Offener Brief an die Chefredaktion des SPIEGEL (Hamburg)

Als Leser des SPIEGEL seit meinem 16. Lebensjahr, also als jemand, der dadurch seit Jahrzehnten die Honorare für meine publizierenden Kolleginnen und Kollegen mitfinanziert, die dort zu Wort kommen,  freue ich mich stets auf die nächste Ausgabe.

Eine besondere, diesmal klammheimliche, Freude empfand ich beim Lesen der Titelgeschichte von Nr. 34/18. Denn der Schuß, den die Dame da abfeuerte, wird wohl kurz- bis mittelfristig sowohl für die Redaktion, als auch für die von ihr vertretene Lobby nach hinten losgehen – ein Brandbeschleuniger, der wohl als solcher durchaus geplant war?

Deshalb kann ich mich eines Kommentars nicht enthalten und gehe davon aus, daß im Kontext eines soliden Nachrichtenmagazins, das der Seriosität und der (soweit überhaupt möglichen) Objektivität in der Berichterstattung verpflichtet ist und einen entsprechend positiven Ruf genießt, auch diese meine Sicht der Dinge zumindest registriert wird – danke.

Fremdschämen

Zunächst schäme ich mich für die aus journalistisch-professioneller Sicht  stümperhafte Art, das Thema «Alternativ / Komplementärmedizin» anzugehen. Denn dem notwendigen Imperativ «audiatur et altera pars» wird darin nicht einmal ansatzweise Rechnung getragen, was jedoch eine Grundvoraussetzung jedweder glaubwürdigen Berichterstattung ist. Durch die von Frau Veronika Hackenbroch in diesem Artikel praktizierte «Schreibe» verkommt Journalismus wirklich zur «Journaille».

Die vom «Deutschen Presserat» 2014 für ihre damals vergleichbar traurige Art der Berichterstattung bereits gerügte Autorin bleibt sich also treu.

Seltsam ist auch die wohl dem Sommerloch geschuldete Kürze der Titelgeschichte. Läge Würze in der Kürze, wäre das erklärbar, so aber nicht.

Investigativer Journalismus ist ein zugegeben hartes Brot. Aber wie in jedem anderen Bereich der Publizistik steht die Frage nach der Redlichkeit der Motivation zu einer Recherche im Raum – wer so eindeutig wie die Autorin GEGEN das eine schreibt, aber den «altera pars» ausklammert, muß sich schon gefallen lassen, daß Leserinnen und Leser sich fragen, warum und in wessen Interesse und für welche Lobby da so aufgeheult wird.

Hackenbroch disqualifiziert sich damit eindeutig als ernst zu nehmende investigative Journalistin, wenn auf etwas draufgeschlagen wird, das im Artikel nicht solide analysiert wird, das ist meine Einschätzung.

158 Zeilen ( = ca. 40%!) ihres 394 Zeilen langen Kernbeitrags „Die macht der Heiler“  verwendet die Kollegin z.B. alleine darauf, auf die Homöopathie einzuschlagen – Pharmaindustrie, ich hör´ dir trapsen?!

Von Quantenphysik, Quantenbiologie, von Herren wie Planck, Einstein, Charon, Jordan usw. usw. und deren aus ihren Arbeiten gezogenen Konsequenzen für die moderne Medizin resp. der veränderten Sicht des menschlichen Körpers hat diese Dame wohl noch nie gehört, geschweige denn etwas gelesen.

Daß das, über was sie sich so süffisant mokiert, nämlich die «morphischen Felder», seit Jahrzehnten Gegenstand solider wissenschaftlicher Forschung und inzwischen (wenngleich unter den unterschiedlichsten Namen) als absolut existent anerkannt ist, übersteigt sowohl den Recherchezeitraum als wohl auch das Wissens- und Bildungsspektrum, das Frau Hackenbroch zur Verfügung stand, um den Artikel rasch rauszuhauen – «fake news», verdächtig nah am Lobbyismus, liebe Kollegin!

Mein Bezug zum Thema

Als Produzent des Hörbuchs «Der Leib als Instrument der Seele in Gesundheit und Krankheit» und als Autor des auf zwei Bände angelegten Buchs «Die medizinische Hintertreppe» habe ich in der von Frau Hackenbroch in einem mal-so-eben-rasch hingeschriebenen Rundumschlag beschriebenen Branche jahrzehntelang recherchiert. Eine Branche, zu der die Kollegin offensichtlich sehr kurzfristig und hauptsächlich über das Studium der Programme der Volkshochschulen, eines in den Ruhestand gezwungenen Professors (Edzard Ernst) und Beispielen dreier Damen Zugang fand, Damen, deren Aussagen übrigens (zufällig?) in das Beuteschema passen, das sich die Kollegin zurechtgelegt hat – „Alternativmedizin, nun bist du fällig!“.

Bei Prof. em. Ernst lag sie schon richtig mit ihrer Recherche, wenn sie jemanden suchte, der sich durch solide, jahrzehntelange Arbeit einen guten Namen machte und sich sogar mit Prinz Charles anlegte. Auch Frau Witt, die Inhaberin eines Lehrstuhls für Alternative Medizin, zu Wort kommen zu lassen. Aber eben: Nix «altera»!

Zur Sache

Interessant ist der mehrmalige Hinweis im Artikel, alternative Methoden in der Medizin würden „vom Steuerzahler“ finanziert. Das führt, was ja wohl gewollt ist, dazu, Herrn Pawlows Hunde geifern zu lassen, die das Vorzeigen des Knochens „..von meinem Steuergeld!“ zuverlässig aufheulen läßt.

