Juden: Die Rassenlüge

Der historische Grundmythos des Zionismus ist der einer Kontinuität der Rasse und der unaufhörlichen Sehnsucht nach Rückkehr.

Eine fiktive Genealogie will glauben machen, daß alle Juden der heutigen Welt von ein und derselben »Rasse« abstammen, daß sie allesamt auf Gottes Geheiß mit Abraham und seinen Patriarchen ins »gelobte Land« Kanaan gekommen sind, dann nach Ägypten auswanderten und – immer wieder von ihrem Gott – aus der Sklaverei befreit, dank dem wunderbaren Exodus, unter Führung Moses, um das XIII. Jh.; danach unter der Führung Josuas das »gelobte Land« eroberten, wobei sie – immer auf Gottes Geheiß – die eingeborenen Bevölkerungen vernichteten, bis sie dann ein Reich gründeten, das Reich Davids, wonach sie dann besiegt und vertrieben wurden.

Als Cyrus im Jahre 539 die Rückkehr der Verbannten gestattete, erließen zwei Vertrauensmänner am persischen Hof, der Hohepriester Nehemia und der Schriftgelehrte Esra strenge Gesetze, um die Reinheit der Rasse und der Religion zu wahren und um jede Assimilation der Juden mit den um sie her lebenden Nationen zu vermeiden. Diese Gesetze untersagten die Heirat mit nicht-jüdischen Frauen, kodifizierten aufs genaueste das seinerzeit dem Moses verkündete Gesetz und begründeten eine absolute Priesterherrschaft.

Die Gesetze der rassischen Diskriminierung waren besonders streng: »Scheidet euch von den Völkern des Landes und von den fremden Weibern« (Esra X, 11). Die Verstoßungen wurden nach drei Monaten vollstreckbar: ».. .und sie richteten’s aus an allen Männern, die fremde Weiber hatten, bis zum ersten Tage des ersten Monats« (X,17). Dies wird genau berichtet bei Nehemia (XIII,3):

»Da sie nun dies Gesetz hörten, schieden sie alle Fremdlinge von Israel.« Nehemia sagt weiter: »Ich sah auch zu der Zeit Juden, die Weiber genommen hatten von Asdod, Ammon und Noab. Und ihre Kinder redeten die Hälfte asdodisch und konnten nicht jüdisch reden, sondern nach der Sprache eines jeglichen Volkes. Und ich schalt sie und fluchte ihnen und schlug etliche Männer und raufte ihnen das Haar und nahm einen Eid von ihnen bei Gott: Ihr sollt eure Töchter nicht geben ihren Söhnen noch ihre Töchter nehmen euren Söhnen oder euch selbst« (XIII, 23-25).

»Also reinigte ich sie von allem Ausländischen und bestellte den Dienst der Priester und Leviten, einen jeglichen zu seinem Geschäft (XIII, 30).

Das auf diese Weise grundsätzlich von jeder äußeren Beeinflussung abgeschirmte Judentum lebt weiter unter der Bevormundung der Hohen Priester.

In dieser »offiziellen« Version der jüdischen Geschichte erkennen wir, wenn wir die selektive, mystische und völkische Bibellektüre aus dem zeitgenössischen Zionismus heraus analysieren, daß die apologetische »legenda aurea« im Dienst scharf umrissener politischer Ziele den größten Teil beansprucht.

Die Geschichte geht weiter in der »Diaspora« (d. h. bei den unter die verschiedenen Nationen verstreuten Juden) wo die jüdischen Gemeinschaften, die die Zionisten als ständig Zusammenhaltende und immer Verfolgte darstellen, ihre messianische Hoffnung auf eine »Rückkehr« ins vorübergehend verloren gegangene »gelobte Land« fest bewahrt haben. Auf diese Weise bilden sie unter den Nationen ein »Priestervolk«, mit dem göttlichen Auftrag, durch seine Leiden und seinen unerschütterlichen Glauben Zeugnis abzulegen von Gottes grundlegendem Plan. So kreist denn die gesamte Geschichte der Menschheit um das Geschick dieses auserwählten Volkes.

