Kapitalismus – eine kognitive Dissonanz? Gedanken über ein gescheitertes Modell

Herrschte in den letzten Jahrzehnten globalwirtschaftlicher Prosperität die Auffassung, wirtschaftliche Kreisläufe und Strukturen seien gleichsam ingenieurmäßig zu steuern oder würden sich gar wie von selbst regulieren, würden nur die ökonomischen Instrumente immer ausgefeilter, so erhielt diese Einschätzung spätestens seit der
Banken- und Finanzkrise der vergangenen Jahre eine schallende Ohrfeige – denn es waren immer ausschließlich Menschen mit all ihren Stärken oder aber Schwächen, die am Ge- oder aber am Mißlingen wirtschaftlicher Konzepte als entscheidende Stellschrauben wirkten.

Und ein weiterer Faktor prägt die Ökonomie unserer Tage: Da die Märkte für Verbrauchsgüter weitgehend gesättigt sind und es immer schwieriger wird, neue Produkte an die Frau und den Mann zu bringen – nicht selten Produkte, die niemand braucht, sondern die mit enormem Werbeaufwand nur noch über die damit angesprochenen menschlichen Eigenschaften wie Eitelkeit, Luxusstreben oder Vertreiben der Langeweile abzusetzen sind -, befinden wir uns in einem im wahrsten Sinne des Wortes mörderischen Wettbewerb. Denn Wettbewerb hat sich vom Verdrängungs– zum Vernichtungswettbewerb gewandelt, und dies auf globaler Ebene.

Zahlreiche menschliche und vor allem auch kaufmännische Tugenden gingen dabei teilweise über Bord. Denn selbst in den klassischen ökonomischen Segmenten wie dem Handwerk und der Industrie verbreiten sich (Un)sitten, die an archaische Zustände erinnern:

So berichten Bauunternehmer deutschlandweit, daß sie selbst öffentliche Aufträge nur noch erlangen können, wenn sie sich dem gnadenlosen Diktat mörderischer Zahlungskonditionen beugen oder aber, wie zum Beispiel im Gerüstbau, nur noch überleben können, wenn sie einen gewissen Anteil an Schwarzarbeitern beschäftigen. 1)

Wir erleben heute, daß der Goldanstrich vom Mythos der „Wirtschaft, die schon alles regelt“, abblättert.

Karl Marx, der bereits im 19. Jahrhundert erkannte, daß „der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktion herrscht“, als „eine ungeheure Waren­sammlung“ erscheint, die unweigerlich eines Tages ihren hundertprozentigen Sättigungsgrad erreichen wird 2), wurde belächelt und verteufelt – dabei zeichnete sich bereits
damals diese Entwicklung durch die neuen Möglichkeiten zur Massenproduktion ab.

  • Was also tun, wenn mehr produziert wird, als verkauft werden kann?
  • Was tun, wenn sich die klassischen Gesetze und
    Regulative der Wirtschaftstheorien, die uns seit Adam Smith unzählige spekulative neue Lehren
    bescherten, größtenteils als Luftnummern entpuppten und es sogar soweit kam, daß der edle Nobelpreis für einen Bereich (Ökonomie) vergeben wird, den der höchst ehrenwerte und über den Verdacht von Wirtschaftsfeindlichkeit erhabene Sir Kenneth
    Galbraith, Harvard-Professor und Berater dreier amerikanischer Präsidenten 2004, im Alter von
    damals sechsundneunzig Jahren, in seinem Buch so auf den Punkt brachte: Unschuldiger Betrug…? 3)

Eben dieser Galbraith wies bereits 1987 auf das Phänomen hin, das wir den anscheinend hochwissenschaftlichen Methoden der Ökonomie mit demselben naiven Verhalten begegnen, welches das Volk im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern zeigte, aber daß allmählich erkannt wird, daß … der Kaiser nackt ist:

„Gegen die Anpassung an eine sich verändernde Wirklichkeit wehrt man sich, wie in der Vergangenheit, auch aus dem Bestreben, in der Wirtschaftstheorie eine exakte Wissenschaft zu sehen. Auf akademischem Boden, wo die Naturwissenschaft gelehrt wird, bestimmen die Naturwis­senschaften den Standard intellektueller Genauigkeit. Das geistige Ansehen von Chemikern, Physikern, Biologen und Mikrobiologen streben auch die Ökonomen und andere Sozialwissenschaften an, vielleicht unvermeidlicherweise.
Voraussetzung hierfür wäre, daß die allgemeinsten Grund­sätze der Wirtschaftstheorie wesentlich vorgegeben seien wie die Struktur von Neutronen, Protonen, Atomen und Molekülen. (…) Der Markt nimmt eine nachgerade religiöse Qualität an, die ihn weit über die Notwendigkeit empirischer Beweisführung hinaushebt.
4)

Es schält sich immer mehr die Tatsache heraus, daß eine Rückbesinnung auf das zentrale Moment jedweden ökonomischen Geschehens angesagt ist, das durch alle Zeiten das zentrale Moment war, ist und bleiben wird: Auf den Menschen als Drehscheibe, Motor oder Bremsklotz allen Geschehens!

Unternehmensführung entpuppt sich mehr und mehr als Menschenführung, denn als durch Bits und Bytes zu steuernder, streng logischer Ablauf.

  • Was aber bedeutet diese Erkenntnis für die zu aktualisierenden Unternehmensstrategien der Zukunft?
  • Was bedeutet diese Erkenntnis für die Auswahl und die Optimierung der Führungsinstrumente?
  • Was bedeutet sie für eine notwendig erscheinende Umorientierung bei der Antwort auf die Frage: „Welche Eigenschaften, Fähigkeiten und Tugenden braucht eine Führungskraft in der elektronischen Epoche, in der Informationsgesellschaft?“
  • Durch welche Denkschritte und daraus zu schlußfolgernden Maßnahmen können wir der Tatsache Rechnung tragen, daß eine neue Menschlichkeit Einzug halten muß in Unternehmen und Institutionen, weil der durchschnittliche Mensch den Belastungen der Arbeitswelt und der zunehmenden Kälte der sozialen Beziehungen in trauter Einheit mit stetig wachsendem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen ist?

Verantwortliche in Wirtschaft und Verwaltung müssen sich die Frage gefallen lassen, die C.F.v. Weizsäcker stellte: „Was tue ich dem Mitmenschen an, wenn ich ihn in Gedanken oder in der Tat als bloßes Objekt behandle?“  5).

Ich unternehme mit dieser möglicherweise gewisse Entwicklungen vorausnehmenden Arbeit den Versuch, so kurz und prägnant wie möglich die – aus meiner Sicht – wesentlichen Aspekte dieser Problematik darzustellen und Denkanstöße zu liefern, die letztendlich jedoch in Maßnahmen zur konkreten Umsetzung im betrieblichen und institutionellen Alltag münden sollen.

Meine täglichen und in langen Berufsjahren gewachsenen Erfahrungen, sowohl in Beratung und Training, als auch als Wissenschaftler, Publizist und Unternehmer mit vielfältigen Erfahrungen in Vertrieb, Verkauf und Menschenführung, motivieren mich zu dem Versuch, beim Aufzeigen ganz konkreter Maßnahmen für jede und jeden einzelnen im Arbeitsalltag persönlichen Krisen vorzubeugen, gegenzusteuern oder aber diese besser zu meistern.

Mein Engagement für ethisches Investment und Wirtschaftsethik in den 1980ern und 1990ern verschaffte mir profunde Einblicke in Möglichkeiten und konkrete Maßnahmen, um Ökonomie für die Menschen umzugestalten, statt weiterhin zu versuchen, den Menschen einem abstrakten Verständnis von Ökonomie zu unterjochen.

Denn wenn uns in den kommenden Jahrzehnten in Zentraleuropa das gelingt, was Arnold Gehlen im abschließend zitierten Gedanken auf den Punkt brachte, erwächst Europa aus einer völlig unerwarteten Ecke die erneute Chance, globale Impulse zu vermitteln:

„Das Wesentliche einer dauerhaften Institution ist ihre Überdeterminiertheit: Sie muß nicht nur im nächsten praktischen Sinn zweckmäßig und nützlich sein, sie muß auch Anknüpfungspunkt und Unterstützung (…) höherer Interessen sein, ja, den anspruchsvollsten und edelsten Motiven noch Daseinsrecht und Daseinschancen geben: dann erfüllt sie die tiefen vitalen, aber auch geistigen Bedürfnisse der Menschen nach Dauer, Gemeinsamkeit und Sicherheit – sie kann sogar so etwas wie Glück erreichbar machen, wenn dieses darin besteht, im über-sich-Hinauswachsen nicht allein zu bleiben.“ 6)

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1) s. SPIEGEL 26/2012

2) Karl Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1859, S. 4

3) John Kenneth Galbraith, Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Vom Realitätsverlust der heutigen Wirtschaft. Siedler Verlag 2005

4) John Kenneth Galbraith, Die Entmythologisierung der Wirtschaft – Grundvoraussetzungen ökonomischen Denkens. Dromersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1990 S. 339 ff

5) C.F.v.Weizsäcker in: Studium Generale I, 1

6) Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme der industriellen Gesellschaft. Rowohlt Taschenbuch 1976

 

 

Wissen verpflichtet! Unsere Verantwortung für ein zeitgemäßes Welt- und Menschenbild

Kontext

Die späte Bestätigung von Einsteins mathematischer Berechnung von Gravita­tionswellen sorgt nicht nur bei den klassischen Naturwissenschaften für Unruhe. Denn auch nicht wenige Kenner der Geisteswissenschaften erahnen zumindest den Umbruch, der sich in unserem Bild vom Kosmos und dessen Wirkung auf den Menschen durch die Konsequenzen der aktuellen Erkenntnisse abzeichnet
( = Entdeckung der kosmischen Gravitations­wellen 2015 durch die LIGO-Kooperation).

Mindestens so schwerwiegend wie die Erkenntnisse aus der Physik / Quantenphysik / Astrophysik wiegen jedoch die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte aus den Disziplinen Soziologie, Sozialpsychologie, Hirnforschung, aber auch aus der Biologie und der ganzheitlichen Medizin sowie – last but not least! – aus den Religionswissenschaften.

In der interdisziplinären Gesamtschau zeigt sich auf, daß wir vor der dringenden Herausforderung stehen, uns Modellen und Entwürfen eines veränderten Welt- und Menschenbilds zu stellen, das sich, bei tabuloser und mutiger Betrachtung, aus den Schlußfolgerungen der erwähnten Erkenntnisse abzeichnen kann.

Denn wir sehen die Welt immer noch meist anthropozentrisch, also auf den Menschen im Mittelpunkt bezogen.

Sollte es uns jedoch in aller Demut gelingen, die Schöpfung im Mittelpunkt zu sehen, ihre Entwicklung, in der möglicherweise der Mensch nur eine kleine Rolle spielt, aber nicht mehr, mögen wir einen neuen zentralen Ansatzpunkt finden, um die Grundlagen unserer Sicht des Universums und der Rolle des Menschen darin zu überdenken, zu korrigieren, zu relativieren:

„Wir dienen tatsächlich nur einem Prozeß, der unendlich größer ist als wir selbst und in den wir eingebunden sind“, schreibt Dennis Elwell in «Das kosmische Netzwerk» („Cosmic Loom – the new science of astology, Unwin Hyman Limited / Edition Astradata 1987)

Neues Bild der Materie

Selbst wissenschaftlich Interessierte zeigen sich immer wieder überrascht, wenn die Tatsache erwähnt wird, daß unser Begriff von Materie seit den Arbeiten von Planck, de Broglie, Niels Bohr, Schrödinger, Einstein und anderen nicht nur überholt ist, sondern sogar noch einer allgemein akzeptierten Neudefinition harrt.

Für Physiker ist es heute nämlich eine Selbstverständlichkeit, Materie nur noch als einen Sonderfall eines allgemeinen Energiefeldes  anzusehen.

Da unter dem Elektronenmikroskop, je tiefer es optisch in Materie eindringt, letztlich nur noch Zwischenraum, also «Feld» zu erkennen ist, ist es mehr denn je eines der größten Geheimnisse, wie sich trotz dieser inzwischen absolut unbestreitbaren Tatsachen feste, belastbare Materie wie z.B. der Stuhl, auf dem ich eben sitze oder das Haus, in dessen 4. Stock ich wohne, stabil halten.

Walter Thirring, der am CERN in Genf arbeitete, beschreibt dieses Phänomen in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» 4/1971 im Rahmen der sog. Quanten­feldtheorie («Atome, Kerne, Elementar­teilchen») folgendermaßen:

„Was uns als Teilchen erscheint, ist nur die lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpft (…) Anwesenheit von Materie ist nur die Störung des vollkommenen Zustandes des Feldes an dieser Stelle, etwas Zufälliges… (…).“

Oliver R. Reiser bringt es in «Kosmischer Humanismus und Welteinheit» aus dem Fischer Verlag (1978, S. 66) so auf den Punkt:

„Es ist jetzt allgemein anerkannt, daß der interplanetarische Raum unseres Sonnen­systems nicht leer ist. Obgleich er nicht mit den gewöhnlichen Zustandsformen  der Materie, wie festen oder flüssigen, ausgefüllt ist, wird er doch von einem anderen Materiezustand durchdrungen, dem Plasma oder elektrifizierten Gas. (…) Es gibt «Flüsse» und «Ozeane», gebildet aus elektrischen Feldern, die die materielle Welt der Galaxien, Sterne, Planeten und was sich dazwischen befindet, umspülen.“

Auch die Rolle dessen, was wir Licht nennen, sollte im Rahmen der neu verstandenen Physik und der Metaphysik nicht übersehen werden, nicht nur, aber auch wegen seiner Bedeutung als Faktor in Einsteins Formeln.

Mit Newton zum Beispiel verbinden all jene, die „nur an das glauben, was sie sehen“ per se den klassischen Physiker «alter Schule».

Aber Newton war auch ein hellsichtiger, inspirierter und weit über das rein Materielle hinaus blickender Wissenschaftler: „Wäre es nicht denkbar, daß die Stoffe und das Licht sich ineinander umwandeln? Und wäre es nicht auch möglich, daß die Stoffe den größten Teil ihrer aktiven Kräfte aus den in ihre Zusammensetzung eingegangenen Licht­partikeln beziehen? Wenn dem so wäre, könnte dann nicht das Licht, da es ja der aktivste aller uns bekannten Stoffe und zudem ein Bestandteil aller übrigen von der Natur hervorgebrachten Stoffe ist, das Grundprinzip sein, das alle ihre Aktivitäten steuert?“

Newton unterscheidet dann noch das phänomenale Licht vom numenalen, potentiellen Licht, das vor allem in lebenden Organismen vorkomme und Träger dessen sei, was man «Geist» nennt (Quelle: „Opticks or a treatise of the reflections, refractions, inflections and colours of light „Optik oder eine Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes“ 1704).

Der 1998 verstorbene, renommierte Nuklearphysiker Jean Charon glaubte sogar erkannt zu haben, „(…) daß die Gesamtmenge der Informationen, die zur Schaffung (…) der Materie unerläßlich notwendig ist, in jenem scheinbar banalen Teilchen aufbewahrt wird, das wir unter dem Namen Elektron kennen. Denn das
Elektron umschließt innerhalb seines Mikrouniversums einen Raum, der erstens Informationen zu speichern vermag, zweitens mit Hilfe einer Art «Erinnerung­ssystem» diese Information in jeder Pulsationsperiode seines Zyklus wieder verfügbar machen kann, und drittens die Fähigkeit besitzt, komplexe Operationen durch Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen Elektronen des zu bildenden Systems zu «steuern».“

Einer «Fußnote» im SPIEGEL (Wissenschaft) vom Januar 2016 ist zu entnehmen: „9 Liter einer spezifischen Lösung würden genügen, alle digitalen Informationen der Welt einschließlich des gesamten Internets zu erfassen, wenn man künstlich erzeugte Erbgutmoleküle als Speichermedien nutzte. Das Volumen eines Sandkorns böte dann Platz für den Inhalt von 200 Millionen DVDs. US-Forschern ist es jetzt gelungen, in einem solchen DNA-Speicher einzelne Dateien abzulegen und danach wieder auszulesen.“

Manifestiert sich also das, was wir zu greifen glauben, lediglich aus einem auf wundersame Weise konstanten Schwingungs­muster aus Energie und Information?

  • Muß nicht endlich anerkannt werden, daß das, was wir «Geist» nennen, letztlich den Ausschlag gibt für alles Sichtbare?
  • Erlebt das, was Aristoteles «Entelechie» nannte, als den sichtbaren Dingen von Anfang an innewohnende Entwicklungs­muster, eine Renaissance?
  • Liefert uns die moderne Physik aufschlußreichere Antworten über die Rückbindung («Re-ligio»!) des Menschen im Universum als es die klassischen Religionen je konnten?

Wir stehen vor vielen alten Fragen in neuem Gewand. – jedoch kaum eine Epoche der Menschheitsgeschichte  war so nahe an den Möglichkeiten zu einer Gesamtschau des Universums wie die unsere. Aber, wie sagte Einstein? „Wir leben in einer Welt der vollkommensten Mittel und der verworrensten Ziele!“

 

Biologie

Es wird gerne übersehen, daß «Biologie» übersetzt bedeutet: «Lehre vom Leben». (Insofern jagt es wohl jedem einen Schauer über den Rücken, wenn die moderne Medizin nicht selten auf ANTI-Biotika setzt…)

Aber das Lebendige ist ja gerade das große Rätsel, das durch die klassische Sicht der Naturwissenschaften nicht erklärt werden kann.

Die wirklich großen Wissenschaftler unserer Zeit sind durchweg demütige, nicht selten zutiefst religiöse Menschen (wie es übrigens nahezu ausnahmslos alle diejenigen waren, die die Grundlagen unseres physikalischen Weltbilds im 19. und im frühen 20. Jahr­hundert legten, ganz zu schweigen von ihren Vorgängern!).

Loren Corey Eisely, der sich, vielseitig begabt wie er war, als Biologe u.a. mit Wespen beschäftigte, schrieb als Schlußfolgerung aus einer Beobachtung, wie eine kleine Wespe eine Tarantel besiegt (s. nachfolgend): „In der Welt gibt es nichts, um die Welt zu erklären. Nichts, was die Notwendigkeit des Lebens erklärte, nichts zur Erklärung des Verlangens der Elemente, Leben zu werden, nichts, das erklärt, warum das gefühllose Fels-, Erd- und Mineralreich sich mannigfaltig gestalten sollte in Schönheit, Schrecken und Ungewißheit.. Um organische Novität zur Existenz zu bringen, um Schmerz, Ungerechtigkeit, Freude zu schaffen, bedarf es mehr als das, was wir in der Natur, die wir so vollständig analysieren, wahrnehmen können … Ich bin einfach verwirrt. Ich weiß, daß diese Wesen in den Kellern der Zeit geformt wurden.“ (in: Coming of the Giant Wasps, Audobon, 1975).

Und sein Kollege J.H. Fabre, der sich auch mit Wespen und deren verblüffenden Verhaltensweisen beschäftigte, notierte: „Im Ringen mit der Wirklichkeit findet der Mensch keine ernsthafte Erklärung für alles, ganz gleich, was er sieht.“ (in: The hunting wasps. 1879, Dodd, Mead, New York 1915).

Gelingt es, in einem tabulos und in manchen Bereichen radikal überarbeiteten Weltbild «Leben» als Gesamtheit und vor allem als «Beseeltheit» zu sehen und zudem anzuerkennen, daß möglicherweise, ja, höchstwahrscheinlich absolut adäquate Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen für alle Bereiche der Materie gelten, bieten sich verblüffende Beobachtungen, die nahelegen, daß das Lebendige – das bekanntlich permanent «fließt» – aus dem gespeist wird, was «Feld» genannt werden kann (s. Teil 1 dieses Artikels).

Es ist das Verdienst vor allem des Biologen Lyall Watson und seiner korrespondierenden Kolleginnen und Kollegen, die bisher meist tabuisierte Lücke in Darwins Evolutions­theorie mit einem neuen Denkmodell gefüllt zu haben, daß Watson mit dem Oberbegriff «Kontingent» benennt.

Denn nach diesem Modell könnte sich die Evolution auch so darstellen: Verhaltens­weisen, die eine Entwicklung, eine Verbes­serung gegebener Zustände bedeuten, müssen nicht erst mühsam durch «trial and error» erarbeitet werden, sondern könnten, sobald es sich als notwendig erweist, sozusagen aus einem großen Kontingent abgerufen werden.

Wagen wir diesem Modell zu folgen, würde sich auch vieles in unserem menschlichen Verhalten erklären, Erfindungen, die gleichsam wie eine Erleuchtung erscheinen, zunächst vollkommen fremde Ideen, die sich blitzartig solide manifestieren usw.

Ich will die Diskussion zu diesem faszinierenden Gedanken gerne anstoßen. Was könnte dazu besser dienen, als zwei konkrete Beispiele aus der Natur, basierend auf Beobachtungen von klassischen Wissenschaftlern (Biologen / Zoologen), an die doch alle glauben, die nur glauben was sie sehen:

Beispiel 1:

Wespe und Spinne

Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990

„Ausgewachsene Wespen sind Vegetarier, aber die Larven von vielen sind Fleischfresser.

Das Überleben der Jungen dieser Art hängt davon ab, daß die Mutter die richtige  Nahrung wählt, die sie selbst jedoch nicht zu sich nimmt. Dies kann durch einen Instinkt kontrolliert werden, aber es gibt in der Beziehung zwischen den räuberischen Wespen und ihrer Beute Feinheiten, die fast unmöglich in ein Evolutions- oder Instinktmodell gepreßt werden können.

