiosität der Forschung.

Konstanten und kuriose Steuerungen

Schon seit langen Jahren kann sich kein ernsthafter Wissenschaftler der Feststellung entziehen, daß der Planet ein vernetztes System ist – die aktuelle Debatte um den Klimawandel ist dafür ein brisantes Beispiel.

Im Sinne der orthodox-klassischen Wissenschaft unerklärlich ist jedoch trotzdem die Beobachtung, daß auf dem gesamten Planeten seit eh und je der Zustand der Homöostase zu bestehen scheint (Homöostase aus griechisch «homoios» = «gleichartig» und «stásis» m= «Stillstand», formuliert 1932 vom Psychologen Walter Bradford Cannon).

Diese Tatsache ist äußerst verblüffend, weil nur ein metaphysischer oder religiöser Ansatz den Gedanken eines «großen Steuermanns» hinter den einzelnen lebensprägenden Faktoren unseres Planeten sehen kann, die orthodoxe Wissenschaft aber eine diesem «großen Steuermann« adäquate Größe (noch!) nicht formulieren kann.

Beispiel für diese verblüffenden Naturkonstanten sind u.a.

  • Der Salzgehalt der Meere / Ozeane. Er liegt konstant bei ca. 4%, trotz permanenter Süßwasserzufuhr aus den Flüssen und durch Regenwasser. Eine Erhöhung auf z.B. auch nur 6% und nur für ganz kurze Zeit würde bedeuten, daß sich die Zellwände der Meeresbewohner zersetzen und die Zellen buchstäblich auseinanderfallen würden, so daß sich die Entwicklung des Lebens längst über andere als die nicht selten bereits seit Jahrmillionen dort lebenden Organismen hätte manife­stieren müssen.
  • Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre: Er liegt bei ca. 21% – bei nur einigen Prozent weniger wären Menschen, größere Tiere und Fluginsekten nicht mehr lebensfähig, bei einigen wenigen Prozent mehr würde sogar Feuchtvegetation leicht brennbar und ein einziger Blitzschlag würde Flächen­brände auslösen.
  • Die Konstanz der Temperatur der Erdoberfläche. Sie liegt zwischen 15 und 35 Grad Celsius. „Die mittlere Temperatur des größten Teils der Erdoberfläche scheint sich schon seit Hunderten von Jahrmillionen innerhalb dieses Bereichs zu halten, und das trotz drastischer Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und starker Zunahme der Sonneneinstrah­lung (…) Hätte irgendwann in der Erdegeschichte die Gesamttemperatur diese Grenzen überschritten, wäre das Leben, wie wir es kennen, erloschen. Ein solches Verhalten erinnert an das unseres Körpers, der ja auch bei größeren Schwankungen der Außen­wärme stets eine optimale Innentempe­ratur hält.“, schreibt Peter Russel in «Die erwachende Erde» ( Heyne Taschenbuch 1984
  • Auch das ist übrigens rätselhaft: Welche Kraft, welcher «Steuermann» reguliert denn eigentlich unseren Blutkreislauf, unsere Körpertemperatur? Was sorgt dafür, daß wir in der Nacht nicht aus dem Bett fallen, selbst wenn wir uns im Tiefschlaf hin- und herwälzen?

Wir sind mit Phänomenen konfrontiert, die jenseits des Bewußtseins zu liegen scheinen, jenseits dessen, was wir «Verstand» nennen und was wir direkt glauben steuern zu können.

Ist der kontrollierende (und dadurch nicht selten Prozesse störende) Verstand erst ausgeschaltet, zum Beispiel unter Hypnose, geschehen unglaubliche Dinge, die schon in den 1960 Jahren ganz im Rahmen der klassischen wissenschaftlichen Dokumenta­tion festgehalten wurden: Erhöhter Blutdruck, Magengeschwüre, Allergien, Schuppenflechte, Warzen, Gürtelrose und sogar Tuberkulose werden dabei endgültig geheilt (s. u.a. S. Black, The use of hypnotics in the treatment of psychosomatic disorders in: Proceedings of the Society for Psychosomatic research Conference of 1962, Pergamon, Oxford 1964).