Wir werden weiterhin erfahren, wie der politische Zionismus unserer Zeit dieses Schema »säkularisiert« hat, um eine Machtpolitik zu rechtfertigen, auch für die zahlreichen im Staate Israel und in der »Diaspora«, die sich nicht mehr zur israelitischen Religion bekannten.

Bevor wir uns mit der grundsätzlichen theologischen Mystifikation beschäftigen, die der »rote Faden« der zionistischen Ideologie ist, mit dem Thema der »Verheißung«, die ein »göttliches Recht« auf das Land Palästina beinhaltet und des »auserwählten Volkes«, das auf Grund dieses »göttlichen Rechts« berechtigt ist, die Menschenrechte all derer mit Füßen zu treten, die seit Jahrtausenden in Palästina gelebt und gearbeitet haben, – bevor wir also diese Dinge eingehend behandeln, wollen wir über zwei zusätzliche Mythen sprechen: den der »jüdischen Rasse« und den der tausendjährigen Nostalgie der Heimkehr.

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Der Begriff der »Rasse« ist eine Erfindung des XIX. Jh. in Europa, die zur Rechtfertigung der kolonialen Hegemonie des Westens willkürlich von der Unterscheidung zwischen sprachlichen Gruppen zu der Vorstellung des biologischen Unterschieds übergeht, insbesondere der Hierarchie unter den großen menschlichen Sprach- und Kulturgemeinschaften.

Bevor sich dieser tragische Mythos entwickelte, besonders durch die phantastischen Deutungen des »Versuch über die Ungleichheit der menschlichen Rassen« des Grafen Gobineau, 1853, war die der Rassenidee am meisten nahekommende Vorstellung der Stammesbegriff der Blutgemeinschaft, der in sämtlichen Kulturen durch die mystische Darstellung eines gemeinsamen Urvaters »nachgewiesen« wurde, de – »Heros eponymos» des Stammes und legendärer Genealogien, die man ebenso gut bei den Indianern Amerikas wie auch in der »Äneis« und im Alten Testament findet.

Es handelt sich aber dabei nicht um die »Rasse« des im XIX. Jh. in Europa angenommenen Wortsinnes, d. h. um einige große einige menschliche Gruppen, sondern um die Nachkommen einer bestimmten Ahnenreihe in kleinen Stammesgemeinschaften oder in gewissen sozialen Schichten: in der französischen Sprache des 19. Jahrhunderts bezeichnet man z.B. eine königliche Dynastie als eine «Rasse», und im 18. Jahrhundert unterscheidet man zwischen der «Noblesse de race» (dem alten Stammesadel) und dem erst neuerdings erworbenen und nicht vererbten. (…)

Die Pseudotheorie der Rasse hat immer den Herrschaften und Vergewaltigungen als Rechtfertigung gedient. Das Spitzenbeispiel ist der Nazismus. Hitler klagt in «Mein Kampf» die Juden an, sie „wollten durch Bastardisierung die ihnen verhaßte weiße Rasse degenerieren und vernichten. Der Jude..“, fügt er hinzu, „vergiftet das Blut der anderen, bewahrt aber das seinige.“

Es ist beachtenswert, daß er dieselben Mittel an wendet wie sein Opfer: Der Gesetzgeber der Blutgesetze von Nürnberg sagt in seiner Präambel, sein Vorbild seien die ersten historischen Entscheidungen zum Schutze der Reinheit der Rasse, die Esras und Nehemias.

Es handelt sich nicht um antike Geschichte und nicht um Archäologie, denn auf Grund der rabbinischen Tradition definiert das Grundgesetz des jetzigen Staates Israel den «Juden» so, wie es Esra und Nehemia forderten und wie es die Nürnberger Rassengesetze bestimmten: Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde (rassisches Kriterium) oder zur israelitischen Religion konvertiert wurde (theokratisches Kriterium).