So füttert zum Beispiel die Spinnenwespe Pepsis marginata ihr Junges nur mit der Tarantel Cyrtopholis portoricae. (Quelle: Petrunkevich, A. „Tarantula versus tarantula-hawk..“, Journal of Experimental Zoology 45: 367-397, 1926)

Die weibliche Wespe legt nur einige wenige Eier, und für jedes muß sie eine ausgewachsene lebendige, aber paralysierte Tarantel herbeischaffen. Kurz bevor ein Ei in ihrem Ovarium so weit herangereift ist, daß es gelegt werden muß, geht die Wespe auf Jagd;
dicht über dem Boden fliegend sucht sie an einem sonnigen Nachmittag nach einer Spinne, die sich bereits auf Nahrungssuche nach Insekten begeben hat. Die Tarantel sieht schlecht und hört nur wenig oder gar nicht.; sie verläßt sich auf ihren außerordentlichen Tastsinn, um ihre Beute aufzuspüren. Der geringste Kontakt mit einem Körperhaar einer hungrigen Tarantel, und schon wirbelt sie herum und schlägt ihre langen Klauen in eine Grille oder einen Tausendfüßler, der ihr zu nahe kommt.

Doch wenn sich Spinne und Wespe begegnen, und die Wespe mit ihren Fühlern zu erkunden beginnt, ob sie es auch mit der richtigen Art zu tun hat,, hält die Spinne still. Die Wespe kriecht unter sie, krabbelt sogar überall auf ihr herum, ohne eine feindliche Reaktion auszulösen. Wird die Belästigung zu groß oder zu langwierig, richtet sich die Tarantel manchmal auf allen acht Beinen auf, als stünde sie auf Stelzen, erwartet aber im übrigen gelassen ihr weiteres Schicksal. „Alles ist so eingerichtet“, meint Loren Eisely, „daß man vermuten könnte, das Opfer besitze eine angeborene Kenntnis seiner Rolle, kann ihr jedoch nicht entfliehen.“

Inzwischen entfernt sich die Wespe einige Zentimeter, um für das geduldige Opfer ein Grab zu graben. Kräftig mit Beinen und Rüssel wühlend,  buddelt sie ein ungefähr 25 Zentimeter tiefes Loch, etwas breiter als der Leib der Spinne, und streckt dabei immer wieder einmal den Kopf aus der Höhle, um sicherzugehen, daß die Tarantel noch da ist. Gewöhnlich und unerklärlicherweise ist sie das auch.. Wenn das Grab fertig ist, kommt die Wespe zurück, um ihr grausiges Geschäft zu Ende zu führen. Zuerst betastet sie die Spinne wieder überall mit ihren Fühlern, dann schiebt sie sich rücklings unter die Spinne, wobei sie mit den Flügeln nachhilft, um sich in die richtige Lage zu bringen für einen Einstich an der entscheidenden Stelle. Sie kann das hornige Hautskelett der Spinne nur an den weichen Gelenkhäutchen durchdringen, wo die Beine mit dem Leib verbunden sind, und nur, wenn sie mit der Präzision eines Chirurgen  bis in die richtige Tiefe einsticht, im richtigen Winkel, an genau der richtigen Stelle, kann sie sicher sein, das einzige Nervensystem zu treffen, das die Spinne lahmlegt, ohne sie zu töten.

Und während dieses ganzen Manövers, das etliche Minuten dauern kann, unternimmt die Tarantel nichts, um sich zu retten.

Schließlich sticht die Wespe zu, die Spinne setzt sich verzweifelt, aber vergeblich zur Wehr. Sie wälzt sich über den Boden, aber das Ende ist immer das gleiche. Die Tarantel fällt gelähmt auf den Rücken. Die Wespe zerrt sie an einem Bein ins offene Grab, wo sei eine weitere bemerkenswerte Sache tut. Sie stopft ihre pelzige Speisekammer so geschickt in das Loch, das sich die Spinne, selbst wenn sie zufällig wieder zu sich kommen sollte, niemals aus eigener Kraft sich wieder herausgraben könnte. Jedes der acht riesigen Beine wird buchstäblich an die Erde gefesselt. Dann legt die Wespe ein Ei, befestigt es mit einem klebrigen Sekret seitlich am Hinterleib der Spinne, schüttet das Grab zu und geht.

Die ungewöhnliche Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Wenn die Wespenlarve schlüpft, ist sie viele Male kleiner als ihr hilfloses Opfer und völlig abhängig von ihm. In den langen Wochen der Entwicklung, in denen sie keine andere Nahrung, kein Wasser usw. bekommt, wird sie nach einem grausamen und komplizierten Programm die Tarantel Stück für Stück verspeisen, wobei sie sich die lebenswichtigen Organe bis zuletzt aufhebt, um ihre Kost am Leben und frisch zu halten. Wenn sie ihr gargantueskes Mahl beendet hat und bereit ist, das Grab zu verlassen, wohlversehen mit ihrem eigenen chirurgischen Instrument und einem Operationsplan, der an einer anderen Tarantel durchgeführt werden kann, bleibt von der ersten nichts übrig als das unverdauliche Schalenskelett.“

„(…) haben wir eine Situation, in der eine Spinne, durchaus fähig, sich gegen eine Wespe zu verteidigen, ja sie sogar zu töten, zuläßt, daß sie von dem Insekt gelähmt wird. Und wir haben eine Wespe, die unheimlicherweise genau weiß, wo sich das Nervenzentrum in ihrer Beute befindet.

Ihr Stich an anderer Stelle angesetzt, würde die Spinne entweder töten und sie damit als Nahrungsvorrat unbrauchbar machen, oder er würde keinerlei Wirkung zeitigen, abgesehen vom wahrscheinlichen Tod der Wespe durch Vergeltung. In keinem Fall ist hier Raum für natürliche Selektion. Bei diesem Wagnis gibt es keine Erfolgsgrade. Es ist eine alles-oder-nichts-Situation. Man kann an Giftspinnen, die doppelt so groß sind wie man selbst, keine subkutanen Kunstgriffe ausprobieren. So etwas muß beim ersten Mal klappen. (…) Dieses evolutionäre Wunder bei der Wespe konnte nicht durch die gleiche Art der langsamen Selektion entstehen, die, wie wir aus den Fossilfunden wissen, bei den Vorfahren des Pferdes einsetzte und, um den heute lebenden Artgenossen ihre größere Gestalt und größere Schnelligkeit zu verleihen“

 

Beispiel 2:

Floh und Alligator

Quelle: Lyall Watson, Der unbewußte Mensch – Gezeiten des Lebens, Ursprung des Wissens (Lifetide). MVG Taschenbuch 1990  und E.B. Poulton, in: The terrifying appearance of  Laternaria…“ Proceeding of the Royal Enotomological Society of London 43:43, 1924

„Im Amazonasgebiet grassieren Naturerfindungen, und es gibt einige ganz außergewöhnliche Anpassungen. keine ist jedoch so wunderbar wie die es Blattflohs Lanternaria servillei, eines sogenannten Laternenträgers. Dieses acht bis zehn Zentimeter lange Insekt , ein verwandter der Zikaden und Blattläuse, ernährt sich vom Saft dicht über dem Wasser wachsender Pflanzen. Normalerweise sitzt es auf einem Blatt und hält die braungefleckten Flügel der Länge nach über dem Körper wie zu einem hornigen Gehäuse gefaltet. Der Kopf ist ungeheuer knollig und in die Länge gezogen wie eine Schnauze mit einem nasenartigen Vorsprung am Ende und großen falschen Augenhöckern dahinter, die alle an genau der richtigen Stelle eine weiße Markierung aufweisen, um den glitzernden Lichtreflex eines echten Wirbeltierauges vorzutäuschen.

An den Seiten des «Mauls» verläuft eine Rinne, die es wie ein teilweise geöffnetes Maul aussehen läßt, und entlang dieser Rinne reihen sich versetzt angeordnet falsche weiße Zähne, die nicht nur farblich gekennzeichnet, sondern in perfektem Basisrelief geformt sind. Das Ganze wirkt wie eine unglaublich naturgetreue Imitation eines Alligators, klein, aber vollkommen in jedem Detail.

(…) Die üblichen Feinde der Blattflöhe sind Vögel wie Reiher oder Kiskadees, die an den Flußrändern ihr Wesen treiben, wo sie bald lernen, vor lauernden Alligatoren auf der Hut zu sein. Und diese Vorsicht scheint sich auch auf den Alligatornachahmer zu erstrecken, weil Vögel mehr auf Farbe und Form achten und Unglaubwürdigkeiten in diesen Para­metern leichter erkennen als Unterschiede in der Größe. Ein Austernfischer wird zum Beispiel versuchen, auch ein Ei von der Größe eines Fußballs zu bebrüten, solange er nur die gewöhnliche gesprenkelte Färbung zeigt“ (Quelle: N Tinbergen, Social releasers and experimental method required for their study. In: Wilson Bulletin 60: 6-52, 1948).

Als ich mich vor mehreren Jahren im Rahmen eines Features mit dem Seelenleben der Tiere beschäftigte, interviewte ich Gabriele Sauerland, die u.a. medial mit Tieren kommuniziert («Medialog») und erfuhr dabei schier Unglaubliches (Hugh Lorenz, «Bruder Hengst und Schwester Katze – Verblüffendes aus dem Seelenleben der Tiere«, Reichel Verlag 2010, s. auch www.communicanis.de).

Morphische (auch: morphogenetische) Felder, die an das Jungsche Kollektive Unbewußte erinnern, mögen eine Treppenstufe sein auf dem Weg zur Erkenntnis, wie die sichtbare Welt viel mehr als bisher angenommen von Einflüssen gesteuert wird, die leider noch immer als im Bereich der Metaphysik angesiedelt werden.

Wir sollten uns daran gewöhnen, das Biologische in allen Bereichen als beseelt zu erkennen und mit dem zu leben, was im Sinne des Wortes «übersinnlich» genannt werden kann (wenn wir von der klassischen Definition unserer menschlichen Sinnen ausgehen).

„Wir haben es mit einer steuernden Intelligenz von solcher Erhabenheit zu tun, daß verglichen damit das ganze systema­tische Denken und Handeln der Menschen ein höchst unbedeutender Abglanz ist.“ (Albert Einstein, in: «The world as I See it». John Lane, London 1935, in Deutsch «Mein Weltbild» Ullstein Taschenbuch

Phänomen der Gleichzeitigkeit unter­schiedlicher Bewußtseinsstrukturen

Eine häufig verdrängte, aber von jederfrau und jedermann beobachtete Tatsache ist das gleichzeitige Auftreten der unterschied­lichsten Reife- und Entwicklungsstufen, von Individuen ebenso wie von ganzen Ethnien, Volksgruppen, Nationen.

Daß sich z.B. ein siebenjähriges Kind von einer Greisin in den Neunzigern wesentlich unterscheidet, ist grundsätzlich und ohne jedwede bewußte Reflexionsleistung, sozusagen a priori, evident – aber in welchen Aspekten genau?

Abgesehen von allem Sichtbaren, Körperlichen und von dem, was wir «Lebenserfahrung» nennen, zeigt sich als wesentlicher Aspekt eine andere Art von Bewußtheit auf, eine unterschiedliche Art von sich seiner selbst bewußt sein und sich der Einbettung in ein Umfeld auf den unterschiedlichsten Ebenen bewußt sein (wissenschaftlich: Metaebenen).

Unser aller Leben begleiten im direkten Umfeld tagtäglich Menschen, die sich in einer Realität zu bewegen scheinen, die von der unseren oft vollkommen verschieden ist.

Eine andere Rasse, eine andere Kultur, Religion, unterschiedlichste Bildungsgrade, ein nicht selten extrem unterschiedlicher Intelligenzquotient, mehr oder aber viel weniger Lebenserfahrung, höhere oder geringere Eloquenz oder aber extreme psychische Probleme verführen immer mehr dazu, nichts als so gleich zu sehen wie die Ungleichheit der Menschen.

Es ist das Verdienst des Kulturphilosophen Jean Gebser, ein Schema in den Bewußt­seinsstrukturen des Menschen beobachtet und formuliert zu haben, das als durchaus praxistaugliches Muster für die Grundlagen unserer Verhaltensmuster dienen kann: Bewußtseinsstrukturen, die sich sowohl im Leben des Individuums, vom Kind zur Greisin, zum Greis, als auch, als Analogie, in kulturellen Entwicklungsphasen gespiegelt.

Die archaische, die magische, die mythische, die mentale und die – nach Gebser aktuell sich herausschälende und von ihm so genannte – integrale Bewußtseins­struktur lassen sich im modernen Alltag 2016, aber auch, auf der Metaebene, auf eine verblüffende Weise im Verhalten der Menschheit generell wiedererkennen – hier primitives Steinzeitverhalten, dort abstrakt-intellektuelle, hochgeistige Leistungen.

Diese Phänomene werfen Fragen über Fragen auf:

  • Wie erklären sich die immensen Unterschiede in der Geschwindigkeit der Entwicklung des Individuums vom archaisch geprägten Säugling zum men­tal geprägten, reflektiert denkenden Menschen – bei einer Person gelingt sie so gut wie nie, bei einem «Wunderkind» dagegen innerhalb verblüffend kurzer Zeitspannen?
  • Wie erklärt sich zum Beispiel die nachweisliche Bewußtseinsmutation vor allem zentraleuropäischer Nationen seit ca. 500 v.u.Z. resp. ca. 1500 v.u.Z. zur Dominanz des Mentalen, während ganze Kontinente wie Afrika oder Asien, aber auch Teile von «Lateinamerika», noch heute in magisch-mythischen Strukturen gefesselt sind und sich immer nur einzelne Individuen davon befreien können?
  • Wie erklärt sich die geradezu besessene Zielstrebigkeit bereits junger Menschen, die sich ihrer Berufung bewußt sind, unabhängig davon, in welchem Kulturkreis sie aufwachsen? (Beispiele: Schliemann wußte bereits mit 6 Jahren, daß er Troja finden und ausgraben würde. Und ein junger «Dalai Lama» erinnert sich an Regionen, Lebensweisen etc., die er als Kleinkind unmöglich kennen konnte?

Konsequent zu Ende gedacht, tauchen natürlich die alten Themen der klassischen Philosophie auf, die Frage nach der Willensfreiheit, nach der Prädestination unserer individuellen Schicksale, ja, nach der Prädestination allen irdischen Geschehens, in dessen Kontext Einzelne, ferngesteuerten Robotern gleich, nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Dann: Wie kam es zu der vor etwa 40000 Jahren zu beobachtenden, sprunghaften Entwicklung des Neocortex (Großhirnrinde), die fundamentale Voraussetzung für reflek­tiertes Denken und für die Vielzahl intellektueller und sensorischer Leistungen ist, die uns heute eigentlich als selbst­verständlich erscheinen?

Wer ernsthaft daran interessiert ist, auf diese vielfältigen Fragen auch für die eigene Existenz Antworten zu finden und die Suche danach nicht auf die letzten Stunden auf dem Sterbebett zu verschieben, kann sich heute verschiedene Modelle betrachten, die in aller Regel solide erarbeitet sind, wenngleich jedem neuen Konzept stets Spekulatives anhaftet, anhaften muß. Aber Wissen verpflichtet, und wir verfügen inzwischen über dieses Wissen!

Generelles Fazit sollte jedoch sein: Demut!

Albert Einstein: „Sie werden schwerlich einen tiefer schürfenden wissenschaftlichen Geist finden, dem nicht eine eigentümliche Religiosität eigen ist. Diese Religiosität unterscheidet sich aber von derjenigen der naiven Menschen (…) Der Forscher (…) ist von der Kausalität allen Geschehens durch­drungen. Die Zukunft ist ihm nicht minder notwendig und bestimmt als die Vergangenheit (…) Seine Religiosität liegt im verzückten Staunen über die Harmonie der Naturgesetzlichkeit, in der sich eine so überlegene Vernunft offenbart, daß alles Sinnvolle menschlichen Denkens und Anordnens dagegen ein gänzlich nichtiger Abglanz ist (…) Unzweifelhaft ist dies Gefühl nahe verwandt demjenigen, das die religiös schöpferischen Naturen aller Zeiten erfüllt hat.“ In:«Mein Weltbild», Die Religiosität der Forschung.

Konstanten und kuriose Steuerungen

Schon seit langen Jahren kann sich kein ernsthafter Wissenschaftler der Feststellung entziehen, daß der Planet ein vernetztes System ist – die aktuelle Debatte um den Klimawandel ist dafür ein brisantes Beispiel.

Im Sinne der orthodox-klassischen Wissenschaft unerklärlich ist jedoch trotzdem die Beobachtung, daß auf dem gesamten Planeten seit eh und je der Zustand der Homöostase zu bestehen scheint (Homöostase aus griechisch «homoios» = «gleichartig» und «stásis» m= «Stillstand», formuliert 1932 vom Psychologen Walter Bradford Cannon).

Diese Tatsache ist äußerst verblüffend, weil nur ein metaphysischer oder religiöser Ansatz den Gedanken eines «großen Steuermanns» hinter den einzelnen lebensprägenden Faktoren unseres Planeten sehen kann, die orthodoxe Wissenschaft aber eine diesem «großen Steuermann« adäquate Größe (noch!) nicht formulieren kann.

Beispiel für diese verblüffenden Naturkonstanten sind u.a.

  • Der Salzgehalt der Meere / Ozeane. Er liegt konstant bei ca. 4%, trotz permanenter Süßwasserzufuhr aus den Flüssen und durch Regenwasser. Eine Erhöhung auf z.B. auch nur 6% und nur für ganz kurze Zeit würde bedeuten, daß sich die Zellwände der Meeresbewohner zersetzen und die Zellen buchstäblich auseinanderfallen würden, so daß sich die Entwicklung des Lebens längst über andere als die nicht selten bereits seit Jahrmillionen dort lebenden Organismen hätte manife­stieren müssen.
  • Der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre: Er liegt bei ca. 21% – bei nur einigen Prozent weniger wären Menschen, größere Tiere und Fluginsekten nicht mehr lebensfähig, bei einigen wenigen Prozent mehr würde sogar Feuchtvegetation leicht brennbar und ein einziger Blitzschlag würde Flächen­brände auslösen.
  • Die Konstanz der Temperatur der Erdoberfläche. Sie liegt zwischen 15 und 35 Grad Celsius. „Die mittlere Temperatur des größten Teils der Erdoberfläche scheint sich schon seit Hunderten von Jahrmillionen innerhalb dieses Bereichs zu halten, und das trotz drastischer Veränderungen in der Zusammensetzung der Atmosphäre und starker Zunahme der Sonneneinstrah­lung (…) Hätte irgendwann in der Erdegeschichte die Gesamttemperatur diese Grenzen überschritten, wäre das Leben, wie wir es kennen, erloschen. Ein solches Verhalten erinnert an das unseres Körpers, der ja auch bei größeren Schwankungen der Außen­wärme stets eine optimale Innentempe­ratur hält.“, schreibt Peter Russel in «Die erwachende Erde» ( Heyne Taschenbuch 1984
  • Auch das ist übrigens rätselhaft: Welche Kraft, welcher «Steuermann» reguliert denn eigentlich unseren Blutkreislauf, unsere Körpertemperatur? Was sorgt dafür, daß wir in der Nacht nicht aus dem Bett fallen, selbst wenn wir uns im Tiefschlaf hin- und herwälzen?

Wir sind mit Phänomenen konfrontiert, die jenseits des Bewußtseins zu liegen scheinen, jenseits dessen, was wir «Verstand» nennen und was wir direkt glauben steuern zu können.

Ist der kontrollierende (und dadurch nicht selten Prozesse störende) Verstand erst ausgeschaltet, zum Beispiel unter Hypnose, geschehen unglaubliche Dinge, die schon in den 1960 Jahren ganz im Rahmen der klassischen wissenschaftlichen Dokumenta­tion festgehalten wurden: Erhöhter Blutdruck, Magengeschwüre, Allergien, Schuppenflechte, Warzen, Gürtelrose und sogar Tuberkulose werden dabei endgültig geheilt (s. u.a. S. Black, The use of hypnotics in the treatment of psychosomatic disorders in: Proceedings of the Society for Psychosomatic research Conference of 1962, Pergamon, Oxford 1964).

Interessant sind auch die verblüffenden Beobachtungen rund um die Zahl 25920:

„25920 Jahre braucht die Sonne, um bei ihrem Kreislauf durch den Zodiak den Frühlingspunkt zu erreichen („Präzessions­zahl“).

Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürztem Jahr mit 360 Tagen.

72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920.

Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag.

Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.

Und wie steht es mit dem verkürztem Jahr von 360 Tagen? Wann müssen wir ein Jahr zulegen, damit wir auf die Zahl von 365 Tagen kommen? Nach – 72 Jahren.

Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation…

Also letztendlich besteht eine Beziehung zwischen Atem und Ton.“ (Quelle: Fritz Stege, in: Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter, Otto Reichl Verlag 1961, S. 30/31).

Es scheint, als würden wir im Alltag gewisse Zahlen, Zusammenhänge, als solche nicht immer erkannte Konstanten als etwas absolut Selbstverständliches hinnehmen: So hat z.B. der Blutdruck, um normal zu sein, unbedingt zwischen X und Y zu liegen, die Körper­temperatur bei so und so.

Es scheint uns allen auch als selbstver­ständlich, am Abend als ICH mit einem gewissen Namen und einer präzise definierten Identität schlafen zu gehen und unter den gleichen Parametern am Morgen wieder aufzuwachen, als wäre da nichts gewesen, was den Fluß dieses «Ich» unterbrach – haben wir denn das Staunen verlernt?!

Das Weltbild seit der sogenannten «Aufklärung» hat sich zuschulden kommen lassen, alte Wahrheiten auszuklammern und als überholt darzustellen, Aspekte, die dem archaischen, dem magischen, dem mythischen Weltbild angehören, das aber jede und jeder von uns als Konstante in sich trägt und das sich jeweils dann Bahn bricht, wenn die Umstände es begünstigen (der Mörder mordet wie in Trance, archaisch und wie von magischen Kräften getrieben, z.B.).

„Ja, kein Mensch ist ganz frei von den  Dämonen; ein Doppel-, Trippel- und Quadrupelwesen steckt in jedem, und nur auf dem Wege einer unendlich mühsamen Selbstdressur, auf den Bahnen des von heiligstem Wollen durchströmten Sympathi­kus kann es gelingen, die bösen Säfte, die flüssigen Geistigkeiten der Vernichtungs­triebe versiegen zu lassen (…) schreibt Carl Ludwig Schleich 1920 (in:. Das Ich und die Dämonien, S. Fischer Verlag, S. 248 / 249.

