Adams Welt, Evas Antwort Gedanken zum gesellschaftlichen Paradigmenwechsel

„Wat braucht der Mensch außer Glotze gucken, ´n bißchen bumsen, ´n bißchen Anerkennung?“

Ist Graciano Rocchigianis [1]) [1]Welt Adams Welt? Oder die Tatsache, daß täglich bundesweit über siebenhunderttausend Bordellbesuche gezählt werden? Daß Frauengefängnisse nur ca. 2,4 % unserer Justizvollzugsanstalten stellen (Jugend­vollzugsanstalten für Frauen eingerech­net!)? Daß es einem ach so charmanten, unauffälligem Mann gelingt, ein entführtes Mädchen acht Jahre in einem Verließ zu peinigen, inmitten unseres Alltags?

Quatsch, Polemik, Unsinn! Da ist doch auch Mozart und Rilke und der sanfte, zahme 102jährige Johannes Hesters, da ist Thomas Gottschalk, der Schwiegersohntyp, der keiner Fliege, geschweige denn einem Weib was zu leide tun kann;

und da gibt es den netten Herrn Müller von nebenan, der seit fünfzig Jahren mit einer gelähmten Frau verheiratet ist und sie in jedem Sinne des Wortes „auf Händen trägt“. Da sind die tollen Kerle von der Feuerwehr und der nette Arzt aus der Frauenklinik. Aber dies alles ist letztendlich…

Adams Welt

…denn unsere Wahrnehmung blendet bei einer solchen Auflistung eine entscheidende Tatsache aus – daß nämlich unser Alltag im 21. Jahrhundert weltweit nach wie vor mit unreflektierter Selbstverständlichkeit in allen entscheidenden Bereichen von männlicher Wahrnehmung und männlicher Interpretation des Daseins geprägt ist, daß selbst die elementaren Entscheidungen darüber, was Recht und was Unrecht ist, was unser ethisches Gerüst für Alltag und Gesellschaft formt, maskulin geprägt und bestimmt wird. Was zunächst durchaus wertfrei zu sehen wäre, wäre da nicht die andere, in den erwähnten Bereichen deutlich unter­repräsentierte Hälfte der Weltbevöl­kerung. Und die ist nun mal weiblich.

Diese Hälfte ist de facto, nicht de jure (oh nein, da feiert die Emanzipation offiziell fröhliche Urständ´! Nur … die normative Kraft des Faktischen hält „die Weiber“ schon raus von dort, wo sie nun mal wirklich nicht hingehören…!) von den wesentlichen Entschei­dungs­prozessen und Weichenstellun­gen über die Art und Weise der Gestaltung und des Klimas unseres sozialen Lebens ausgeschlossen.

Dies gilt im Makro- wie im Mikrobereich: In Unternehmen entscheiden in der überwiegenden Zahl der Fälle immer noch Männer über Kommunikationsstrukturen, über deren Aufbau und Inhalte, sowohl im Innenverhältnis (innerbetriebliche Kommunika­tion), als im Außenverhältnis (Produkt­gestal­tung, Angebotspräsentation, Werbung etc.) –  was für eine Vergeudung an wertvollen Ressourcen der „Kommunika­tions­- und Sozialisierungs­weltmeister Frauen“!

Freuds Arbeit über „Das Unbehagen in der Kultur“ müßte überarbeitet und neu aufgelegt werden als „Das Unbehagen des Mannes in der von ihm geschaffenen Kultur“, denn James Brown bringt es in seinem Song It’s a man’s world  in der letzten Strophe auf den Punkt:

“This is a man’s world, but it wouldn’t be nothing, nothing not one little thing without a woman or a girl! He’s lost in the wilderness, he’s lost in bitterness…” [2] [2]) – insbesondere empfindsame, gebildete und intelligente Männer fühlen sich nämlich gar nicht mehr so wohl als sackgassengefangene Zauberlehrlinge in einer komplexen Welt, die längst als von Adam nicht „mach(t)bar“, nicht beherrschbar erkannt wurde – man(n) beachte die Wurzel „Herr“ in „herrschen“….

Weibergequatsche

…ist das Geheimnis der längst belegten, der dem Mann haushoch überlegenen Kommuni­kationsfähigkeit von Frauen: Wie die Neurologie aufzeigt, bilden sich bei jedem Gespräch in unserem Gehirn neue Synapsen [3]), was zu einer Erweiterung und Verbesserung von Assoziationsfähigkeit führt, also der Fähigkeit, auf ähnliche, gespeicherte Informationen zurückzugreifen und solche Informationen durch neue Inhalte und Verknüpfungen komplexer zu gestalten.

Die Entdeckung der sogenannten „Spiegelneu­ro­nen“ [4]), das vorläufige Tüpfelchen aufs „i“, bestätigt, daß Empathievermögen, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen zu versetzen, wesentlich von der Quantität und Intensität unserer kommunikativen Kontakte mit unseren Mitmenschen abhängt, verbalen wie nonverbalen. Und da ist Eva Adam nun mal …mannshoch überlegen.

Aber Kommunikationsfähigkeit ist eines, Was kommuniziert wird, das andere. Nachweislich transportieren Frauengespräche Inhalte, die stets zwei entscheidende Merkmale aufweisen: neugieriges Lernen [5]) und die Suche nach Konsens.

