Atemtechnik – ab jetzt und hier verändern wir die Gesellschaft, induktiv!

Oh je, diese Wissenschafts­sprache – «induktiv», wat´n dat nu wieder?

Am einfachsten erklärt durch das Gegenteil, nämlich durch den Begriff «deduktiv».

Was – vereinfacht formuliert – bedeutet: Von oben nach unten, während induktiv eben von unten nach oben bedeutet.

Marsch durch die Instanzen

Die Realos der Grünen haben uns das jetzt jahrzehntelang gezeigt: „Ja, es klappt!“

Mit Zähigkeit, mit Geduld – induktiv, von der Basisarbeit zum Mitbestimmen!

Und jede und jeder derjenigen, die heute in dunkelblauen Nadel­streifen oder im kleinen Schwar­zen, aber mit grüner Gesinnung in verantwortlicher Position agieren, haben sich auf dem Weg zu dem, was sie heute sind, mit Sicherheit in ihrer Persönlich­keits­struktur verändert, sind gereift.

Darwin hätte seine Freude an ihnen: Nicht der Stärkste überlebt, sondern die / der am besten Angepaßte. Und dies nicht im Sinne von «sich unter dem Druck von oben anpassenden «Duck­mäusern», sondern im Sinne von: „Ich weiß jetzt, was angeblich nicht geht und finde heraus, wie es doch gehen könnte!“

Ruhig atmen!

Da können wir ALLE einen aller­ersten Schritt tun: Den Druck aus unseren kleinen, simplen Alltags­aktivitäten rausnehmen!

Hier das, was ich in meinem Buch «Wirtschaft. Arbeit. Menschen» [1]) zum Thema «Atem» geschrieben habe:

Atem

Frage:
„Wird die Bedeutung einer geregelten Atmung im beruflichen Alltag überschätzt?“

Beobachtung:

Menschen, die in Berufen tätig sind, in denen sie in Sekunden und Minuten energisch handeln müssen, wie bei der Feuer­wehr, der Polizei, den Sanitäts- und Notarztdiensten, werden bestätigen: Wenn es darauf ankommt, mußt du besonders ruhig sein und vor allem – keine Atemhektik!

Und was für ein Geheimnis steckt hinter unserem Atem!

25920 Jahre braucht die Sonne, um bei ihrem Kreislauf durch den Zodiak den Frühlingspunkt zu erreichen („Präzessions­zahl“).

72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920.

Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.

Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation…

Unsere Atemzüge verbinden uns nicht nur durch die eingeatmete Luft mit dem Universum. Sie verbinden uns auch auf der spirituellen Ebene mit universalen Rhythmen und Schwingungs­mustern – was für ein wichtiger Hinweis darauf, daß wir auch sorgfältig mit dieser „Nabelschnur“ umgehen sollten!

Innerhalb von Sekunden kann dann ein Wunder geschehen: Es ist, als hielten wir die Zeit an, als verlangsame sich alles Geschehen um uns herum, wenn wir statt Hyperventilation r u h i g atmen!

Eine spürbare Beruhigung tritt ein, auch wenn rings um uns die Wände wackeln.

Wer immer sich mit Yoga oder mit Meditationstechniken beschäftigt, bestätigt die Wechselwirkung zwischen Atmung und Bewußt­seinszustand. Das Gegenteil – Hyperventilation – belegt diesen Zusammenhang: Seele in Panik…!

Ruhig und gelassen und bewußt einatmen, die Lungen mit frischer Luft füllen, um dann wieder lange und sorgsam auszuatmen, den letzten Winkel der Lungen von verbrauchter Luft zu säubern, ist ein wunderbares Erlebnis, vermittelt uns in wenigen Augenblicken spürbare Ruhe und Gelassenheit, vermittelt uns Distanz selbst zum hektischsten Geschehen rings um uns.

Schlußfolgerung:

Wie ein Feuerlöscher im Brandfall steht uns das Instrument kon­trollierter Atmung vierund­zwan­zig Stunden am Tag und jeder­zeit abrufbar zur Verfügung, beson­ders, um mit Krisen­situ­ationen, Schocks und übermäßigem Streß besonnen umzugehen.

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie…“ läßt Goethe seinen Mephisto sprechen – einfach mal testen, zurücklehnen, wenn wir gerade kurz davor sind zu explo­dieren, höchstens (!) achtzehnmal in der Minute ein- und ausatmen [2]) und der verflixte, nervensägende Kunde mit seiner unverschämt vorgetra­genen Reklamation verschwindet im Univer­sum und taucht erst nach 25920 Jahren wieder auf (bis dahin sind wir in Rente und jemand anders kümmert sich um die Sache).