Und der Sympathikus, auf den er sich bezieht, gleicht bis aufs Haar dem, was die indische Weisheitslehre die «Kundalini-Kraft» nennt – Lernaufgaben über Lernaufgaben für ein wirklich stimmiges, aktuelles Menschen­bild, das sich von dem der jungen Damen und Herren in unseren Spielfilmen, in unserer Fernsehwerbung 2016 so sehr unterscheidet wie von Erwachsenen wirklich Erlebtes von einer Aufführung für kleine Kinder im Kasperletheater…

Eine mögliche Bilanz

Zunächst wäre sie Resignation: „(…) das Wissen um die Unmöglichkeit einer Verständigung ist zu groß, jeder weiß, daß der andere eine andere Sprache spricht, daß der andere innerhalb eines anderen Wertesystems lebt, daß jedes Volk in seinem eigenen Wertesystem gefangen liegt, ja, nicht nur jedes Volk, jeder Berufsstand, daß der Kaufmann dem Militär nicht überzeugen kann, der Militär nicht den Kaufmann, der Ingenieur nicht den Arbeiter, und sie verstehen einander nur so weit, als jeder dem anderen das Recht zugesteht, seine Machtmittel rücksichtslos zu gebrauchen, sein eigenes Wertesystem rücksichtslos zur Geltung zu bringen, jeden Vertrag zu brechen, wenn es gilt, den Gegner zu überrennen und niederzuzwingen.“ sagte Hermann Broch in seinem Vortrag mit dem Titel «Zeit und Zeitgeist»in den 1930ern (s. Suhrkamp Taschenbuch 1997).

Und Albert Camus sagte in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Literaturnobel­preises am 10. Dezember 1957 in Stockholm „Die Wahrheit ist geheimnisvoll, ungreifbar, und muß stets neu erobert werden. Die Freiheit ist gefährlich, ihr zu leben ebenso hart wie berauschend. Diesen beiden Zielen müssen wir entgegengehen, mühselig, doch entschlossen, unseres jeweiligen Schwach­werdens auf einem so weiten Wege von vorneherein gewiß.“

Meine ganz persönliche Bilanz beim Studium der vorerwähnten und anderer Beobach­tungen: Das Hauptübel dieser Welt ist das permanente Streben, das eigene Selbst, das EGO, ins Zentrum zu stellen – und darin sind wir Männer absolute Weltmeister.

Wenn der Mann sich nicht radikal ändert, erfahren wir nichts als eine Endlosschleife der Geschichte, die ja eine einzige Blutspur ist. Artur Köstler soll  jedoch behauptet haben, der Mann ändere eher das Antlitz der Erde als seine Gewohnheiten – und genau das erleben wir momentan.

Es ist Adams Planet – gewaltsam von Adam okkupiert, Eva darf ihn mitbewohnen, wenn sie ganz artig ist, aber zu sagen hat Eva, die vom Wesen her verbindende, integrierende, friedliche, so gut wie nichts.

Sri Aurobindo: „Die Spaltung, das Ego, ein unvollkommenes Bewußtsein, das Suchen und Kämpfen einer auf sich bedachten Selbstan­maßung sind die wirkende Ursache  von Leid und Unwissenheit dieser Welt. (in: Das Rätsel dieser Welt, Yantra Publishing Reprint 2003)

Abschließend ein sehr überlegter Hinweis auf einen Weg einer Versöhnung mit der Schöpfung, der uns allen offensteht:

Es muß dringend eine neue Haltung gefunden werden, in der Werte Ziele setzen und dem Individuum das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. Veränderung wird zu häufig nur als Bedrohung des Selbst angesehen (…).

Die einzige Hoffnung scheint im gemein­samen Handeln zu liegen, das von der Einsicht in die Gefahren (…) inspiriert ist.

Ein wesentlicher Zuwachs an Weisheit ist wahrscheinlich nur durch die innere Entwicklung des Individuums zu erreichen.“

(Bericht des Club of Rome 1991: Die globale Revolution, S. 122 und 129)

 

 

Burnout, Streß und Hektik? Über die Unmöglichkeit, 2018 ein entspanntes Leben zu führen

 

„Wie geht es Ihnen?“ „Oh je, ich hab´ da diese Klage am Hals…“

Das Geschäft der Rechts­anwälte boomt, die Gerichte sind über Jahre im voraus „ausgebucht“- es scheint, als wären wir ein Volk von Klägern und Beklagten.

Aber nicht nur offiziell und kostenpflichtig ausgetragene Strei­tereien plagen die Men­schen in den sogenannten „zivilisierten Ländern.

Denn das am Hals zu haben, was landläufig „ein Problem“ genannt wird, ist keine Aus­nahme, sondern eher die Regel, auch wenn jemand nicht soeben einen neuen Mobilfunk­vertrag abge­schlos­sen, nichts vom Internet herun­tergeladen, beim Parken je­man­den angeb­lich behindert oder die Äste seines Obstbaums in Nachbars Garten hängen ließ oder am Arbeitsplatz gemobbt wurde: Unser Alltag ist gepflastert mit dem, was in der guten alten Zeit einfach „Sorgen“ genannt wurde.

Überfordernde Verdichtung

Es war früher keineswegs „alles besser“. Nur: Die Proble­me, die Frau und Herr jeder­mann zu lösen hatten, waren im privaten, aber auch im geschäftlichen Alltag meist wesent­lich ein­facherer Struk­tur, zweitens nicht stets unter extremen Zeitdruck zur Lösung aufge­tragen und drittens auf überschaubare Lebensbereiche begrenzt.

Biographien verliefen meist linear, nur unterbrochen von den Wirren der Kriegs­zeiten und den notwendigen Phasen, um aus einem Kind einen soge­nannten Erwachsenen wer­den zu lassen. Kontinuität im gesell­schaftlichen Makro- und Mikro­bereich war fester Be­stand­teil des gesell­schaft­lichen Konsens.

Der Alltag verlief in der Regel genau strukturiert. Trotz langer Arbeitszeiten fanden die Menschen Raum und Zeit für Muse und auch einmal selbst­ver­gessenem statt nur TV-fremdge­steuer­tem Vergnügen.

Kurzum: Der nur unbewußt wahrgenommenen, zu­neh­men­den Komplexität des Alltags- ebenso wie des poli­tischen und gesellschaft­lichen Lebens stand die Möglichkeit gegenüber, dies alles emotional und psycho­hygienisch zu ver­kraf­ten, zu verarbeiten.

Denn das, was allgemein heute so sehr unter­schätzt wird, nämlich die Notwendig­keit von Ruhe- und Dämmer­phasen [1]), war bis ins späte
19. Jahrhundert selbst­ver­ständ­licher Bestandteil des gesell­schaft­lichen Konsens.

Aber was für ein Wandel! Rief die Mutter früher dem Schulkind nach: „Und paß auf, gell?“, tat das Kind fröhlich das Gegenteil: Verspielt, verträumt und sorglos machte es sich auf den Schulweg.

Wer heute Kinder und Jugendliche wann und wo auch immer beob­achtet, registriert jedoch das, was seit langem bereits die Welt der soge­nannten Erwach­senen prägt und was Arnold Gehlen „chronische Wachheit und Reflexion“ nannte [2]): Wettbewerb zum neuesten Computerspiel auf dem Schulweg, Raufereien nicht mehr zwischen „Lause­jungs“, sondern anscheinend hochgerüsteten Kriegern aus dem All – unter Ausschluß der Wahrnehmung der sinnlichen Umwelt (oder hat Ihnen Ihr Sohn oder Ihre Tochter erzählt, sie hätten heute auf dem Schulweg einen Igel beobachtet oder seien auf einen Baum geklettert?).

„Zur Ruhe“ kommt kaum jemand mehr, ob Schulkind, ob pubertierend oder pensio­niert.

Der Alltag des modernen Durch­schnitts­men­schen ist in einer Form ver­dichtet, die der eigentlichen Konzeption des Menschenbildes und Menschen­lebens diametral entgegen­zu­stehen scheint, wie es zum Beispiel in den Entwürfen der großen Religionen aufscheint oder als conditio sine qua non für das, was Goethe einfor­derte: „Edel sei der Mensch / hilfreich und gut!“ [3]).

Neurologisch, biologisch, psychisch scheint der moderne Mensch durch selbstgeschaffene Strukturen überfordert – die gesellschaftliche Evolution frißt ihre Kinder.

Biologische Defizite?

Die verblüffend sprunghafte Entwicklung der Großhirnrinde, des sog. Neocortex, die Bio­logen, Anthropologen und Mediziner in die Zeit vor etwa 40´000 Jahren datieren, be­scher­te dem Menschen das, was wir heute als reflektiertes Denken bezeichnen können.

Kann es sein, daß diese Entwicklung zwar angestoßen, aber bei weitem noch nicht abgeschlossen ist und der Gesichtskreis des Menschen, wie Schopenhauer schreibt, „zwar weit über den des Tieres hinausreicht, aber bei weitem nicht so weit, wie allgemein angenommen“? [4])

Kann es sein, daß die Entwicklung zum Umgang mit dem, was heute so modern „Multitasking“ genannt wird, zwar gelegentlich aufblitzend funktioniert, auf Dauer aber die psychischen Batterien des Durchschnittsmenschen leert, ihn schlichtweg überfordert?

Kann es sein, daß die sogenannten Depressionen, das ausgebrannt sein, deutliche Signale einer absoluten Über­forderung selbst der wachsten, ehrlich bemühten Menschen sind, die schlichtweg eben nicht dauerhaft … multi­tasking­fähig sind?

Kann es sein, daß wir zwar durchaus wollen – „strebend uns bemühen“ (Faust) – aber durch diese plötzlich aufleuch­tende, durch einen reizüber­fluteten Alltag provozierte Dauerreflek­tiert­heit schlicht­weg über­fordert, „überfüttert“ sind? [5])

Könnte es sein, daß…

wir gar nicht durch einen Alltag voller Tretminen tau­meln, sondern schlichtweg die von Menschen­hand und Men­schen­­hirn erschaf­fene Welt (genauer: Von MÄNNERhirnen erschaffene Welt, siehe mein Essay „Adams Welt und Evas Antwort“ [6]) nicht mehr über­schauen kön­nen, in der die vermeintlichen Minen gar keine solchen sind, sondern schlicht­weg aus dem sozialen Kontext heraus ent­standene, eigentlich harmlose und solide Überein­künfte? [7])

Prof. Dietrich Dörner, dessen Projekt „Lohhausen“ ich in den 1980ern beobachtend begleiten durfte [8]), verfaßte 1989 ein leider viel zu wenig beachtetes Werk, das die These, auch sogenannte Spezialisten seien mit der Komplexität der all­täglichen Herausforderungen selbst ihres Spezialbereichs nicht selten überfordert, auf eine humorvolle, aber wissen­schaft­lich stringente Weise untermauert. [9])

Im Vorwort dieses Buches schreibt Erentraut Hörnberg vom Rheinischen Merkur / Christ und Welt: „Komplexität erzeugt Unsicherheit. Unsicher­heit erzeugt Angst. Vor dieser Angst wollen wir uns schützen. Darum blendet unser Gehirn all das Komplizierte, Undurch­schau­bare, Unbere­chen­bare aus. Übrig bleibt ein Aus­schnitt  – das, was wir schon kennen. Weil dieser Ausschnitt aber mit dem Ganzen, das wir nicht sehen wollen, verknüpft ist, unterlaufen uns viele Fehler – der Mißerfolg ist programmiert.“

Sorge dich nicht, lebe!

So lautet ein heute immer noch häufig nachgefragtes Werk des Autors Dale Car­negie [10]).

Aber der Slogan klingt heute, über sechzig Jahre nach der Erstpublikation, entweder zy­nisch oder aber wie das Mantra einer Sekte.

Dabei bestätigen Gespräche mit Menschen, die sich der Spiritualität öffnen, daß es genau das sei: Dieses sich Hin­geben an das, was meist vage als „Führung“ bezeichnet wird, aber auch als „Fügung“, kurz­um: Als eine Besinnung darauf, daß unser soziales Umfeld zwar von uns Menschen erlebt, aber möglicherweise von über­mensch­lichen Kräften geplant und gesteuert wird.

Unser zentraleuropäischer Alltag wird 2012 – Hand auf´s Herz! – nahezu ausschließlich von der Ökonomie geprägt, vom „Geld verdienen müssen“, vom wirt­schaftlichen Überleben, bit­te aber auf möglichst hohem Niveau und nicht selten als Selbst­zweck („Bei den meisten reichen Leuten besteht das Hauptvergnügen am Reichtum in der Schaustellung“ [11]).

Auf diesem Altar werden nicht selten persönliche Glücks­modelle geopfert, denn „Geld regiert die Welt“ –  die normative Kraft des Faktischen?

Realitätsverlust

Wie soll jedoch die soge­nannte „breite Masse“, die ihre gesellschaftliche Situation nicht reflektiert, die sich nicht mit ökonomischen Details beschäf­ti­gt, sich durch die Last der Alltagsmühen nicht der Mühe unterziehen kann, das moderne Gesellschaftsmodell, geschwei­ge denn das eigene Lebens­modell in diesem Gesellschafts­modell zu erkennen, unter diesem Paradigma entspannt leben? (das eigene möglicher­wei­se richtige, au­then­tische Leben im falschen Leben, um einen Gedanken von Adorno etwas zu modifizieren [12]).

Wenn das vormals sinnlich be-greifbare Geld sich in einen Mythos wandelt, der nur noch abstrakt erkennbar, also für Frau und Herrn jedermann schlichtweg nicht mehr zu Greifen ist?

Albert Camus: „Seit unge­fähr hundert Jahren leben wir in einer Gesellschaft, die nicht einmal die Gesellschaft des Geldes genannt werden kann (Geld oder Gold können sinnliche Leidenschaften wek-ken), sondern als Gesell­schaft der abstrakten Symbole des Geldes bezeichnet werden muß. Die Gesellschaft der Händler kann als Gesellschaft definiert werden, in der die Dinge von den Zeichen ver­drängt werden. Wenn eine Führerschicht ihr Vermögen nicht mehr nach dem Morgen Land oder der Stange Geld mißt, sondern nach der Zahl der Ziffern, die theoretisch einer bestimmten Zahl von Tauschoperationen entspre­chen, ist sie gleichzeitig be­müht, eine gewisse Art von Mystifikation in den Mittel­punkt ihrer Erfahrungen und ihrer Welt zu stellen. Eine auf Zeichen gegründete Gesell­schaft ist ihrem Wesen nach eine künstliche.“  [13])

Helmut Schelsky publizierte 1979 eine Reihe von Aufsätzen zu diesem Thema [14]), unter anderem 1954 (!), der zeitge­mäßer denn je scheint: „Wir erleben die Vorgänge einer modernen Mythenentstehung am eigenen Leibe, aber wir sind auch die Neuprimitiven, die in dieser mythisch verstellten Welt leben. Die soziale Superstruk­tur unserer Gesell­schaft ist die erste und wichtigste Kraft, die den Realitätsverlust unseres sozi­alen Bewußtseins konstitu­tionell macht.“ [15]);

Fragen über Fragen!

Sind wir eine künstliche Gesellschaft? Eine realitäts­ferne Gesell­schaft?

Sitzen wir fest, im Zentrum eines „Teufelskreises“, einer Verblendung, der wir nicht entrinnen können, weil es doch eben genau so ist, wie Karl Marx, der große Hellseher der Soziologie, es formulierte („Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.[16]);

haben wir den Bezug zu einer Realität verloren, die wir selbst erschufen, aber die eben eine gnadenlose ist, eine „homo homini lupus“ Menta­lität, die seit eh und je herrscht?

Sind wir… ohnmächtig, also ohne Macht, gegenüber … ja, gegenüber was denn über­haupt?

Übersteigen die täglichen Herausfor­derun­gen, zumindest unser eigenes, kärgliches Dasein, unser individuelles Glück zu organisieren, schon unsere Möglichkeiten?

Hat Hermann Broch gut beobachtet, wenn er schreibt: Jeder Mensch ist Mittelpunkt der Welt, um jeden scheint sie sich willig zu drehen, und jeder Mensch und jedes Menschen Lebenstag ist der End- und Höhepunkt der Weltgeschichte. Hinter ihm die Jahrtausende und Völker sind abgewelkt und dahingesunken, und vor ihm ist nichts, einzig der Augenblick.
Dem Scheitelpunkt der Gegen­wart scheint der ganze riesige Apparat der Weltgeschichte zu dienen. Der
primitive Mensch empfindet jede Störung dieses Gefühls, daß ER der Mittel­punkt sei, daß ER am Ufer stehe, während die anderen vom Strom fortgerissen wer­den, als Bedrohung, er lehnt es ab, erweckt oder belehrt zu werden, er empfindet das Erwachen, das Bewußtwerden von der Wirklichkeit, er empfindet DEN GEIST als feindlich und hassenswert und wendet sich mit erbittertem Instinkt von jenen ab, die er von den Zuständen des Wachwerdens befallen sieht, von den Sehern, den Prophe­ten, Problematikern, Besesse­nen“ [17])?.

Zurück zu den Wurzeln

Was immer wir auch von seinen Kunstwerken halten mögen: Joseph Beuys war eine große Persönlichkeit, die genau zu diesem Thema etwas Wichtiges sagte:

Für Men­schen, die letzt­endlich vom Geistigen le­ben, ist die Be­schei­denheit am aller­inte­res­santesten. Wenn man einen gewissen Überblick über die Zusammen­hänge des Gan­zen hat, ist das, was notwendig wird als nächster Schritt auch immer das Span­nendste. Das ist Lebens­qualität. Wer daran nicht teilhat, ist unzufrieden und unglücklich, auch wenn er Millionär ist.“ [18])

Die Antworten auf die Frage: „Wie überlebe ich in einer Welt des täglichen «der Mensch dem Menschen ein Wolf?»“ scheinen demnach nicht im Materiellen zu liegen.

Und auch nicht außerhalb unser selbst – sie scheinen tat­säch­lich in unserer eigenen, ganz individuellen Ent­wicklung zu liegen, die wohl als Schutz­schild gegen die uns offen­sichtlich rational überfor­dernde Komplexi­tät unseres Alltags gesehen werden kann.

Auf den Punkt gebracht hat das eine Institution, der man die Verwendung des Terminus „spirituell“ bei ihrer Gründung absolut nicht zutraute, nämlich der „Club of Rome“ [19]):

„Es muß dringend eine neue Haltung gefunden werden, in der Werte Ziele setzen und dem Individuum das Gefühl von Sinnhaftigkeit geben. Verände­rung wird zu häufig nur als Bedrohung des Selbst ange­sehen (…). Die einzige Hoff­nung scheint im gemeinsamen Handeln zu liegen, das von der Einsicht in die Gefahren (…) inspiriert ist. Ein wesentlicher Zuwachs an Weisheit ist wahrscheinlich nur durch die innere Entwicklung des Indi­viduums zu erreichen.[20]).

Die Wurzeln des Menschen sind fest verankert in einem Kontext, den wir rational in diesen Tagen offensichtlich (noch) nicht erklären, nicht reflektieren können.

Die uns im Alltag plagende, kräftesaugende, manchmal ge­ra­de­zu kafkaesk anmutende „normative Kraft des Fak­tischen“, getrieben von der Entscheidung zwischen Telefon­ta­rifen, Heizkostenabrech­nun­gen, Rentenanträgen, Abo-­Erneu­erun­gen, Facebookeinträ­gen, Massageterminen, Klassen­tref­fen, sie oder ihn anrufen müssen, dies oder jenes Beziehungsnetz pflegen müs­sen, verantwortlich zu sein für dies und jenes, was uns Rechenschaft abverlangt, über­fordert vor allem jene unter uns, die sich gerade nicht im Materiellen erschöpfen wollen, sondern wissen oder ahnen, daß ihr eigenes, wahres Leben nur in einem generell wahren Leben stimmig, gesund, erfüllt und damit glücklich verlaufen kann.

Zwischenbilanzen

Schließen wir aus all dem, daß der moderne (was heißen soll: Unter den Umständen moderner Industriegesellschaf­ten lebende) Mensch gerade noch mit Mühe und Not, wenn denn überhaupt, sein „äußeres“ Leben mehr oder weniger gut in den Griff bekommt, für darüber hinausreichende Aspekte seines Daseins jedoch kaum noch energetische oder gar schö­pferi­sche Kapazitäten erübrigen kann, so muß dies nicht unbedingt nur zu ne­gati­ven Schluß­folgerun­gen führen.

Betrachten wir zum Beispiel die vor­ge­nannten Beobachtun­gen aus dem Blickwinkel der Tatsache, daß jede Bilanz immer nur eine Zwischenbilanz ist, selbst im Geschäfts­leben [21]), sind wir flugs auf der Metaebene, also einen Schritt herausgetreten aus dem aktu­ellen Gesche­hen, das ja bekannt­lich fließt, unwieder­bring­bar zerrinnt, wie der vom Dichter zum Verweilen gebe­tene Augen­blick [22]) oder wie das in der Heisenbergschen „Unschärferelation“ definier­te, letztlich niemals zu lokali­sierende Elektron im Moment der Betrachtung schon wieder entschwunden ist.

Mein Lehrer, Mentor, Freund und in den 1980ern eng verbun­dener Geschäftspartner Prof. Horst Lange-Prollius brach­te die Einsicht, daß der status quo des Menschen als angeb­licher Kro­ne der Schöpfung nur eine Momentaufnahme sein kann, in dem von ihm zusam­men mit Prof. Hans Hass verfaßten Buchtitel auf den Punkt [23]).

Denn der Lebensstrom macht nicht halt im Heute, selbst der, den wir in unseren Tagen als „Menschen“ definieren“, war vor Jahrtau­senden ein anderer und wird auch in Jahrtausenden ein anderer sein.

Und aus dieser Sicht betrachtet, könnte auch die momentane Überforderung des heutigen Menschen als eine Zwischenstation, als ein Zwi­schen­­stadium betrachtet wer­den, könnte sie also wesentlich gelassener gesehen werden.