Margarate Mitscherlich beschreibt in ihrem epochalen Werk „Die friedfertige Frau“ detailliert, warum „die Zukunft weiblich“ ist (ein zweiter, erfolgreicher Buchtitel aus ihrer Feder [6]) – und nach ihren Schlußfolgerungen schlicht und einfach friedvoller. Und das ist zu einem Gutteil auf subtile, weibliche Kommuni­kationsfährigkeit zurückzu­führen.

Evas Antwort

…ist ein kluger und bewährter Ansatz zur Verständigung zwischen Parteien unterschied­licher Auffassung. Er entspricht dem Gedanken von Blaise Pascal (in den «Pensées): „Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm (ihr) zusammen in einer höheren Wahrheit zu treffen!“ – insofern erweist sich die weibliche Art der Konfliktlösung mit dem Prinzip der wissen­schaft­lichen, auch der demokratischen Idee und der des humanen Wegs zur Befriedung des Planeten identisch. Und damit dem herrschenden, patriarchalisch-männlichen Ansatz zweifellos haushoch überlegen.

Die Schlußfolgerungen aus der weiblichen Art zu kommunizieren sind jedoch weitaus bedeutsamer, als dies auf den ersten Blick scheint. Denn jeder Fortschritt in unserem Leben fußt auf einer Verbesserung unserer Kommunikationsfähigkeit.

Unsere Gesellschaft bedarf jedoch dringend in ihrer Gesamtheit einer solchen Optimierung der Gesprächsfähigkeit im zwischenmensch­lichen Bereich, hier insbeson­dere in Richtung dessen, was ich „geschlech­ter­versöhnt“ nennen will: Adam und Eva sollten sich als einander jederzeit und ohne Einschränkung auf Augenhöhe begegnend verstehen!

Aber an welchen Schlingen wäre zu ziehen, um hemmende Knoten auf dem Weg zu einem solchen Umgang miteinander zu lösen?

Ich greife im Rahmen dieses begrenzten Forums zwei Beispiele heraus, die jedoch als zentrale Ansätze gelten können, weil sie sich bis in die Niederungen des familiären Alltags, der Partnerschaften, aber auch der Situation am Arbeitsplatz erstrecken.

Kooperation statt Konfrontation

…als gesamtgesellschaftliches Motto ist ein solches Beispiel. Denn das Paradigma „Konkurrenz als Fortschrittsgarant und Entwicklungsmotor“ steht auf dem Prüfstand, oder sollte zumindest schleunigst dorthin.

Darwin schrieb nämlich nicht, wie fälsch­licherweise meist zitiert wird, vom Überleben des Stärkeren, sondern vom Überleben des an veränderte Umwelt­bedingungen besser Angepaßten [7]) – und schon wären wir bei einer der zentralen, femininen Fähigkeiten – Frau biegt sich, wo Mann zerbricht! Aldous Huxley schrieb: „Der Mann ändert eher das Antlitz der Erde, als seine Gewohnheiten“.

Maskulin geprägte Verhaltens­muster zählen Kampf, Eroberung, Sieg, Dominanz, Manipulation, Unterwerfung, besser, stärker, schneller sein als der andere, der Gegner oder gar der „Feind“, zum Vokabular und zum internalisierten Verhaltenskodex.

Es ist uns Männern gar nicht bewußt, wie diese Muster unseren Alltag prägen, das ist das Gefährliche an diesem global bedrohlichen Phänomen.

Im finalen Denken geschulte Geister erkannten aber seit eh und je, daß der Kampf „jeder gegen jeden“ letztlich in einer Ausrottung der Spezies enden muß, auch wenn dieser Kampf auf dem Podium wohlklingender Slogans und Lebenslügen wie „Konkurrenz belebt das Geschäft“,das Bessere ist der Feind des Guten“ oder schlicht unter dem Generalmotto „Marktwirtschaft“ [8]) ausgetragen wird.

In der angeblich „sozialen“ Marktwirtschaft hat jedoch schon längst der „Vernichtungs­wettbewerb“ den Verdrängungs­wettbewerb er­setzt – Krieg an allen Fronten..?!

Es ist das herausragende Verdienst Ernest Bornemanns, akribisch und in einer enormen wissenschaftlich-interdisziplinären Bandbreite aus der Geschichte seit Hellas und Rom und als Anthropologe und Sexualwissenschaftler mit einem breiten Überblick über die Forschungsergebnisse der ersten sechs Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts die Überlegenheit matristischer gegenüber patriarchalischer [9]) Gesellschaften aufgezeigt zu haben, wobei die erstgenannten stets von Kooperation, Loyalität, Harmonie und gewaltloser Beilegung von Konflikten geprägt waren.

Gespräche mit modernen Frauen, die sich kompetent mit Themen aus Politik und Wirtschaft beschäf­tigen, weisen ebenfalls auf eine pragmatische und zugleich durchaus befriedete Kommuni­ka­tion“ im Kontext von „Kooperation der Beteiligten“ aus, die als Synthese aus anscheinenden Widersprüchen und als klug dialektisch erarbeitet gelten kann. [10]).