Nur wer diesen Kriterien entspricht, kann das Gesetz der Rückkehr genießen und die sich aus ihm herleitenden Vorrechte im Staate Israel. Es handelt sich also nicht nur um eine Definition der »Rasse«, sondern um eine rassistische Diskriminierung , da – wie wir sehen werden – die Zugehörigkeit zu irgendeiner ethnischen Gemeinschaft Vorrechte oder Nachteile einschließt.

Der Rassismus entbehrt jeder wissenschaftlichen Begründung. Vom biologischen Standpunkt hat sich die alte Theorie des Schädelindex, der zwischen »Dolichozephalen« und »Brachyzephalen« unter-scheidet, als untauglich erwiesen. Die moderne Genetik, derzufolge gewisse »Gene« die serologischen Eigenschaften des Blutes bestimmen, hat die Nichtigkeit des Rassebegriffs erwiesen.

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Der archaische Mythos der Genesis (X, 18-27) hat wie alle anderen rassistischen Mythen dazu gedient, die Hierarchien und Herrschaften zu »bestätigen«: die drei Söhne Noahs, die nach dem Ausstieg aus der Arche »die ganze Erde bevölkerten«, standen am Anfang der Asiaten (Sem), der Europäer (Japhet) und der Afrikaner (Ham): letztere wurden der Sklaverei und der Gewalt unterworfen.

Das feudale Mittelalter sah in Ham den Ahnherrn der Leibeigenen, in Japhet den der Herren, in Sem den der Gelehrten auf dem Gipfel der Hierarchie.

Leon Poliakov betont in seinem Buch »Der arische Mythos« (1971), daß nach der hebräischen (oder genauer: der rabbinischen) Tradition, auch wenn sie sich nicht ausdrücklich auf die »Rasse« bezieht, »die Schranke, die das auserwählte Volk von den Nationen trennen sollte, dazu bestimmt war, es weiterhin als «Priestervolk» zu wahren.«

Die Geschichte liefert für den Begriff der Rasse ebenso wenig objektive Begründung wie die Biologie. Aus den »Juden« eine von den »Nationen« isolierte »Rasse« machen wollen, heißt: einen Mythos schaffen, genau so übrigens wie die Antisemiten und die Zionisten. Antisemitismus und Zionismus sind auf demselben Postulat gegründet und führen zu denselben Ergebnissen.

Das gemeinsame Postulat ist der Glaube an eine »jüdische« Wesenheit, die sich den anderen Nationen nicht assimilieren kann, ob nun aus »Weigerung« oder durch »Ausschließung«.

Das gemeinsame Ergebnis aus beiden ist der Schluß, man müsse die »Juden« aus den Nationen herausnehmen, um sie in einem »Welt-Ghetto« zu sammeln, was schon immer das Ziel der Antisemiten gewesen ist.

In- Wirklichkeit hat es nie eine »jüdische Rasse« gegeben. Außer in den Wahnvorstellungen Hitlers und der Zionisten. In allen Epochen der Geschichte waren die »Juden« Komponenten der großen ethnischen Gemeinschaften (die ihrerseits auch keine Rassen waren).

Die Nomaden oder die seßhaft werdenden Hirtenvöl­ker, die nach Kanaan kamen, waren Aramäer. die aus dem nördlichen Euphratgebiet, aus Transjordanien oder aus Arabien kamen, d. h. sie waren von ihrer Sprache her (und nicht nach ihrem Blute) »Semiten«, wie es heute die Araber und die Israeliten sind. Das bezeugt die Verwandtschaft der hebräischen und der arabischen Sprache.

Die «apiru» oder »habirou (Hebräer), die mit dem »Auszug« aus Ägypten gekommen waren, waren eine soziale Gruppe (eine aufsässige Randbevölkerung) und keine völkische Gemeinschaft.