Erinnern wir uns an das, was Eric-Emanuel Schmitt Omar Sharif, seinen «Monsieur Ibrahim“ im Film «Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran» sagen läßt: „Die Langsamkeit, sie ist das Geheimnis des Glücks!“ [3]) (Zitat Ende)

Künstliche Hektik

Als begeisterter Hörer des DEUTSCH­LANDFUNK fällt mir im­mer wieder auf, wie selbst die hochprofessionellen Damen und Herren ModeratorInnen und Spre­cherInnen sich «verhaspeln», ver­sprechen, bei Worten, die täglich –zig Mal verwendet werden, wie sie da ins Stottern kommen;

Es fällt mir auf, als Beifahrer, wie im Sinne des Wortes «atemlos» der Fuß von ansonsten wirklich groß­artigen, besonnenen Frauen und Männern gnadenlos auf dem Gaspedal sitzt, mit sechzig in der 30-er-Zone, wenn es denn sein muß, weil… ja… weil??

Nun ist ja bekannt, daß hek­tisches Auftreten, ständig unter Zeitdruck stehen und immer und überall gefragt sein, sozusagen als Synonym galt für: „He, die / der hat es geschafft!“

Denn das, was so lange Zeit als erstrebenswert galt, weil sich hinter dem Begriff schlichtweg nur Geld zu verstecken schien («Manager/in!!!») muß ja, nach allgemeinem Verständnis, mit Menschen zu tun haben, die dem entrinnen konnten, was doch, Hand auf´s Herz, als schlimmste Vorstellung die meisten von uns plagt: „Kein Schwein ruft mich an / keine Sau interessiert sich für mich..!!“

Warum glauben wir denn, bitteschön, es nötig zu haben, permanentes Gefragtsein vorzu­täu­schen, um bewundert zu werden?

Warum, überhaupt, wollen wir denn «bewundert» werden?

Was ist denn los in unserer Gesellschaft, daß wir es zulassen, daß unsere Mitmenschen sich uns gegenüber beweisen müssen – oder zumindest glauben, das zu müssen?

Was ist denn los in unserer Gesellschaft, daß aufgeregte, vernetzte, ständig Nachfragende und anscheinend Nachgefragte nachsichtig behandelt werden („Ja, ja, nimm nur ab, ich warte!“)?

Atemlos

Lassen Sie uns nicht in das angeb­lich atemberaubende Aben­teuer des modernen Alltags zerren von ach so cleveren Institutionen, von hektisch, in Millisekunden über den Bildschirm zuckenden Werbe­spots, von Unternehmen, die unseren IQ offensichtlich als unter dem einer Milchkuh stehenden zu halten scheinen und uns bombar­dieren im Zehntelsekundentakt;

nicht von spätpubertierenden Mar­ke­ting­mana­gern, die uns im schwar­zen BOSS-Anzug mit schwar­zen Schu­hen, schwarzen Socken und blöde grinsendem Standard­lächeln und Standardfloskeln vor­gaukeln, irgend etwas von dem, was sie von sich geben, würde wirklich von ihnen persönlich stammen.

Leute: Laßt uns die Luft rausnehmen, den Dampf, den Druck, die künstliche Beschleu­nigung unseres Alltags, die letztlich doch nur eines bewirken soll: Uns zu betäuben, damit wir leichter manipulierbar sind!

Nein, ab jetzt lasse ich mich nicht mehr ins Atemlose katapultieren.

Und was uns von «et Mutti» Angies so geliebter schwäbischer Hausfrau ebenso bestätigt wird wie vom Oldenburger Bauern oder vom sächsischen Handwerker: „Leute, in der Ruhe liegt die Kraft!“

Aber das wissen wir doch alle seit langem, oder?

Warum lassen wir uns aber dann immer wieder hineinzerren in eine künstliche Hektik, die der / dem Deutschen zwischen Passau, Rostock und Sylt doch so gar nicht entspricht?


[1]) Hugh Lorenz, Wirtschaft. Arbeit. Menschen. Was Menschen in der Arbeitswelt bewegt und worauf es jetzt ankommt.

[2]) in kontrollierter Atemtechnik geübte Damen und Herren berichten von maximal sechs Atemzügen in der Minute, was bedeutet, daß ein Ein- und Ausatemvorgang sich über ca. 10 Sekunden erstreckt

[3]) Eric-Emanuel Schmitt, Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran. Amann Verlag (Zürich 2003). S. 83