Von Irrtum zu Irrtum schreitet der Mensch dem Licht entgegen!

2012 ein entspanntes Leben zu führen, erscheint dann durchaus möglich, wenn wir uns zurücklehnen, uns als einge­bettet in ein großes, auf endlose Zeit ausgelegtes kos­misches Geschehen betrach­ten und gelegentliche Über­for­de­run­gen als das sehen, was sie sind: Zwischenstati­onen, Puber­tät, ein von der Raupe zum Schmet­terling mutierendes We­sen freilegend;

Denn wer den Schmetterling will, muß die Raupe in Kauf nehmen – was, im übertragenen Sinne, auch für den momen­tanen Zustand einer hektischen Gesellschaft gilt.

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[1]) Zum „Dämmerzustand“ s. Hermann Broch, Massenwahn­theorie, Suhrkamp 1979, S. 185 ff

[2]) Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter, Rowohlt 1976, S. 58

[3]) J.W.v. Goethe, in: Das Göttliche

[4]) Artur Schopenhauer, in: Philosophie, Universitätsphilo­sophie und meine Philosophie

[5]) Gehlen spricht von der „Apathie der Überfütterten“, Arnold Gehlen, ebenda

[6]) Hugh Lorenz, Adams Welt und Evas Antwort, http://www.hugh-lorenz.com/downloads/adamswelt.pdf

[7]) Am Beispiel schriftlich fixierter Verträge läßt sich aufzeigen, daß solche in aller Regel „eo ipso“ zum Schutze beider Parteien formuliert werden, aber erst durch ihre zunehmende Komplexität sich nur noch Fachleuten erschließen – so Gott will…

[8]) Lohhausen –Vom Umgang mit Unbestimmtheit und Komplexität, Verlag Hans Huber (Bern) 1983

[9]) Dietrich Dörner, Die Logik des Mißlingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen. Rowohlt 1989

[10]) Original: “How to stop worrying and start living”, 1948 by The Chaucer press

[11]) Adam Smith, The wealth of nations, Buch 1, Kap. 11, Abt. 2 (SSM, S. 232)

[12]) Theodor W. Adorno, Minima Moralia – Reflexionen aus dem beschädigten Leben

[13]) Albert Camus, in: Der Künstler und seine Zeit, eine Rede vom 14.12. 1957 an der Universität Uppsala

[14]) Helmut Schelsky, Auf der Suche nach Wirklichkeit. Gesammelte Aufsätze zur Soziologie der Bundesrepublik. Goldmann 1979

[15]) Helmut Schelsky, ebenda,
S. 398

[16]) Karl Marx, Marx-Engels Werke, Bd. 13 S8, ff. Berlin 1973

[17]) Hermann Broch, Massenwahnpsychologie, S.275

[18]) Joseph Beuys, im SPIEGEL 23/1984

[19]) Club of Rome, bekannt geworden durch seinen ersten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ 1972

[20]) Bericht des Club of Rome 1991: Die globale Revolution, S. 122 und 129

[21]) Die Bilanz zum 31.12. eines Geschäftsjahres kann ja frühestens am 1. Januar des Folgejahres erstellt werden, so daß jede, auch eine sogenannte Schlußbilanz, niemals den Ist-Zustand eines Unternehmens spiegelt, sondern stets einen bereits der Vergangenheit angehörenden Zustand, was häufig übersehen wird.

[22]) „Werd´ ich zum Augenblicke sagen / verweile doch, du bist so schön! (…)“ J.W.v.Goethe, Faust

[23]) Hans Hass, Horst Lange-Prollius, Die Schöpfung geht weiter. Station Mensch im Strom des Lebens. Seewald Verlag Stuttgart 1978

Adams Welt, Evas Antwort Gedanken zum gesellschaftlichen Paradigmenwechsel

„Wat braucht der Mensch außer Glotze gucken, ´n bißchen bumsen, ´n bißchen Anerkennung?“

Ist Graciano Rocchigianis [1]) [1]Welt Adams Welt? Oder die Tatsache, daß täglich bundesweit über siebenhunderttausend Bordellbesuche gezählt werden? Daß Frauengefängnisse nur ca. 2,4 % unserer Justizvollzugsanstalten stellen (Jugend­vollzugsanstalten für Frauen eingerech­net!)? Daß es einem ach so charmanten, unauffälligem Mann gelingt, ein entführtes Mädchen acht Jahre in einem Verließ zu peinigen, inmitten unseres Alltags?

Quatsch, Polemik, Unsinn! Da ist doch auch Mozart und Rilke und der sanfte, zahme 102jährige Johannes Hesters, da ist Thomas Gottschalk, der Schwiegersohntyp, der keiner Fliege, geschweige denn einem Weib was zu leide tun kann;

und da gibt es den netten Herrn Müller von nebenan, der seit fünfzig Jahren mit einer gelähmten Frau verheiratet ist und sie in jedem Sinne des Wortes „auf Händen trägt“. Da sind die tollen Kerle von der Feuerwehr und der nette Arzt aus der Frauenklinik. Aber dies alles ist letztendlich…

Adams Welt

…denn unsere Wahrnehmung blendet bei einer solchen Auflistung eine entscheidende Tatsache aus – daß nämlich unser Alltag im 21. Jahrhundert weltweit nach wie vor mit unreflektierter Selbstverständlichkeit in allen entscheidenden Bereichen von männlicher Wahrnehmung und männlicher Interpretation des Daseins geprägt ist, daß selbst die elementaren Entscheidungen darüber, was Recht und was Unrecht ist, was unser ethisches Gerüst für Alltag und Gesellschaft formt, maskulin geprägt und bestimmt wird. Was zunächst durchaus wertfrei zu sehen wäre, wäre da nicht die andere, in den erwähnten Bereichen deutlich unter­repräsentierte Hälfte der Weltbevöl­kerung. Und die ist nun mal weiblich.

Diese Hälfte ist de facto, nicht de jure (oh nein, da feiert die Emanzipation offiziell fröhliche Urständ´! Nur … die normative Kraft des Faktischen hält „die Weiber“ schon raus von dort, wo sie nun mal wirklich nicht hingehören…!) von den wesentlichen Entschei­dungs­prozessen und Weichenstellun­gen über die Art und Weise der Gestaltung und des Klimas unseres sozialen Lebens ausgeschlossen.

Dies gilt im Makro- wie im Mikrobereich: In Unternehmen entscheiden in der überwiegenden Zahl der Fälle immer noch Männer über Kommunikationsstrukturen, über deren Aufbau und Inhalte, sowohl im Innenverhältnis (innerbetriebliche Kommunika­tion), als im Außenverhältnis (Produkt­gestal­tung, Angebotspräsentation, Werbung etc.) –  was für eine Vergeudung an wertvollen Ressourcen der „Kommunika­tions­- und Sozialisierungs­weltmeister Frauen“!

Freuds Arbeit über „Das Unbehagen in der Kultur“ müßte überarbeitet und neu aufgelegt werden als „Das Unbehagen des Mannes in der von ihm geschaffenen Kultur“, denn James Brown bringt es in seinem Song It’s a man’s world  in der letzten Strophe auf den Punkt:

“This is a man’s world, but it wouldn’t be nothing, nothing not one little thing without a woman or a girl! He’s lost in the wilderness, he’s lost in bitterness…” [2] [2]) – insbesondere empfindsame, gebildete und intelligente Männer fühlen sich nämlich gar nicht mehr so wohl als sackgassengefangene Zauberlehrlinge in einer komplexen Welt, die längst als von Adam nicht „mach(t)bar“, nicht beherrschbar erkannt wurde – man(n) beachte die Wurzel „Herr“ in „herrschen“….

Weibergequatsche

…ist das Geheimnis der längst belegten, der dem Mann haushoch überlegenen Kommuni­kationsfähigkeit von Frauen: Wie die Neurologie aufzeigt, bilden sich bei jedem Gespräch in unserem Gehirn neue Synapsen [3]), was zu einer Erweiterung und Verbesserung von Assoziationsfähigkeit führt, also der Fähigkeit, auf ähnliche, gespeicherte Informationen zurückzugreifen und solche Informationen durch neue Inhalte und Verknüpfungen komplexer zu gestalten.

Die Entdeckung der sogenannten „Spiegelneu­ro­nen“ [4]), das vorläufige Tüpfelchen aufs „i“, bestätigt, daß Empathievermögen, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen zu versetzen, wesentlich von der Quantität und Intensität unserer kommunikativen Kontakte mit unseren Mitmenschen abhängt, verbalen wie nonverbalen. Und da ist Eva Adam nun mal …mannshoch überlegen.

Aber Kommunikationsfähigkeit ist eines, Was kommuniziert wird, das andere. Nachweislich transportieren Frauengespräche Inhalte, die stets zwei entscheidende Merkmale aufweisen: neugieriges Lernen [5]) und die Suche nach Konsens.

Margarate Mitscherlich beschreibt in ihrem epochalen Werk „Die friedfertige Frau“ detailliert, warum „die Zukunft weiblich“ ist (ein zweiter, erfolgreicher Buchtitel aus ihrer Feder [6]) – und nach ihren Schlußfolgerungen schlicht und einfach friedvoller. Und das ist zu einem Gutteil auf subtile, weibliche Kommuni­kationsfährigkeit zurückzu­führen.

Evas Antwort

…ist ein kluger und bewährter Ansatz zur Verständigung zwischen Parteien unterschied­licher Auffassung. Er entspricht dem Gedanken von Blaise Pascal (in den «Pensées): „Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm (ihr) zusammen in einer höheren Wahrheit zu treffen!“ – insofern erweist sich die weibliche Art der Konfliktlösung mit dem Prinzip der wissen­schaft­lichen, auch der demokratischen Idee und der des humanen Wegs zur Befriedung des Planeten identisch. Und damit dem herrschenden, patriarchalisch-männlichen Ansatz zweifellos haushoch überlegen.

Die Schlußfolgerungen aus der weiblichen Art zu kommunizieren sind jedoch weitaus bedeutsamer, als dies auf den ersten Blick scheint. Denn jeder Fortschritt in unserem Leben fußt auf einer Verbesserung unserer Kommunikationsfähigkeit.

Unsere Gesellschaft bedarf jedoch dringend in ihrer Gesamtheit einer solchen Optimierung der Gesprächsfähigkeit im zwischenmensch­lichen Bereich, hier insbeson­dere in Richtung dessen, was ich „geschlech­ter­versöhnt“ nennen will: Adam und Eva sollten sich als einander jederzeit und ohne Einschränkung auf Augenhöhe begegnend verstehen!

Aber an welchen Schlingen wäre zu ziehen, um hemmende Knoten auf dem Weg zu einem solchen Umgang miteinander zu lösen?

Ich greife im Rahmen dieses begrenzten Forums zwei Beispiele heraus, die jedoch als zentrale Ansätze gelten können, weil sie sich bis in die Niederungen des familiären Alltags, der Partnerschaften, aber auch der Situation am Arbeitsplatz erstrecken.

Kooperation statt Konfrontation

…als gesamtgesellschaftliches Motto ist ein solches Beispiel. Denn das Paradigma „Konkurrenz als Fortschrittsgarant und Entwicklungsmotor“ steht auf dem Prüfstand, oder sollte zumindest schleunigst dorthin.

Darwin schrieb nämlich nicht, wie fälsch­licherweise meist zitiert wird, vom Überleben des Stärkeren, sondern vom Überleben des an veränderte Umwelt­bedingungen besser Angepaßten [7]) – und schon wären wir bei einer der zentralen, femininen Fähigkeiten – Frau biegt sich, wo Mann zerbricht! Aldous Huxley schrieb: „Der Mann ändert eher das Antlitz der Erde, als seine Gewohnheiten“.

Maskulin geprägte Verhaltens­muster zählen Kampf, Eroberung, Sieg, Dominanz, Manipulation, Unterwerfung, besser, stärker, schneller sein als der andere, der Gegner oder gar der „Feind“, zum Vokabular und zum internalisierten Verhaltenskodex.

Es ist uns Männern gar nicht bewußt, wie diese Muster unseren Alltag prägen, das ist das Gefährliche an diesem global bedrohlichen Phänomen.

Im finalen Denken geschulte Geister erkannten aber seit eh und je, daß der Kampf „jeder gegen jeden“ letztlich in einer Ausrottung der Spezies enden muß, auch wenn dieser Kampf auf dem Podium wohlklingender Slogans und Lebenslügen wie „Konkurrenz belebt das Geschäft“,das Bessere ist der Feind des Guten“ oder schlicht unter dem Generalmotto „Marktwirtschaft“ [8]) ausgetragen wird.

In der angeblich „sozialen“ Marktwirtschaft hat jedoch schon längst der „Vernichtungs­wettbewerb“ den Verdrängungs­wettbewerb er­setzt – Krieg an allen Fronten..?!

Es ist das herausragende Verdienst Ernest Bornemanns, akribisch und in einer enormen wissenschaftlich-interdisziplinären Bandbreite aus der Geschichte seit Hellas und Rom und als Anthropologe und Sexualwissenschaftler mit einem breiten Überblick über die Forschungsergebnisse der ersten sechs Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts die Überlegenheit matristischer gegenüber patriarchalischer [9]) Gesellschaften aufgezeigt zu haben, wobei die erstgenannten stets von Kooperation, Loyalität, Harmonie und gewaltloser Beilegung von Konflikten geprägt waren.

Gespräche mit modernen Frauen, die sich kompetent mit Themen aus Politik und Wirtschaft beschäf­tigen, weisen ebenfalls auf eine pragmatische und zugleich durchaus befriedete Kommuni­ka­tion“ im Kontext von „Kooperation der Beteiligten“ aus, die als Synthese aus anscheinenden Widersprüchen und als klug dialektisch erarbeitet gelten kann. [10]).

„Liebe, Geduld, Ausdauer, Hegen und Nähren sind die Grundsteine der mütterlichen Welt. Angst, Neid, Schuld und Scham sind die des Patriarchats. Macht, «Recht», Autorität und Gehorsam sind die Eckpfeiler des Gebäudes, auf denen alle patriarchalischen Gesell­schaften ruhen, auch die unsrige.“, schreibt Ernest Bornemann [11])

Wer übrigens die Natur anführt, um triumphierend festzustellen, daß dort ja auch Kampf, fressen und gefressen werden Alltag ist, übersieht, daß gerade dort Mechanismen greifen, die dazu führen, daß eine Spezies niemals so weit dezimiert wird, daß sie ausstirbt, also daß Jäger zum Beispiel die Gesamtheit ihrer Beute niemals über ein gewisses Maß hinaus dezimieren – so als „wüßten“ sie, daß dies unweigerlich zu ihrem eigenen Aussterben mangels Nachschub führen würde – ein weiteres Beispiel für geradezu unheimliche Naturkonstanten, unsichtbar, aber überaus wirksam [12]).

Wahrhaftigkeit

…, bedeutet schlicht und einfach die Abwesen­heit von Lüge, dem zweiten zu lösenden kommunikativen und gesamtgesellschaftlichen Knoten.

Lügen haben, wie z.B. die Ergebnisse intimer Gespräche mit Teilneh­merinnen und Teilnehmern an meinen Veranstaltungen zum Thema „Partnerschaft“ immer wieder belegen, häufiger behaarte als lady­geshavte Beine, mit dem prägnanten Unterschied, daß Frau besser, Mann aber häufiger lügt.

Aber wie wäre es in einem von schizophrenen Verhältnissen geprägten zentraleuropäischen Alltag 2006 auch anders möglich: Das Spektrum der stündlich kolportierten Halb­wahr­heiten und in Kauf genommener Unwahrheiten in Wirtschaft, Politik und Verwaltung, in der Werbung, im Austausch von Empfindungen („Wie geht´s?“ „Oh, danke, ganz gut…“, obwohl wir oft den Tränen nahe sind) ist so evident, aber zugleich so perfekt verdrängt, daß unser aller Wahrnehmung gut trainiert ausblendet, was da nicht ist, weil es nicht sein darf.

Arno Placks Forderung aus den 68ern „Ohne Lüge leben“ [13]) verhallte in den Niederungen maskuliner Machtkämpfe.

„Wenn man nicht mehr weiß, daß man lügt, dann geschieht etwas, von dem dann wirklich gilt, daß es bis ins dritte und vierte Geschlecht dem Menschen schadet. Noch die Lügen meiner Urgroßeltern hängen mir in meiner seelischen Gesundheit oder Krankheit an“, schreibt Carl-Friedrich von Weizsäcker [14]).

Was tun, hier und jetzt? Nachfragen! „Wer fragt, führt!“, lautet eine römische Erfolgsregel aus dem Rechtswesen. Die meisten der heute verbreiteten Halbwahrheiten, der Lügen, der von ihrem Wahrheitsgehalt mantrahaft über­zeugt vorgetragenen Lebenslügen, der auf Wunsch­denken fußenden Aussagen, von im Brust­ton der Überzeugung nachgeplappertem Schwachsinn sind durch präzises und beharrliches Nachfragen zu entlarven, so einfach ist das meist – Sokrates läßt grüßen!

Frau scheint instinktiv um die krankmachenden Wirkungen der Lüge zu wissen. Frau wächst nachweislich mit einer stärkeren Identität, einem stärkeren Selbstbewußtsein, einem ausgeprägteren Verständnis für eigene Bedürfnisse und die ihrer Umwelt auf, als junge Männer (wenn man(n) Frau denn läßt..),.

Und … Wahrheit ist gesund! Auraseherinnen und –seher bestätigen, wie sich Wahrhaftigkeit ebenso wie ihr Gegenteil in unserer für ungeschulte Augen unsichtbaren Körperhülle niederschlägt [15])

Meist stellen sich, auch wenn wir Männer das oft nicht freiwillig zugeben, Ängste vor das im Grunde als wahr Erkannte, stehen da wie unüberwindliche Mauern. Gesellschaftliche ebenso wie zwischengeschlechtliche Befrie­dung bedingt aber, auch das bisher für Unaussprechlich Gehaltene auszusprechen, es wahrhaftig werden zu lassen – Lebensarbeit ist Arbeit am Tabu!

Reformhaus Adam

…könnte der ohne Großinvestitionen zu gestaltende Exportschlager Europas werden.

Was Dieter Duhm das „psychosoziale Intimgefüge“ unserer Gesellschaft nannte [16]), bedarf einer Renovierung, eines gründlichen Überarbeitens und Neugestaltens im oben erwähnten geschlechterversöhnten Sinn.

Wer aber könnte eine solche kulturhistorische Leistung besser vollbringen, als – wohlwollend und loyal unterstützt von „unseren“ Frauen! – wir zentral­europäischen Männer, die 1. das Patriarchat perfektionierten, 2. Das Patriarchat vorwiegend auf Kosten und nicht nur auf dem arbeitsgebeugten Rücken, sondern auch in den Betten der eigenen und gerade greifbarer, anderer Frauen jahrhundertlang erprobten und 3. fairerweise sein Scheitern und seine Inhumanität durchaus eingestehen könnten, ohne unser Gesicht zu verlieren?

Evas Antworten liefern uns den Ansatz für einen epochalen, entscheidenden Paradigmen­wechsel.

Anthony Burgess: „Es ist notwendig – deshalb ist es möglich!“

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[1]) ehemaliger Boxweltmeister im Halbschwer­ge­wicht. Er machte diese Bemerkung in einem Interview mit dem SPIEGEL 2004

[2]) Frei übersetzt: „Es ist eine Männerwelt, aber sie wäre nichts wert, nicht das Geringste, ohne eine Frau oder ein Mädchen. Er (=der Mann) ist verloren in der Wildnis, in der Bitterkeit…“

[1] ) ehemaliger Boxweltmeister im Halbschwer­ge­wicht. Er machte diese Bemerkung in einem Interview mit dem SPIEGEL 2004

[2]) Frei übersetzt: „Es ist eine Männerwelt, aber sie wäre nichts wert, nicht das Geringste, ohne eine Frau oder ein Mädchen. Er (=der Mann) ist verloren in der Wildnis, in der Bitterkeit…“

[3]) Synapsen sind Berührungspunkte eines Nervenfortsatzes mit einer Nerven-, Muskel- oder Drüsenzelle. Über sie findet die Vermittlung von Information an andere Nervenzellen statt. Bei häufiger Nutzung funktionieren sie immer besser (Lern- und Gedächtnisfunktion)

[4]) Joachim Bauer, Warum ich fühle, was du fühlst – intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. Hoffman & Campe 2004. Die Ergebnisse stammen aus Studien des physio­logischen Instituts Parma, Prof. Giacommo Rizzolatti zu „Steuerung zielgerichteter Aktivitäten des Gehirns“, 1986 ff

[5]) Eine Studie der Universität Bamberg („Das Lohhausen-Experiment“, Prof. Dörner u.a.) nennt den Faktor „habituelle Neugier“ als herausragendes Merkmal bei den am besten abschneidenden Probanden.