„Liebe, Geduld, Ausdauer, Hegen und Nähren sind die Grundsteine der mütterlichen Welt. Angst, Neid, Schuld und Scham sind die des Patriarchats. Macht, «Recht», Autorität und Gehorsam sind die Eckpfeiler des Gebäudes, auf denen alle patriarchalischen Gesell­schaften ruhen, auch die unsrige.“, schreibt Ernest Bornemann [11])

Wer übrigens die Natur anführt, um triumphierend festzustellen, daß dort ja auch Kampf, fressen und gefressen werden Alltag ist, übersieht, daß gerade dort Mechanismen greifen, die dazu führen, daß eine Spezies niemals so weit dezimiert wird, daß sie ausstirbt, also daß Jäger zum Beispiel die Gesamtheit ihrer Beute niemals über ein gewisses Maß hinaus dezimieren – so als „wüßten“ sie, daß dies unweigerlich zu ihrem eigenen Aussterben mangels Nachschub führen würde – ein weiteres Beispiel für geradezu unheimliche Naturkonstanten, unsichtbar, aber überaus wirksam [12]).

Wahrhaftigkeit

…, bedeutet schlicht und einfach die Abwesen­heit von Lüge, dem zweiten zu lösenden kommunikativen und gesamtgesellschaftlichen Knoten.

Lügen haben, wie z.B. die Ergebnisse intimer Gespräche mit Teilneh­merinnen und Teilnehmern an meinen Veranstaltungen zum Thema „Partnerschaft“ immer wieder belegen, häufiger behaarte als lady­geshavte Beine, mit dem prägnanten Unterschied, daß Frau besser, Mann aber häufiger lügt.

Aber wie wäre es in einem von schizophrenen Verhältnissen geprägten zentraleuropäischen Alltag 2006 auch anders möglich: Das Spektrum der stündlich kolportierten Halb­wahr­heiten und in Kauf genommener Unwahrheiten in Wirtschaft, Politik und Verwaltung, in der Werbung, im Austausch von Empfindungen („Wie geht´s?“ „Oh, danke, ganz gut…“, obwohl wir oft den Tränen nahe sind) ist so evident, aber zugleich so perfekt verdrängt, daß unser aller Wahrnehmung gut trainiert ausblendet, was da nicht ist, weil es nicht sein darf.

Arno Placks Forderung aus den 68ern „Ohne Lüge leben“ [13]) verhallte in den Niederungen maskuliner Machtkämpfe.

„Wenn man nicht mehr weiß, daß man lügt, dann geschieht etwas, von dem dann wirklich gilt, daß es bis ins dritte und vierte Geschlecht dem Menschen schadet. Noch die Lügen meiner Urgroßeltern hängen mir in meiner seelischen Gesundheit oder Krankheit an“, schreibt Carl-Friedrich von Weizsäcker [14]).

Was tun, hier und jetzt? Nachfragen! „Wer fragt, führt!“, lautet eine römische Erfolgsregel aus dem Rechtswesen. Die meisten der heute verbreiteten Halbwahrheiten, der Lügen, der von ihrem Wahrheitsgehalt mantrahaft über­zeugt vorgetragenen Lebenslügen, der auf Wunsch­denken fußenden Aussagen, von im Brust­ton der Überzeugung nachgeplappertem Schwachsinn sind durch präzises und beharrliches Nachfragen zu entlarven, so einfach ist das meist – Sokrates läßt grüßen!

Frau scheint instinktiv um die krankmachenden Wirkungen der Lüge zu wissen. Frau wächst nachweislich mit einer stärkeren Identität, einem stärkeren Selbstbewußtsein, einem ausgeprägteren Verständnis für eigene Bedürfnisse und die ihrer Umwelt auf, als junge Männer (wenn man(n) Frau denn läßt..),.

Und … Wahrheit ist gesund! Auraseherinnen und –seher bestätigen, wie sich Wahrhaftigkeit ebenso wie ihr Gegenteil in unserer für ungeschulte Augen unsichtbaren Körperhülle niederschlägt [15])

Meist stellen sich, auch wenn wir Männer das oft nicht freiwillig zugeben, Ängste vor das im Grunde als wahr Erkannte, stehen da wie unüberwindliche Mauern. Gesellschaftliche ebenso wie zwischengeschlechtliche Befrie­dung bedingt aber, auch das bisher für Unaussprechlich Gehaltene auszusprechen, es wahrhaftig werden zu lassen – Lebensarbeit ist Arbeit am Tabu!

Reformhaus Adam

…könnte der ohne Großinvestitionen zu gestaltende Exportschlager Europas werden.

Was Dieter Duhm das „psychosoziale Intimgefüge“ unserer Gesellschaft nannte [16]), bedarf einer Renovierung, eines gründlichen Überarbeitens und Neugestaltens im oben erwähnten geschlechterversöhnten Sinn.

Wer aber könnte eine solche kulturhistorische Leistung besser vollbringen, als – wohlwollend und loyal unterstützt von „unseren“ Frauen! – wir zentral­europäischen Männer, die 1. das Patriarchat perfektionierten, 2. Das Patriarchat vorwiegend auf Kosten und nicht nur auf dem arbeitsgebeugten Rücken, sondern auch in den Betten der eigenen und gerade greifbarer, anderer Frauen jahrhundertlang erprobten und 3. fairerweise sein Scheitern und seine Inhumanität durchaus eingestehen könnten, ohne unser Gesicht zu verlieren?

Evas Antworten liefern uns den Ansatz für einen epochalen, entscheidenden Paradigmen­wechsel.