Daß mit diesem auf Bildzeitungsniveau geschriebenen «sieben-auf-einen- Streich-Artikel» mal so nebenbei auch all jene diskreditiert werden, die sich z.B. bei den Krankenkassen seit Jahren redlich und wohl kaum als Lobbyisten der Pharmaindustrie verdächtige, in ihrem Intelligenzniveau der Autorin wohl nicht nachstehende Damen und Herren  bemühen, einer sanften Medizin statt einer Antibiotika, Chemotherapie und skalpellorientierten Medizin eine Chance zu geben, spielt für Madame «ich-sag-euch-was-wirklich-Sache-ist» keine Rolle – ich schreibe für den SPIEGEL, also bin ich!?

Wie sagte doch der gute alte Menschenschlächter Richelieu? „Gebt mir drei Sätze vom gerechtesten aller Menschen, und ich finde zehn Gründe darin, um ihn aufzuhängen“ – was er damals auch ausgiebig veranlaßte, so wie Frau Hackenbroch das offensichtlich mit allen in einen Topf Geworfenen vorhat, die nicht der Kaste der orthodoxen Medizin angehören. Daß selbige weißbekittlte Kaste Jahr für Jahr Hunderttausende von Menschen mit ihren nicht selten fragwürdigen Methoden „um die Ecke bringt“, darf nicht erwähnt werden.

Die Anhänger der Homöopathie verhielten sich wie Anhänger einer Sekte (…) werde die Heilslehre angegriffen (…) gehe es nie um die Sache, sondern nur darum, sich gemeinsam gegen die Kritik zu immunisieren“, zitiert die Autorin genüßlich Nathalie Grams.

Frau Grams ist eine durchaus ehrenwerte Persönlichkeit, die durch die Publikation immerhin zweier Bücher, eines davon mit dem Titel «Homöopathie neu gedacht» (das ich für meine Arbeit an meinem aktuellen Buch auch beizog, aber aus guten Gründen nicht zitierte) von Frau Hackenbroch im Artikel als „erfolgreiche Buchautorin“ bezeichnet wird. Grams zwei Bücher erschienen im SPRINGER Verlag – honi soit qui mal y pense (ein Schelm, der dabei Böses denkt)…

Daß die von Frau Hackenbroch offensichtlich als die einzig wahren weißen Ritter verteidigten Kräfte, die sich hinter dem nichtssagenden Terminus „wissenschaftlich anerkannt“ verschanzen, sich gegen «Heiler, Gurus und Scharlatane» (Untertitel der aktuellen Spiegel-Story), vor allem aber gegen die Homöopathie, wehren müssen, ist das eigentliche Anliegen der Autorin: «Professionell» ist dagegen eine klassische Schmerzklinik, die von Dame drei aufgesucht wurde. Alles andere … igitt…!

„Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“ schrieb der berühmte Mediziner Friedmann an Carl Ludwig Schleich, nachdem dieser von der ehrenwerten Berliner Medizinergesellschaft des Saales verwiesen wurde, als er seine heute international anerkannte und genutzte Infiltrationsanästhesie vorstellte.

Wer sich Journalistin nennt, sollte sich entweder schämen, einen so einseitig recherchierten, reißerischen Artikel geschrieben zu haben, oder aber einfach die Berufsbezeichnung von Journalistin in Lobbyistin ändern – am besten wohl beides.

Frau Hackenbroch ist die Lektüre des Buchs „Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen“ aus der Feder des Kardiologen und seit Jahrzehnten international anerkannten medizinkritschen Autors Vernon Coleman zu empfehlen (er publizierte nicht über den SPRINGER-Verlag).

Wenn die ehrenwerte Kollegin Hackenbroch genüßlich „die Leiden der jungen Grams“ auflistet, die solche des jungen Werther eindeutig in den Schatten stellen, liste ich in meinen beiden Büchern genüßlich die Leiden der jungen Ärztinnen und Ärzte  auf, die von der Pharmalobby und ihrer eigenen Ärztemafia erpreßt, gedemütigt und bedrängt werden, sollten sie es auch nur ansatzweise wagen, anderes zu praktizieren, als das, was die GOÄ so vorschreibt. Die Causa Harms erscheint in Frau Hackenbrochs Artikel eher als (un)heimliche Buchpromotion..

Ach, so nebenbei: Auf Seite 58 ff in der gleichen Ausgabe des SPIEGEL ist unter dem Titel „Täuschen betrügen, lügen“ ein Interview mit Thilo Bode zu lesen, der offen darüber spricht, wie Konzerne (unter anderem eben auch die Chemie- und Pharmakonzerne) unser Leben steuern – in der Redaktionskonferenz hätte das vielleicht vorher abgestimmt werden sollen?

Nur: Dazu hätte Frau Hackenbroch sich mal mit der vorerwähnten «altera pars» beschäftigen müssen. Was aber solider Lese-, Recherche- und (Nach)Denkarbeit bedurft hätte. Aber man bringt es offensichtlich auch auf die Titelseite eines renommierten Blatts, ohne seriös zu arbeiten – quod erat demonstrandum…!