Siehe u.a. im Internet unter  http://www.muellerscience.com/PSYCHOLOGIE/Kreativitaet/Lohhausen.htm

[6]) Margarethe Mitscherlich, Die friedfertige Frau. Fischer Taschenbuch 1987

[7]) Charles Darwin, Ursprung der Arten durch Mittel der natürlichen Selektion oder die Erhaltung bevorzugter Rassen im Kampf um das Leben

[8]) „Der Begriff «Marktwirtschaft» als eine positive, wohlklingende Alternative zu «Kapitalismus» verschleiert lediglich die tieferen ökonomischen Tatsachen: daß nämlich die Macht der Produzenten die Nachfrage der Verbraucher beeinflußt, ja steuert. Dies bleibt ungesagt. In der aktuellen wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion und Lehre geht man schweigend darüber hinweg.“ (…) Die Rede vom marktwirtschaftlichen System ist (…) nichtssagend, falsch und schönfärberisch“. Sir Kenneth Galbraith, in: Die Ökonomie des unschuldigen Betrugs. Siedler Verlag 2005, S. 28 ff

[9]) „Eine Gynaikokratie, eine «Herrschaft der Frau», gibt es ebensowenig wie ein Matriarchat, eine «Herrschaft der Mutter», denn das Prinzip des Herrschens ist eine männliche Erfindung, entstammt dem Vaterrecht und widerspricht den Organisationsformen der «mutterrechtlichen» Stammesgesellschaften. Dort regiert man sich selber. Es gibt nur Sprecher der Sippen und Stämme (…). Es gibt keine Exekutivgewalt, und deshalb auch keine Herrschaft“. Aus: Ernest Bornemann, Das Patriarchat – Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems. Zarah Leander Verlag Nischni-Nowgorod 1975, S. 521 ff

[10]) Jaqueline Ackermann / Hugh Lorenz, Er und Sie jenseits des Unterleibs. Edition Jonathan, Badenweiler (erscheint September 06)

[11]) Ernest Bornemann, Das Patriarchat – Ursprung und Zukunft unseres Gesellschaftssystems. Zarah Leander Verlag Nischni-Nowgorod 1975, S. 520

 

[12]) Grund könnte eine „globale Homöostase“ sein, deren Wahrscheinlichkeit in der Gaia-Hypothese u.a. durch Jim E. Lovelock und Peter Russel formuliert und untermauert wird (Peter Russel, Die erwachende Erde – unser nächster Evolutions­sprung. Heyne Sachbuch 1984 und 1991)

[13]) Arno Plack, Ohne Lüge leben – zur Situation des Einzelnen in der Gesellschaft. DVA (Aus dem Vorwort: „Dieses Buch handelt von der Lüge, die unsere Gesellschaft durchzieht und unsere sozialen Beziehungen vergiftet.“)

[14]) Carl-Friedrich v. Weizsäcker, in: Zwischen Gut und Böse, Ex Libris Verlag AG Zürich 1971, S. 72 ff

[15]) vergl. Rainer Strücker (Hennef): „Lügen, Süchte, Ängste – der persönliche Mangel weicht der inneren Kraft “ (Auraworkshops)

[16]) Dieter Duhm, Synthese der Wissenschaft, Kübler Verlag 1979, s. 106

Gleichzeitig als Herausforderung – Gedanken zu einem integralen Bewußtsein

Bertrand Russel wird die Feststellung zugeschrieben, das Schlimmste sei, daß die Dummen sich ihrer Sache immer so sicher seien und die Gescheiten stets voller Zweifel.

Momentan erleben wir einen bis an die Schmerzgrenze dummen amerikanischen Präsidenten, der sich seiner Sache mehr als sicher ist, ja, mit geradezu prophetischem Bewußtsein auftritt.

Klar, alle Psychoprofis sind sich einig, daß wir es bei diesem lügenden, egomanischen Blondschopf mit einem hochgradig psychisch Kranken zu tun haben. Aber das wirft viele Fragen auf, die auch unser aller Alltag betreffen, unabhängig davon, wo auf der Welt wir leben, welchem System, welcher Ethnie wir angehören, welcher Religion, und ob wir Eva oder Adam sind.

Als Schriftsteller empfinde ich so, wie das Albert Camus einmal formulierte: „Darum würde ich mich schämen, heute den Glauben zu erwecken, ein französischer Schriftsteller könne der Feind einer einzelnen Nation sein. Ich hasse nur die Henker.“[1])

Insofern zähle ich den globalen Henker Donald zu meinen Feinden – als im klassischen Sinne forschender Wissenschaftler aber nehme ich das Tagesgeschäft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Anlaß, nüchtern und emotionslos nach wiederkehrenden Mustern hinter den Phänomen zu suchen, Faktoren zu erkennen und zu beschreiben, die es uns erleichtern, das Geschehen um uns herum in seiner Gesamtheit zu verstehen, damit wir unseren ganz persönlichen Ruhepunkt darin finden können, unsere ganz persönliche Art, mit unseren Mitmenschen umzugehen, auch wenn sie z.B. offensichtlich zutiefst ungebildete, infantile, rückständige Psychopathen sind.

Alles jetzt und hier

Das Problem der Globalgeschichte ist nicht mehr die angebliche Rückständigkeit der Anderen, sondern die Neuordnung des Jetzt, die völlig unbewältigte Synchronisation des massiven Parallelismus der globalen Gleichzeitigkeiten“, schreibt Wolf Schäfer.[2]).

Gerade dieses Faktum erschreckt uns: Ein Steinzeitmensch Trump erklärt uns die Welt zeitgleich mit einem Stephen Hawkins; an der MET wird die neueste Inszenierung von Mozarts «Zauberflöte» aufgeführt, während in einem afrikanischen Dorf im gleichen Moment ekstatisch zu wilden Trommelklängen gezuckt wird; in einer amerikanischen Kirche wird während der Predigt auf der Unantastbarkeit der biblischen Schöpfungsgeschichte beharrt, während Atomphysiker am CERN den Urknall simulieren – läßt sich das alles mit „die Welt ist halt mal so!“ abtun?

Exkurs zu Darwin

Die moderne Biologie weist immer wieder darauf hin, daß Darwins Evolutionstheorie in ihren Grundannahmen inzwischen nicht mehr angezweifelt werden kann, obwohl noch niemand wirklich beobachten konnte, wie sie abläuft (abgesehen von kurzfristig beobachtbaren Mutationen)

Welche Stufe der Evolution erleben wir bei einem primitiv brüllenden, an ein Gorillamännchen erinnernden Donald Trump, der nur homo erectus erectus, aber keineswegs homo sapiens sapiens genannt werden darf und sich nur in 3% der Gene vom Primaten unterscheidet?

Sollten wir einfach achselzuckend hinnehmen, daß es in der uns bekannten Geschichte der Menschheit stets Hochkulturen zeitgleich mit primitiven Kulturen gab?

Sollten wir uns damit abfinden, daß unser Nachbar, ob in Deutschland oder in den USA, zwar zur gleichen Zeit mit uns lebt, aber in seiner Persönlichkeitsstruktur einer anderen Epoche anzugehören scheint?

„Annähernd zwei Millionen Jahre dauerte die steinzeitliche Kindheit des Menschen, in welcher er Konfliktsituationen und außergewöhnliche Eindrücke nach Art psychologischer Archetypen gespeichert hat.

Das sind rund 60000 Generationen von Steinzeitahnen, deren geistiges und psychologisches Erbe der Mensch von heute unbewußt zu tragen hat, ob es ihm nun recht ist oder nicht.

Alle kulturellen Anstrengungen der 150 bis 200 nachsteinzeitlichen Generationen haben nicht vermocht, das steinzeitliche Erbe völlig zu bewältigen.
Die Nachsteinzeit war zu kurz, um unser kollektives Unterbewußtsein von stein-zeitlichem Gedankengut zu befreien
.[3])

Betrachten wir jedoch Evolution im Sinne Teilhard de Chardins, so ist sie eine Evolution des Bewußtseins, ein Aufstieg des Lebens hin zum Bewußstsein.[4])

Ein solcher Aufstieg jedoch kann sehr wohl, anderes als bei der Evolution des Sichtbaren im darwinschen Sinne, bei einzelnen Individuen beobachtet werden – wer kennt nicht Menschen in seinem Umfeld, die aus welchen Gründen auch immer aus bisherigen Verhaltensmustern konsequent „aussteigen“, um diszipliniert und konsequent ein „bewußteres“ Leben zu führen?

Exkurs zu Peter Russel

Als in den 1960ern die revolutionäre Gaia-Hypo-these entwickelt wurde, die uns darauf hinwies, den Planeten als ein lebendiges, homogenes und in sich vernetztes System zu betrachten, hatte dies auch Auswirkungen auf die Geisteswissenschaften. [5])

Denn wir sind nunmehr aufgefordert, uns endgültig von der Vorstellung zu lösen, irgendein «Phänomen»[6]) sei für sich alleine zu betrachten.

Als Peter Russel [7]) Beispiele für überaus seltsame Naturkonstanten als Beleg für diese Theorie formulierte – z.B. den konstanten Salzgehalt der Meere, den konstanten Sauerstoffanteil in der Atmosphäre – und als sich plötzlich Mediziner an die Konstanten im menschlichen Körper erinnerten wie z.B. Körpertemperatur, Zahl der Pulsschläge etc., öffneten sich interdisziplinäre Kooperationen, die neugierig diese Beobachtungen verfolgten und noch verfolgen.

Wenn also letztlich alles mit allem vernetzt scheint, bedeutet das doch, daß ich im selben Netz zapple wie Donald Trump?

Exkurs zu Gebser

Zum Glück gab es da diesen im klassischen Sinne «Universalgebildeten», der mit genialem Scharfblick erkannte, daß eine Analogie besteht zwischen der Entwicklung des globalen Bewußtseins und der Entwicklung des Bewußtseins eines jeden Individuums.

Seine scharfsinnige Beschreibung der Strukturen menschlicher Bewußtseinsformen, die in seinem zentralen Werk «Ursprung und Gegenwart» ihren Niederschlag fanden, tragen viel zum Verständnis bei, warum sozusagen zeitgleich ein Donald Trump,  ein Stephen Hawkins, ein tätowierter «Hells Angel» und ein geisterbeschwörender afrikanischer Medizinmann auf unserem Planeten leben.[8])

Die archaische und die magische Bewußtseinsstruktur, die eine raum- und zeitlose, eine sozusagen nulldimensionale war und der der Steinzeitmensch angehörte, wurde eben nicht vollumfänglich abgelöst, sondern nur ergänzt resp. überlagert durch die mythische Struktur, die in unseren zahlreichen, noch unseren Alltag im 21. Jahrhundert bestimmenden «Mythen» der Menschheit wertvolle Schätze bescherte und gerade durch die Ambivalenz dieser Empfindungen die Kulturgeschichte bereicherte. [9])

Diese mythische Bewußtseinsstruktur führte zu einer Bewußtwerdung der Seele, der Innenwelt: „War das Resultat der magischen Struktur die Bewußtwerdung der irdischen Natur, also vornehmlich der Erde, so bringt die mythische den Gegenpol der Erde, nämlich die Sonne und den Himmel, zum Bewußtsein. Damit wird die im magischen Kampfe angeeignete Erde gleichsam umfangen von den beiden polaren Wirklichkeiten: von dem unter-erdhaften Hades und dem über-erdhaften Olymp.“ [10])

Das, was Gebser die «mentale» Struktur nennt (von «mens = messen), begegnet uns überraschenderweise auch wieder erstmals in Griechenland, ca. 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung: Interessanterweise hinkt der Rest Europas hinter dieser Periode der großen Denker und der Eroberung des Raumes, damals vor allem durch Mathematik (Euklid, Pythagoras etc.), hinterher und entdeckt den Raum erst um ca. 1200 nach Beginn unserer Zeitrechnung! [11])

Und auch bei dieser Bewußtwerdung, bei diesem Auftreten einer neuen Bewußtseinsstruktur, gilt: Sie ergänzt die anderen Strukturen, aber ersetzt sie nicht. Erst in einer hypertrophierten Form, wie wir sie im 20. Jahrhundert erlebten, als nur noch galt, was meßbar ist (anknüpfend an Newtons Imperativ, alles zu messen, was meßbar sei, und alles meßbar zu machen, was es noch nicht sei) erlebten wir die degenerierte Form.

Analogien

Legen wir dieses Modell der sich gegenseitig überlagernden Bewußtseinsstrukturen und der ihnen zugrunde liegenden Mutationen jetzt unserem jeweiligen eigenen Leben zugrunde, erscheint plötzlich das Individuum, der einzelne Mensch an sich, in einem ganz anderen Licht: Jede und jeder Einzelne von uns erlebt nämlich genau diese Reise durch die diversen Strukturen, vom embryonalen Stadium (archaisch) über die ersten ein, zwei Lebensjahre (magisch) und dann das Erwachen und Erkennen des Du und des ich, des Traumes im Alltag, der Märchen und Irrationalitäten (mythisch) hin zum Erwachen der Ratio, der Entdeckung des Individuellen, des Geeinzeltseins, des eben nicht umfänglich geborgen Seins in der mütterlichen «Höhle» und dem kosmischen Geschehen, sondern als isoliertes Individuum, wie uns das ja das moderne Zeitalter mit der grausamen Isolation und dem gleichzeitigen absolut in den Vordergrund rücken des Egos als zentrales Moment warnend aufzeigte.

Es sei hier noch erwähnt, daß der hellsichtige Gebser bereits die aufkeimende, neue Bewußtseinsstruktur, die er die integrale und die a-perspektivische [12]) nannte, nachwies mit dem unbedingten Hinweis, daß in keinem Fall auch nur eine dieser vorhergehenden Strukturen als überholt oder gar verzichtbar gesehen werden darf: „Wir haben selbst das Praerationale nicht nur als einst gültig, sondern als selbst heute noch aus seiner uns mitkonstituierenden Struktur heraus als wirksam ersichtlich gemacht. Und darüber hinaus haben wir von der Unverlierbarkeit der archaischen Struktur gesprochen, die infolge ihrer Ursprungsgegenwärtigkeit auch heute stets gegenwärtig ist.[13])

Zurück zum Trumpeltier

Trump, der grimmig dreinblickende Gorilla – nur noch nicht angekommen in der mentalen Struktur und deshalb auch nicht mit rationalen Argumenten erreichbar?

Oder schlichtweg magisch-emotional dominiert, so daß das Mentale keine Chance hat? Das wäre eine Alternativerklärung zu der der klassischen Psychologen.

Testen können wir diese Überlegung in unserem eigenen, ganz persönlichen Umfeld: Herr Meier von nebenan, als «Reichsbürger» bekannt und keinem rationalen Argument zugänglich, im Magisch-Mythischen verhaftet? Frau Professor Schulze, ihres Zeichens Mathematikerin, alles Körperliche verabscheuend, nie die Selbstkontrolle verlierend, nicht einmal beim Tanzen, demnach dekadent mental und jeder magischen Regung fremd?

Und ich selbst: Wann lasse ich alle Komponenten meiner Persönlichkeit zu, je nach Bedarf – kann ich immer meinen eigenen meckernd-kritischen Verstand abschalten und mich an selbst-vergessen lärmenden, raufenden Jungs erfreuen, ohne zugleich über die Spätfolgen mangels Disziplin für die armen Kleinen nachzudenken? Und wer bin ich, wenn ich eintauche in die Woge am Südflügel, wenn mein Verein den «Bayern» eins auf den Rüssel gibt – triebgesteuert-magisch oder gar archaisch?

Alles jetzt – wie leben?

Meine Zeit ist begrenzt, aber je mehr ich eintauche in die Reflexion darüber, was für ein Plan hinter diesem gleichzeitigen wahnsinnigen Geschehen steht und ob es da überhaupt einen gibt, um so schwieriger wird die Entscheidung, wer und wie «ich» überhaupt sein will und gar: Sein kann!

Wenn sich in meiner persönlichen Seelenstruktur vom Zustand der dumpfen, unreflektierten embryonalen Geborgenheit bis zum integral-spirituellen alles vereint, taucht unweigerlich die Frage auf, welche Fähigkeiten ich denn dringendst pflegen sollte, um all der Gleichzeitigkeit und der Komplexität des eigenen Lebens und des Daseins insgesamt zu begegnen, geschweige denn dem Weltgeschehen.

Eine sinnvoll erscheinende Antwort gibt, so scheint es mir, Gerhard Szczesny:

„Das, was jeder Mensch unter allen Umständen und allein auf sich gestellt zu bestehen hat, was nicht zu ändern und zu umgehen ist, sind die Grundbedingungen seiner Existenz: er erfährt sich als ein unvollkommen ausgestattetes, widersprüchlich angelegtes Wesen. Seine Lebenszeit ist begrenzt. Es bedrohen ihn Alter und Krankheit, Unglücksfälle und Enttäuschungen. Er scheiterte bei der Lösung privater und sozialer Probleme ebenso wie bei dem Versuch, den Dingen auf den Grund zu kommen und weiß letztlich nicht zu sagen, worauf dieses Leben, aus dem er ebenso ungefragt entfernt werden wird, wie er in es hineingeraten ist, eigentlich wurzelt und welchen Sinn es hat. Es sind diese Grund- und Grenzerlebnisse, die die stärkste und beständigste Herausforderung für den Menschen darstellen, und es sind für ihn also jene Fähigkeiten am unerläßlichsten, die es ihm erlauben, diese Herausforderung zu bestehen: Einsicht, Mut, Gelassenheit. Diese Eigenschaften sind schon in der antiken Philosophie in den Rang von Kardinaltugenden erhoben worden. Sie hießen dort: Weisheit, Tapferkeit (im Sinne von Fähigkeit zur Anspannung des Willens) und Besonnenheit (im Sinne von Selbstbeherrschung). [14])

Wir sollten den Griechen doch weitere Kredite bewilligen…!

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[1] Albert Camus, in: Briefe an einen deutschen Freund. Vorwort zur italienischen Ausgabe.

[2]) Wolf Schäfer, in: Ungleichzeitigkeit als Ideologie. Beiträge zur historischen Aufklärung. Fischer 1994

[3]) aus: H. Wunderlich, Wieviel Steinzeitdenken steckt im modernen Menschen? Die Steinzeit Ist noch nicht zu Ende“. Rowohlt 1974

[4] ) Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos

[5]) entwickelt von Lynn Margulis und James Lovelock

[6]) aus dem Griechischen φαινόμενον fainómenon‚ ein sich Zeigendes, ein Erscheinendes

[7]) Peter Russel, Die erwachende Erde. Unser nächster Evolutionssprung. Heyne 1984

[8]) Jean Gebser. Ursprung und Gegenwart. Novalis Verlag

[9]) «mytheiomai» fußt in der Wurzel «mu» ebenso jedoch wie «myein», das wiederum „sich schließen“ bedeutet. Das Mythische erscheint uns also ambivalent, als das Zulassen des sowohl-als-auch, so wie z.B. «altus» ebenso für tief wie für hoch, für oben wie unten steht

[10] Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart. Erster Teil S. 113

[11]) Es ist kein Zufall, daß die großen Seefahrer, die großen Entdeckungsreisen, das Erwachen des Reisens an sich, das Berge besteigen etc. sich gleichsam synchron um diese Zeit bewegen, was wir getrost als die «Eroberung des Raums» bezeichnen dürfen. Siehe hierzu vor allem Jean Gebser, Abendländische Wandlungen, Novalis Verlag Gesamtausgabe 1986 Band 1

[12]) Dies nicht im Sinne des alpha negativum, s. a.a.O. S 366

[13]) a.a.O., S 365

[14]) Gerhard Szczesny, Die Disziplinierung der Demokratie oder die vierte Stufe der Freiheit. Rohwolt 1974 S.74

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (3)

Da wir im Frachtraum unseres Kreuzfahrtschiffs noch einige freie Kubikmeter erspähen, finden noch zwei Container Platz, um am Zielhafen möglichst viele Bestandteile zusammen zu haben, die für ein neues Verständnis von Kranksein und von Gesundsein hilfreich sein könnten:

Container Nummer 1 enthält einen Gedanken Wittgensteins: „Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit“. [1]) – muß der Kosmos, „das raum- und zeitlose da draußen“, als Wirkungsfaktor in unsere Suche nach den Ursachen von Krankheit(en) einbezogen werden?

Tatsache ist, daß permanent kosmische Strahlung auf die Erde niederprasselt. Strahlung, die selbst von einer zwei Meter dicken Bleiplatte nur zur Hälfte absorbiert werden kann, während selbst die stärkste Röntgenstrahlung (Beta-Strahlen) einen ein Zentimeter dicken Bleimantel kaum durchschlagen. Diese Strahlung kann sogar in den Tiefen des Meeres nachgewiesen werden.

Sie kommt aus dem Weltraum. Wir wissen noch nicht, aus welcher «Tiefe», aber es ist «fossile Strahlung», eine, die aus Zeiten stammt, da das Weltall noch ganz kontrahiert war. Die andere, für diese kosmische Strahlung nachgewiesene Tatsache ist, daß sie auf eine anscheinend positive Weise auf die organische Entwicklung von Pflanze und Tief und damit auch auf den Menschen einwirkt.

Wenn also Einflüsse aus dem Orbit Positives bewirken, könnte es nicht auch solche Einflüsse von dort geben, die uns schaden?

Die Wissenschaftler Hoyle und Wickramasinghe erforschten diese Möglichkeit und erklären die allmähliche Abnahme der Gefährlichkeit z.B. von Seuchen, Epidemien und Pandemien so: „Die primäre Staubinfektion durch Kometen ist die tödlichste, und die Übertragung von Person zu Person mindert sie zunehmend in ihrer Virulenz, was über einen begrenzten Zeitraum zu abnehmender Krankheitshäufigkeit führt. (…) Diese Invasoren könnten in Form neuer Viren- und Bakterieninfektionen erfolgen, die in unregelmäßigen Abständen unseren Planeten heimsuchen und und in Form meteoritischer  Klumpen auf die Erdoberfläche sinken.“ [2])

Lyall Watson faßt diese Thematik so zusammen: (…) daß wir aber nicht in einem versiegelten Raumschiff leben, das von seiner Umwelt durch unsere behagliche Luftblase abgeschirmt wird. Die Erde wandert durch Raum und Zeit, und dabei ist sie ständig der komplexen Ökologie unserer Galaxie ausgesetzt, die Kometen und interstellaren Schutt enthält. Und der Raum zwischen den Sternen ist von Molekularwolken durchsetzt, die organische Verbindungen enthalten – Verbindungen, die alles liefern könnten, was zur Erzeugung sich selbst reproduzierenden Lebens erforderlich ist. (Der Kosmos ist) eher (…) ein riesiger, rhythmischer Organismus als wie eine disparate Ansammlung  unverwandter Fragmente, die voneinander fortstreben.“ [3])

Harmonie und Disharmonie im gesundheitlichen Kontext

Was uns zum letzten, wahrscheinlich prall gefüllten Container führt, den wir in unserem Frachtraum versenken: Das Universum schwingt, auch alles in allem Lebenden, ja selbst in nach unserer Definition «Leblosem» (z.B. Kristallen) schwingt, pulsiert – welche Rolle spielen Pulsation und Schwingung in Hinblick auf unseren menschlichen Organismus in Gesundheit und Krankheit?

Welche Rolle spielen hörbare und spürbare Harmonien und Disharmonien, Resonanzen, Dissonanzen beim Aufrechterhalten der unabdingbar notwendigen Homöostase eines Organismus?