Anthony Burgess: „Es ist notwendig – deshalb ist es möglich!“

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[1]) ehemaliger Boxweltmeister im Halbschwer­ge­wicht. Er machte diese Bemerkung in einem Interview mit dem SPIEGEL 2004

[2]) Frei übersetzt: „Es ist eine Männerwelt, aber sie wäre nichts wert, nicht das Geringste, ohne eine Frau oder ein Mädchen. Er (=der Mann) ist verloren in der Wildnis, in der Bitterkeit…“

[1] ) ehemaliger Boxweltmeister im Halbschwer­ge­wicht. Er machte diese Bemerkung in einem Interview mit dem SPIEGEL 2004

[2]) Frei übersetzt: „Es ist eine Männerwelt, aber sie wäre nichts wert, nicht das Geringste, ohne eine Frau oder ein Mädchen. Er (=der Mann) ist verloren in der Wildnis, in der Bitterkeit…“

[3]) Synapsen sind Berührungspunkte eines Nervenfortsatzes mit einer Nerven-, Muskel- oder Drüsenzelle. Über sie findet die Vermittlung von Information an andere Nervenzellen statt. Bei häufiger Nutzung funktionieren sie immer besser (Lern- und Gedächtnisfunktion)

[4]) Joachim Bauer, Warum ich fühle, was du fühlst – intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hoffman & Campe 2004. Die Ergebnisse stammen aus Studien des physio­logischen Instituts Parma, Prof. Giacommo Rizzolatti zu „Steuerung zielgerichteter Aktivitäten des Gehirns“, 1986 ff

[5]) Eine Studie der Universität Bamberg („Das Lohhausen-Experiment“, Prof. Dörner u.a.) nennt den Faktor „habituelle Neugier“ als herausragendes Merkmal bei den am besten abschneidenden Probanden.

Siehe u.a. im Internet unter  http://www.muellerscience.com/PSYCHOLOGIE/Kreativitaet/Lohhausen.htm

[6]) Margarethe Mitscherlich, Die friedfertige Frau. Fischer Taschenbuch 1987

[7]) Charles Darwin, Ursprung der Arten durch Mittel der natürlichen Selektion oder die Erhaltung bevorzugter Rassen im Kampf um das Leben

[8]) „Der Begriff «Marktwirtschaft» als eine positive, wohlklingende Alternative zu «Kapitalismus» verschleiert lediglich die tieferen ökonomischen Tatsachen: daß nämlich die Macht der Produzenten die Nachfrage der Verbraucher beeinflußt, ja steuert. Dies bleibt ungesagt. In der aktuellen wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion und Lehre geht man schweigend darüber hinweg.“ (…) Die Rede vom marktwirtschaftlichen System ist (…) nichtssagend, falsch und schönfärberisch“. Sir Kenneth Galbraith, in: Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Siedler Verlag 2005, S. 28 ff

[9]) „Eine Gynaikokratie, eine «Herrschaft der Frau», gibt es ebensowenig wie ein Matriarchat, eine «Herrschaft der Mutter», denn das Prinzip des Herrschens ist eine männliche Erfindung, entstammt dem Vaterrecht und widerspricht den Organisationsformen der «mutterrechtlichen» Stammesgesellschaften. Dort regiert man sich selber. Es gibt nur Sprecher der Sippen und Stämme (…). Es gibt keine Exekutivgewalt, und deshalb auch keine Herrschaft“. Aus: Ernest Bornemann, Das Patriarchat – Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems. Zarah Leander Verlag Nischni-Nowgorod 1975, S. 521 ff

[10]) Jaqueline Ackermann / Hugh Lorenz, Er und Sie jenseits des Unterleibs. Edition Jonathan, Badenweiler (erscheint September 06)

[11]) Ernest Bornemann, Das Patriarchat – Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems. Zarah Leander Verlag Nischni-Nowgorod 1975, S. 520

 

[12]) Grund könnte eine „globale Homöostase“ sein, deren Wahrscheinlichkeit in der Gaia-Hypothese u.a. durch Jim E. Lovelock und Peter Russel formuliert und untermauert wird (Peter Russel, Die erwachende Erde – unser nächster Evolutions­sprung. Heyne Sachbuch 1984 und 1991)

[13]) Arno Plack, Ohne Lüge leben – zur Situation des Einzelnen in der Gesellschaft. DVA (Aus dem Vorwort: „Dieses Buch handelt von der Lüge, die unsere Gesellschaft durchzieht und unsere sozialen Beziehungen vergiftet.“)

[14]) Carl-Friedrich v. Weizsäcker, in: Zwischen Gut und Böse, Ex Libris Verlag AG Zürich 1971, S. 72 ff

[15]) vergl. Rainer Strücker (Hennef): „Lügen, Süchte, Ängste – der persönliche Mangel weicht der inneren Kraft “ (Auraworkshops)

[16]) Dieter Duhm, Synthese der Wissenschaft, Kübler Verlag 1979, s. 106

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (1)

„Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm zusammen in einer höheren Wahrheit zu treffen[1]), schrieb Blaise Pascale in den Pensées – wer in diesen
Tagen Gesundheit und Krankheit zum Thema hat, wer Arzneien und medizinische Therapien anbietet, sollte immer wieder an diese These erinnert werden!

So gerät zum Beispiel jemand aus dem Lager, das als Alternativ- oder Komplementärmedizin bekannt ist, nicht selten in Versuchung, die etablierten «Götter in Weiß» als bereits vom Sockel gestürzte Säulenheilige zu sehen;

und die dermaßen angeschwärzten, weißbetuchten Götter verdrehen gerne die Augen, wenn von Homöopathie, Aurachirurgie, Hypnosetherapie oder Geistheilung die Rede ist – gibt es denn tatsächlich eine höhere Wahrheit, in der sich beide der auf den ersten Blick Lichtjahre voneinander entfernten Lager friedlich, kooperationsbereit und im besten Fall sogar neugierig auf eine neue, gemeinsame Wahrheit, treffen könnten?

