Der Fall Israel und die Rassismus- und Antisemitismuslüge. Ein Offener Brief an unseren Innenminister

Offener Brief an den Bundesminister des Inneren, Herrn Dr. Seehofer

Sehr geehrter Herr Dr. Seehofer,

wer immer das auch gesagt haben mag, es trifft den Nagel auf den Kopf: „Selbst wenn zehn Millionen Blödsinn reden, bleibt es immer noch Blödsinn“ (dieses Zitat finde ich hoffentlich demnächst in einer Ihrer Reden wieder).

Die nachfolgenden Ausführungen mögen dazu beitragen, daß zumindest auf Regierungsebene demnächst zu den Themen «Rassismus» und «Antisemitismus» – Sie entschuldigen!? – weniger oder gar kein Blödsinn mehr geredet wird.

Tatsache ist leider, daß schon alleine die Erwähnung des Worts «Juden» bei jeder Politikerin, jedem Politiker alle Alarmglocken schrillen läßt. Damit demnächst nur ein paar Glöckchen läuten können, statt stets die ganze Alarmanlage in Gang zu setzen, hier eine Aufreihung von Fakten zur Verwendung bei künftigen Argumentationsnotständen (mit Quellenangaben, versteht sich, ich bin zwar Franke, aber kein fränkischer Gutsherr).

  1. Der Rassebegriff

Täglich wundert sich das Murmeltier, wie es angehen kann, daß im
21. Jahrhundert selbst professorale Intellektuelle es noch wagen, von menschlichen Rassen zu sprechen. Dieser Terminus stammt aus dem
19. Jahrhundert, als Rechtfertigung der Überlegenheit der «weißen Rasse».

Abgesehen davon, daß mir noch kein wirklich weißer Mensch begegnet ist (von Weisen ganz zu schweigen), sind Koreaner, Chinesen oder Japaner manchmal bleichgesichtiger als mancher Oberbayer, jedenfalls nicht gelb. Und bei meinen vielfältigen Kontakten mit Menschen aus Afrika braunte es nur so – aber selbst die extrem Dunkelhäutigen tendierten eher zu einem tiefen Anthrazit.

Graf Gobineau verfaßte 1853 die Schrift «Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen». Es war jedoch der Stammesbegriff der Bluts-gemeinschaft, die meist auf einem «Heros eponymos» fußte (s. z.B. die Äneis oder die Sagen der alten Indianer Nordamerikas), der zu dieser Fehlinterpretation geführt haben kann. Gemeint waren nämlich gewisse Ahnenreihen in Stammesgemeinschaften und einigen sozialen Schichten (so wurden im 19. Jahrhundert eine königliche Dynastie als «Rasse» bezeichnet und im 18. Jahrhundert kannte man die «Noblesse de race» als ererbten Stammesadel).

Weder Geschichte noch Wissenschaft liefern heute noch einen „Beweis“ für die Existenz von Rassen. Lévy-Strauss schreibt in «Rasse und Religion»: „Der einzige Mangel, der einer menschlichen Gemeinschaft betrüblich sein kann und sie hindern kann, ihre Natur voll und ganz zu verwirklichen, ist, daß sie isoliert wird.“

Fazit für den politischen Alltag:
Wenn z.B. Deutsche Türken wie auch immer beschimpfen, dann sind das nationalistische und in keinem Sinne rassistische Äußerungen – denn die Türken bilden eine Nation, aber keine «Rasse», bestenfalls eine Ethnie – siehe oben. In diesem Sinne hat es übrigens auch nie eine «jüdische Rasse» gegeben. Juden waren zu allen geschichtlichen Epochen Komponenten ethnischer Gemeinschaften, die eben, da capo, auch wiederum keine eigene «Rasse» bildeten (s. unter  2.)

  1. Antisemitismus

Auch hier bedarf es, sehr geehrter Herr Dr. Seehofer, dringend einer Revision der Terminologie. Denn auch hier gilt: Historiker, Semantiker etc. sind sich seit eh und je vollauf bewußt, daß «Semiten» keineswegs ausschließlich Menschen jüdischen Glaubens sind. Die Nomaden und die seßhaft werdenden Hirtenvölker, die damals Kanaan bevölkerten, waren Aramäer, also lediglich von ihrer Sprache her und nicht nach irgendeinem «Blutsbegriff» Semiten, ebenso wie es heute die Araber und die Israeliten sind. Und die historische Lüge, es wäre ein «jüdisches Volk» aus Ägypten gezogen, ist seit Jahrhunderten widerlegt, wenngleich politisch und nationalistisch für Israel heute noch sehr hilfreich (die «apiru» oder «habirou», die dem Pharao einen Streich spielten, waren keine homogene Ethnie, sondern ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus einer aufsässigen Randbevölkerung Ägyptens).