Interessant sind auch die verblüffenden Beobachtungen rund um die Zahl 25920:

„25920 Jahre braucht die Sonne, um bei ihrem Kreislauf durch den Zodiak den Frühlingspunkt zu erreichen („Präzessions­zahl“).

Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürztem Jahr mit 360 Tagen.

72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920.

Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag.

Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.

Und wie steht es mit dem verkürztem Jahr von 360 Tagen? Wann müssen wir ein Jahr zulegen, damit wir auf die Zahl von 365 Tagen kommen? Nach – 72 Jahren.

Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation…

Also letztendlich besteht eine Beziehung zwischen Atem und Ton.“ (Quelle: Fritz Stege, in: Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter, Otto Reichl Verlag 1961, S. 30/31).

Es scheint, als würden wir im Alltag gewisse Zahlen, Zusammenhänge, als solche nicht immer erkannte Konstanten als etwas absolut Selbstverständliches hinnehmen: So hat z.B. der Blutdruck, um normal zu sein, unbedingt zwischen X und Y zu liegen, die Körper­temperatur bei so und so.

Es scheint uns allen auch als selbstver­ständlich, am Abend als ICH mit einem gewissen Namen und einer präzise definierten Identität schlafen zu gehen und unter den gleichen Parametern am Morgen wieder aufzuwachen, als wäre da nichts gewesen, was den Fluß dieses «Ich» unterbrach – haben wir denn das Staunen verlernt?!

Das Weltbild seit der sogenannten «Aufklärung» hat sich zuschulden kommen lassen, alte Wahrheiten auszuklammern und als überholt darzustellen, Aspekte, die dem archaischen, dem magischen, dem mythischen Weltbild angehören, das aber jede und jeder von uns als Konstante in sich trägt und das sich jeweils dann Bahn bricht, wenn die Umstände es begünstigen (der Mörder mordet wie in Trance, archaisch und wie von magischen Kräften getrieben, z.B.).

„Ja, kein Mensch ist ganz frei von den  Dämonen; ein Doppel-, Trippel- und Quadrupelwesen steckt in jedem, und nur auf dem Wege einer unendlich mühsamen Selbstdressur, auf den Bahnen des von heiligstem Wollen durchströmten Sympathi­kus kann es gelingen, die bösen Säfte, die flüssigen Geistigkeiten der Vernichtungs­triebe versiegen zu lassen (…) schreibt Carl Ludwig Schleich 1920 (in:. Das Ich und die Dämonien, S. Fischer Verlag, S. 248 / 249.

Und der Sympathikus, auf den er sich bezieht, gleicht bis aufs Haar dem, was die indische Weisheitslehre die «Kundalini-Kraft» nennt – Lernaufgaben über Lernaufgaben für ein wirklich stimmiges, aktuelles Menschen­bild, das sich von dem der jungen Damen und Herren in unseren Spielfilmen, in unserer Fernsehwerbung 2016 so sehr unterscheidet wie von Erwachsenen wirklich Erlebtes von einer Aufführung für kleine Kinder im Kasperletheater…

Eine mögliche Bilanz

Zunächst wäre sie Resignation: „(…) das Wissen um die Unmöglichkeit einer Verständigung ist zu groß, jeder weiß, daß der andere eine andere Sprache spricht, daß der andere innerhalb eines anderen Wertesystems lebt, daß jedes Volk in seinem eigenen Wertesystem gefangen liegt, ja, nicht nur jedes Volk, jeder Berufsstand, daß der Kaufmann dem Militär nicht überzeugen kann, der Militär nicht den Kaufmann, der Ingenieur nicht den Arbeiter, und sie verstehen einander nur so weit, als jeder dem anderen das Recht zugesteht, seine Machtmittel rücksichtslos zu gebrauchen, sein eigenes Wertesystem rücksichtslos zur Geltung zu bringen, jeden Vertrag zu brechen, wenn es gilt, den Gegner zu überrennen und niederzuzwingen.“ sagte Hermann Broch in seinem Vortrag mit dem Titel «Zeit und Zeitgeist»in den 1930ern (s. Suhrkamp Taschenbuch 1997).