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Die Stämme, die friedlich oder kriegerisch in Kanaan eindrangen, vermischten sich kulturell und blutmäßig mit den ortsansässigen Völkerschaften (dies bezeugen mehrere Jahrhunderte später die Rassegesetze Esras und Nehemias).

Das Königreich Davids und Salomos war multinatio­nal; es nahm fremde Volksangehörige und ihre religiösen Kulte freundlich auf. Als Cyrus den Verbannten in Babylon die »Heimkehr« gestattete, blieb die überwältigende Mehrheit in Mesopotamien, wo sie Familien gegründet hatten.

Als schließlich die Römer die Israeliten nach den Auf­ständen des Jahres 70 und des Bar Kochba vertrieben, bekehrten häufig die Vertriebenen die Bevölkerung die sie aufnahmen, zu ihrem Glauben.

Joseph Reinach schrieb im »Journal des Débats vom 30. März 1919: „Die Juden in Palästina bilden nur eine unbedeutende Minderheit. Ebenso wie die Christen und die Moslems haben sich die Juden mit großem Eifer für die Bekehrung der Völker zu ihrem Glauben eingesetzt.“

Vor der christlichen Ära hatten die Juden andere Semiten (oder Araber) zum mosaischen Monotheismus bekehrt, Griechen, Ägypter und Römer in großer Zahl. Auch später war der jüdische Proselytismus nicht weniger aktiv in Asien, in ganz Nordafrika, in Italien, Spanien und Gallien. Zweifellos überwogen konvertierte Römer und Gallier in den Chroniken des Grégoire de Tours erwähnten jüdischen Gemeinden; es befanden sich unter den von Ferdinand dem Katholischen aus Spanien vertriebenen Juden viele Konvertiten iberischen Ursprungs, die sich dann in Italien, in Frankreich, im Orient und in Smyrna niederließen.

Die große Mehrheit der russischen, polnischen und galizischen Juden stammen von den Khazaren, einem Tatarenvolk Südrußlands, die zur Zeit Karls des Großen geschlossen zum Judentum übergingen. Wer von einer jüdischen Rasse spricht, ist entweder unwissend oder unredlich.

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Die Juden waren nur einer der zahlreichen ara­bischen oder semitischen Stämme, die sich im westlichen Asien niedergelassen hatten Joseph-Reinachs Schlußfolgerung ist klar: »Da es also weder eine jüdische Rasse noch eine iüdische Nation gibt, da es nur eine jüdische Religion gibt, ist der Zionismus eine Torheit – ein dreifacher: historischer, archäologischer ethnischer Irrtum.«

Mit noch größerer wissenschaftlicher Genauigkeit bestätigt Maxime Rodinson: »Es ist sehr wahrscheinlich – und die physische Anthropologie bemüht sich, es zu veranschaulichen – daß die als »Araber« bezeichneten Bewohner Palästinas (in ihrer Mehrheit übrigens Arabisierte) viel mehr Blut der-alten Hebräer in sich haben als die meisten Juden der Diaspora, deren religiöse Exklusivität keineswegs die Absorption der Konvertiten verschiedenen Ursprungs verhinderte.

Der jüdische Proselytismus ist jahrhundertelang mächtig gewesen und hat im übrigen lange Epochen hindurch gewirkt. Um sich das klar zu machen, genügt es, an den jüdischen Staat in Südarabien im VI. Jh. zu erinnern, der auf judaisierter südarabischer Grundlage bestand; oder an den jüdisch- türkischen Staat der Khazar in Südost-Rußland im VIII./ X. Jh. auf türkischer oder finno-ugrischer, zweifellos z. T. slawischer Grundlage;

an die so gut sinisierten Juden in China; an die schwarzen Juden in Cochin; die Falasha Äthiopiens usw. … und vom anthropologischen Standpunkt aus genügt es, die Augen über eine Versammlung von Juden verschiedener Herkunft schweifen zu lassen, um die Bedeutung der fremden Anteile zu
erkennen.«