Es sollte also von Seiten seriöser Politikerinnen und Politiker, zu denen ich Sie, sehr geehrter Herr Dr. Seehofer, von jeher zähle, doch endlich tunlichst politisch und historisch korrekt dargestellt werden, daß jemand, der etwas „gegen Juden“ sagt, nur dann Antisemit wäre, wenn er die Bewohner der riesigen Region zwischen Persien und Ägypten sozusagen in einem Aufwasch meint – ansonsten äußert sie oder er sich lediglich über eine religiöse Gruppierung (s. Ausmerzung des Rassebegriffs unter 1.).

Für Frau und Herrn jedermann verifizierbar ist diese Tatsache ganz einfach: Stellen wir in einen Raum z.B. einen arabischen Juden, einen äthiopischen Juden und einen Aschkenasim, ist die Lächerlichkeit einer solchen angeblichen einheitlichen «Rasse» deutlich ersichtlich, von Stupsnase bis Adlernase, von kleinem Wuchs zur Hünenfigur, von bleich bis dunkelbraun ist da ja dann alles vertreten. Übrigens: Die große Mehrheit der russischen, polnischen und galizischen Juden z.B. stammen ab von den Khazaren, einem Tartarenvolk Südrußlands, die zur Zeit Karls des großen geschlossen zum Judentum übergingen. Hängen wir zu dieser Gruppe dann noch ein Foto von Sammy Davis jr. (er bezeichnete sich ja auch als Juden), dann wird die Lächerlichkeit dieser These von der jüdischen Rasse glasklar deutlich.

Per moderner jüdischer Definition ist ja automatisch Jüdin oder Jude, wer von einer jüdischen Mutter geboren wird, auch wenn der Vater von Moses noch nie etwas gehört hätte und aus dem Dschungel Innerafrikas stammen würde. Die Unsinnigkeit auch dieser Definition erweist sich bei der Vorstellung, der kleine Xaver aus Lenggries ist schon bei der Geburt katholisch, weil die Mama katholisch ist.

Maxime Rodinson meint dazu: Es ist sehr wahrscheinlich – und die physische Anthropologie bemüht sich, es zu veranschaulichen – daß die als «Araber» bezeichneten Bewohner Palästinas (in ihrer Mehrheit übrigens Arabisierte) sehr viel mehr Blut der alten Hebräer in sich haben als die meisten Juden der Diaspora (…) Um sich das klar zu machen, genügt es, an den jüdischen Staat in Südarabien im VI. Jahrhundert zu erinnern, der auf judaisierter Grundlage bestand; oder an den jüdisch-türkischen Staat der Khazar in Südost-Rußland im VIII. bis X. Jahrhundert auf türkischer oder finnougrischer, zweifellos z.T. slawischer Grundlage; an die so gut sinisierten Juden in China; an die schwarzen Juden in Cochin; die Falasha Äthiopiens usw.“ [i])

 Fazit für den politischen Alltag:
1. Auch wenn dies einigen tiefbraunen (Papp)Kameraden in den Reihen der AfD nicht schmecken mag, aber der Kampf gegen Juden per se erweist sich als ein Ritt gegen Windmühlen, da der Anteil der täglich aktiv ihren religiösen Pflichten Nachkommenden unter den Jüngern mosaischen Glaubens ebenso gering ist wie das Äquivalent im Christentum

2. Vollkommen lächerlich erscheint in diesem Licht auch die Mär von «jüdischen Verschwörern“: Es mag eine Clique oder gar mehrere geben, die versuchen, z.B. in großem Stil Wirtschaft und Politik zu manipulieren, aber diese Dunkelmänner verabreden ihre Machenschaften nicht in der Synagoge und auch nicht im Namen des Ewigen, sondern im Namen von Machtgelüsten und Opfergabenbeschaffung für den Gott Mammon. Amen.