Und Albert Camus sagte in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Literaturnobel­preises am 10. Dezember 1957 in Stockholm „Die Wahrheit ist geheimnisvoll, ungreifbar, und muß stets neu erobert werden. Die Freiheit ist gefährlich, ihr zu leben ebenso hart wie berauschend. Diesen beiden Zielen müssen wir entgegengehen, mühselig, doch entschlossen, unseres jeweiligen Schwach­werdens auf einem so weiten Wege von vorneherein gewiß.“

Meine ganz persönliche Bilanz beim Studium der vorerwähnten und anderer Beobach­tungen: Das Hauptübel dieser Welt ist das permanente Streben, das eigene Selbst, das EGO, ins Zentrum zu stellen – und darin sind wir Männer absolute Weltmeister.

Wenn der Mann sich nicht radikal ändert, erfahren wir nichts als eine Endlosschleife der Geschichte, die ja eine einzige Blutspur ist. Artur Köstler soll  jedoch behauptet haben, der Mann ändere eher das Antlitz der Erde als seine Gewohnheiten – und genau das erleben wir momentan.

Es ist Adams Planet – gewaltsam von Adam okkupiert, Eva darf ihn mitbewohnen, wenn sie ganz artig ist, aber zu sagen hat Eva, die vom Wesen her verbindende, integrierende, friedliche, so gut wie nichts.

Sri Aurobindo: „Die Spaltung, das Ego, ein unvollkommenes Bewußtsein, das Suchen und Kämpfen einer auf sich bedachten Selbstan­maßung sind die wirkende Ursache  von Leid und Unwissenheit dieser Welt. (in: Das Rätsel dieser Welt, Yantra Publishing Reprint 2003)

Abschließend ein sehr überlegter Hinweis auf einen Weg einer Versöhnung mit der Schöpfung, der uns allen offensteht:

Es muß dringend eine neue Haltung gefunden werden, in der Werte Ziele setzen und dem Individuum das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. Veränderung wird zu häufig nur als Bedrohung des Selbst angesehen (…).

Die einzige Hoffnung scheint im gemein­samen Handeln zu liegen, das von der Einsicht in die Gefahren (…) inspiriert ist.

Ein wesentlicher Zuwachs an Weisheit ist wahrscheinlich nur durch die innere Entwicklung des Individuums zu erreichen.“

(Bericht des Club of Rome 1991: Die globale Revolution, S. 122 und 129)

 

 

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (3)

Da wir im Frachtraum unseres Kreuzfahrtschiffs noch einige freie Kubikmeter erspähen, finden noch zwei Container Platz, um am Zielhafen möglichst viele Bestandteile zusammen zu haben, die für ein neues Verständnis von Kranksein und von Gesundsein hilfreich sein könnten:

Container Nummer 1 enthält einen Gedanken Wittgensteins: „Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit“. [1]) – muß der Kosmos, „das raum- und zeitlose da draußen“, als Wirkungsfaktor in unsere Suche nach den Ursachen von Krankheit(en) einbezogen werden?

Tatsache ist, daß permanent kosmische Strahlung auf die Erde niederprasselt. Strahlung, die selbst von einer zwei Meter dicken Bleiplatte nur zur Hälfte absorbiert werden kann, während selbst die stärkste Röntgenstrahlung (Beta-Strahlen) einen ein Zentimeter dicken Bleimantel kaum durchschlagen. Diese Strahlung kann sogar in den Tiefen des Meeres nachgewiesen werden.