Kann das, was wir Krankheit nennen, nicht im untersten Grunde ein Herausfallen aus größeren, übergeordneten Zusammenhängen sein, aus der Geborgenheit in einer großen Schwingung, einer großen Harmonie?

Ist die moderne Hektik, das moderne Gehetztsein, auch ein Grund für ein Zerstören der so notwendigen Harmonien in unserem Organismus, bis hin zur subatomaren Ebene?

Fritz Stege beobachtete folgendes:

„25920  – das ist die Zahl der Jahre, die die Sonne braucht, um bei ihrem Umlauf durch den Zodiac (Tierkreis) abermals den Frühlingspunkt zu erreichen – die sogenannte «Präzessionszahl».

Sie setzt sich zusammen aus 360 mal 72. Die Zahl 360 entspricht der Gradeinteilung des Kreises und dem verkürzten Jahr mit 360 Tagen. 72 ist die Zahl der Pulsschläge eines gesunden Menschen in der Minute, in der er achtzehnmal atmet. Das macht am Tag 18 mal 1440 Minuten = 25920. Die Zahl 1440 erscheint abermals, wenn wir einen Kreisgrad von vier Minuten mit 360 multiplizieren. Demnach verhalten sich die Kreisgrade zu den Zeitpunkten wie der Atem zum Pulsschlag

Die Zahl 72 gilt den Hindus als Symbol des Menschenlebens, dessen Durchschnitt auf 72 Jahre festgelegt wurde, was wiederum genau … 25920 Tage ergibt.

Und dann gibt es wieder Zusammenhänge zwischen 25920 und dem Ton des Normal-A. Denn klingt ein bestimmtes A eine Sekunde lang, dann schwingt der Tonerzeuger 432 mal (ein indisches Tatwa = 432 Atemzüge) – eine Minute lang, dann 25920 mal. Das um zwei Oktaven tiefere A wird in vier Minuten 25920 mal schwingen – 4 Minuten ist 1 Grad der Erdrotation.“ [4])

Plato (vor allem mit dem Dialog «Timaios») und Pythagoras hätten ihre wahre Freude, könnten sie hier und heute als Referenten bei Veranstaltungen für ein neues Weltbild auftreten, oder?

Wer Ohren hat, der höre: In unserem Körper (durch das, was wir sprechen oder singen) und dadurch auch durch in anderen erzeugte Schwingungen sollte Achtsamkeit entgegengebracht werden! Hans Jenny, der Schöpfer der «Kymatik» genannten Wissenschaft, bringt es so auf den Punkt:

„Damit rückt der Kehlkopf und sein Wirken in den Gesichtskreis. Damit gelangt man auch hier in die Region der Genese von Schwingungseffekten, in das erzeugende Element. Man lernt den Kehlkopf als schaffendes Organ kennen, das in seinem Gebiet eine Art omnipotenter Natur entwickelt.“ [5])

Genug der Sammlung von Fakten, die ab einer gewissen Dichte wohl eher zur Verwirrung führen. Es wird Zeit für ein Fazit und für einen Blick auf mögliche Zukunftsszenarien im Bereich von Medizin, Gesundheit und Krankheit.

Bilanz und Ausblick

Unsere Beobachtungen und Überlegungen führten zunächst dazu zu erkennen, daß eine zeitgemäße Medizin, sollte sie diesem Namen gerecht werden wollen, an konsequenten Schlußfolgerungen aus dem veränderten wissenschaftlichen Weltbild für das Verständnis von Krankheit und Gesundheit, ja vom Menschsein per se nicht herumkommt.

Was nun alle Bürgerinnen und Bürger betrifft in Hinblick auf die Auswahlmöglichkeiten medizinischer Behandlung (vor allem der Entscheidung für eine auf diesem veränderten Welt- und Menschenbild fußenden Alternativ- oder Komplementärmedizin), müssen wir zunächst zwischen zwei Gruppen unterscheiden:

  1. Jene, die sich gesund wähnen oder sogar de facto nach klassischem-medizinischen Verständnis gesund sind und auch gesundheitsbewußt leben wollen und sich auch alle möglichen Therapien etc. leisten könnten, die von den Krankenkassen (noch) nicht bezahlt werden
  2. Und Jene – wahrscheinlich die Masse unserer Mitmenschen! -, die sich nichts oder nur sehr wenig an nicht krankenkassenfinanzierten Therapien leisten könn(t)en, ob sie sich jetzt bereits krank fühlen oder es de facto bereits sind.

Bis in erforderlichem Umfang seriöse alternativ-komplementäre medizinische Therapien anerkannt werden, so daß sie in eine neue GOÄ (= Gebührenordnung für Ärzte) oder als Medikamente in die «Rote Liste» Eingang finden, werden die Gletscher geschmolzen sein – was also wäre vorher zu tun?

Da eine Treppe eigentlich und nach allgemeiner Einschätzung wirklich nachhaltig nur von oben nach unten gefegt werden kann, stehen die Chancen schlecht, eine Gesundheitsreform im Kontext des vorab Erkannten hinzubekommen – ein deutscher Gesundheitsminister Spahn z.B würde seine Chancen auf eine Kanzlerschaft doch nicht leichtfertig mindern, indem er «esoterischen Spinnern» den Zugang zu Pfründen gewährt, die seiner Hauptklientel, der Pharmaindustrie, dem «Marburger Bund» und dem allseits verbreiteten Volksglauben an eine solide Weißkittelmedizin schaden!

Aber eine viel wichtigere Frage: Wie steht es um die «Branche» selbst?

Ist die Bandbreite der Alternativ/Komplementärmedizin solide organisiert, spricht sie mit einer Stimme, so wie der «Marburger Bund»?
Nein!!

Kann jeder, der z.B an einem Seminar über Aurachirurgie teilgenommen hat, sich folgenlos und selbst im Falle eines Mißerfolgs ungestraft an meinem Bandscheibenvorfall vergreifen, sofern ich nur mein Einverständnis dazu gab?

Ja!!!!!

Gibt es offiziell und international oder zumindest national verifizierte Standards, die erfüllt werden müssen, nachweisbare Qualifikationen, um behaupten zu dürfen, sich seriös und qualifiziert um die Gesundheit zahlender (oder spendender) Hilfesuchender zu kümmern?

Nein!!!

Besuche ich wegen welchen Leidens auch immer eine Frau Doktor med., kann ich mich zumindest darauf verlassen, daß sie Abitur machte und sich durch ein Studium und mehrere Praktika gequält hat, bevor sie auf die Menschheit losgelassen wurde – welche Sicherheit aber finde ich bei Herrn Josef Müller, der plötzlich erleuchtet wurde, sich seit zwei Jahren «Shaksawi» nennt, weil das Universum ihm dies als seinen wahren Namen mitteilte, der mir mit über die Schulter wallendem, weißen Haar entgegentritt, mit einem Griff meine Chakren in die richtige Schwingungsfrequenz versetzt und sich dann breit lächelnd für die großzügige Spende bedankt? (beide Namen verändert, aber selbst so erlebt)

Es scheint überaus schwierig, aber für eine auch nur einigermaßen solide Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit unumgänglich: Eine erneuerte Medizin, die sich die Quintessenz aus den Erkenntnissen einer Wissenschaft des 21. Jahrhunderts aneignet und sie in solide Therapien umsetzt, muß sich auf den holprigen, gewundenen, fallenreichen Pfad begeben, den auch die heute etablierte Medizin über mehrere Jahrhunderte (!!) beschritt, nämlich Versuch und Irrtum, Mut, Rückschläge, Selbstkritik und gelegentliche Selbstüberschätzung, revolutionäre Fortschritte und schmerzliche Rückschläge. Vor allem aber: Demut…

Die anerkannte Berufsbezeichnung «Heilpraktiker/in» scheint zum Beispiel als ein sehr guter Schritt in diese Richtung, auch Krankenkassen, die sich plötzlich «Gesundheitskassen» nennen und durch neue Leistungen Alternativ-Komplementäres dadurch sozusagen legitimieren.

Aber bleiben wir hartnäckig: Wenn sich im menschlichen Körper Kräfte manifestieren, zu denen selbst eine klassische Ärztin, ein ausgebildeter Heilpraktikerin keinen Zugang finden kann, dafür aber eine Person, die sich «Schamanin» nennt – was dann?

Wer erteilt ein nach DIN-A_XX zertifiziertes Schamanendiplom?

Gilt nur, „wer heilt, hat recht?“ Und wer definiert im Spektrum der neuen Medizin, wann jemand geheilt ist oder aber nur vorübergehend, durch euphorische Zustände zum Beispiel, ein Placeboerlebnis erfährt?

Wir lernten aus unseren Fragestellungen der drei Essays von der Komplexität dessen, was wir Mensch nennen;

und wir haben verstanden, daß monokausale Diagnosen der Vergangenheit angehören müssen, daß der vor einem Ratgebenden, einer Hilfe anbietenden sitzende Rat- und Hilfesuchende ein komplexeres System ist als ein auf eine Ursache zu reduzierendes Krankheitsbündel.

Es bedarf starker, mutiger Persönlichkeiten, um eine liebevoll am Individuum ausgerichtete, in der Öffentlichkeit anerkannte, solide neue Medizin zu organisieren.

Und es bedarf eines Paradigmenwechsels in einer Gesellschaft, die pro Tag mehrere auf Kosten der Gebührenzahler ausgestrahlte brutale Krimis zeigt statt Filmen über Themen, in denen gezeigt wird, daß auch friedvolles Verhalten eine Gesellschaft prägen, formen kann;

die (ja, auch die deutsche!) Gesellschaft muß verhindern, daß „starke“ Männer in schnellen Autos verherrlicht, daß Konsum und Macht in den Himmel gehoben und medial verbreitet werden.

Da könnte die Treppe vielleicht doch von unten nach oben gekehrt werden: Laßt uns seelisch und damit eindeutig auch körperlich gesunde Kinder heranziehen, die den Weg durch die Instanzen („die Treppe aufwärts“) gehen / kehren und endlich der allen Menschen innewohnenden Sehnsucht nach Liebe, nach einem friedvollen Umfeld, nach Wahrhaftigkeit statt sozialer Lüge gerecht werden.

Der meist verstümmelt wiedergegebene und daher mißinterpretierte Satz „Omnium rerum homo mensura est“ (der sogenannte «homo mensura Satz des Prothagoras) wird nämlich meist nur so zitiert: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge…“, was zu einem homozentrischen Weltbild verführt.

In seinem vollen Wortlaut jedoch liest sich das anders: (übersetzt): „“Der Mensch ist das Maß aller Dinge / der Seienden, daß sie seien, der Nichtseienden, daß sie nicht seien“.

Also ein Gedanke, der Herrn Kant hoch erfreute, ein erkenntniskritischer Satz: Wir kleinen Menschlein erkennen nur begrenzt, sehr begrenzt, was das «Seiende» ist – immer, wenn wir glauben, einen kleinen Erkenntnisschritt getan zu haben, öffnet sich uns ein Universum an bitteschön gefälligst und demütig neu zu Erkennendem…

Wir stehen vor der riesigen Herausforderung, in einer Ellbogengesellschaft eine auf bedächtigem, ruhigen und besonnenen Vorgehen fußende neue Medizin etablieren zu wollen, die der liebevollen Weltseele heilenden Zugang zu menschlichen Wesen verschafft – Wesen, die ihrerseits jedoch, zumindest in den sogenannten westlichen Kulturen, sich von der Akzeptanz des Seelischen immer weiter entfernen.

Ein wichtiger Schritt ist dabei, daß immer mehr mutige und gottlob auch humorvolle und eloquente Wissenschaftler ebenso wie solide Quereinsteiger in die Medizin den klassischen Naturwissenschaften Respekt zeugen, aber sie nicht, wie oft geschehen, als Beherrscher, sondern als Diener des Lebens sehen.

In diesem Sinne sei das Schlußwort dem altehrwürdigen Carl Ludwig Schleich gewährt, dessen zweifelsfreies Verdienst es war, der Medizin der damaligen Zeit wieder die Augen zu öffnen für die Metaphysik in unserem Dasein, der Metaphysik als Zwilling der Physik und fernab vom spiritistischen Hokuspokus der damaligen Zeit:

„Leider hat sich die Naturwissenschaft abgewöhnt, auf die Wunder in uns selbst zu achten, die größer sind als die aller spiritistischen Medien. Mich interessiert das Tischrücken, das Kommodenrücken oder das Klopfen von Geistern nicht so sehr wie das Wunder eines Neugeborenen, die Tatsache, daß ich ihm zum ersten mal über die Stirn streichen kann.

Ja, ich muß gestehen, der mir erscheinende Geist meines verstorbenen Vaters würde mich nicht einmal so erstaunen machen, wie der Anblick eines frisch aufbrechenden Kelchs einer Blüte (…) Der Mensch hat soviel Zauberei und Wunder in sich, daß daß wir nicht nötig haben, nach den Wundern zu blicken, die hinter Gardinen und Tischlaken versteckt sind.“ [6])

[1]) Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus 6.4312  Suhrkamp 1963)

[2]) Hoyle, F. & Wickramashinghe, Does epidemic disease come from space? New Scientist 76, 402-404, 1977

[3]) Lyall Watson, Der unbewußte Mensch. Gezeiten des Lebens – Ursprung des Wissens. MVG 1969  S. 48 ff

[4]) Fritz Stege, Musik, Magie, Mystik. Der Leuchter. Otto Reichl Verlag 1961 S. 30 ff

[5]) Hans Jenny, Kymatik. Wellen und Schwingungen mit ihrer Struktur und Dynamik. Band 2. Basileus Presse AG Basel 1972

[6]) Carl Ludwig Schleich, a.a.O. Bewußtsein und Unsterblichkeit. S. 24

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (2)

Im ersten Aufsatz dieser Reihe wurde die Tatsache beschrieben, daß sich das Verständnis von Materie und damit auch die Vorstellung, die wir uns vom menschlichen Körper machen und dann in der Folge wiederum die Definition von Gesundheit und Krankheit so entscheidend verändert haben, daß durchaus von einem Paradigmenwechsel in der Medizin gesprochen werden darf.

Wenn wir also von der auf diesen Erkenntnissen aufbauenden, naheliegenden Hypothese ausgehen, daß der menschliche Körper (und vielleicht auch der tierische?) lediglich als eine Art Resonanzboden gesehen werden kann, über den welche Kräfte auch immer wie auf einer Geige ihre Melodie spielen, stehen wir vor der eigentlichen Herausforderung herauszufinden, was das denn genau ist, was den Körper, den «Leib» zum Schwingen bringt, ihn als Instrument nutzt, um vielleicht sogar Melodien darauf zu spielen, die zu hören wir bisher noch gar nicht gelernt haben?

Daß die heute noch vorwiegend das Feld beherrschende Sichtweise von Krankheit inzwischen unter Medizinern vermehrt auch „seelische“ Einflüsse als Ursachen für körperliche Beschwerden einräumt, ist übrigens kein Verdienst der orthodoxen Medizin: Es bedurfte erst eines Sigmund Freud und der Begründung der Psychoanalyse und damit einer akademisch aufgestellten Wissenschaft, die sich «Psychologie» nennt, um die Medizinerklasse kräftig aufzumischen.

Ungewöhnliche Verhaltensweisen im Verein mit körperlichen Anomalitäten beobachtet die Menschheit zwar seit eh und je – der gelegentlich von Krämpfen geschüttelte «Irre» (z.B. «Veitstanz» / Epilepsia saltatoria) gehörte im Mittelalter nicht selten zum Stadtbild-, war Teil des Weltbildes: „Die Welt ist eben so“, daß es, neben all den sogenannten «Normalen», auch Narren, Verrückte (ver – rückt = weggerückt vom Normalen, Anm. d. V.) gab und gibt.

Als Kranke im heutigen Sinne wurden sie nicht eingestuft, geschweige denn wurde versucht, sie zu «Normalen» zu therapieren. Körperliche Verhaltensmuster als Reaktionen auf seelische Verfaßtheiten, wie sie zum Beispiel die Katatonie darstellt, zu sehen, kam kaum jemandem in den Sinn.

Seit dem späten 18., intensiv im 19. Jahrhundert, werden sie jedoch erstmals als Krankheiten dokumentiert, zum Beispiel die eben erwähnte Katatonie, eine krampfhafte Anspannung, die den ganzen Körper erfaßt, nicht zu verwechseln mit der Epilepsie. Neben Anderen war es das Verdienst des «Irrenarztes» Dr. Karl-Ludwig Kahlbaum, psychische Erkrankungen präzise zu definieren, vor allem die erwähnte Katatonie und die von ihm so benannte «Hebephrenie».

Dieser Exkurs sollte jedoch nur zu einer Erkenntnis führen, die uns mitten ins Zentrum der Fragestellungen zur Funktion des Körperlichen als Ausdruck des Seelischen führt und die Wilhelm Reich so auf den Punkt brachte: „(…) prägte sich mir die Tatsache ein, daß ein psychisches Erlebnis einen körperlichen Erregungszustand herbeiführen kann, der das Organ dauerhaft verändert“.[1])

Zwischenbemerkung

Wir sollten uns bei diesen Betrachtungen stets bewußt sein, daß es eigentlich eine Anmaßung ist, vom «Menschen» per se zu sprechen! Denn eine alte Lebensweisheit besagt, daß „nichts so gleich ist wie die Ungleichheit der Menschen.
Für den Anatomen mag sich der leblose Körper einer Afrikanerin nicht von dem einer ebenso toten Mongolin, der Verdauungstrakt eines Kaukasiers nicht von dem eines Aborigines unterscheiden.
Was jedoch unser sogenanntes Seelenleben, unser Wahrnehmungs- und Ausdrucksspektrum, unsere Emotionen und so weiter betrifft, liegen nicht selten Welten zwischen den Angehörigen der unterschiedlichsten Kulturen.

Zwar ist die Anthropologie längst vom Rassebegriff des 19. Jahrhunderts abgerückt, der seine Perversion im Deutschland der 1930er erfuhr. Aber die Erkenntnisse der Kulturen übergreifenden Psychologie legen sinnvollerweise eher eine Einteilung in sogenannte «Kulturkreise» nahe, ganz im Sinne der (wohl zu Unrecht!) als überholt bezeichneten Arbeiten Oswald Spenglers:

„Wenn Plato vom Menschen redet, so meint er den Hellenen im Gegensatz zum Barbaren (…) was (Kant) an notwendigen Forderungen des Denkens feststellt, sind doch nur die Formen abendländischen Denkens (…) das ist es, was dem abendländischen Denker fehlt und gerade ihm nicht fehlen sollte: die Einsicht in den historisch-relativen Charakter seiner Ergebnisse, die selbst Ausdruck eines einzelnen und nur dieses einen Daseins sind, das notwendige Wissen um die Grenzen ihrer Gültigkeit, die Überzeugung, daß seine „unumstößlichen Wahrheiten“ und seine „ewigen Einsichten“ eben nur für ihn wahr und in seinem Weltaspekt ewig sind und daß es Pflicht ist, darüber hinaus nach denen zu suchen, die der Mensch anderer Kulturen mit derselben Gewißheit aus sich heraus entwickelt hat (…) Allgemeingültigkeit ist immer der Fehlschluß von sich auf andere. [2])

Das dreibändige «Handbook of Cross-Cultural-Psychology» deutet dies z.B. im Vorwort zum dritten Band folgendermaßen an: „Eine der wichtigsten Fakten über die Psychologie ist, daß die meisten der Psychologen, die jemals gelebt haben und die jetzt leben, in den Vereinigten Staaten gefunden werden. (….) Außerdem ist die Psychologie als Wissenschaft überwältigend eindeutig als Produkt deutscher, französischer, britischer, russischer und nordamerikanischer Bemühungen und damit als ein rein europäisches Unterfangen zu betrachten. (….) Die Datensammlung (der kulturübergreifenden Psychologie) schließt die große Mehrheit der Menschen aus, die in Asien und der südlichen Hemisphäre leben. (…) Sind (psychologische) Theorien also lediglich parochiale Verallgemeinerungen, die auf ethnozentrischen Wirklichkeitskonstruktionen basieren?“ [3])

Und Hans Kilian schreibt in seinem Essay «Das Grundmodell der Verhaltensforschung»:
„In unserer Denktradition bedeutet Wahrheit nämlich immer absolute Wahrheit, ewige Wahrheit, abstrakt formulierbare Wahrheit. Wahrheiten, die wechseln, sind in dieser Sicht eben nur relativ und damit nicht verbindlich (…) Es gibt nicht nur abstrakte und ewige Wahrheiten, sondern es gibt auch konkrete Wahrheiten, die die Wahrheiten einer begrenzten Wirklichkeit sind (…) Wir müssen uns klar machen, daß es gerade das Festhalten an einem absoluten (…) linearen Wahrheitsbegriff ist, welches uns in Resignation, Relativismus und Zynismus stürzt.“ [4])

Bewußtheit und Bewußtsein

Beschränken wir uns also bei unseren weiteren Betrachtungen auf den zentraleuropäischen Menschen, um den Forschungsbereich einzugrenzen. So oder so kommen wir jedoch nicht darum herum, uns mit dem Einfluß des individuellen Bewußtseins und der möglichen, ja sogar höchstwahrscheinlichen kollektiven Bewußtheit zu beschäftigen, wenn wir einen an was auch immer körperlich erkrankten Menschen unseres Kulturkreises betrachten [5]).

Unsere Alltagssprache enthält den Bewußtseinsbegriff auf vielfältige Weise: Ein Bewußtsein für etwas entwickeln, sich einer Sache bewußt sein, etwas bewußt und gewollt tun, ein bewußtes Herbeiführen von etwas usw.

Es ist das Verdienst des grandiosen Kulturphilosophen Jean Gebser, durch die Verbindung von Intuition, Empathie und einer unglaublichen Fülle an empirischen Wissen ein belastbares Schema an menschlichen Bewußtseinsformen entworfen zu haben. Er prägte in diesem Kontext in seinem Hauptwerk «Ursprung und Gegenwart» [6]) den Begriff der «Bewußtseinsmutationen».