Hackenbrochs Teufel im Detail

Wer nicht nur polemisiert so wie Frau Hackenbroch und wer nicht nur auf bei Primitiven ach so trumpmäßig-beliebtes populistisches Dreinschlagen aus ist, wird, so wie ich, bei meinen immer noch andauernden Recherchen, sehr schnell konstatieren müssen, daß sich mehr und mehr Damen und Herren der vorherrschenden Medizinerklasse bewußt sind, daß wir uns sowohl mit unserem Gesundheitssystem, als auch mit den angewandten Therapien in einer Sackgasse befinden.

Zudem wage ich zu behaupten, daß meine in Jahrzehnten gewachsene Kompetenz zur Thematik mit der der verehrten Kollegin durchaus mithalten kann. Deshalb, verehrte Frau Kollegin, erlaube ich mir, fortzufahren:

Wenn Herr Prof. Dr. Dr. Giovanni Maio, als Mitglied diverser Ethikkommissionen, Inhaber des Lehrstuhls für Ethik und Geschichte der Medizin in Freiburg i.B.  und u.a. Berater der deutschen Bischofskonferenz, sich offen darüber äußert, wie korrumpiert das momentane System unseres bundesdeutschen Medizinwesens gerade durch die Kräfte sind, die um ihre Pfründe fürchten, weil sie Gestriges ins Morgen fortschreiben und wenn dabei die Pharmaindustrie als Verleumderin neuer Therapien an vorderster Front genannt wird, hätte das Kollegin Hackenbroch – würde sie professionell und unvoreingenommen arbeiten – auch dies erwähnen müssen – https://www.youtube.com/watch?v=ZqsmQ_bBMU4

Was für eine Gelegenheit wäre das gewesen, für ein so renommiertes Presseorgan wie den SPIEGEL einen solide recherchierten Artikel zu schreiben, der offenbart, wie sehr Tausende seriöser Ärztinnen und Ärzte, Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker darum ringen, Antworten zu finden, warum wir mit der Apparatemedizin am Ende sind und welche Chancen uns das bietet, was immer noch abschätzend als Alternative bezeichnet wird, aber vielleicht die Medizin von morgen entscheidend prägt!

Statt dessen wurde die Chance verpaßt aufzuzeigen, wie sehr unsere täglich an der Front der Medizin arbeitenden Menschen es satt sind, Kranke als «Fälle», als Nummern betrachten zu müssen, die Zeit für ein Gespräch nicht honoriert zu bekommen etc.

Wenn die Autorin des (wirklich absolut verunglückten) Artikels sich so weit aus dem Fenster lehnt zu behaupten: „Wenn überhaupt, haben die homöopathischen Zauberkügelchen einen Placeboeffekt. Abgesehen davon sind sie vollkommen unwirksam – alles ein großer Bluff“, muß sie sich entweder ihrer Sache sehr sicher sein oder aber sehr gut versichert oder aber die Rückendeckung der Chefredaktion des SPIEGEL genießen, um die hoffentlich eingereichten Klagen der betroffenen Produzenten der in aller Regel mit Empathie und Know how hergestellten Medikamenten so zu verunglimpfen.

Wenn die Kollegin in ihrem Artikel schreibt, der Ehemann ihrer Vorzeigefrau Aust, ein Ingenieur, hätte vorgerechnet, daß in der seiner Frau verabreichten Substanz „…ja gar nichts drin“ sei, erinnert das an den renommierten Virchow, der meinte, er hätte schon soviel Leichen seziert, aber auf eine Seele sei er noch nie gestoßen.

Aber genau das ist ja die Pointe bei der Homöopathie: Das Seelische zu erreichen. Und das findet sich eben in einem Bereich, der jenseits der «Loschmidt-Konstante» (6,06•1023),, liegt, die angibt wieviele Moleküle in einem Stoff enthalten sind (1 Mol ist das Molekulargewicht des jeweiligen Stoffes). Verdünnt man den Ausgangsstoff einer homöopathischen Substanz über die Potenz 23 hinaus, dann ist nicht mehr in jedem Mol der betreffenden verdünnten Lösung ein Molekül der Ausgangssubstanz enthalten. In höheren Potenzen verschwindet sie als materieller Stoff praktisch aus dem Medikament – das ist das ganze Geheimnis, denn sie verschwindet als materieller Stoff, aber wirkt als seelischer Wirkstoff auf das Seelische, was einem Ingenieur aber wohl schwer zu erklären ist.

Kollegin Hackenbroch wäre gut beraten zu erkennen, daß in der Geschichte der Medizin (mit der sie sich offensichtlich nie beschäftigt hat) stets gelogen und betrogen wurde, so wie in jedem anderen Lebensbereich auch.

Im Glashaus sitzende Pharmakonzerne ebenso wie ärztliche Vereinigungen aller Art sollten aber heutzutage aufpassen: So wie der Dieselskandal aufflog, wird auch das moderne System der kommerziellen Ausbeutung gutgläubiger Patienten durch Krankenhaus- und Pharmakonzerne durch Whistleblower, die auspacken darüber, was sich wirklich hinter den Kulissen des Gesundheitssystems abspielt, bald in sich zusammenstürzen.

Erbärmlich, Frau Kollegin, ist es, Steine  auf schwarze Schafe in der Branche der neu entstehenden Medizin zu werfen, während die von Ihnen offensichtlich verteidigte Klientel im Glashaus der ihre Pfründe verteidigenden Lobby sitzt.