Die klarste Bilanz dieser Entmystifizierung der Geschichte formulierte Thomas Kiernan: »Die Zionisten waren Europäer. Es besteht keinerlei biologische oder anthropologische Verbindung zwischen den Vorfahren der europäischen Juden und den alten hebräischen Stämmen.«

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Um das Thema der angeblichen »historischen Rechte« abzuschließen, möchten wir noch an drei entscheidende Momente der Staatsgründung Israels erinnern:

  • Die Balfour Deklaration, die in einem Brief vom November 1917 an den Baron Rothschild enthalten ist: »Die Regierung Seiner Majestät begünstigt die Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird alle Anstrengungen machen, um dies Ziel zu erreichen, wobei wohl verstanden nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der in Palästina bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaf­ten oder die Rechte und den politischen Status der Juden in jedem anderen Land schädigen kann.«
  • Balfour selbst erkannte sehr schnell die Gefahr. Am 19. Februar 1919 schrieb er an Lloyd George: »Der schwache Punkt unserer Position ist offenbar, daß wir im Falle Palästinas den Grundsatz der Selbstbestimmung abgelehnt haben. Wenn die jetzigen Bewohner befragt würden, dann würden sie unbestreitbar eine Entscheidung gegen die jüdische Einbürgerung verkünden.«
  • Dies bestätigt im übrigen der Bericht der Kommission King-Crane, die 1919 vom Präsidenten Wilson entsandt wurde, um sich über »die Meinungen und Wünsche der gesamten Bevölkerung zu informieren«.

Der Bericht besagt hinsichtlich Palästinas: »Hier nehmen die ältesten Bewohner, d. h. ebenso Moslems wie Christen dieselbe feindliche Haltung gegen eine massive jüdische Einwanderung ein und gegen jegliche Bestrebung, eine jüdische Vorherrschaft über sie zu etablieren.

Wir fragen uns hier, ob irgendein britischer oder amerikanischer Staatsmann sich vorstellen kann, daß es möglich sei, das zionistische Programm zu verwirklichen, es sei denn mit Hilfe einer großen Armee.«

Während sie das zionistische Maximal-Programm verwarf, schlug die Kommission vor, die Einheit Syrien-Palästina unter einem britischen oder amerikanischen Mandat aufrecht zu erhalten und dabei eine begrenzte nationale jüdische Heimstätte abzusichern.

Artur Köstler-hat die auf Grund der Balfour Declaration durchgeführte Operation ausgezeichnet definiert: »Eine Nation hat einer anderen feierlich das Gebiet einer dritten zugesagt.« (Promise and fulfilment)».

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Mit dieser Deklaration begann die Aufeinanderfolge der großen Lügen, die die Geschichte des Staates Israel und seiner Führer markieren.

Es wurden nicht nur die Klausel der Balfour Declaration über die Respektierung der Rechte der »nicht-jüdischen Gemeinschaften« ständig verhöhnt, sondern der Gedanke einer »jüdischen nationalen Heimstätte«, d. h. – so präzisierte es das britische Weißbuch von 1922- ein Ausstrahlungszentrum der jüdischen Kultur und Religion war für die zionistischen Oberhäupter der Wandschirm, hinter dem sie die Gründung eines zionistischen Staates verbargen.

Schon am 26. Januar 1919 schrieb Lord Curzon: »Während Weizmann Ihnen etwas erzählt und Sie verstehen daraus »jüdische nationale Heimstätte«, denkt er dabei an etwas ganz anderes. Er stellt sich einen jüdischen Staat vor und eine ihm unterworfene arabische Bevölkerung, die von den Juden regiert wird. Das sucht er hinter dem Wandschirm und unter dem Schutze der britischen Garantie zu verwirklichen.«

Die Doppelzüngigkeit des politischen Zionismus ist deutlich: im März 1921 erklärt das Memorandum des jüdischen Nationalrats an Winston Churchill, »man dürfe nicht den Verdacht hegen, einer anderen Nation sollten ihre Rechte verweigert werden.«