Menschenbild

„Wir brauchen kein neues Menschenbild, wir müssen das alte nur richtig verstehen“, sagte Peter Bieri, Prof. f. Philosophie an der Freien Universität Berlin, in einem SPIEGEL-Interview im Oktober 2005.

Dann fragen wir doch zunächst nach dem „alten Menschenbild“ – gibt es bei der Formulierung eines solchen überhaupt einen Konsens zwischen Vertreterinnen und Vertretern beider Lager?

Der Begriff «ganzheitlich» ist ein Lieblingsbegriff der Alternativ- und Komplementärmedizin. Bei näherem Hinsehen jedoch muß von diesem Lager eingeräumt werden, daß dieser terminus technicus wohl etwas zu hoch gesteckt ist. Er sollte daher wohl vorläufig etwas zurückhaltender gebraucht werden.

Ein Beispiel: Wer Kranke isoliert von deren sozialem Umfeld therapiert, übersieht die inzwischen eindeutig nachgewiesene Komponente des gravierenden Einflusses von alltäglichen Lebensumständen, Partnerschaftsbeziehungen, Bedingungen am Arbeitsplatz und anderen sozialen Vernetzungen, in denen nicht selten die wahren Ursachen für Krankheit und Leiden zu sehen sind.

Ganzheitlich sieht allein der liebe Gott die Dinge, wir Menschen sollten einräumen, daß unsere Sichtweise sich zwar ständig erweitert, aber von einem wirklich ganzheitlichen Verständnis des Menschen sind wir noch weit entfernt, da wir ja noch nicht einmal das Universum in all seiner Komplexität verstehen, in das wir kleine Menschlein eingebettet sind.

Es ist, bei allen Theorien, die durch die Arbeit höchst seriöser Frauen und Männer aus vielen unterschiedlichen Disziplinen immer solider und realistischer formuliert werden, noch keine verläßliche, für alle Menschen gültige Matrix formuliert, um überhaupt zu bestimmen, was Menschsein per se bedeutet.

Wer also isoliert zum Beispiel Reinkarnationstherapie anbietet, oder Hypnosetherapie, Farbtherapie, Klangtherapie, Atemtherapie usw., darf in keinem Fall behaupten, die Hilfesuchende, den Ratsuchenden rundum und ganzheitlich verstanden oder gar „geheilt“ zu haben.

Andrerseits erscheint das Menschenbild der Medizin, vor allem des vergangenen Jahrhunderts, auch heute noch in vielen Bereichen wie das Bild, das ein Kfz-Meister bei ATU von einem Auto hat:

„Oh oh oh . sieht nicht jut aus .datt ist die Lichtmaschine, aber null Problemo, tauschen wir gleich aus, zweihundertfünfzig Euro, dann läuft die Karre wieder..!

Als der Arzt Carl Ludwig Schleich, der jahrelang mit Virchow arbeitete, vor dem Chirurgenkongress in Berlin 1892 antrat, um seine wirklich sensationelle Erfindung dessen vorzustellen, was heute als «Lokalanästhesie» Alltag ist, blitzte er ab, wurde belächelt, angefeindet, ausgestoßen.

Der damals bereits berühmte Mediziner Friedmann tröstete ihn: „Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“ [2])

Obwohl der modernen Ärzteschaft zugebilligt werden muß, daß sich etwas bewegt in Hinblick auf die Anerkennung anderer als nur rein mechanistischer Faktoren, die den homo erectus erectus gesund erhalten oder erkranken lassen, erinnert die Situation an einen Slogan der Studentenbewegung von 1968: „Unter den Talaren / der Muff von tausend Jahren!“.

Denn die spirituelle Komponente des Menschen gerade in dem so wichtigen Bereich seines Wohlbefindens, dem Erhalt seiner Lebenskraft und Lebensfreude, auszublenden und nur sehr, sehr schleppend zumindest die Erfahrungen der sogenannten Psychosomatik ansatzweise in Therapien einzubeziehen, scheitert hic et nunc schlichtweg daran, daß die GOÄ und das festgezurrte Kassenabrechnungssystem das nicht hergeben.

So mögen einzelne, durchaus verantwortungsvoll arbeitende Medizinerinnen und Mediziner in ihrem Behandlungszimmer, eingezwängt in eine kognitive Dissonanz, erkennen, daß da vor ihnen ein Mensch sitzt, der z.B. ein Arbeitsleben führen muß, das ihn krank macht. Aber leider muß er behandelt werden, wie der Kfz-Meister ein Auto «repariert», nämlich wie ein nach mechanischer Logik funktionierender Apparat aus Nerven, Knochen, Blutbahnen und … ach ja, und einem nicht selten gebrochenem Herzen…

 

Dolchstoß für die einseitig organorientierte Medizin

Nietzsche schrieb in «Menschliches, Allzumenschliches»: „Nichts rechnen wir einem Menschen so hart an, als wenn wir über ihn umlernen müssen.“

So ergeht es in diesen Jahren der medizinischen Forschung: Es muß umgelernt werden über den menschlichen Körper, ja, über all das, was wir Materie nennen – und das rechnen manche etablierten Medizinprofessoren den Wegbereitern komplementärer oder gar revolutionär alternativer Diagnosemethoden und Therapien meist hart an.