„Die Medizin hat im 20. Jahrhundert den Geist aus sich vertrieben! (…) Es wird höchste Zeit, daß sie ihn wieder hereinbittet“, sagte Thure von Uexküll in einem Vortrag 1996 vor der Hamburger Ärztekammer. Das hätte, wenn Kollegin Hackenbroch Lesen, Studieren, Recherchieren, objektiv Schlußfolgern angewendet hätte, der Tenor des Beitrags sein können.

Ganz und gar als sowohl halbgebildet als auch unseriös outet sich die Kollegin mit dem krampfhaften Versuch, das ins Lächerliche zu ziehen, was vor allem in Asien seit Jahrhunderten gang und gäbe ist: Die Kenntnis von den Energieflüssen im menschlichen Körper und der Einsatz der Akupunktur (mit der chinesische Ärzte sogar so gekonnt betäuben, daß Narkosemittel selbst bei Operationen am geöffneten Brustkorb reibungslos erfolgen können … aber dazu müßte man halt mal Quellen studieren, Frau Hackenbroch).

Was für eine herrliche Empörung: „Die Ergebnisse (Anm.: Der Untersuchungen des Kursangebotes von rund 350 Volkshochschulen aufgrund einer von Prof. em. Ernst vorgelegten Liste) könnten jeden erschrecken, der sich den Werten der Aufklärung verpflichtet fühlt“ – zu diesen Werten, verehrte Frau Kollegin, zählt aber auch die Erkenntnis, daß eine solide Wissenschaft und Erkenntnissuche dort ansetzt, wo eine alte Theorie nicht mit neuen Erkenntnissen übereinstimmt und wo die normative Kraft des Faktischen (neuer oder wiederentdeckter Methoden) das, was nicht sein darf nach offizieller Schulmedizin, rechts überholt.

Daß unsere zentraleuropäische Medizin bis hinein ins frühe 20. Jahrhundert alles andere als eine erfolgsgepflasterte Straße war, sondern eher ein für Patienten lebensgefährlicher, qualvoller Roßkurenweg, während Asien bereits seit mehr als einem Jahrtausend den Menschen als ein beseeltes, energiedurchflutetes Wesen im Zentrum der Medizin sah, drang zur Autorin offensichtlich nicht durch. Sollte Frau Hackenbroch ihr eigenes Magazin lesen, erinnere ich an die Buchbesprechung in der vorletzten Ausgabe über die hygienischen Zustände in europäischen Kliniken („Als die Medizin noch Horror war“) -eurozentrische Überlegenheit? Pustekuchen…

Und wenn Rußland erwähnt wird: Es ist im Tenor eher umgekehrt der Fall. Es waren die Sowjets, die unvoreingenommen die Kirlian-Fotografie (Aurafotografie) bereits in den 1970ern zu medizinischen Zwecken nutzten und keinerlei Berührungsängste mit dem haben, was für die Kollegin Hackenbroch «Hokuspokus» ist – ich empfehle ihr das Buch «PSI in der Sowjetunion» von Gris/Dick, seit ca. 40 Jahren in meiner Bibliothek und eine hochspannende Lektüre für alle, die wirklich wissen wollen, statt Lobbyarbeit für die Nicht-wissen-wollenden zu betreiben.

Aber eben – all das zu recherchieren, wäre mit Arbeit, mit Analysefähigkeit und vor allem einer gehörigen Portion Sachverstand z.B. in Sachen moderner Quantenphysik etc. verbunden gewesen.

Eine verpaßte Gelegenheit, Blaise Pascals Vorschlag zu folgen: „Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm zusammen in einer höheren Wahrheit zu finden.“. Da die «höhere Wahrheit» jedoch nicht so profitabel ist wie die Verordnung eines neuen Medikaments, bleiben wir, zusammen mit Frau Hackenbroch, eben lieber in einer niederen Wahrheit?

 „Die Art, wie der Geist mit dem Leib zusammenhängt, können die Menschen nicht begreifen, und doch ist es dies, was den Menschen ausmacht“ schrieb Augustinus (Civ. Die XXI, 10).

Eine Spur mehr Geist, Frau Hackenbroch, beim nächsten Artikel, wie wäre das? Oder einfach das Schwerpunktthema wechseln und über etwas berichten, von dem Sie etwas verstehen?

Bertrand Russel meinte: „Das Schlimme ist: Die Dummen sind sich ihrer Sache immer so sicher und die Gescheiten voller Zweifel!“. Anzweifeln, ehrlich hinterfragen, eintauchen in eine Materie, das bedeutet guter Journalismus.

Aber bei der Kollegin paßt wohl eher Kurt Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann – umgekehrt ist der Fall schon schwieriger.“

Ihre Replik werde ich ebenso offen publizieren wie diesen offenen Brief, Frau Kollegin, verehrte Spiegel-Redaktion – nun schlagt mal auf mich ein oder, viel klüger, ignoriert mich…

Hugh Lorenz, 20.8.2018

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (1)

„Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm zusammen in einer höheren Wahrheit zu treffen[1]), schrieb Blaise Pascale in den Pensées – wer in diesen
Tagen Gesundheit und Krankheit zum Thema hat, wer Arzneien und medizinische Therapien anbietet, sollte immer wieder an diese These erinnert werden!