Sie kommt aus dem Weltraum. Wir wissen noch nicht, aus welcher «Tiefe», aber es ist «fossile Strahlung», eine, die aus Zeiten stammt, da das Weltall noch ganz kontrahiert war. Die andere, für diese kosmische Strahlung nachgewiesene Tatsache ist, daß sie auf eine anscheinend positive Weise auf die organische Entwicklung von Pflanze und Tief und damit auch auf den Menschen einwirkt.

Wenn also Einflüsse aus dem Orbit Positives bewirken, könnte es nicht auch solche Einflüsse von dort geben, die uns schaden?

Die Wissenschaftler Hoyle und Wickramasinghe erforschten diese Möglichkeit und erklären die allmähliche Abnahme der Gefährlichkeit z.B. von Seuchen, Epidemien und Pandemien so: „Die primäre Staubinfektion durch Kometen ist die tödlichste, und die Übertragung von Person zu Person mindert sie zunehmend in ihrer Virulenz, was über einen begrenzten Zeitraum zu abnehmender Krankheitshäufigkeit führt. (…) Diese Invasoren könnten in Form neuer Viren- und Bakterieninfektionen erfolgen, die in unregelmäßigen Abständen unseren Planeten heimsuchen und und in Form meteoritischer  Klumpen auf die Erdoberfläche sinken.“ [2])

Lyall Watson faßt diese Thematik so zusammen: (…) daß wir aber nicht in einem versiegelten Raumschiff leben, das von seiner Umwelt durch unsere behagliche Luftblase abgeschirmt wird. Die Erde wandert durch Raum und Zeit, und dabei ist sie ständig der komplexen Ökologie unserer Galaxie ausgesetzt, die Kometen und interstellaren Schutt enthält. Und der Raum zwischen den Sternen ist von Molekularwolken durchsetzt, die organische Verbindungen enthalten – Verbindungen, die alles liefern könnten, was zur Erzeugung sich selbst reproduzierenden Lebens erforderlich ist. (Der Kosmos ist) eher (…) ein riesiger, rhythmischer Organismus als wie eine disparate Ansammlung  unverwandter Fragmente, die voneinander fortstreben.“ [3])

Harmonie und Disharmonie im gesundheitlichen Kontext

Was uns zum letzten, wahrscheinlich prall gefüllten Container führt, den wir in unserem Frachtraum versenken: Das Universum schwingt, auch alles in allem Lebenden, ja selbst in nach unserer Definition «Leblosem» (z.B. Kristallen) schwingt, pulsiert – welche Rolle spielen Pulsation und Schwingung in Hinblick auf unseren menschlichen Organismus in Gesundheit und Krankheit?

Welche Rolle spielen hörbare und spürbare Harmonien und Disharmonien, Resonanzen, Dissonanzen beim Aufrechterhalten der unabdingbar notwendigen Homöostase eines Organismus?

Kann das, was wir Krankheit nennen, nicht im untersten Grunde ein Herausfallen aus größeren, übergeordneten Zusammenhängen sein, aus der Geborgenheit in einer großen Schwingung, einer großen Harmonie?

Ist die moderne Hektik, das moderne Gehetztsein, auch ein Grund für ein Zerstören der so notwendigen Harmonien in unserem Organismus, bis hin zur subatomaren Ebene?

Fritz Stege beobachtete folgendes:

„25920  – das ist die Zahl der Jahre, die die Sonne braucht, um bei ihrem Umlauf durch den Zodiac (Tierkreis) abermals den Frühlingspunkt zu erreichen – die sogenannte «Präzessionszahl».

Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürzten Jahr mit 360 Tagen. 72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920. Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag

Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.

Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation.“ [4])

Plato (vor allem mit dem Dialog «Timaios») und Pythagoras hätten ihre wahre Freude, könnten sie hier und heute als Referenten bei Veranstaltungen für ein neues Weltbild auftreten, oder?