Wobei erstaunlich ist, daß es beinahe hundert Jahre gedauert hat, bis die Botschaft über unsere Irrtümer bei der Definition des Begriffs der Materie endlich auch bei den Lehrstühlen der Medizin ankommt. Denn Heisenberg, de Broglie, Planck, Schrödinger, Pauli und last but not least Einstein brachten das alte Weltbild schon spätestens in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts endgültig zum Einsturz.

„Mit siebzehn sieht man noch Bäume / mit siebzig nur Zwischenräume“, wie eine pfiffige Version des Schlagers aus den 1960ern lautet.

Nach siebzig Jahren Forschung in den Bereichen Quantenphysik, Quantenmechanik, Quantenbiologie und verwandten Gebieten sahen wir tatsächlich bereits in den 1990ern nur noch Zwischenräume: Nämlich das «Feld», wie es die Physiker nennen.

Und nichts als das Feld, nur hier und dort eine Erregung dieses Feldes: Das ist dann zum Beispiel die Tastatur, auf der ich diesen Text schreibe oder der Stuhl, auf dem ich sitze – alles erweist sich als eine Illusion, alles sind nur Zwischenräume, die kurzfristig erregt sind und uns als Materie erscheinen.

Einstein formulierte diese Erkenntnis in «Das Raum-, Äther- und Feldproblem» so: “Wir können daher Materie als den Bereich des Raumes betrachten, in dem das Feld extrem dicht ist … in dieser neuen Welt ist kein Platz für beides, Feld und Materie, denn das Feld ist die einzige Realität.

Und der große deutsche Physiker Walter Thirring beschreibt es in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» bereits im Jahr 1971 so: „Was uns als Teilchen erscheint, ist nur eine lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist der Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpfte. (.) „

Wer hätte gedacht, daß sich aus dem auf den ersten Blick nüchternen Bereich der sogenannten «Quantenfeldtheorie» so weitreichende Schlußfolgerungen ergeben, daß sogar Religionen und philosophische Gebäude erschüttert werden!

Unser großartiger deutscher Philosoph Ernst Cassirer ging schon 1920 so weit zu behaupten, „Die Wirklichkeit (…) ist nicht die von Dingen, sondern von Gesetzen und Relationen.[3])

Und als wären all diese mittlerweile als erwiesen geltenden Erkenntnisse nicht schon Schock genug für unser herkömmliches, gewohnheitsmäßig fortgeschriebenes Welt-, Menschen-, Gesundheits- und Krankheitsbild, setzen mutige Vordenker noch eins drauf.

So war zum Beispiel eines der spannendsten wissenschaftlichen Paare Wolfgang Pauli und Carl-Gustav Jung. Pauli, als zunächst sehr rationaler Naturwissenschaftler und Mathematiker, öffnete Jung allmählich seine Traumwelt, was zu einer der fruchtbarsten Begegnungen des 20. Jahrhunderts führte, der Verbindung zwischen Quantenphysik und Psychologie.

Ich empfehle jeder und jedem an der Thematik der modernen Medizin Interessierten die Lektüre der Beschreibung dieser jahrelangen, wechselseitigen Inspiration, obwohl sie auf den ersten und zweiten Blick mit Medizin nichts zu tun hat, aber mit der Öffnung hin zu einem revolutionärem Weltbild, das alle Bereiche des Daseins berührt – die Lektüre lohnt sich. [4])

Jung präzisierte während der Periode der Arbeit mit Pauli die Begriffe der «Synchronizität» und des «kollektiven Unbewußten», die sich als entscheidendes Momentum in unser aller Alltag bestätigen;

Rupert Sheldrake griff in die gleiche Schatzkiste und formte unser Verständnis für das, was er «morphische Felder» nennt und was getrost als ein weiterer Beleg betrachtet werden darf für die Resonanz des Individuellen mit kollektiven Prozessen;

der «schlafende Prophet» Edgar Cayce erklärte seine in Trance diktierten Rezepte für kranke Ratsuchende als ein schlichtes Anzapfen dieses riesigen, allumfassenden Wissens, das raum- und zeitlos und offensichtlich von nahezu allen abrufbar das füllt, was die Physiker eben einfach nur «das Feld» nennen;

der international renommierte deutsche Biophysiker Dieter Broers überspringt alle künstlichen Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, sieht Materie vor allem als geballte Information und zieht die Schlußfolgerung, „daß Liebe der elementare Grundzustand des Seins ist“ [5]);

Dr. Klaus Volkamer schließlich, ein ebenso renommierter wie international anerkannter Physiker, führte Messungen durch, die eindeutig beweisen, daß sich im Zustande tiefster Meditation das Körpergewicht verringert, ebenso im Tiefschlaf, und zieht daraus verblüffende Schlußfolgerungen zur Feinstofflichkeit – jenseits von Newton;

der renommierte Aurachirurg Gerhard Klügl spricht vom Prinzip der «karmischen Muster», die sich als Krankheiten in der derzeitigen Existenz manifestieren. [6]) Eine Überlegung, die Rudolf Steiner bereits 1908 so formulierte:

„Die Seele kämpft gegen ein unbrauchbares Organ, sie läuft Sturm gegen dasselbe und zertrümmert es. Das Organ wird zertrümmert unter dem Einfluß der Seelenkräfte. Die Folge davon ist die Reaktion: Es tritt ein Heilungsprozeß ein, um das Organ wieder aufzubauen. (.) Jetzt hat die Seele durch die Zertrümmerung eine andere Kraft in sich aufgenommen, so daß sie das nächste Mal, bei einer entsprechenden Wiederverkörperung, das Organ so gestalten kann, daß sie damit ihre Arbeit ausführen kann. So kann es die Krankheit sein, die uns tüchtig macht, in einem nächsten Leben das wieder gut zu machen, was wir in diesem Leben wiedergutmachen wollten, aber nicht konnten.