So gerät zum Beispiel jemand aus dem Lager, das als Alternativ- oder Komplementärmedizin bekannt ist, nicht selten in Versuchung, die etablierten «Götter in Weiß» als bereits vom Sockel gestürzte Säulenheilige zu sehen;

und die dermaßen angeschwärzten, weißbetuchten Götter verdrehen gerne die Augen, wenn von Homöopathie, Aurachirurgie, Hypnosetherapie oder Geistheilung die Rede ist – gibt es denn tatsächlich eine höhere Wahrheit, in der sich beide der auf den ersten Blick Lichtjahre voneinander entfernten Lager friedlich, kooperationsbereit und im besten Fall sogar neugierig auf eine neue, gemeinsame Wahrheit, treffen könnten?

Menschenbild

„Wir brauchen kein neues Menschenbild, wir müssen das alte nur richtig verstehen“, sagte Peter Bieri, Prof. f. Philosophie an der Freien Universität Berlin, in einem SPIEGEL-Interview im Oktober 2005.

Dann fragen wir doch zunächst nach dem „alten Menschenbild“ – gibt es bei der Formulierung eines solchen überhaupt einen Konsens zwischen Vertreterinnen und Vertretern beider Lager?

Der Begriff «ganzheitlich» ist ein Lieblingsbegriff der Alternativ- und Komplementärmedizin. Bei näherem Hinsehen jedoch muß von diesem Lager eingeräumt werden, daß dieser terminus technicus wohl etwas zu hoch gesteckt ist. Er sollte daher wohl vorläufig etwas zurückhaltender gebraucht werden.

Ein Beispiel: Wer Kranke isoliert von deren sozialem Umfeld therapiert, übersieht die inzwischen eindeutig nachgewiesene Komponente des gravierenden Einflusses von alltäglichen Lebensumständen, Partnerschaftsbeziehungen, Bedingungen am Arbeitsplatz und anderen sozialen Vernetzungen, in denen nicht selten die wahren Ursachen für Krankheit und Leiden zu sehen sind.

Ganzheitlich sieht allein der liebe Gott die Dinge, wir Menschen sollten einräumen, daß unsere Sichtweise sich zwar ständig erweitert, aber von einem wirklich ganzheitlichen Verständnis des Menschen sind wir noch weit entfernt, da wir ja noch nicht einmal das Universum in all seiner Komplexität verstehen, in das wir kleine Menschlein eingebettet sind.

Es ist, bei allen Theorien, die durch die Arbeit höchst seriöser Frauen und Männer aus vielen unterschiedlichen Disziplinen immer solider und realistischer formuliert werden, noch keine verläßliche, für alle Menschen gültige Matrix formuliert, um überhaupt zu bestimmen, was Menschsein per se bedeutet.

Wer also isoliert zum Beispiel Reinkarnationstherapie anbietet, oder Hypnosetherapie, Farbtherapie, Klangtherapie, Atemtherapie usw., darf in keinem Fall behaupten, die Hilfesuchende, den Ratsuchenden rundum und ganzheitlich verstanden oder gar „geheilt“ zu haben.

Andrerseits erscheint das Menschenbild der Medizin, vor allem des vergangenen Jahrhunderts, auch heute noch in vielen Bereichen wie das Bild, das ein Kfz-Meister bei ATU von einem Auto hat:

„Oh oh oh . sieht nicht jut aus .datt ist die Lichtmaschine, aber null Problemo, tauschen wir gleich aus, zweihundertfünfzig Euro, dann läuft die Karre wieder..!

Als der Arzt Carl Ludwig Schleich, der jahrelang mit Virchow arbeitete, vor dem Chirurgenkongress in Berlin 1892 antrat, um seine wirklich sensationelle Erfindung dessen vorzustellen, was heute als «Lokalanästhesie» Alltag ist, blitzte er ab, wurde belächelt, angefeindet, ausgestoßen.

Der damals bereits berühmte Mediziner Friedmann tröstete ihn: „Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“ [2])

Obwohl der modernen Ärzteschaft zugebilligt werden muß, daß sich etwas bewegt in Hinblick auf die Anerkennung anderer als nur rein mechanistischer Faktoren, die den homo erectus erectus gesund erhalten oder erkranken lassen, erinnert die Situation an einen Slogan der Studentenbewegung von 1968: „Unter den Talaren / der Muff von tausend Jahren!“.

Denn die spirituelle Komponente des Menschen gerade in dem so wichtigen Bereich seines Wohlbefindens, dem Erhalt seiner Lebenskraft und Lebensfreude, auszublenden und nur sehr, sehr schleppend zumindest die Erfahrungen der sogenannten Psychosomatik ansatzweise in Therapien einzubeziehen, scheitert hic et nunc schlichtweg daran, daß die GOÄ und das festgezurrte Kassenabrechnungssystem das nicht hergeben.

So mögen einzelne, durchaus verantwortungsvoll arbeitende Medizinerinnen und Mediziner in ihrem Behandlungszimmer, eingezwängt in eine kognitive Dissonanz, erkennen, daß da vor ihnen ein Mensch sitzt, der z.B. ein Arbeitsleben führen muß, das ihn krank macht. Aber leider muß er behandelt werden, wie der Kfz-Meister ein Auto «repariert», nämlich wie ein nach mechanischer Logik funktionierender Apparat aus Nerven, Knochen, Blutbahnen und … ach ja, und einem nicht selten gebrochenem Herzen…

 

Dolchstoß für die einseitig organorientierte Medizin

Nietzsche schrieb in «Menschliches, Allzumenschliches»: „Nichts rechnen wir einem Menschen so hart an, als wenn wir über ihn umlernen müssen.“

So ergeht es in diesen Jahren der medizinischen Forschung: Es muß umgelernt werden über den menschlichen Körper, ja, über all das, was wir Materie nennen – und das rechnen manche etablierten Medizinprofessoren den Wegbereitern komplementärer oder gar revolutionär alternativer Diagnosemethoden und Therapien meist hart an.