3. Israel als Staat
Sie, sehr geehrter Herr Dr. Seehofer, und überhaupt so gut wie alle in der Politik Aktiven sind nicht zu beneiden wenn es darum geht, in welchem Zusammenhang auch immer zum Thema Israel zur Stellungnahme aufgefordert zu sein – was immer Sie auch sagen mögen, irgend jemand ist immer da, der es hält wie der Menschenschlächter Kardinal Richelieu: „Gebt mir drei Sätze vom gerechtesten aller Menschen und ich finde zehn Gründe darin, um ihn aufzuhängen!“ (das Zitat schenke ich Ihrem Redenschreiber zur freien Verwendung).

Zum Thema Israel: Wenn morgen die Ureinwohner Amerikas verlangen würden, alle „Bleichgesichter“ hätten den Kontinent sofort zu verlassen, weil Manitu das Land ihren Vätern vor 3000 Jahren versprochen habe, hätten Kabarettisten und Cartoonisten ihre Freude – beim Anspruch der Vertreter einer (nicht existierenden!) jüdischen Rasse dagegen war das nach nahezu 3000 Jahren Abwesenheit aus dem «Gelobten Land» 1917 / 1922 / 1948 keine Frage. Zweierlei Maß, weil die einen (Juden mit weltweitem Rückhalt in allen Bereichen der Gesellschaft) den Deutschen und dem Rest der Welt, der der Schoa nicht Einhalt gebot, ein schlechtes Gewissen machten, (solange die Tätergeneration noch lebt, zurecht), aber die Indianer Nordamerikas zwar auch einen brutalen Genozid erlebten, jedoch niemals eine starke Wirtschaftslobby hatten?

Etwas Geschichtsunterricht zur Aufdeckung der alten Lügen um den historischen Anspruch auf „das gelobte Land: Lediglich König David, einem Bandenführer aus dem Stamme Juda, gelang es offensichtlich ca. um das Jahr 1000 v.u.Z., in Jerusalem als Zentrum beheimatet und von Kretern und Philistern gestützt, einen Vielvölkerstaat (!!) zu errichten, die Ureinwohner, die Jebusäer z.B., lebten dort weiter. David vertraute einem Philister (!) das Kommando an über ein Drittel seines Heeres und  nahm ohne Hemmungen die Unterstützung des Ammoniterfürsten Shobi an.
Salomo war der Sohn aus Davids Verbindung mit einer Hethiterfrau (!). Nach Salomos Tod zerfiel das Reich in Israel und Juda, das 587 v.u.Z. von den Babyloniern eingenommen wird. Die Hebräer lebten dann nacheinander unter persischer, griechischer, römischer Herrschaft.
Benjamin von Toledo, ein jüdischer Pilger, der Jerusalem 1170 u.Z. besuchte, trifft in Palästina nur noch 1140 Juden an. Als später Juden aus aller Welt in diese Region zurückkehrten, geschah dies nicht aus „Heimweh nach dem gelobten Land“, sondern lediglich aufgrund von Verfolgungen. Im Jahre 1845 gab es in Palästina nur ca. 12000 Juden unter 350000 Einwohnern, 1880 ca. 25000 unter 500000 Einwohnern.
Roger Garaudy schreibt: „Weit davon entfernt, die ersten Besetzer des Landes zu sein, sind die Hebräer nur eine Komponente unter vielen anderen in diesem Völker-Schmelztiegel im «fruchtbaren Halbmond». Sie können keinesfalls eine Sonderstellung in dieser langen Geschichte beanspruchen. Der politische Zionismus treibt eine Manipulation und eine systematische Verfälschung der Tatsachen, indem er in den israelischen Schulbüchern sowie in der außenpolitischen Propaganda für die Geschichte Palästinas bezeichnend, nur die seltenen Augenblicke erwähnt, in denen die Hebräer hier eine Rolle gespielt haben (im 13. Jhd. V.u.Z., die dreiundsechzig Jahre der Regierungszeit Davids und Salomos, nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und in den Jahren 63 und 135 gegen die Römer).“ [ii])

Da unter Gebildeten allezeit klar war (und mit Sicherheit auch all den kompetenten Köpfen sowohl in Ihrem als auch im Außenministerium auch heute bewußt ist), daß – siehe oben – weder eine jüdische «Rasse» noch eine homogene, jüdische Ethnie existiert oder je existierte, hätte die Welt sich dagegen wehren sollen, daß in unseren Tagen ein zweites Mal das geschieht, was „zu biblischen Zeiten“ offensichtlich schon einmal geschehen sollte und wohl auch geschah: „Die Städte dieser Völker, die der Herr, dein Gott, dir zum Erbe gibt, sind die einzigen, wo du nichts leben lassen sollst, was Odem hat, sondern sollst sie verbannen, nämlich die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat“ [iii]). Oder gar: „So zieh nun hin und schlage die Amalekiter und verbanne sie mit allem, was sie haben, schone ihrer nicht, sondern töte Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Schafe, Kamele und Esel“. [iv]).