So ist die Krankheit ein Prozeß zur Aufwärtsentwicklung. Damit die Seele die dazu nötige Kraft entwickelt, muß das im jetzigen Leben nicht ausreichende Organ zertrümmert werden.

Das Gesetz, das da waltet, muß so ausgedrückt werden: Der Mensch muß sich seine Kräfte Stück für Stück dadurch aufbauen, daß er Widerstände in der physischen Welt überwindet. Das ist der tiefere Grund aller Krankheiten. Unsere jetzigen (…) Fertigkeiten waren unsere Krankheiten im früheren Leben.“ [7])

 No business like Showbusiness

Störend für bedächtig-umsichtig forschende und beobachtende Menschen, zu denen zu zählen ich mir erlaube, sind allerdings stets apodiktische Urteile, wie sie zum Beispiel gelegentlich bei Steiner, aber auch bei vielen Vertretern neuer medizinischer Therapien zu finden sind: „So ist es, und nicht anders!“.

Alles auf göttliche Eingebung zurückzuführen, mag nämlich nicht immer überzeugen, besonders, wenn Engel zu jemandem sprechen oder „die geistige Welt“ angezapft wird, was eine sehr individuelle Erfahrung ist und vom Umfeld weder verifiziert noch falsifiziert werden kann.

Wünschenswert wäre auch im Bereich der neuen Weltsicht von allen Vertretern, was wir als altmodisch-humanistisch erzogene und in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts geformte Profis gelernt haben: Eine These, ein Konzept, eine Theorie zur Diskussion zu stellen, statt etwas als nicht zu hinterfragende Tatsache zu behaupten, als ein „a priori“ – eine gewisse „fragende Bescheidenheit“ wäre von Seiten vieler nicht selten selbst ernannter Gurus einer neuen Zeit angebracht.

Es war stets verlockend, Neues als Absolutes zu verkaufen. Aber Erkenntnisse, die Menschen nützen, helfen, wollen nicht «verkauft» werden, nicht auf dem Jahrmarkt der hochdotierten Referate gehoben werden … Jesus hatte wenig auf dem Konto, als er sich verabschiedete…

Die Erfahrung bei der Beschäftigung mit dieser Thematik zeigt: Auch hier sind es die Unauffälligen, die Zurückhaltenden, die sich nicht als Heilsbringer Darstellenden, bei denen wertvolle Antworten zu finden sind: „Folge denen, die die Wahrheit suchen und mißtraue denen, die sie gefunden haben!“

Konsequenzen für die aktuelle Medizin

„Medicus curat, natura sanat!“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt)– eine Besinnung auf diese wahrscheinlich auf Hippokrates zurückzuführende Einsicht drängt sich wohl als erstes auf, wenn wir Bilanz ziehen aus den bisherigen Überlegungen. So verstehen ihre Arbeit auch all die seriösen Medien, die Hilfesuchenden mit «Geistheilung» zu einem neuen Wohlbefinden verhelfen.

Das alles überragende Fazit aus all den neuen oder wiederentdeckten Erkenntnissen und Weisheiten lautet für die orthodoxe Medizin: Die Zeiten, in denen wir nur noch fremdbestimmt körperliche Symptome kurieren lassen, ohne deren in den Tiefen unserer
Persönlichkeit, unserer Seele, unseres inkarnierten Ichs schlummernden Ursachen nachzuspüren, werden bald der Vergangenheit angehören!

Es darf zurecht von einem einzigartigen Paradigmenwechsel gesprochen werden, von unumkehrbaren Prozessen, die die momentan noch das Gesundheitswesen dominierende Medizin zunächst ergänzen, letztlich aber nahezu völlig in die Nische der Notfall-Reparaturen verweisen dürfte.

In den 1980er Jahren interviewte ich in der Schweiz den Physiker, promovierten Mediziner und Naturheilarzt Jürg Reinhard und lernte in den Folgejahren seine großartigen Bücher kennen und schätzen. Im Inhaltsverzeichnis seines Buches «Heilung aus dem Kosmos»[8]) findet sich zum Beispiel die Kapitelüberschrift «Wie Sternenkräfte in den Menschen gelangen». Alleine dieses Thema würde in einem erneuerten Medizinstudium zwei, drei Semester benötigen!

In Dr. Reinhards Standardwerk «Unerhörtes aus der Medizin» [9]) findet sich die Kapitelüberschrift «Um die Krankheit an der Wurzel zu fassen, müßte der kranke soziale Organismus kuriert werden» – hier liegt die doppelte Herausforderung für eine zeitgemäße Medizin.

Denn da es, um mit Adorno zu sprechen, „kein richtiges Leben im falschen“ [10]) gibt, fällt es uns allen immer schwerer, in einer entsinnlichten, virtuellen, vom Zwang der Ökonomie geprägten Leben seelisch gesund zu bleiben.