Am 22. Juni 1969 verkündet Golda Meir hingegen vor der Knesset: »Ich will einen jüdischen Staat mit einer unwandelbaren jüdischen Majorität… Ich war immer der Ansicht, dies sei der Zionismus.«

Der Beschluß einer Teilung Palästinas wurde von der Generalversammlung der UNO am 29- November 1947 angenommen. In diesem Zeitpunkt machen die Juden 32% der Bevölkerung aus und besitzen 5,6% des Landes. Der zionistische Staat erhält 56% des Territoriums mit den fruchtbarsten Ländereien.

Die Abstimmung über diesen Teilungsplan gab Anlaß zu unsauberen Manövern. Am 18. Dezember 1947 legte ein Mitglied des amerikanischen Kongresses, Lawrence H. Smith, sie vor dem Kongreß dar: »Lassen Sie uns davon sprechen, was in der Versammlung der Vereinten Nationen geschah während der Zusammenkunft, die der Teilungs-Abstimmung vorausging. Für die Billigung des Beschlusses waren zwei Drittel der Stimmen erforderlich … Die Abstimmung wurde zweimal aufgeschoben … während dieser Zeit wurde auf die Abgeordneten von drei kleinen Nationen starker Druck ausgeübt … Die ausschlaggebenden Stimmen waren die von Haiti, Liberia und den Philippinen.

Diese Stimmen genügten, um die Zweidrittel-mehrheit zu erreichen. Vorher hatten sich diese Länder der Teilung widersetzt… Die von unseren Abgeordneten, unseren Regierungsbeamten und von amerikanischen Bürgern auf sie ausgeübten Pressionen bedeuten eine sträfliche Handlung.«

Dre Pearson berichtet in der »Chicago Daily« vom 9. Februar 1948 u. a. folgende Einzelheiten: »Harbey Firestone, Besitzer von Kautschuk-Plantagen in Liberia agitiert bei der liberianischen Regierung …«

Präsident Truman übte einen nie dagewesenen Druck auf das State-Department aus. Der Unter-Staats­sekretär Sumner Welles schreibt: »Auf direkte Weisung des Weißen Hauses mußten die amerikanischen Beamten direkte oder indirekte Pressionen ausüben …, um bei der Endabstimmung die erforderliche Majorität zu sichern.«

Der damalige Verteidigungsminister James Forrestal bestätigt: »Die Methoden, die man anwandte, um Druck auszuüben und um die anderen Nationen in der UNO unter Zwang zu setzen, grenzten an einen Skandal.«

Zwischen dem Teilungs-Beschluß vom 29. November 1947 und der tatsächlichen Beendigung des englischen Mandats über Palästina vom 15. Mai 1948 besetzen zionistische Truppen Gebiete der den Arabern zugeteilten Zone, zum Beispiel Jaffa und Saint-Jean d’Acre.

Wer kann unter derartigen Umständen den Palästinenern und den benachbarten arabischen Ländern zum Vorwurf machen, daß sie nicht die monströse Ungerechtigkeit der »vollendeten Tatsachen« hinnahmen und daß sie sich weigerten, den zionistischen Staat» anzuerkennen«?

Aber der zionistische Staat begnügte sich nicht mit dem Land: Es sollte auch noch seiner Bewohner beraubt werden, um daraus nicht eine traditionelle Kolonie der Ausnutzung der eingeborenen Arbeitskräfte zu machen, sondern eine Kolonie, die man neu bevölkerte, indem man die Einwanderer an die Stelle der bisherigen Bewoh­ner brachte.

Um dies Ziel zu erreichen, führte der zionistische Staat einen wahren Staatsterrorismus ein, d. h. wirkliche »Pogrome« gegen die palästinensische Bevölkerung.

Das eklatanteste Beispiel war das von Deir Yassin: Am 9. April 1948 wurden in einem Verfahren gleich dem der Nazis in Oradour die 254 Einwohner dieses Dorfes (Männer, Frauen, Kinder, Greise) von den Truppen des »Irgun« massakriert, deren Anführer Menachem Begin war.