Was sind da schon ein paar tausend Palästinenser 2019 gegen diese historischen, zum Abschlachten freigegebenen Völkerschaften? «Der Ewige» war damals nicht zimperlich, er scheint es heute auch nicht zu sein, und Netanjahu ist sein Stellvertreter und Vollzugsbeamter auf Erden?

Das klingt, zugegeben, polemisch, sehr geehrter Herr Dr. Seehofer, aber ich muß einem Mißverständnis vorbeugen: Die mosaische Religion genießt meinen höchsten Respekt, steckt voller noch nicht gelüfteter Geheimnisse. In meiner Bibliothek finden Sie sowohl bei meinen theologisch-philosophischen Beständen als auch bei der Belletristik hochkarätige Literatur zum Judentum. In den frühen 1980ern hatte ich sogar Gelegenheit, ein längeres Vier-Augen-Gespräch mit dem ehrwürdigen Rebbe Friedrich Weinreb in Zürich zu führen, da ich einige Fragen zu seinem Buch «Der göttliche Bauplan der Welt» hatte, ein Werk, das mich seit Jahrzehnten begleitet.

Hinweis an die Politik in diesen Tagen:
Die aktuelle Tagespolitik fordert eine stärkere Überwachung muslimischer Treffpunkte und Moscheen, da dort Gewalt gepredigt werden könnte – daß im Religionsunterricht Israels und damit auch an jüdischen Schulen in Deutschland heute noch gewalttätige Besitzergreifung und Genozid glorifizierend am Beispiel des Buchs Joshua gelehrt wird [v]), stört offensichtlich nicht, obwohl es sich dabei um absolute historische Legenden handelt. [vi]) – der Gott Israels und sein Bodenpersonal darf alles, denn wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht das Gleiche – quod erat demonstrandum?!

Sie sehen mir nach, daß ich mich in der Form eines Offenen Briefs an Sie wende. Es erscheint jedoch notwendig, einer Öffentlichkeit, der permanent und jahrzehntelang Steuergelder für die Unterstützung und sogar die Aufrüstung Israels abgefordert werden, Fakten zugänglich zu machen, die – bei allem Respekt vor Ihrer Arbeit, sehr geehrter Herr Dr. Seehofer – weder durch Ihr Haus noch durch andere offizielle Stellen, deren Aufgabe dies eigentlich wäre, zugänglich gemacht werden würden.

Offen für alle kritischen Anmerkungen zu meinen Ausführungen und mit der Bitte um Nachsicht, daß Sie Ihren Platz für einen „Franggen“ räumen mußten und ich bis zu meinem 28. Lebensjahr in Nürnberg lebte und sogar später öfter in der ehemaligen Stammgaststätte Ihres Nachfolgers in Laufamholz zu Gast war (beim «Jugo», der mich und sicher auch Markus Söder mit Slivovic auf geniale Gedanken brachte), sende ich gutbürgerlich-dankbare Grüße für Ihre großartige Arbeit nach Berlin!

Hugh Lorenz

[i]) Rodison, Maxime, People juif ou problème juif, Ed. Maspero 1981, S. 218

[ii]) Garaudy, Roger, Der Fall Israel, Dialog Press

[iii]) 5. Buch Moses XX, 16-17

[iv]) 1. Buch Samuelis XV, 3

[v]) „Mann und Frau, Kind und Greis“ sollen „mit des Schwertes Schärfe getötet“ werden, Buch Josua VI, 21

[vi]) Die Archäologie wies längst nach, daß Jericho schon im XIV. Jahrhundert zerstört worden ist; in der angenommenen Periode des Lebens Joshuas war sie längst verlassen, s. u. a. Pater de Vaux, Alte Geschichte Israels, S. 447