Interessant ist dabei die von ihm beobachtete Parallele zur individuellen, menschlichen Entwicklung. Die archaische, die magische, die mythische und die mentale Phase der Kulturen spiegeln sich, in Gebsers Werken auf eine stringente Weise dargelegt, im individuellen Wesen: Der Säugling in der archaischen, das Kleinkind in der magischen, Pubertierende in der mythischen [7]) und erwachende Erwachsene in der reflektierten, „mental“ (von mens = messen, Anm. d. V.) gesteuerten Bewußtseinsstruktur zeigen all jene Merkmale, die auch heute, bei einer Gleichzeitigkeit aller Bewußtseinsstrukturen auf der Erde, zu beobachten sind.

Denn der Ursprung ist auch immer Gegenwart (im Gebserschen Sinne), der sogenannte Erwachsene findet in sich auch immer wieder „das Kind im Manne“, dumpf-magische Reaktionen sind beim hochintellektuellen Professor, der nachts in der Disco «abtanzt» und sich „so richtig gehen läßt“, durchaus stets präsenter Teil der Persönlichkeit. [8])

Details hierzu würden hier zu weit führen, empfohlen wird die Zusammenfassung des Gebserschen Modells im Aufsatz „Abendländische Wandlung“ [9]) mit einer herausragenden Analyse von Physik, Biologie und Psychologie des 20. Jahrhunderts im Lichte der Bewußtseinsformen.

In Hinblick auf medizinische Aspekte sollten wir das Augenmerk jedoch auf folgendes lenken: Die Frage nach der jeweiligen, individuellen Bewußtheit einer „erkrankten“ Person, sozusagen nach ihrem „Bewußtheitsstatus“, könnte in der Kommunikation zwischen Therapeutin / Therapeuten und Hilfesuchenden eine Rolle spielen:

Sitzt die helfende Person – überspitzt formuliert – einem «Kind» (magisch-mythisch) gegenüber oder einem das magisch-mythische in sich verdrängenden, kopfgesteuerten, «mentalen Bewußtsein», das die anderen, stets latent in ihr schlummernden Bewußtseinsformen, verdrängt? (Übrigens ein weiterer, möglicher Grund für kognitive Dissonanzen, die ihrerseits zu körperlichen Beschwerden führen können)

Es scheint, als haben wir auch in diesem Bereich erst den Fuß in der Tür zum Palast des Menschseins: Fragen wie «was ist das Ich», «gibt es so etwas wie ein generelles Bewußtsein» und – zum Themenkomplex der Medizin – «inwieweit steht das individuelle Bewußtsein in Resonanz mit einem kosmischen Bewußtsein», wollen beantwortet werden.

In diesem Zusammenhang wäre es ein Versäumnis, nicht auf die Rolle des «Nervus Sympathikus» einzugehen. Carl Ludwig Schleich bezeichnet ihn als „(…) die erste Inkarnation der Seele, die Idea praeformans plastica in Platons Ideenlehre“. [10]). Seine Basis hat er als das «Sonnengeflecht» unter dem Zwerchfell, und gibt er auf seinem Weg entlang der Wirbelsäule bis zum Gehirn „Weisungen, Ahnungen, Spannungen, die der Verstand nicht geben kann, er ist auch imstande, den Willen und die Richtungen des Alls, den den Rhythmus der Welt auf den Körper zu übertragen; alle Urempfindungen, Klimawechsel, ja Boden- und Schollengefühl (…) Glück oder Nichtglück sind gebunden an die Funktion dieses dritten Gehirns, des Ganglienhimmels des Sympathikus, der mit seinen feien Filigranadern ein wunderbares Netz um um jedes einzelne Organ vom Innenleibe her spinnt.“ [11]).

Es ist über die Maßen verwunderlich, wie wenig dieser zentrale Steuermann in der modernen Medizin Beachtung findet: In Gesprächen mit modernen Medizinern verblüfft nicht selten sogar die Unwissenheit über die Bedeutung dieses Nervenstrangs, der übrigens im Bereich der Wirbelsäule an die Kundalini fernöstlicher Lehren erinnert:

„Nicht nur das Gehirn wird im tiefsten umrankt und durchrieselt von diesem Sympathicusgezweige, sondern alle Nerven, alle Muskeln, alle Drüsen, ja jede einzelne Zelle enthält etwas von diesen Fädchen, den Ausläufern solchen geheimen, goldenen Räderwerks, das gespeist wird von dem Strom der darinnen flutenden unsichtbaren Seele.“

Daß wir nachts nicht aus dem Bett fallen, daß auch unter Narkose alle unsere Organe ordnungsgemäß funktionieren und daß das Orchester unseres Gesamtorganismus tagaus, tagein, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr und nonstop jahrzehntelang sein harmonisches Konzert spielt, ist dem Sympathikus zu verdanken, dieser Nabelschnur zur Weltseele, die in einem wieder erwachten, tieferen Verständnis der metaphysischen Beheimatung des Menschen und seiner Einbettung in ein höheres Bewußtsein wieder eine zentrale Rolle spielen sollte.

Die Bewußtseinsforschung  dürfte unser Verständnis der «Leib-Seele-Kosmos-Verbindung» vielleicht sogar revolutionieren, folgen wir der Vermutung von Amit Goswani: „Die modernen Paradoxien der Wissenschaft lassen sich lösen – wenn man annimmt, daß das Universum nicht aus Materie, sondern aus Bewußtsein besteht.“ [12])

Ist Tabu Nummer 1 der Krankmacher Nummer 1?

„Zählen wir zum sexuellen Untergrund auch den gesamten Bereich der latenten Sexualität, die in Phantasien, Bedürfnissen, Sehnsüchten steckenbleibt und nicht zur Handlung kommt, so dürfte sich im psychosozialen Intimgefüge unserer derzeitigen Gesellschaft der anerkannte Teil der Sexualität zum Untergrund verhalten wie der sichtbare Teil eines Eisbergs zum unsichtbaren. Es gab in der bisherigen Geistesgeschichte wenige Menschen, die sich auf diese Tatsache einließen. Und wenn doch einer das Schweigen brach, so mußte er diesen Frevel gleich wieder gutmachen wie Freud mit seiner anpaßlerischen Sublimierungstheorie, oder er wurde für verrückt erklärt wie Wilhelm Reich. Es gibt kein Thema, das unter den Gebildeten unserer Zeit mehr verdrängt, verleugnet, versteckt wird wie der eigene sexuelle Untergrund“, schrieb Dieter Duhm. [13]).

Arno Plack bringt das geradezu anerzogene Lügen im Bereich der Verdrängung von Sexualität so auf den Punkt: „(…) Gesetzt wir lebten in einer Kultur, in der namentlich die Sexualität in einer Weise reglementiert wird, daß ihr, bei Strafe sozialer Diskriminierung, das Ziel erlaubten Begehrens streng vorgegeben wird – müßte da nicht der Einzelne versuchen, so gut es nur geht, sich heimlich die ersehnten Lüste zu verschaffen, und ängstlich besorgt sein, seine «Intimsphäre» zu verbergen (…) Gewiß, man kann mit Sexualunterdrückung nicht kurzschlüssig jedes soziale Phänomen und jede psychische Störung erklären. Aber in einer Kultur, in der Moral und Sexualmoral, Sittlichkeit und Enthaltsamkeit weithin als gleichbedeutend gelten, läßt sich vieles davon ableiten.“ [14])

Wir haben diesen Aspekt aufgegriffen, weil verblüffenderweise der Themenkreis «Sexualität / gelebte Sexualität / krankmachende verdrängte Sexualität» nur bei sehr wenigen Vertretern eines neuen Verständnisses von Menschsein, Gesundheit und Krankheit erwähnt wird – wer bricht schon gerne ein zweites Tabu, wenn schon der erste, eigene, «esoterische« Ansatz Tabus bricht?!

In diese Thematik einzutauchen, sprengt allerdings den Rahmen dieser Arbeit. Nachvollziehbar ist jedoch: Der klassischen Medizin kann (und darf?) gar nicht in den Sinn kommen, bei organischen Beschwerden die Frage nach der Orgasmusfähigkeit, nach dem Sexualleben der oder des Erkrankten zu fragen!

Auch hier soll der Verweis auf Wilhelm Reichs Erkenntnisse, zum Beispiel bei der Formulierung des Begriffs «Charakterpanzer» und seine Beispiele von verhärteten Bauchdecken (solar plexus?) u.v.a. genügen. [15])

„Ach, das ist ein altes Kriegsleiden!“

Als wäre die Auswahl an möglichen Ursachen für körperliche Beschwerden nicht schon groß genug, erweitern die verblüffenden Erkenntnisse vor allem aus der Aurachirurgie das Terrain – was aus seriösen Rückführungen bekannt ist, scheint sich nämlich durch erfahrene Therapeuten als auch in der Aura manifestiert „aufspüren“ zu lassen: Die Erlebnisse aus früheren Inkarnationen manifestieren sich auf die eine oder andere Weise in der jeweiligen jetzigen Inkarnation. [16])

Das große Geschäft mit Rückführungen und dem Aufspüren von «Engrammen» machte und macht eine der gefährlichsten Sekten weltweit: «Scientology», eine Lehre mit einer gefährlich-verführerischen, eklektizistischen Mixtur aus Psychoanalyse und Science fiction – ein, wenn nicht DAS, warnendste Beispiel dafür, wie das neue Welt- und Menschenbild , wenn entsprechend aufbereitet, Menschen in die immergleiche Falle der Manipulation führen kann, wenn dieses tiefe Wissen um unsere Existenz nicht sachlich, objektiv und seriös vermittelt wird – Hände weg von Trickbetrügern wie dieser dubiosen Bewegung!

So erweist sich die Frage nach durch in verschiedenen Inkarnationen wiederkehrenden „alten Kriegsleiden“ als ein weiteres Gebiet der Forschung für ein neues Verständnis von Gesundheit und Krankheit: Das, was wir Seele nennen, bleibt offensichtlich auch nach dem Tode erhalten und (re)inkarniert sich [17]) – „drückt sich“ – erneut in einem anderen Körper aus, offensichtlich auch mit schmerzhaften Erinnerungen aller Art im Gepäck!

Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang auf eine der Arbeiten von Carl Ludwig Schleich zum Thema Unsterblichkeit hinzuweisen, die ich, zusammengefaßt, als Hörbuch publizierte, das Sie natürlich nicht kaufen müssen, wenn Sie nicht unbedingt wollen…. [18])

Legen wir dieses – zugegeben auf unserem jetzigen, monokausalen und linearen Denken fußende – Modell zugrunde, das da heißt, Emotionen, Erfahrungen aus einer spezifischen Inkarnation spiegeln sich in einer anderen Inkarnation, stehen Krankheitsbilder plötzlich in einem anderen Kontext (s. Rudolf Steiner und Gerhard Klügel, Teil 1 des Essays).

In diesem Zusammenhang muß unbedingt auf die wertvolle Arbeit des ehrenwerten Rabbi Yonassan Gershom, Theologe und chassidischer Geschichtenerzähler, hingewiesen werden, der einen tiefen Einblick in den Umgang des Judentums mit dem Thema Wiedergeburt gewährt und während fünfzehn Jahren Gespräche mit Menschen führte, die, obwohl nach dem 2. Weltkrieg geboren, von Erinnerungen an Erlebnisse aus ihrer jüdischen Vergangenheit in der Hitlerzeit geplagt werden – ein höchst solider Beitrag und Beleg für die tiefe Verwurzelung der Lehre von der Seelenwanderung nicht nur in den fernöstlichen Religionen. [19])

Dieser Themenkomplex wäre nicht mehr als eine interessante Beobachtung, würden diese Einflüsse aus früheren Existenzen nicht tatsächlich zu Krankheitsbildern im jetzigen Leben führen – und mit genau dem beschäftigen wir uns in diesen drei Essays.

Zweite Zwischenbilanz

Im ersten Hafen, den wir ansteuerten, luden wir Erkenntnisse über die Tatsache der unausweichlichen Einbettung eines veränderten Verständnisse von Medizin, Krankheit und Gesundheit in ein sich revolutionär wandelndes Weltbild in unseren Frachtraum.

Im zweiten Hafen packten wir soeben noch einige Container obendrauf: Vorbei mit jahrhundertelang vermuteter, eindeutiger Monokausalität von körperlichen Symptomen!

Da bereits im ersten Hafen die Sache auf den Kopf gestellt wurde und der sichtbare Körper mit seinen krankhaft erscheinenden Symptomen als so eigentlich gar nicht vorhanden entlarvt wurde, offenbart sich nun eine illustre Palette von durch verantwortliche Therapeutinnen und Therapeuten von morgen zu analysierenden, möglichen Ursachen von Erscheinungen, die von Betroffenen als belastend empfunden werden (als schmerzend, als krank etc.).

Stochert die Medizin von heute wie Blinde im Nebel?

Was schon jetzt gesagt werden kann ist, daß die Medizin der Zukunft einer Generation von Frauen und Männern bedarf, die aus dem Gefängnis ausbrechen, das wir im ersten Essay durch den renommierten Mediziner Friedmann so formuliert fanden:

„Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“

Für das 21. Jahrhundert und die deutsche Medizin bringt es ein Artikel in der «SÜDDEUTSCHE Zeitung» vom 13. März 2018 so auf den Punkt:

„Zu viele Operationen, zu häufige Untersuchungen – das könnte ein Grund dafür sein, daß es den Menschen in Deutschland schlechter geht als in anderen Ländern (mit Ausnahme der USA), die von der Bevölkerungsstruktur und der Krankheitshäufigkeit weitgehend vergleichbar sind. Zudem sind die Menschen in Deutschland mehr als doppelt so oft beim Arzt wie die Schweden, Dänen und Schweizer, die jedoch trotzdem – oder deshalb? – länger leben und gesund bleiben.
Überhöhte Preise, unsinnige Behandlungen, falsche Anreize – der 2017 gestorbene Gesundheitsökonom Uwe Reinhardt hat immer wieder vor Ungerechtigkeiten und Auswüchsen des Systems gewarnt. Er sah mit Sorge die Folgen einer Medizin, die nicht die Bedürfnisse der Patienten, sondern die Verlockungen des Marktes in den Mittelpunkt rückt
.“

________________________________________ilian

[1]) Wilhelm Reich, in: Die Entdeckung des Orgons / Die Funktion des Orgasmus. Kiepenheuer & Witsch 1969
S. 55

[2]) Oswald Spengler, in : Der Untergang des Abendlandes (Einleitung). C. H. Beck 1980 S.  31ff

[3]) “One of the key facts about psychology is that most of the psychologist who have ever lived and who are now living can be found in the United States. (…) Moreover, psychology as a science is so overwhelmingly the product of German, French, British, Russian and North-American efforts that it is fair to consider it an entirely European-based enterprise (…) The data base (of cross-cultural-psychology)  excludes the great majority of mankind who live in Asia and the Southern hemisphere. (…) Are theories merely parochial generalizations, based on ethnocentric constructions of reality?” in: Handbook of Cross-Cultural Psychology, Basic Process, Volume 3. Preface

 

[4]) Hans Kilian, Das Grundmodell der Verhaltensforschung. In: Jahrbuch für kritische Aufklärung – Club Voltaire II. Rowohlt 1965

[5]) Wobei auch hier der interessante Forschungsansatz lautet zu prüfen, ob nicht auch ein «kollektives Unbewußte» seine Abgrenzung zu anderen «kollektiven Unbewußten» erfährt? Ist das kollektive Unbewußte des Zentraleuropäers absolut identisch mit dem der Zentralafrikaner? M.a.W.: wie «kollektiv» ist das «Kollektive»?

[6]) Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart. Die Fundamente der aperspektivischen Welt – Beitrag zu einer Geschichte der Bewußtwerdung. Novalis Verlag 1986

[7]) Man beachte hier die Doppelbedeutung von „mythein“, was sowohl  Schweigen als auch Sprechen bedeuten kann – hervorstechendes Merkmal der mythischen Bewußtseinsstruktur ist die Ambivalenz und Doppeldeutigkeit,, wie wir sie z.B. auch im lateinischen «altus» finden, das ja sowohl hoch als auch tief bedeuten kann. Siehe Jean Gebser, a.a.O.

[8]) Wenn das Ohr durch seinen Höhlencharakter als das typisch magische Organ eingestuft wird, ist das ekstatische Abtauchen in stampfende Beats oder, bei geschlossenen Augen, in Beethovens 5. nachvollziehbar.
Übrigens fanden neueste Forschungen heraus: Beethovens 5. war eine gewisse Agnes aus München (dies ist ein Test um herauszufinden, ob Sie die Fußnoten auch wirklich lesen…!)

[9]) Jean Gebser, Abendländische Wandlung. In: Jean Gebser Gesamtausgabe Band 1 Novalis 1986

[10]) Carl Ludwig Schleich, in: Bewußtsein und Unsterblichkeit. Deutsche Verlags-Anstalt 1920 S. 19

[11]) Carl Ludwig Schleich, a.a.O. S 18 ff

[12]) in: the quantum activist – über die Wissenschaft zu Gott HORIZONFILM 2016

[13] )Dieter Duhm, Synthese der Wissenschaft, a.a.O.

[14]) Arno Plack, in: Ohne Lüge leben DVA und Ex Libris (Zürich) 1979

[15]) Wilhelm Reich, a.a.O.

[16]) Gerhard Klügl / Tom Fritze, Quantenland, a.a.O.

[17]) inkarnieren = „ins Fleisch gehen“ (lat. carne = Fleisch)

[18]) Carl Ludwig Schleich, Das Problem des Todes. Lorenz.Publishing 2017

[19]) Yonassan Gershom,, Kehren die Opfer des Holocaust wieder? Rudolf Geering Verlag / Verlag am Goetheanum Dornach 1997

Eine von Israels Lügen: Die vorgefundene Wüste…

Seit Jahrzehnten behaupten israelische Regierungen, sie hätten in Palästina 1948 «eine Wüste» vorgefunden und sie fruchtbar gemacht, weil die Araber / Palästinenser ja unfähig gewesen seien, das «gelobte Land» zu kultivieren.

Die Tatsachen sehen aber anders aus und liefern einen weiteren Beleg, wie kaltblütig damals die israelischen Einwanderer ein fruchtbares Land raubten (damals waren sie allerdings ja noch gar keine Israelis, sondern Deutsche, Österreicher, Polen usw.).

Bereits 1891 berichtet ein Zionist der ersten Stunde, Asher Guinsberg, der unter dem Pseudonym „einer aus dem Volke“ (Ahad Ha´am schrieb, bei einem Besuch in Palästina:

„Draußen haben wir uns angewöhnt anzunehmen, Eretz-Israel sei heutzutage sozusagen eine kulturlose Wüste, und wer hier Land zu erwerben wünsche, brauche nur herzukommen und könnte sich nehmen, soviel sein Herz begehrt. Aber in Wirklichkeit ist das nicht so. Im ganzen Land ist es schwer, Felder zu finden, die nicht bestellt sind. (…).“ (in: Ahad Ha´am, Vollständige Werke. Tel Aviv, Devir Publ. House und Jerusalem. The Hebrew Publishing house, 8. Ausgabe, Seite 23)

Tatsächlich exportieren vor den Zionisten die «Beduinen» (die nämlich Getreideanbauer waren) 30000 Tonnen Weizen im Jahr; die durch die Araber mit Obst angebaute Fläche verdreifachte sich von 1921 bis 1942, die der Orangenhaine und der anderen Zitrusfrüchte versiebenfacht sich von 1922 bis 1947, die Erzeugnisse von Gemüse verzehnfacht sich von 1922 bis 1938.

Der Rapport Peel, der dem englischen Parlament im Juli 1937 vom Kolonial-Staatssekretär vorgelegt wurde und dem der rapide Fortschritt der Orangenhaine in Palästina zugrundelag, schätzte, daß von dreißig Millionen Lattenkisten Winterorangen, um die der Weltverbrauch in den zehn kommenden Jahren anwachsen wird, die Produktions- und Exportländer folgende sein würden:

-Palästina: 15 Millionen

USA: 7 Millionen

Spanien: 3 Millionen

Andere Länder wie Zypern, Ägypten, Algerien usw.: 3 Millionen

Quelle: Rapport Peel, Kapitel 8, § 19, Seite 214

Israel wurde aber offiziell erst 1948 gegründet – aufbauend auf einer blühenden Landwirtschaft, die von den Palästinensern geschaffen wurde, DAS ist Fakt!

Wieder einmal betrieb und betreibt die Regierung Israels freche, verlogene Geschichtsklitterung, um ihre angebliche Überlegenheit gegenüber den damaligen Einwohnern, der heute allgemein als Palästinenser bekannte Bevölkerungsgruppe,  zu belegen!

Der Leib als Instrument der Seele – Aspekte der modernen Medizin (1)

„Es geht nicht darum, den anderen des Irrtums zu überführen, sondern sich mit ihm zusammen in einer höheren Wahrheit zu treffen[1]), schrieb Blaise Pascale in den Pensées – wer in diesen
Tagen Gesundheit und Krankheit zum Thema hat, wer Arzneien und medizinische Therapien anbietet, sollte immer wieder an diese These erinnert werden!

So gerät zum Beispiel jemand aus dem Lager, das als Alternativ- oder Komplementärmedizin bekannt ist, nicht selten in Versuchung, die etablierten «Götter in Weiß» als bereits vom Sockel gestürzte Säulenheilige zu sehen;

und die dermaßen angeschwärzten, weißbetuchten Götter verdrehen gerne die Augen, wenn von Homöopathie, Aurachirurgie, Hypnosetherapie oder Geistheilung die Rede ist – gibt es denn tatsächlich eine höhere Wahrheit, in der sich beide der auf den ersten Blick Lichtjahre voneinander entfernten Lager friedlich, kooperationsbereit und im besten Fall sogar neugierig auf eine neue, gemeinsame Wahrheit, treffen könnten?

Menschenbild

„Wir brauchen kein neues Menschenbild, wir müssen das alte nur richtig verstehen“, sagte Peter Bieri, Prof. f. Philosophie an der Freien Universität Berlin, in einem SPIEGEL-Interview im Oktober 2005.