Wobei erstaunlich ist, daß es beinahe hundert Jahre gedauert hat, bis die Botschaft über unsere Irrtümer bei der Definition des Begriffs der Materie endlich auch bei den Lehrstühlen der Medizin ankommt. Denn Heisenberg, de Broglie, Planck, Schrödinger, Pauli und last but not least Einstein brachten das alte Weltbild schon spätestens in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts endgültig zum Einsturz.

„Mit siebzehn sieht man noch Bäume / mit siebzig nur Zwischenräume“, wie eine pfiffige Version des Schlagers aus den 1960ern lautet.

Nach siebzig Jahren Forschung in den Bereichen Quantenphysik, Quantenmechanik, Quantenbiologie und verwandten Gebieten sahen wir tatsächlich bereits in den 1990ern nur noch Zwischenräume: Nämlich das «Feld», wie es die Physiker nennen.

Und nichts als das Feld, nur hier und dort eine Erregung dieses Feldes: Das ist dann zum Beispiel die Tastatur, auf der ich diesen Text schreibe oder der Stuhl, auf dem ich sitze – alles erweist sich als eine Illusion, alles sind nur Zwischenräume, die kurzfristig erregt sind und uns als Materie erscheinen.

Einstein formulierte diese Erkenntnis in «Das Raum-, Äther- und Feldproblem» so: “Wir können daher Materie als den Bereich des Raumes betrachten, in dem das Feld extrem dicht ist … in dieser neuen Welt ist kein Platz für beides, Feld und Materie, denn das Feld ist die einzige Realität.

Und der große deutsche Physiker Walter Thirring beschreibt es in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» bereits im Jahr 1971 so: „Was uns als Teilchen erscheint, ist nur eine lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist der Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpfte. (.) „

Wer hätte gedacht, daß sich aus dem auf den ersten Blick nüchternen Bereich der sogenannten «Quantenfeldtheorie» so weitreichende Schlußfolgerungen ergeben, daß sogar Religionen und philosophische Gebäude erschüttert werden!

Unser großartiger deutscher Philosoph Ernst Cassirer ging schon 1920 so weit zu behaupten, „Die Wirklichkeit (…) ist nicht die von Dingen, sondern von Gesetzen und Relationen.[3])

Und als wären all diese mittlerweile als erwiesen geltenden Erkenntnisse nicht schon Schock genug für unser herkömmliches, gewohnheitsmäßig fortgeschriebenes Welt-, Menschen-, Gesundheits- und Krankheitsbild, setzen mutige Vordenker noch eins drauf.

So war zum Beispiel eines der spannendsten wissenschaftlichen Paare Wolfgang Pauli und Carl-Gustav Jung. Pauli, als zunächst sehr rationaler Naturwissenschaftler und Mathematiker, öffnete Jung allmählich seine Traumwelt, was zu einer der fruchtbarsten Begegnungen des 20. Jahrhunderts führte, der Verbindung zwischen Quantenphysik und Psychologie.

Ich empfehle jeder und jedem an der Thematik der modernen Medizin Interessierten die Lektüre der Beschreibung dieser jahrelangen, wechselseitigen Inspiration, obwohl sie auf den ersten und zweiten Blick mit Medizin nichts zu tun hat, aber mit der Öffnung hin zu einem revolutionärem Weltbild, das alle Bereiche des Daseins berührt – die Lektüre lohnt sich. [4])

Jung präzisierte während der Periode der Arbeit mit Pauli die Begriffe der «Synchronizität» und des «kollektiven Unbewußten», die sich als entscheidendes Momentum in unser aller Alltag bestätigen;

Rupert Sheldrake griff in die gleiche Schatzkiste und formte unser Verständnis für das, was er «morphische Felder» nennt und was getrost als ein weiterer Beleg betrachtet werden darf für die Resonanz des Individuellen mit kollektiven Prozessen;

der «schlafende Prophet» Edgar Cayce erklärte seine in Trance diktierten Rezepte für kranke Ratsuchende als ein schlichtes Anzapfen dieses riesigen, allumfassenden Wissens, das raum- und zeitlos und offensichtlich von nahezu allen abrufbar das füllt, was die Physiker eben einfach nur «das Feld» nennen;

der international renommierte deutsche Biophysiker Dieter Broers überspringt alle künstlichen Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, sieht Materie vor allem als geballte Information und zieht die Schlußfolgerung, „daß Liebe der elementare Grundzustand des Seins ist“ [5]);

Dr. Klaus Volkamer schließlich, ein ebenso renommierter wie international anerkannter Physiker, führte Messungen durch, die eindeutig beweisen, daß sich im Zustande tiefster Meditation das Körpergewicht verringert, ebenso im Tiefschlaf, und zieht daraus verblüffende Schlußfolgerungen zur Feinstofflichkeit – jenseits von Newton;

der renommierte Aurachirurg Gerhard Klügl spricht vom Prinzip der «karmischen Muster», die sich als Krankheiten in der derzeitigen Existenz manifestieren. [6]) Eine Überlegung, die Rudolf Steiner bereits 1908 so formulierte:

„Die Seele kämpft gegen ein unbrauchbares Organ, sie läuft Sturm gegen dasselbe und zertrümmert es. Das Organ wird zertrümmert unter dem Einfluß der Seelenkräfte. Die Folge davon ist die Reaktion: Es tritt ein Heilungsprozeß ein, um das Organ wieder aufzubauen. (.) Jetzt hat die Seele durch die Zertrümmerung eine andere Kraft in sich aufgenommen, so daß sie das nächste Mal, bei einer entsprechenden Wiederverkörperung, das Organ so gestalten kann, daß sie damit ihre Arbeit ausführen kann. So kann es die Krankheit sein, die uns tüchtig macht, in einem nächsten Leben das wieder gut zu machen, was wir in diesem Leben wiedergutmachen wollten, aber nicht konnten.