Wer Ohren hat, der höre: In unserem Körper (durch das, was wir sprechen oder singen) und dadurch auch durch in anderen erzeugte Schwingungen sollte Achtsamkeit entgegengebracht werden! Hans Jenny, der Schöpfer der «Kymatik» genannten Wissenschaft, bringt es so auf den Punkt:

„Damit rückt der Kehlkopf und sein Wirken in den Gesichtskreis. Damit gelangt man auch hier in die Region der Genese von Schwingungseffekten, in das erzeugende Element. Man lernt den Kehlkopf als schaffendes Organ kennen, das in seinem Gebiet eine Art omnipotenter Natur entwickelt.“ [5])

Genug der Sammlung von Fakten, die ab einer gewissen Dichte wohl eher zur Verwirrung führen. Es wird Zeit für ein Fazit und für einen Blick auf mögliche Zukunftsszenarien im Bereich von Medizin, Gesundheit und Krankheit.

Bilanz und Ausblick

Unsere Beobachtungen und Überlegungen führten zunächst dazu zu erkennen, daß eine zeitgemäße Medizin, sollte sie diesem Namen gerecht werden wollen, an konsequenten Schlußfolgerungen aus dem veränderten wissenschaftlichen Weltbild für das Verständnis von Krankheit und Gesundheit, ja vom Menschsein per se nicht herumkommt.

Was nun alle Bürgerinnen und Bürger betrifft in Hinblick auf die Auswahlmöglichkeiten medizinischer Behandlung (vor allem der Entscheidung für eine auf diesem veränderten Welt- und Menschenbild fußenden Alternativ- oder Komplementärmedizin), müssen wir zunächst zwischen zwei Gruppen unterscheiden:

  1. Jene, die sich gesund wähnen oder sogar de facto nach klassischem-medizinischen Verständnis gesund sind und auch gesundheitsbewußt leben wollen und sich auch alle möglichen Therapien etc. leisten könnten, die von den Krankenkassen (noch) nicht bezahlt werden
  2. Und Jene – wahrscheinlich die Masse unserer Mitmenschen! -, die sich nichts oder nur sehr wenig an nicht krankenkassenfinanzierten Therapien leisten könn(t)en, ob sie sich jetzt bereits krank fühlen oder es de facto bereits sind.

Bis in erforderlichem Umfang seriöse alternativ-komplementäre medizinische Therapien anerkannt werden, so daß sie in eine neue GOÄ (= Gebührenordnung für Ärzte) oder als Medikamente in die «Rote Liste» Eingang finden, werden die Gletscher geschmolzen sein – was also wäre vorher zu tun?

Da eine Treppe eigentlich und nach allgemeiner Einschätzung wirklich nachhaltig nur von oben nach unten gefegt werden kann, stehen die Chancen schlecht, eine Gesundheitsreform im Kontext des vorab Erkannten hinzubekommen – ein deutscher Gesundheitsminister Spahn z.B würde seine Chancen auf eine Kanzlerschaft doch nicht leichtfertig mindern, indem er «esoterischen Spinnern» den Zugang zu Pfründen gewährt, die seiner Hauptklientel, der Pharmaindustrie, dem «Marburger Bund» und dem allseits verbreiteten Volksglauben an eine solide Weißkittelmedizin schaden!

Aber eine viel wichtigere Frage: Wie steht es um die «Branche» selbst?

Ist die Bandbreite der Alternativ/Komplementärmedizin solide organisiert, spricht sie mit einer Stimme, so wie der «Marburger Bund»?
Nein!!

Kann jeder, der z.B an einem Seminar über Aurachirurgie teilgenommen hat, sich folgenlos und selbst im Falle eines Mißerfolgs ungestraft an meinem Bandscheibenvorfall vergreifen, sofern ich nur mein Einverständnis dazu gab?

Ja!!!!!

Gibt es offiziell und international oder zumindest national verifizierte Standards, die erfüllt werden müssen, nachweisbare Qualifikationen, um behaupten zu dürfen, sich seriös und qualifiziert um die Gesundheit zahlender (oder spendender) Hilfesuchender zu kümmern?