In seinem Buche »Der Aufstand: Geschichte des Irgun« schreibt Begin, ohne den »Sieg« von Deir Yassin hätte es keinen Staat Israel gegeben. (Seite 162 der englischen Ausgabe).

Er fügt hinzu: »Die Hagana vollführte siegreiche Angriffe an anderen Fronten … Von Panik ergriffen flohen die Araber, indem sie schrien: Deir Yassin!« (Ebendort, Seite 162, in der französischen Ausgabe Seite 200.)

Erst am 15. Mai 1948 informierte der Generalsekretär der arabischen Liga den Generalsekretär der Vereinten Nationen, daß sich die arabischen Staaten gezwungen sähen, um der Sicherheit der palästinensischen Bevölkerung willen zu intervenieren.

Im Jahre 1949, nach dem ersten israelisch-arabischen Krieg, kontrollierten die Zionisten 80% des Landes, und 770 000 Palästinenser waren verjagt worden.

Die Vereinten Nationen hatten einen Vermittler ernannt, den Grafen Folke Bernadotte. In seinem letzten Bericht schrieb Graf Bernadotte: »Man würde die elementarsten Grundsätze verletzen, wenn man diese unschuldigen Opfer des Konfliktes hinderte, in ihr Heim zurückzukehren, während die jüdischen Einwanderer nach Palästina hereinströmen und zudem ständig drohen, die arabischen Flüchtlinge zu verdrängen, die seit Jahrhunderten in diesem Lande verwurzelt sind.«

Er beschreibt die »zionistische Plünderung großen Stils und die Zerstörung von Dörfern ohne erkennbare militärische Notwendigkeit«.

Dieser Bericht (UN-Dokument 648, Seite 14) wurde am 16. September 1948 eingereicht. Am 17. September 1948 wurden der Graf Bernadotte und sein französischer Assistent, der Oberst Serot, in dem von den Zionisten besetzten Teil Jerusalems er­mordet… (…)

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Die zionistischen Führer des Staates Israel konnten umso leichter den »Vereinten Nationen« die Stirn bieten, als die Mehrheit dieser UNO Komplice der zionistischen Usurpation in Palästina gewesen war.

1948, also vor der Dekolonisation, der Auflösung der Kolonialreiche, wurde die UNO weitgehend von den Westmächten beherrscht. Sie hat ihre eigene Charta verletzt, als sie den Arabern, die damals zwei Drittel der palästinensischen Bevölkerung ausmachten, das Recht auf die Entscheidung über ihr eigenes Schicksal verwehrten.

Selbst vom rein juristischen Standpunkt stellen sich eine Anzahl Fragen.

Die Entscheidung über die Teilung wurde von der General-Versammlung und nicht von dem Sicherheitsrat (Conseil de Sécurité) angeordnet. Sie galt also als Empfehlung und nicht als rechtskräftige Entscheidung.

Nicht nur die Palästinenser lehnten diese Teilung ab: Der Irgun (Menachem Begins) erklärte damals, diese Teilung sei illegal und werde niemals anerkannt wer­den. Er rief die Juden auf, »nicht nur die Araber zurückzudrängen, sondern sich ganz Palästinas zu bemächtigen«.

Ben Gurion selbst schrieb: »Bis zum Abzug der Briten sind die Araber in keine jüdische Kolonie, wäre sie auch noch so abgelegen, eingedrungen oder haben sie eingenommen, während die Haganah sich durch heftige und häufige Angriffe zahlreicher arabischer Stellungen bemächtigte und Tiberias und Haifa, Jaffa und Safed befreite.«

Sie lasen Auszüge aus „Der Fall Israel“ von Roger Garaudy

Autor: Hugh_Friedrich Lorenz

Schriftsteller, Gesellschaftswissenschaftler, Publizist, Hörbuchprouzent

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