So ist die Krankheit ein Prozeß zur Aufwärtsentwicklung. Damit die Seele die dazu nötige Kraft entwickelt, muß das im jetzigen Leben nicht ausreichende Organ zertrümmert werden.

Das Gesetz, das da waltet, muß so ausgedrückt werden: Der Mensch muß sich seine Kräfte Stück für Stück dadurch aufbauen, daß er Widerstände in der physischen Welt überwindet. Das ist der tiefere Grund aller Krankheiten. Unsere jetzigen (…) Fertigkeiten waren unsere Krankheiten im früheren Leben.“ [7])

 No business like Showbusiness

Störend für bedächtig-umsichtig forschende und beobachtende Menschen, zu denen zu zählen ich mir erlaube, sind allerdings stets apodiktische Urteile, wie sie zum Beispiel gelegentlich bei Steiner, aber auch bei vielen Vertretern neuer medizinischer Therapien zu finden sind: „So ist es, und nicht anders!“.

Alles auf göttliche Eingebung zurückzuführen, mag nämlich nicht immer überzeugen, besonders, wenn Engel zu jemandem sprechen oder „die geistige Welt“ angezapft wird, was eine sehr individuelle Erfahrung ist und vom Umfeld weder verifiziert noch falsifiziert werden kann.

Wünschenswert wäre auch im Bereich der neuen Weltsicht von allen Vertretern, was wir als altmodisch-humanistisch erzogene und in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts geformte Profis gelernt haben: Eine These, ein Konzept, eine Theorie zur Diskussion zu stellen, statt etwas als nicht zu hinterfragende Tatsache zu behaupten, als ein „a priori“ – eine gewisse „fragende Bescheidenheit“ wäre von Seiten vieler nicht selten selbst ernannter Gurus einer neuen Zeit angebracht.

Es war stets verlockend, Neues als Absolutes zu verkaufen. Aber Erkenntnisse, die Menschen nützen, helfen, wollen nicht «verkauft» werden, nicht auf dem Jahrmarkt der hochdotierten Referate gehoben werden … Jesus hatte wenig auf dem Konto, als er sich verabschiedete…

Die Erfahrung bei der Beschäftigung mit dieser Thematik zeigt: Auch hier sind es die Unauffälligen, die Zurückhaltenden, die sich nicht als Heilsbringer Darstellenden, bei denen wertvolle Antworten zu finden sind: „Folge denen, die die Wahrheit suchen und mißtraue denen, die sie gefunden haben!“

Konsequenzen für die aktuelle Medizin

„Medicus curat, natura sanat!“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt)– eine Besinnung auf diese wahrscheinlich auf Hippokrates zurückzuführende Einsicht drängt sich wohl als erstes auf, wenn wir Bilanz ziehen aus den bisherigen Überlegungen. So verstehen ihre Arbeit auch all die seriösen Medien, die Hilfesuchenden mit «Geistheilung» zu einem neuen Wohlbefinden verhelfen.

Das alles überragende Fazit aus all den neuen oder wiederentdeckten Erkenntnissen und Weisheiten lautet für die orthodoxe Medizin: Die Zeiten, in denen wir nur noch fremdbestimmt körperliche Symptome kurieren lassen, ohne deren in den Tiefen unserer
Persönlichkeit, unserer Seele, unseres inkarnierten Ichs schlummernden Ursachen nachzuspüren, werden bald der Vergangenheit angehören!

Es darf zurecht von einem einzigartigen Paradigmenwechsel gesprochen werden, von unumkehrbaren Prozessen, die die momentan noch das Gesundheitswesen dominierende Medizin zunächst ergänzen, letztlich aber nahezu völlig in die Nische der Notfall-Reparaturen verweisen dürfte.

In den 1980er Jahren interviewte ich in der Schweiz den Physiker, promovierten Mediziner und Naturheilarzt Jürg Reinhard und lernte in den Folgejahren seine großartigen Bücher kennen und schätzen. Im Inhaltsverzeichnis seines Buches «Heilung aus dem Kosmos»[8]) findet sich zum Beispiel die Kapitelüberschrift «Wie Sternenkräfte in den Menschen gelangen». Alleine dieses Thema würde in einem erneuerten Medizinstudium zwei, drei Semester benötigen!

In Dr. Reinhards Standardwerk «Unerhörtes aus der Medizin» [9]) findet sich die Kapitelüberschrift «Um die Krankheit an der Wurzel zu fassen, müßte der kranke soziale Organismus kuriert werden» – hier liegt die doppelte Herausforderung für eine zeitgemäße Medizin.

Denn da es, um mit Adorno zu sprechen, „kein richtiges Leben im falschen“ [10]) gibt, fällt es uns allen immer schwerer, in einer entsinnlichten, virtuellen, vom Zwang der Ökonomie geprägten Leben seelisch gesund zu bleiben.