Nein!!!

Besuche ich wegen welchen Leidens auch immer eine Frau Doktor med., kann ich mich zumindest darauf verlassen, daß sie Abitur machte und sich durch ein Studium und mehrere Praktika gequält hat, bevor sie auf die Menschheit losgelassen wurde – welche Sicherheit aber finde ich bei Herrn Josef Müller, der plötzlich erleuchtet wurde, sich seit zwei Jahren «Shaksawi» nennt, weil das Universum ihm dies als seinen wahren Namen mitteilte, der mir mit über die Schulter wallendem, weißen Haar entgegentritt, mit einem Griff meine Chakren in die richtige Schwingungsfrequenz versetzt und sich dann breit lächelnd für die großzügige Spende bedankt? (beide Namen verändert, aber selbst so erlebt)

Es scheint überaus schwierig, aber für eine auch nur einigermaßen solide Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit unumgänglich: Eine erneuerte Medizin, die sich die Quintessenz aus den Erkenntnissen einer Wissenschaft des 21. Jahrhunderts aneignet und sie in solide Therapien umsetzt, muß sich auf den holprigen, gewundenen, fallenreichen Pfad begeben, den auch die heute etablierte Medizin über mehrere Jahrhunderte (!!) beschritt, nämlich Versuch und Irrtum, Mut, Rückschläge, Selbstkritik und gelegentliche Selbstüberschätzung, revolutionäre Fortschritte und schmerzliche Rückschläge. Vor allem aber: Demut…

Die anerkannte Berufsbezeichnung «Heilpraktiker/in» scheint zum Beispiel als ein sehr guter Schritt in diese Richtung, auch Krankenkassen, die sich plötzlich «Gesundheitskassen» nennen und durch neue Leistungen Alternativ-Komplementäres dadurch sozusagen legitimieren.

Aber bleiben wir hartnäckig: Wenn sich im menschlichen Körper Kräfte manifestieren, zu denen selbst eine klassische Ärztin, ein ausgebildeter Heilpraktikerin keinen Zugang finden kann, dafür aber eine Person, die sich «Schamanin» nennt – was dann?

Wer erteilt ein nach DIN-A_XX zertifiziertes Schamanendiplom?

Gilt nur, „wer heilt, hat recht?“ Und wer definiert im Spektrum der neuen Medizin, wann jemand geheilt ist oder aber nur vorübergehend, durch euphorische Zustände zum Beispiel, ein Placeboerlebnis erfährt?

Wir lernten aus unseren Fragestellungen der drei Essays von der Komplexität dessen, was wir Mensch nennen;

und wir haben verstanden, daß monokausale Diagnosen der Vergangenheit angehören müssen, daß der vor einem Ratgebenden, einer Hilfe anbietenden sitzende Rat- und Hilfesuchende ein komplexeres System ist als ein auf eine Ursache zu reduzierendes Krankheitsbündel.

Es bedarf starker, mutiger Persönlichkeiten, um eine liebevoll am Individuum ausgerichtete, in der Öffentlichkeit anerkannte, solide neue Medizin zu organisieren.

Und es bedarf eines Paradigmenwechsels in einer Gesellschaft, die pro Tag mehrere auf Kosten der Gebührenzahler ausgestrahlte brutale Krimis zeigt statt Filmen über Themen, in denen gezeigt wird, daß auch friedvolles Verhalten eine Gesellschaft prägen, formen kann;

die (ja, auch die deutsche!) Gesellschaft muß verhindern, daß „starke“ Männer in schnellen Autos verherrlicht, daß Konsum und Macht in den Himmel gehoben und medial verbreitet werden.