Und da der Leib als Instrument der Seele wie ein Seismograph alle Erschütterungen in unseren Befindlichkeiten aufzeigt, wird die Medizin von morgen und übermorgen körperliche Symptome zum Anlaß nehmen, um u.a. zum Beispiel über die Aura, über den Astralleib, Zugang zur wahren Diagnose dessen zu finden, was wirklich krank ist an und / oder um uns herum.

Wir suchen (und werden finden!) „das Glück einer höheren, im Geist verankerten Gesundheit“ [11]), soviel steht wohl, bei all den wachsenden Bemühungen um ein Leben in einem bitteschön endlich mal richtigen Leben, außer Zweifel.

Mutige Wegbereiter zu einem mit sich selbst und dem Universum versöhnten Menschen haben längst erkannt, was Dieter Duhm, der Universalgebildete, so auf den Punkt brachte:

„Der Kern des Menschen ist metaphysischer, übersinnlicher, transzendentaler Natur. (.) Die These vom metaphysischen Zentrum des Menschen ist keine religiöse, sondern eine wissenschaftliche Aussage.“ [12]).

Gott reicht uns in diesen Jahren sozusagen die Hand: Gestern und heute bei Fortschritten in der Arbeit mit der Materie, wie wir sie bis anhin deuteten, was als Grundlage zum Beispiel für die moderne Technik als belastbar erwies.

Nun wird uns die Hand gereicht für eine erweitere Sicht auf Materie, wie sie sich geradezu in einem Erkenntnisquantensprung offenbart – was für ein Geschenk!

Meine Zwischenbilanz

„Es ist nicht Sache der Lebenden, sich über die Ärzte zu beklagen“, schrieb Honoré de Balzac in «Pierre Goriot», mit der von ihm gewohnten Ironie.

Anstatt uns erst nach unserem Hinschied über unsere Ärzte zu beklagen, sollten wir sofort mit ihnen zusammen den mühsamen Weg des Analysierens, des kritischen und gegebenenfalls auch sich selbst und die angewandten Methoden Hinterfragens und des Förderns einer kopernikanischen Wende in der Medizin gehen, weg von der Fokussierung auf den sichtbaren Körper, hin zu dem, was diesen physischen Körper eigentlich prägt.

Die individuelle Gesunderhaltung und / oder Gesundung mag durch Yoga und andere Praktiken vorangetrieben werden – solange sich jedoch unsere Gesellschaft in ihren Grundstrukturen nicht ändert, solange Menschen vor allem in der Arbeitswelt gedemütigt, aus­gebeutet, gestreßt werden, solange nicht bereits in der Kindheit eine sich selbst liebende und akzeptierende, innere Harmonie gefördert wird, kann der gesamte Volksköper nicht gesunden.

Somit ist die medizinische Revolution auch und vor allem eine politisch-ökonomische.

Was Wilhelm Reich, dem Entdecker der universellen Energie, die er «Orgonenergie» [13]) nannte, angetan wurde, darf sich nicht wiederholen: Entdeckungen, die dazu führen können, daß Menschen mit geringstem Aufwand medizinische Hilfe zugute kommt, die nicht von medizinischen Monopolisten für teures Geld verkauft wird, sondern mit einfachsten Mitteln zugänglich ist, wie z.B. Aurachirurgie, Geistheilung und Nutzung der «Orgonenergie», gehören in liebevolle Hände statt in ökonomische Mega-Strukturen.

Wilhelm Reich: „Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ [14])

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[1] Il ne s’agit pas de condamner l’autre de l’erreur, mais de le rencontrer dans une vérité supérieure

 

[2] Carl Ludwig Schleich, in: Besonnte Vergangenheit. Rowohlt 1920, S. 252

[3]) Ernst Cassirer, Zur Einsteinschen Relativitätstheorie. Band 10 Gesammelte Werke Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt S. 96

[4]) Artur I. Miller, 137 – C.G. Jung, Wolfgang Pauli und die Suche nach der kosmischen Zahl. DVA 2011

[5]) Dieter Broers, Vorwort zu «Das Ego im Dienste des Herzens – ein neues Eden« Dieter Broers Verlag Ldt. 2016

[6]) Gerhard Klügl / Tom Fritze, Quantenland. Akana 2012

[7]) Rudolf Steiner, in: Krankheit und Heilung. Rudolf Steiner Ausgaben e.K. 2014 S. 67 ff

[8]) Dr. Jürg Reinhard, Heilung aus dem Kosmos – vom Umgang mit Gestirnen, Geist und Geistern. Hallwag  1997

[9]) Jürg Reinhard und Adolf Baumann, Unerhörtes aus der Medizin – Gespräche eines Anthroposophen mit dem Physiker, Naturheilarzt und Bergführer Dr. Jürg Reinhard

[10]) Theodor W. Adorno, in: Minima Moralia

[11]) Kurt Weibel, im Nachwort zu Jürg Reinhard «Heilung aus dem Kosmos»

[12]) Dieter Duhm, in: Synthese der Wissenschaft. Der werdende Mensch. Kübler Verlag 1979 S. 93

[13]) s. Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons. Die Funktion des Orgasmus.
Kiepenheuer & Witsch 1969, im Original 1942 by Orgone Institute Press Inc.

[14]) Wilhelm Reich, a.a.O.