Und da der Leib als Instrument der Seele wie ein Seismograph alle Erschütterungen in unseren Befindlichkeiten aufzeigt, wird die Medizin von morgen und übermorgen körperliche Symptome zum Anlaß nehmen, um u.a. zum Beispiel über die Aura, über den Astralleib, Zugang zur wahren Diagnose dessen zu finden, was wirklich krank ist an und / oder um uns herum.

Wir suchen (und werden finden!) „das Glück einer höheren, im Geist verankerten Gesundheit“ [11]), soviel steht wohl, bei all den wachsenden Bemühungen um ein Leben in einem bitteschön endlich mal richtigen Leben, außer Zweifel.

Mutige Wegbereiter zu einem mit sich selbst und dem Universum versöhnten Menschen haben längst erkannt, was Dieter Duhm, der Universalgebildete, so auf den Punkt brachte:

„Der Kern des Menschen ist metaphysischer, übersinnlicher, transzendentaler Natur. (.) Die These vom metaphysischen Zentrum des Menschen ist keine religiöse, sondern eine wissenschaftliche Aussage.“ [12]).

Gott reicht uns in diesen Jahren sozusagen die Hand: Gestern und heute bei Fortschritten in der Arbeit mit der Materie, wie wir sie bis anhin deuteten, was als Grundlage zum Beispiel für die moderne Technik als belastbar erwies.

Nun wird uns die Hand gereicht für eine erweitere Sicht auf Materie, wie sie sich geradezu in einem Erkenntnisquantensprung offenbart – was für ein Geschenk!

Meine Zwischenbilanz

„Es ist nicht Sache der Lebenden, sich über die Ärzte zu beklagen“, schrieb Honoré de Balzac in «Pierre Goriot», mit der von ihm gewohnten Ironie.

Anstatt uns erst nach unserem Hinschied über unsere Ärzte zu beklagen, sollten wir sofort mit ihnen zusammen den mühsamen Weg des Analysierens, des kritischen und gegebenenfalls auch sich selbst und die angewandten Methoden Hinterfragens und des Förderns einer kopernikanischen Wende in der Medizin gehen, weg von der Fokussierung auf den sichtbaren Körper, hin zu dem, was diesen physischen Körper eigentlich prägt.

Die individuelle Gesunderhaltung und / oder Gesundung mag durch Yoga und andere Praktiken vorangetrieben werden – solange sich jedoch unsere Gesellschaft in ihren Grundstrukturen nicht ändert, solange Menschen vor allem in der Arbeitswelt gedemütigt, aus­gebeutet, gestreßt werden, solange nicht bereits in der Kindheit eine sich selbst liebende und akzeptierende, innere Harmonie gefördert wird, kann der gesamte Volksköper nicht gesunden.

Somit ist die medizinische Revolution auch und vor allem eine politisch-ökonomische.

Was Wilhelm Reich, dem Entdecker der universellen Energie, die er «Orgonenergie» [13]) nannte, angetan wurde, darf sich nicht wiederholen: Entdeckungen, die dazu führen können, daß Menschen mit geringstem Aufwand medizinische Hilfe zugute kommt, die nicht von medizinischen Monopolisten für teures Geld verkauft wird, sondern mit einfachsten Mitteln zugänglich ist, wie z.B. Aurachirurgie, Geistheilung und Nutzung der «Orgonenergie», gehören in liebevolle Hände statt in ökonomische Mega-Strukturen.

Wilhelm Reich: „Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ [14])

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[1] Il ne s’agit pas de condamner l’autre de l’erreur, mais de le rencontrer dans une vérité supérieure

 

[2] Carl Ludwig Schleich, in: Besonnte Vergangenheit. Rowohlt 1920, S. 252

[3]) Ernst Cassirer, Zur Einsteinschen Relativitätstheorie. Band 10 Gesammelte Werke Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt S. 96

[4]) Artur I. Miller, 137 – C.G. Jung, Wolfgang Pauli und die Suche nach der kosmischen Zahl. DVA 2011

[5]) Dieter Broers, Vorwort zu «Das Ego im Dienste des Herzens – ein neues Eden« Dieter Broers Verlag Ldt. 2016

[6]) Gerhard Klügl / Tom Fritze, Quantenland. Akana 2012

[7]) Rudolf Steiner, in: Krankheit und Heilung. Rudolf Steiner Ausgaben e.K. 2014 S. 67 ff

[8]) Dr. Jürg Reinhard, Heilung aus dem Kosmos – vom Umgang mit Gestirnen, Geist und Geistern. Hallwag  1997

[9]) Jürg Reinhard und Adolf Baumann, Unerhörtes aus der Medizin – Gespräche eines Anthroposophen mit dem Physiker, Naturheilarzt und Bergführer Dr. Jürg Reinhard

[10]) Theodor W. Adorno, in: Minima Moralia

[11]) Kurt Weibel, im Nachwort zu Jürg Reinhard «Heilung aus dem Kosmos»

[12]) Dieter Duhm, in: Synthese der Wissenschaft. Der werdende Mensch. Kübler Verlag 1979 S. 93

[13]) s. Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons. Die Funktion des Orgasmus.
Kiepenheuer & Witsch 1969, im Original 1942 by Orgone Institute Press Inc.

[14]) Wilhelm Reich, a.a.O.