Da könnte die Treppe vielleicht doch von unten nach oben gekehrt werden: Laßt uns seelisch und damit eindeutig auch körperlich gesunde Kinder heranziehen, die den Weg durch die Instanzen („die Treppe aufwärts“) gehen / kehren und endlich der allen Menschen innewohnenden Sehnsucht nach Liebe, nach einem friedvollen Umfeld, nach Wahrhaftigkeit statt sozialer Lüge gerecht werden.

Der meist verstümmelt wiedergegebene und daher mißinterpretierte Satz „Omnium rerum homo mensura est“ (der sogenannte «homo mensura Satz des Prothagoras) wird nämlich meist nur so zitiert: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge…“, was zu einem homozentrischen Weltbild verführt.

In seinem vollen Wortlaut jedoch liest sich das anders: (übersetzt): „“Der Mensch ist das Maß aller Dinge / der Seienden, daß sie seien, der Nichtseienden, daß sie nicht seien“.

Also ein Gedanke, der Herrn Kant hoch erfreute, ein erkenntniskritischer Satz: Wir kleinen Menschlein erkennen nur begrenzt, sehr begrenzt, was das «Seiende» ist – immer, wenn wir glauben, einen kleinen Erkenntnisschritt getan zu haben, öffnet sich uns ein Universum an bitteschön gefälligst und demütig neu zu Erkennendem…

Wir stehen vor der riesigen Herausforderung, in einer Ellbogengesellschaft eine auf bedächtigem, ruhigen und besonnenen Vorgehen fußende neue Medizin etablieren zu wollen, die der liebevollen Weltseele heilenden Zugang zu menschlichen Wesen verschafft – Wesen, die ihrerseits jedoch, zumindest in den sogenannten westlichen Kulturen, sich von der Akzeptanz des Seelischen immer weiter entfernen.

Ein wichtiger Schritt ist dabei, daß immer mehr mutige und gottlob auch humorvolle und eloquente Wissenschaftler ebenso wie solide Quereinsteiger in die Medizin den klassischen Naturwissenschaften Respekt zeugen, aber sie nicht, wie oft geschehen, als Beherrscher, sondern als Diener des Lebens sehen.

In diesem Sinne sei das Schlußwort dem altehrwürdigen Carl Ludwig Schleich gewährt, dessen zweifelsfreies Verdienst es war, der Medizin der damaligen Zeit wieder die Augen zu öffnen für die Metaphysik in unserem Dasein, der Metaphysik als Zwilling der Physik und fernab vom spiritistischen Hokuspokus der damaligen Zeit:

„Leider hat sich die Naturwissenschaft abgewöhnt, auf die Wunder in uns selbst zu achten, die größer sind als die aller spiritistischen Medien. Mich interessiert das Tischrücken, das Kommodenrücken oder das Klopfen von Geistern nicht so sehr wie das Wunder eines Neugeborenen, die Tatsache, daß ich ihm zum ersten mal über die Stirn streichen kann.

Ja, ich muß gestehen, der mir erscheinende Geist meines verstorbenen Vaters würde mich nicht einmal so erstaunen machen, wie der Anblick eines frisch aufbrechenden Kelchs einer Blüte (…) Der Mensch hat soviel Zauberei und Wunder in sich, daß daß wir nicht nötig haben, nach den Wundern zu blicken, die hinter Gardinen und Tischlaken versteckt sind.“ [6])

[1]) Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus 6.4312  Suhrkamp 1963)

[2]) Hoyle, F. & Wickramashinghe, Does epidemic disease come from space? New Scientist 76, 402-404, 1977

[3]) Lyall Watson, Der unbewußte Mensch. Gezeiten des Lebens – Ursprung des Wissens. MVG 1969  S. 48 ff

[4]) Fritz Stege, Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter. Otto Reichl Verlag 1961 S. 30 ff

[5]) Hans Jenny, Kymatik. Wellen und Schwingungen mit ihrer Struktur und Dynamik. Band 2. Basileus Presse AG Basel 1972

[6]) Carl Ludwig Schleich, a.a.O. Bewußtsein und Unsterblichkeit. S. 24