Dann fragen wir doch zunächst nach dem „alten Menschenbild“ – gibt es bei der Formulierung eines solchen überhaupt einen Konsens zwischen Vertreterinnen und Vertretern beider Lager?

Der Begriff «ganzheitlich» ist ein Lieblingsbegriff der Alternativ- und Komplementärmedizin. Bei näherem Hinsehen jedoch muß von diesem Lager eingeräumt werden, daß dieser terminus technicus wohl etwas zu hoch gesteckt ist. Er sollte daher wohl vorläufig etwas zurückhaltender gebraucht werden.

Ein Beispiel: Wer Kranke isoliert von deren sozialem Umfeld therapiert, übersieht die inzwischen eindeutig nachgewiesene Komponente des gravierenden Einflusses von alltäglichen Lebensumständen, Partnerschaftsbeziehungen, Bedingungen am Arbeitsplatz und anderen sozialen Vernetzungen, in denen nicht selten die wahren Ursachen für Krankheit und Leiden zu sehen sind.

Ganzheitlich sieht allein der liebe Gott die Dinge, wir Menschen sollten einräumen, daß unsere Sichtweise sich zwar ständig erweitert, aber von einem wirklich ganzheitlichen Verständnis des Menschen sind wir noch weit entfernt, da wir ja noch nicht einmal das Universum in all seiner Komplexität verstehen, in das wir kleine Menschlein eingebettet sind.

Es ist, bei allen Theorien, die durch die Arbeit höchst seriöser Frauen und Männer aus vielen unterschiedlichen Disziplinen immer solider und realistischer formuliert werden, noch keine verläßliche, für alle Menschen gültige Matrix formuliert, um überhaupt zu bestimmen, was Menschsein per se bedeutet.

Wer also isoliert zum Beispiel Reinkarnationstherapie anbietet, oder Hypnosetherapie, Farbtherapie, Klangtherapie, Atemtherapie usw., darf in keinem Fall behaupten, die Hilfesuchende, den Ratsuchenden rundum und ganzheitlich verstanden oder gar „geheilt“ zu haben.

Andrerseits erscheint das Menschenbild der Medizin, vor allem des vergangenen Jahrhunderts, auch heute noch in vielen Bereichen wie das Bild, das ein Kfz-Meister bei ATU von einem Auto hat:

„Oh oh oh . sieht nicht jut aus .datt ist die Lichtmaschine, aber null Problemo, tauschen wir gleich aus, zweihundertfünfzig Euro, dann läuft die Karre wieder..!

Als der Arzt Carl Ludwig Schleich, der jahrelang mit Virchow arbeitete, vor dem Chirurgenkongress in Berlin 1892 antrat, um seine wirklich sensationelle Erfindung dessen vorzustellen, was heute als «Lokalanästhesie» Alltag ist, blitzte er ab, wurde belächelt, angefeindet, ausgestoßen.

Der damals bereits berühmte Mediziner Friedmann tröstete ihn: „Gewiß, alles Gute den Menschen; nur nicht auf Kosten unseres mühsam erarbeiteten Ruhmes und der Methoden, von denen wir unsere Existenz polstern! (.) Der letzte Widerstand gegen eine Neuerung in der Medizin ist immer, daß Hunderttausende von Menschen davon leben, daß etwas unheilbar ist. Alle Institutionen, alle Berufe, ganze Gewerbe, Hotels, Sanatorien sind nun einmal darauf zugeschnitten auf diese freilich bedauerliche Tatsache (.), denn das Gesetz des ökonomischen Egoismus ist stärker als jede Humanitätsidee!“ [2])

Obwohl der modernen Ärzteschaft zugebilligt werden muß, daß sich etwas bewegt in Hinblick auf die Anerkennung anderer als nur rein mechanistischer Faktoren, die den homo erectus erectus gesund erhalten oder erkranken lassen, erinnert die Situation an einen Slogan der Studentenbewegung von 1968: „Unter den Talaren / der Muff von tausend Jahren!“.

Denn die spirituelle Komponente des Menschen gerade in dem so wichtigen Bereich seines Wohlbefindens, dem Erhalt seiner Lebenskraft und Lebensfreude, auszublenden und nur sehr, sehr schleppend zumindest die Erfahrungen der sogenannten Psychosomatik ansatzweise in Therapien einzubeziehen, scheitert hic et nunc schlichtweg daran, daß die GOÄ und das festgezurrte Kassenabrechnungssystem das nicht hergeben.

So mögen einzelne, durchaus verantwortungsvoll arbeitende Medizinerinnen und Mediziner in ihrem Behandlungszimmer, eingezwängt in eine kognitive Dissonanz, erkennen, daß da vor ihnen ein Mensch sitzt, der z.B. ein Arbeitsleben führen muß, das ihn krank macht. Aber leider muß er behandelt werden, wie der Kfz-Meister ein Auto «repariert», nämlich wie ein nach mechanischer Logik funktionierender Apparat aus Nerven, Knochen, Blutbahnen und … ach ja, und einem nicht selten gebrochenem Herzen…

 

Dolchstoß für die einseitig organorientierte Medizin

Nietzsche schrieb in «Menschliches, Allzumenschliches»: „Nichts rechnen wir einem Menschen so hart an, als wenn wir über ihn umlernen müssen.“

So ergeht es in diesen Jahren der medizinischen Forschung: Es muß umgelernt werden über den menschlichen Körper, ja, über all das, was wir Materie nennen – und das rechnen manche etablierten Medizinprofessoren den Wegbereitern komplementärer oder gar revolutionär alternativer Diagnosemethoden und Therapien meist hart an.

Wobei erstaunlich ist, daß es beinahe hundert Jahre gedauert hat, bis die Botschaft über unsere Irrtümer bei der Definition des Begriffs der Materie endlich auch bei den Lehrstühlen der Medizin ankommt. Denn Heisenberg, de Broglie, Planck, Schrödinger, Pauli und last but not least Einstein brachten das alte Weltbild schon spätestens in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts endgültig zum Einsturz.

„Mit siebzehn sieht man noch Bäume / mit siebzig nur Zwischenräume“, wie eine pfiffige Version des Schlagers aus den 1960ern lautet.

Nach siebzig Jahren Forschung in den Bereichen Quantenphysik, Quantenmechanik, Quantenbiologie und verwandten Gebieten sahen wir tatsächlich bereits in den 1990ern nur noch Zwischenräume: Nämlich das «Feld», wie es die Physiker nennen.

Und nichts als das Feld, nur hier und dort eine Erregung dieses Feldes: Das ist dann zum Beispiel die Tastatur, auf der ich diesen Text schreibe oder der Stuhl, auf dem ich sitze – alles erweist sich als eine Illusion, alles sind nur Zwischenräume, die kurzfristig erregt sind und uns als Materie erscheinen.

Einstein formulierte diese Erkenntnis in «Das Raum-, Äther- und Feldproblem» so: “Wir können daher Materie als den Bereich des Raumes betrachten, in dem das Feld extrem dicht ist … in dieser neuen Welt ist kein Platz für beides, Feld und Materie, denn das Feld ist die einzige Realität.

Und der große deutsche Physiker Walter Thirring beschreibt es in einem Artikel in «Bild der Wissenschaft» bereits im Jahr 1971 so: „Was uns als Teilchen erscheint, ist nur eine lokale Erregung des Feldes. Das Feld existiert immer und überall, es läßt sich durch nichts entfernen; es ist der Träger allen materiellen Geschehens. Es ist das «Nichts», aus dem das Proton die Pi-Mesonen schöpfte. (.) „

Wer hätte gedacht, daß sich aus dem auf den ersten Blick nüchternen Bereich der sogenannten «Quantenfeldtheorie» so weitreichende Schlußfolgerungen ergeben, daß sogar Religionen und philosophische Gebäude erschüttert werden!

Unser großartiger deutscher Philosoph Ernst Cassirer ging schon 1920 so weit zu behaupten, „Die Wirklichkeit (…) ist nicht die von Dingen, sondern von Gesetzen und Relationen.[3])

Und als wären all diese mittlerweile als erwiesen geltenden Erkenntnisse nicht schon Schock genug für unser herkömmliches, gewohnheitsmäßig fortgeschriebenes Welt-, Menschen-, Gesundheits- und Krankheitsbild, setzen mutige Vordenker noch eins drauf.

So war zum Beispiel eines der spannendsten wissenschaftlichen Paare Wolfgang Pauli und Carl-Gustav Jung. Pauli, als zunächst sehr rationaler Naturwissenschaftler und Mathematiker, öffnete Jung allmählich seine Traumwelt, was zu einer der fruchtbarsten Begegnungen des 20. Jahrhunderts führte, der Verbindung zwischen Quantenphysik und Psychologie.

Ich empfehle jeder und jedem an der Thematik der modernen Medizin Interessierten die Lektüre der Beschreibung dieser jahrelangen, wechselseitigen Inspiration, obwohl sie auf den ersten und zweiten Blick mit Medizin nichts zu tun hat, aber mit der Öffnung hin zu einem revolutionärem Weltbild, das alle Bereiche des Daseins berührt – die Lektüre lohnt sich. [4])

Jung präzisierte während der Periode der Arbeit mit Pauli die Begriffe der «Synchronizität» und des «kollektiven Unbewußten», die sich als entscheidendes Momentum in unser aller Alltag bestätigen;

Rupert Sheldrake griff in die gleiche Schatzkiste und formte unser Verständnis für das, was er «morphische Felder» nennt und was getrost als ein weiterer Beleg betrachtet werden darf für die Resonanz des Individuellen mit kollektiven Prozessen;

der «schlafende Prophet» Edgar Cayce erklärte seine in Trance diktierten Rezepte für kranke Ratsuchende als ein schlichtes Anzapfen dieses riesigen, allumfassenden Wissens, das raum- und zeitlos und offensichtlich von nahezu allen abrufbar das füllt, was die Physiker eben einfach nur «das Feld» nennen;

der international renommierte deutsche Biophysiker Dieter Broers überspringt alle künstlichen Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, sieht Materie vor allem als geballte Information und zieht die Schlußfolgerung, „daß Liebe der elementare Grundzustand des Seins ist“ [5]);

Dr. Klaus Volkamer schließlich, ein ebenso renommierter wie international anerkannter Physiker, führte Messungen durch, die eindeutig beweisen, daß sich im Zustande tiefster Meditation das Körpergewicht verringert, ebenso im Tiefschlaf, und zieht daraus verblüffende Schlußfolgerungen zur Feinstofflichkeit – jenseits von Newton;

der renommierte Aurachirurg Gerhard Klügl spricht vom Prinzip der «karmischen Muster», die sich als Krankheiten in der derzeitigen Existenz manifestieren. [6]) Eine Überlegung, die Rudolf Steiner bereits 1908 so formulierte:

„Die Seele kämpft gegen ein unbrauchbares Organ, sie läuft Sturm gegen dasselbe und zertrümmert es. Das Organ wird zertrümmert unter dem Einfluß der Seelenkräfte. Die Folge davon ist die Reaktion: Es tritt ein Heilungsprozeß ein, um das Organ wieder aufzubauen. (.) Jetzt hat die Seele durch die Zertrümmerung eine andere Kraft in sich aufgenommen, so daß sie das nächste Mal, bei einer entsprechenden Wiederverkörperung, das Organ so gestalten kann, daß sie damit ihre Arbeit ausführen kann. So kann es die Krankheit sein, die uns tüchtig macht, in einem nächsten Leben das wieder gut zu machen, was wir in diesem Leben wiedergutmachen wollten, aber nicht konnten.

So ist die Krankheit ein Prozeß zur Aufwärtsentwicklung. Damit die Seele die dazu nötige Kraft entwickelt, muß das im jetzigen Leben nicht ausreichende Organ zertrümmert werden.

Das Gesetz, das da waltet, muß so ausgedrückt werden: Der Mensch muß sich seine Kräfte Stück für Stück dadurch aufbauen, daß er Widerstände in der physischen Welt überwindet. Das ist der tiefere Grund aller Krankheiten. Unsere jetzigen (…) Fertigkeiten waren unsere Krankheiten im früheren Leben.“ [7])

 No business like Showbusiness

Störend für bedächtig-umsichtig forschende und beobachtende Menschen, zu denen zu zählen ich mir erlaube, sind allerdings stets apodiktische Urteile, wie sie zum Beispiel gelegentlich bei Steiner, aber auch bei vielen Vertretern neuer medizinischer Therapien zu finden sind: „So ist es, und nicht anders!“.

Alles auf göttliche Eingebung zurückzuführen, mag nämlich nicht immer überzeugen, besonders, wenn Engel zu jemandem sprechen oder „die geistige Welt“ angezapft wird, was eine sehr individuelle Erfahrung ist und vom Umfeld weder verifiziert noch falsifiziert werden kann.

Wünschenswert wäre auch im Bereich der neuen Weltsicht von allen Vertretern, was wir als altmodisch-humanistisch erzogene und in der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts geformte Profis gelernt haben: Eine These, ein Konzept, eine Theorie zur Diskussion zu stellen, statt etwas als nicht zu hinterfragende Tatsache zu behaupten, als ein „a priori“ – eine gewisse „fragende Bescheidenheit“ wäre von Seiten vieler nicht selten selbst ernannter Gurus einer neuen Zeit angebracht.

Es war stets verlockend, Neues als Absolutes zu verkaufen. Aber Erkenntnisse, die Menschen nützen, helfen, wollen nicht «verkauft» werden, nicht auf dem Jahrmarkt der hochdotierten Referate gehoben werden … Jesus hatte wenig auf dem Konto, als er sich verabschiedete…

Die Erfahrung bei der Beschäftigung mit dieser Thematik zeigt: Auch hier sind es die Unauffälligen, die Zurückhaltenden, die sich nicht als Heilsbringer Darstellenden, bei denen wertvolle Antworten zu finden sind: „Folge denen, die die Wahrheit suchen und mißtraue denen, die sie gefunden haben!“

Konsequenzen für die aktuelle Medizin

„Medicus curat, natura sanat!“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt)– eine Besinnung auf diese wahrscheinlich auf Hippokrates zurückzuführende Einsicht drängt sich wohl als erstes auf, wenn wir Bilanz ziehen aus den bisherigen Überlegungen. So verstehen ihre Arbeit auch all die seriösen Medien, die Hilfesuchenden mit «Geistheilung» zu einem neuen Wohlbefinden verhelfen.

Das alles überragende Fazit aus all den neuen oder wiederentdeckten Erkenntnissen und Weisheiten lautet für die orthodoxe Medizin: Die Zeiten, in denen wir nur noch fremdbestimmt körperliche Symptome kurieren lassen, ohne deren in den Tiefen unserer
Persönlichkeit, unserer Seele, unseres inkarnierten Ichs schlummernden Ursachen nachzuspüren, werden bald der Vergangenheit angehören!

Es darf zurecht von einem einzigartigen Paradigmenwechsel gesprochen werden, von unumkehrbaren Prozessen, die die momentan noch das Gesundheitswesen dominierende Medizin zunächst ergänzen, letztlich aber nahezu völlig in die Nische der Notfall-Reparaturen verweisen dürfte.

In den 1980er Jahren interviewte ich in der Schweiz den Physiker, promovierten Mediziner und Naturheilarzt Jürg Reinhard und lernte in den Folgejahren seine großartigen Bücher kennen und schätzen. Im Inhaltsverzeichnis seines Buches «Heilung aus dem Kosmos»[8]) findet sich zum Beispiel die Kapitelüberschrift «Wie Sternenkräfte in den Menschen gelangen». Alleine dieses Thema würde in einem erneuerten Medizinstudium zwei, drei Semester benötigen!

In Dr. Reinhards Standardwerk «Unerhörtes aus der Medizin» [9]) findet sich die Kapitelüberschrift «Um die Krankheit an der Wurzel zu fassen, müßte der kranke soziale Organismus kuriert werden» – hier liegt die doppelte Herausforderung für eine zeitgemäße Medizin.

Denn da es, um mit Adorno zu sprechen, „kein richtiges Leben im falschen“ [10]) gibt, fällt es uns allen immer schwerer, in einer entsinnlichten, virtuellen, vom Zwang der Ökonomie geprägten Leben seelisch gesund zu bleiben.

Und da der Leib als Instrument der Seele wie ein Seismograph alle Erschütterungen in unseren Befindlichkeiten aufzeigt, wird die Medizin von morgen und übermorgen körperliche Symptome zum Anlaß nehmen, um u.a. zum Beispiel über die Aura, über den Astralleib, Zugang zur wahren Diagnose dessen zu finden, was wirklich krank ist an und / oder um uns herum.

Wir suchen (und werden finden!) „das Glück einer höheren, im Geist verankerten Gesundheit“ [11]), soviel steht wohl, bei all den wachsenden Bemühungen um ein Leben in einem bitteschön endlich mal richtigen Leben, außer Zweifel.

Mutige Wegbereiter zu einem mit sich selbst und dem Universum versöhnten Menschen haben längst erkannt, was Dieter Duhm, der Universalgebildete, so auf den Punkt brachte:

„Der Kern des Menschen ist metaphysischer, übersinnlicher, transzendentaler Natur. (.) Die These vom metaphysischen Zentrum des Menschen ist keine religiöse, sondern eine wissenschaftliche Aussage.“ [12]).

Gott reicht uns in diesen Jahren sozusagen die Hand: Gestern und heute bei Fortschritten in der Arbeit mit der Materie, wie wir sie bis anhin deuteten, was als Grundlage zum Beispiel für die moderne Technik als belastbar erwies.

Nun wird uns die Hand gereicht für eine erweitere Sicht auf Materie, wie sie sich geradezu in einem Erkenntnisquantensprung offenbart – was für ein Geschenk!

Meine Zwischenbilanz

„Es ist nicht Sache der Lebenden, sich über die Ärzte zu beklagen“, schrieb Honoré de Balzac in «Pierre Goriot», mit der von ihm gewohnten Ironie.

Anstatt uns erst nach unserem Hinschied über unsere Ärzte zu beklagen, sollten wir sofort mit ihnen zusammen den mühsamen Weg des Analysierens, des kritischen und gegebenenfalls auch sich selbst und die angewandten Methoden Hinterfragens und des Förderns einer kopernikanischen Wende in der Medizin gehen, weg von der Fokussierung auf den sichtbaren Körper, hin zu dem, was diesen physischen Körper eigentlich prägt.

Die individuelle Gesunderhaltung und / oder Gesundung mag durch Yoga und andere Praktiken vorangetrieben werden – solange sich jedoch unsere Gesellschaft in ihren Grundstrukturen nicht ändert, solange Menschen vor allem in der Arbeitswelt gedemütigt, aus­gebeutet, gestreßt werden, solange nicht bereits in der Kindheit eine sich selbst liebende und akzeptierende, innere Harmonie gefördert wird, kann der gesamte Volksköper nicht gesunden.

Somit ist die medizinische Revolution auch und vor allem eine politisch-ökonomische.

Was Wilhelm Reich, dem Entdecker der universellen Energie, die er «Orgonenergie» [13]) nannte, angetan wurde, darf sich nicht wiederholen: Entdeckungen, die dazu führen können, daß Menschen mit geringstem Aufwand medizinische Hilfe zugute kommt, die nicht von medizinischen Monopolisten für teures Geld verkauft wird, sondern mit einfachsten Mitteln zugänglich ist, wie z.B. Aurachirurgie, Geistheilung und Nutzung der «Orgonenergie», gehören in liebevolle Hände statt in ökonomische Mega-Strukturen.

Wilhelm Reich: „Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ [14])

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[1] Il ne s’agit pas de condamner l’autre de l’erreur, mais de le rencontrer dans une vérité supérieure

 

[2] Carl Ludwig Schleich, in: Besonnte Vergangenheit. Rowohlt 1920, S. 252

[3]) Ernst Cassirer, Zur Einsteinschen Relativitätstheorie. Band 10 Gesammelte Werke Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt S. 96

[4]) Artur I. Miller, 137 – C.G. Jung, Wolfgang Pauli und die Suche nach der kosmischen Zahl. DVA 2011

[5]) Dieter Broers, Vorwort zu «Das Ego im Dienste des Herzens – ein neues Eden« Dieter Broers Verlag Ldt. 2016

[6]) Gerhard Klügl / Tom Fritze, Quantenland. Akana 2012

[7]) Rudolf Steiner, in: Krankheit und Heilung. Rudolf Steiner Ausgaben e.K. 2014 S. 67 ff

[8]) Dr. Jürg Reinhard, Heilung aus dem Kosmos – vom Umgang mit Gestirnen, Geist und Geistern. Hallwag  1997

[9]) Jürg Reinhard und Adolf Baumann, Unerhörtes aus der Medizin – Gespräche eines Anthroposophen mit dem Physiker, Naturheilarzt und Bergführer Dr. Jürg Reinhard

[10]) Theodor W. Adorno, in: Minima Moralia

[11]) Kurt Weibel, im Nachwort zu Jürg Reinhard «Heilung aus dem Kosmos»

[12]) Dieter Duhm, in: Synthese der Wissenschaft. Der werdende Mensch. Kübler Verlag 1979 S. 93

[13]) s. Wilhelm Reich, Die Entdeckung des Orgons. Die Funktion des Orgasmus.
Kiepenheuer & Witsch 1969, im Original 1942 by Orgone Institute Press Inc.

[14]) Wilhelm Reich, a.a.O.

Willkommen…

…bei meinem Blog, der sich auch als Forum für einen öffentlichen Gedankenaustausch jenseits von FACEBOOK versteht.

Themenschwerpunkte werden die sein, die auch meine tägliche Arbeit prägen:

  • Die Stärkung der Stellung des Individuums in der Gesellschaft
  • Der Paradigmenwechsel in unserem Menschen- und Weltbild
  • Aspekte der modernen Medizin
  • Kritischer FaktencheckSchön, Sie hier begrüßten zu dürfen, noch schöner, Sie hier immer wieder zu treffen und einen Kommentar von Ihnen zu lesen – alle Kommentare werden von mir freigeschaltet (auch kritische, versteht sich!), sofern sie den Regeln des Anstands und des guten Tons entsprechen.In diesem Sinne grüßt
    Hugh Lorenz
    http://www.hugh-lorenz.com